Wie entsteht und welche Bedingungen muss eine Religion erfüllen, um sich zu verbreiten?

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Ich denke, dass eine Religion immer eine mündliche und/oder schriftliche Tradition haben muss, die weitergegeben wird. Es gehören
also Geschichten dazu, ob man die nun in Bücher schreibt, oder ob man
sie einfach am Lagerfeuer den Kindern und Enkeln erzählt.

Oft gehört auch der Gedanke an die Schöpfung dazu. Also wie sind die
Menschen entstanden, und wie die Erde und die Tiere und Pflanzen? Diese
Fragen haben sich Menschen auf der ganzen Welt gestellt, und sie haben
für sich auch Antworten gefunden. Diese wurden in Geschichten erzählt.

Die Menschen haben sich innerhalb dieser Geschichten auch mit der eigenen, konkreten Vergangenheit befasst (im AT stehen nicht nur Schöpfungsmythen drin, sondern auch konkrete geschichtliche Ereignisse rund um die Könige Israels). Die Hopi haben sich damit befasst, wie ihre Vorfahren mal (über das Wasser) an die Küste kamen, und sich von dort aus weiterbewegt haben (und auch Krisensituationen wurden geschildert).

Tiere spielen oft eine wichtige Rolle. In den Mythen der Hopi können sie sprechen, sogar solche Tiere (Spinnen, Ameisen), die in "unseren" üblichen Religionen gar keine Rolle spielen. Ameisen haben deshalb eine schlanke Taille, weil sie den Menschen (in einer Krisenzeit) mit Nahrung ausgeholfen hatten. Ein Spinnennetz ist "gewebte Weisheit" bei den Hopi. Die
Beobachtungsgabe auch für die kleinen Dinge in der Natur zeugt von einem
tiefen Verständnis von Zusammenhängen.

Nicht derjenige Mais, der die dicksten Kolben hat, war der am meisten geachtete, sondern diejenige Sorte, die auch in trockenen Bedingungen (Arizona) gedeiht. Nicht kurzfristiger Ertrag, sondern langfristige Stabilität war ein Ziel der Hopi, das spiegelt sich in ihren Geschichten.

Die Menschen Islands haben sich mit ihrer Umwelt
auseinandergesetzt, und das Wechselspiel von Feuer (Vulkane) und Eis
spiegelt sich in den Mythen wider. "Ginnungagap" - diese Spalte hat eine
konkrete geologische Entsprechung (die Plattentektonik zeigt quer durch
Island eine Verwerfung), "Muspellsheim" und "Niblheim" stehen für Feuer
und für Nebel (und Eis/Kälte/Wasser).

Auch diese Geschichten sind voll von Tieren. Nicht nur bedrohliche
(Nidhögg), sondern auch Eichhörnchen, eine Ziege (Heidrun, die als "nie
versiegende Met-Quelle" beschrieben wird (kná-at sú veig vanask)), ein
Hirsch. Adler, Wölfe. Lange Listen an Pferden, die allesamt Namen
tragen. Hähne (die natürlich krähen, einer davon zu "Ragnarök").

Die Sonne wird (in einem Wagen) von 2 Pferden gezogen, von Alsvidr und
Árvakr ("Allgeschwind" und "Frühwach"). Die Pferde laufen aber nicht
ohne Grund, denn der Wolf Skalli (eigentlich "Skoll") verfolgt sie (mit
seinem Bruder "Hate"). So gab es eine Erklärung für den Lauf der Sonne.

Im Grunde sind beide (für uns "exotischen") Religionen gar nicht mal primär irgendwelche "Systeme", sondern sie fußen auf Geschichten.
Und die Faszination geht (für mich) nicht von der Religion aus, sondern
von den Details der Geschichten. Zudem ist die ältere Edda in Versen geschrieben, es ist also eher ein Lied (eher vergleichbar mit den Psalmen des AT). Die Sprache "klingt" (so unterbricht auch Tolkien im "Lord of the Rings"
oft, um einen Protagonisten ein Lied singen zu lassen), und erweckt die
Dinge aus der Vergangenheit zum Leben.

