Wie entsteht das Deppenleerzeichen und was ist so schwer daran, Worte groß zu schreiben?

24 Antworten

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Das Deppenleerzeichen stammt einigen Analysen zufolge aus der vermehrten Nutzung von digitalen Kommunikationsmitteln.

Das kann man ganz leicht testen, indem man entsprechende Wörter unter Zuhilfenahme der Rechtschreibkorrektur eingibt, denn die macht häufig diese Fehler weil sie die Wörter nicht kennt.

Ursache des Ganzen ist, dass die meisten digitalen Programme in englischsprachigen Ländern entwickelt werden, und dort kennt man üblicherweise zusammengesetzte Wörter nicht so wie im Deutschen.

In der englischen Sprache ist das davon abgesehen keine Unart, denn die Kleinschreibung von Wörtern im Fließtext gehört dort zur ganz normalen Rechtschreibung.

Aber wer wird denn dann zur Programmierung der Autokorrekturen beauftragt, wenn dieser anscheinend nicht über die nötigen Kenntnisse der Sprache verfügt, für die die Autokorrektur entwickelt wird?

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@Kasagranda

Dieselben Programmierer, die einfach die Substantive durch einen Übersetzer hauen. Für einfache, allein stehende Substantive ist das ja auch kein Problem.

Aber bei

Donaudampfschifffahrtsgessellschaftskapitän

Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung


Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz


wird das halt schwierig

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@Kasagranda

Das Problem dürfte sein, daß der Algorithmus der Rechtschreibprüfungen meist in englischsprachigen Ländern entwickelt wird, und für andere Sprachversionen dann lediglich ein spezifisches Vokabular erstellt wird.

Die Anforderungen an die Strukturprüfungen berücksichtigen dann nur unzureichend Gegebenheiten anderer Sprachen, wie etwa die Bildung von Komposita im Deutschen.

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@ScharldeGohl

Ich denke auch, dass die Suchmachinen da den bedeutenden Anteil dran haben. Von SEO-Gesichtspunkten her wird man ja gezwungen, schlechtes Deutsch als Suchbegriff einzugeben, genug Andere machen es uns leider vor.

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die getrennte schreibweise von zusammengesetzten hauptwörtern kommt sicherlich im wesentlichen aus dem englischen, weil viele deutschsprachige im internet auch, oder sogar vorwiegend, englisch kommunizieren.

das plenken vor satzzeichen dürfte ebenfalls daher kommen.

ausserdem kann die getrennte schreibweise vorteile bei der internetsuche bringen. google ist eben immer noch auf englische schreibweise ausgerichtet, so dass unter umständen die teilwörter zusammengesetzt nicht gefunden werden, obwohl das relevant sein könnte.

extrem wird es bei pluralbildungen: schreibst du "alben" wird google dies nicht als plural von album erkennen. willst du nun, dass google deine texte listet wenn nach album gesucht wird, ist es von vorteil wenn du "albums" im plural benutzt. vergleichbares gibt es beim wort "editor". "editoren" erkennt die googlesuche nicht als plural des suchwortes "editor", "editors" sehr wohl.

und da kommen wir dann zum deppenapostroph über das du dich noch gar nicht aufgeregt hast. google benötigt die englische schreibweise, um das wort erkennen zu können. deshalb kann dieses deppenapostroph sinn machen.

entscheidend ist jedoch, dass alle diese dinge für das verständnis unwichtig sind, ebenso wie grosse buchstaben. eine hilfreiche rechtschreibreform könnte diese punkte ohne weiteres einbeziehen. es würde die schriftsprache leichter machen, ohne den inhalt zu belangen.

natürlich wirkt sich das internet auf sprache und rechtschreibung aus. irgendwann werden diese veränderungen dann als zulässige schreibweisen in die rechtschreibung aufgenommen, auch wenn sich sprachfetischisten darüber aufregen.

ich erinnere immer an das vor-internet-beispiel beim wort "fragen". wer weiss noch, dass die vergangenheit "frug" hiess und wir noch in der schule anschisse für "fragte" bekamen?

sprache lebt intensiver als es sprachfetischisten recht sein mag.

annokrat

vergessen: grosse buchstaben sind vollkommen überflüssig. wären sie nötig, könnten wir nicht sprechen, bzw. müssten bei der sprache auch zwischen gross und klein unterscheiden.


Was nützt es mir, bei Google nach „Albums“ zu suchen, wenn ich doch „Alben“ finden will. Google wird „Albums“ suchen, und keine Seiten finden, auf denen korrekterweise „Alben“ steht.

