Wie entsteht rechtsradikales Gedankengut?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

In unserer Gesellschaft entstammt das sog. "rechte Gedankengut" einer eher konservativ eingestellten Grundhaltung. Konservativ gilt dabei als primär auf die Tradition bauend, d.h. all jene Werthaltungen und Lebensprinzipien für gültig und stimmig erachten, die sich in der Geschichte einer menschlichen Gemeinschaft bewährt haben. Da auch die Evolution sich primär konservativ-bewahrend verhält, sollte man sich hüten vorschnell das Traditionelle als das Überholte, das Nicht-mehr-Gültige oder als das Obsolete anzusehen. Im Gegenteil ist viel Tradition erforderlich, um sich der Veränderung, der Wandlung mit Augenmaß gegenüber offen halten zu können. Und Wandlungsfähigkeit ist nun ebenfalls erforderlich, weil Anpassung an sich änderende Gegebenheiten ein unerlässlicher Faktor der Daseinssicherung ist.

Da wir nun aber immer wieder große Bemühungen bei sog. "Weltverbesserern" sehen, die gesellschaftlichen Bedingungen total zu ändern, um neue Ideologien experimentell zu etablieren, treten die Konservativen hierzu als Gegenkraft auf, die das Risiko eines völligen Wandels mit der realen Möglichkeit des totalen Scheiterns abwenden wollen.

Wenn nun - wie es sich in der momentanen politischen Lage wieder einmal abzeichnet - bestimmte politische Kräfte unsere Gesellschaft zu einer multikulturellen Gesellschaft komplett umbauen wollen, dann sehen primär konservativ orientierte Menschen hier ein solches Bedrohungspotential für ihre angestammte Kultur, dass sie meinen eben diese Werte gewaltsam verteidigen zu müssen. Da nun der sog. "Mainstream" der Meinungen zur Zeit die sog. "Weltoffenheit" mit einem multikulturellen Gesellschaftsumbau als Leitmotiv extrem bevorzugt, sehen die Traditionalisten hier keine andere Möglichkeit als durch radikale Parolen auf ihre Sorgen und Ängste aufmerksam machen zu müssen. Genau das wird dann von der Gegenseite wiederum kritisiert und als abzulehnendes Verhalten dargestellt. 

Da nun in der jüngsten deutschen Vergangenheit die extrem übertriebene konservativ-traditionelle Haltung ins Verderben geführt hat, wird von den multikulturellen Freunden des Gesellschaftswandels eben dieser Vergleich als allzu billige Diskreditierung genutzt. Man verunglimpft dann jegliches konservatives Gedankengut, anstatt sorgfältig zu prüfen, woran wir in unserer Gesellschaft fest halten sollten und wo wir uns der Wandlung und Veränderung gegenüber öffnen können.

Bilanz: Radikal wird eine Gruppierung immer dann, wenn sie massiv angeklagt, verunglimpft und als abartig, unmoralisch und vor allem als dumm bezeichnet wird. Das gilt gleichermaßen für den rechten konservativ denkenden wie für den linken auf totale Veränderung setzenden Menschen. Da wir im "Mainstream" unserer Zeit die linken Positionen stärker akzeptiert finden, beobachten wir momentan die radikalen Phänomene bevorzugt bei den Rechten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Durch Perspektivlosigkeit, persönlichen Frust & die Suche nach dem sprichwörtlichen Sündenbock, den man für die Probleme mit denen man sich herumquält verantwortlich machen kann, entstehen solche Gefühle.

Genau deswegen kam es in den frühen 90ern zu einem solchen Run in den neuen Bundesländern ------> die hohe Arbeitslosigkeit schaffte totalen Frust und große Unzufriedenheit, man fühlte sich verloren, weil man alles verloren hatte, konnte mit der neuen Freiheit nicht immer gut umgehen und bekam vom Westen suggeriert zweitklassig zu sein. Mancher fühlte sich daraufhin total minderwertig & hat sich bei rechten Gruppen verstanden und anerkannt gefühlt, ebenso fand man dann in den "Ausländern" das scheinbare Übel oder glaubte es gefunden zu haben...

Mit ähnlicher Masche tourten die Zeugen Jehovas in dieser Zeit durch die fünf neuen Bundesländer, das hat mir sogar einer berichtet der sich damals ihnen anschloss -----> nach der Wende fühlte er sich dort aufgehoben und verstanden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ein guter Nährboden ist meist soziale Unzufriedenheit und eigene Unfähigkeit, dies zu ändern.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ergoogel dir mal "Urfaschismus" von Umberto Ecco.

Da findest du eine Erklärung der Entstehung von rechts(eigentlich allgemeiner totalitaristischen)extremistischen Ideologien aus prämodernen Ideologieformen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wie alle Gedankengüter.....

Neid,Habgier,Unmut,....aber auch Freude,.... usw. Das kann man nicht pauschalisieren.

Wir Menschen suchen immer andere "Schuldige" ob nun positiv oder negativ.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich fang mal so an : "Rechtes Gedankengut" ist nicht besser oder schlechter als "Linkes Gedankengut". Wie "Radikal" ensteht, ist umstritten . Vielleicht durch grundsätzliche Gewaltbereitschaft? Das Problem ist halt auch ,dass rechts/nationalistisch - automatisch mit schlecht, gewaltverherrlichend assoziiert wird - wodurch sich rechts ausgerichtete Menschen leicht missverstanden/unterdrückt fühlen - was erst recht zu Radikalisierung beitragen kann(!) 

Radikal ist nie gut, ob links oder rechts. Aber "rechtes Gedankengut" ist nicht automatisch "Extrem" , "Radikal" oder gefährlich.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?