Ebenso war (meiner Ansicht nach) der Schreiber des Buches "Hiob"
ein Mensch mit hohem epischen und poetischen Talent (wer hat die
Hirschkuh heraufgeführt...?), ebenso wie "Johannes" (Johannesevangelium)
(ganz anderer Stil, aber auch ein Sprachtalent). Dagegen war Paulus
zwar kein großer Stilist, dafür aber jemand, der authentisch und spontan
schrieb, er rang mit sich selbst, und entwickelte Gedanken beim
Schreiben (kann denn das Gesetz Sünde sein? das sei ferne...)

Die epischen und poetischen Anteile dieser Geschichten haben die Menschen
fasziniert, denke ich. Natürlich gab es auch "Anweisungen" oder
Empfehlungen darunter (allerdings im AT deutlich mehr als in den beiden
anderen Mythen). Die ältere Edda ist noch ganz frei von "Anweisungen"
oder gar Geboten, erst in der jüngeren Edda gibt es Ratschläge (dass man z.B. nicht zu viel Alkohol trinken solle).

Die Hopi hatten natürlich auch bestimmte Rituale und Vorschriften, aber diese Dinge sind eingebettet in die Geschichte der Schöpfung, wie sie erzählt wird. Die Achtung vor der Natur wird nicht "diktiert", sondern sie ergibt sich von alleine, wenn man die Geschichten liest. Man versetzt sich in die Lage (in die karge, trockene Landschaft Arizonas), und man versteht die Rolle, die die Sonne, der Regen und der Mais spielt.

Die namenhaften Religionen haben aufeinander Bezug genommen und sich über viele Jahrhunderte von einander abhängig entwickelt.

Das Judentum, als erste große monotheistische "Schriftreligion" war eine Art religiöse Revolution. Jesus (als die historische Person), wollte lediglich das Judentum reformieren, keine neue Religion gründen. Grund dafür war unterndem, dass Gott in Tora und im Alten Testament als ein sehr... jähzorniger Gott dargestellt wird, der auf gefühlt jeder 2. Seite des AT ein Dorf mit Feuerbällen vernichtet, weil die Menschen sündig lebten. 

Jesus predigte von einem barmherzigen Gott, der jede Sünde vergibt wenn man sich nur kräftig genug entschuldigt... den Menschen der damaligen Zeit, deren Leben auch ohne Garantie auf die ewige Verdammnis  hart genug war, kam dieses neue Gottesbild nur sehr entgegen.

Zur der Zeit wurden Christen noch verfolgt. Erst ca. 300 n. Chr. hat - grob gesagt - Konstantin I. beim 1. Konzil von Nicäa das Christentum zu einer Art Staatsreligion erklärt. Der Hintergedanke dabei war sicherlich auch, das riesige Weltreich das die Römer erobert hatten, mit den vielen verschiedenen Kulturen und Lebensweisen, wenigstens im Glauben zu einigen um Aufstände und Rebellionen zu minimieren - also als gemeinsame Identifikation.

Da das Christentum aber schon immer sehr stark auf Missionierung aus war und schlussendlich mit den Römern als Kriegsmacht auch mit dem Schwert in andere Länder getragen wurde, hat es sich sehr schnell ausgebreitet.

600 n. Chr. ist dann der Islam im arabischen Raum entstanden. Vielleicht auch einfach aus einer Gegenbewegung zum Christentum oder aus Ablehnung der römischen Vorherrschaft.

Soviel zu den ganz groben Zusammenhängen der 3 großen Weltreligionen. Damit die Religion erfolgreich ist, muss sie zur Kultur der jeweiligen Bevölkerung passen (Budhismus, Hindusimus) und den Menschen etwas bieten, das sie in ihrem Leben evtl. Vermissen: emotionalen Halt, Antworten auf essentielle Fragen usw. Damit die Religion anerkannt wird, muss sie eben genügen Anhänger haben.

Hast du vor deine eigene Religion zu gründen? ;)

Eine gute Antwort. Auch wenn es sicher noch einiges mehr dazu zu sagen gibt.

Wieso fragst Du, suchst Du nach Führung ?

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