Die Rechtschreibreform gab es 1996, und ich bin froh über die Ergebnisse (Gott sei dank musste ich die Zeit davor nicht erleben). Eine erneute Reform, die die Großschreibung ignoriert, wäre katastrophal wie traurig zu gleich. Wissenschaftler, und das möchte ich hier sehr betonen, haben festgestellt, dass die Großschreibung von Substantiven ein flüssiges Lesen unterstützt – selbst bei Lesern, in dessen Muttersprache standardmäßig die Großschreibung dieser Wörter unüblich ist.

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@Kasagranda

die leute suchen nicht nach alben, sondern nach album, weil man üblicherweise nach dem singular sucht. deine alben werden also nicht für album gewertet, so dass google deine seite im bezug auf eine album-suche schlechter bewertet.

du brauchst keine grossen buchstaben um flüssig zu lesen, ist einfach eine sache der gewöhnung. alles andere ist weltfremd und wider den gesunden menschenverstand. aber natürlich wirst du wissenschaftler finden, die was anderes raus finden. insbesondere solche, die von sprachwissenschaften leben und dank unsinniger kompliziertheit der sprache professorenjobs bekommen.

der druck auf die sprachwissenschaftler ist inzwischen gross geworden. die sprachen ändern sich ohne deren einfluss. sie hinken den entwicklungen nach und versuchen durch neue regeln der tatsächlichen entwicklung gerecht zu werden. wie lange hat es gedauert bis im duden englische worteinflüsse akzeptiert wurden. worte wie firewall und downloaden sind heute bestandteil der deutschen sprache und stehen im duden, wenn auch gelegentlich in falscher form wie z.b. bei firewall, die im duden männlich ist, jedoch schon seit den 70ern weiblich gebraucht wird.

es heisst die firewall, weil es auch die brandmauer heisst. und nicht der firewall, weil feuerwall eine falsche übersetzung wäre und nicht dem wortsinn gerecht würde.

annokrat

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@annokrat

Wozu soll ich dann ein s am Singular anhängen, wenn ich doch auch nach dem einfachen Singular suchen will? Das Prinzip ist mit meinem Logikverständnis inkompatibel.

Ich brauche die Großbuchstaben nicht (wobei ich sie eventuell brauchen könnte, weil sie für mich mittlerweile ein fester Bestandteil meines Schriftverständnisses sind), aber sie helfen mir. Und das nicht nur deutschen Muttersprachlern, wie die Wissenschaft zeigt.

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@Kasagranda

ich bin froh über die Ergebnisse (Gott sei dank musste ich die Zeit davor nicht erleben).

Ich nicht, denn ich habe die Zeit vorher erlebt. Und ich weigere mich heute noch, Worte mit 3 s oder 3 f usw. zu schreiben. Es sieht idiotisch aus, und es ist idiotisch. Bin dazu übergegangen, sie mit Bindestrich zu teilen. Ich kann den Anblick sonst nicht ertragen.

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Fazit: Google ist einfach nur sche*ße wenn es um Rechtschreibung geht.

Genau wie die sche*ß Autozensur hier, die mich Sche*ße nicht direkt schreiben lässt.

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@densch92

Ich glaube, du kannst in der Google-Tastatur einstellen, dass etwas speziellere Worte nicht zensiert werden sollen, wenn du auf sowas wert legst.

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Nein - Großbuchstaben sind mitnichten überflüssig:

http://de.webfail.com/07181c2ca27

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@kiniro

wenn du den satz aussprichst, wirst du dir überlegen, dass du ihn eindeutig in deiner richtung formulierst oder entsprechend ergänzt. so ist es dann auch in der schrift. es geht nicht darum, dass du zweideutige bedeutungen formulieren kannst, sondern nur darum, dass du dich in jedem fall eindeutig ausdrücken kannst. und das gibt unsere schrift auch ohne grossbuchstaben her.

annokrat

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Hallo!

Ich kenne das Problem & war zuletzt heute etwas entsetzt: Selbst das Grußwort des Vorstandsvorsitzenden einer hiesigen Bank wies in seiner Reinschrift, die uns Pressevertretern heute ausgehändigt wurde, einige unmögliche Rechtschreib- und Kommafehler sowie Groß-/Klein-Fehler und das hier angeprangerte "Deppenleerzeichen" auf!

An Ursachen würde ich entweder schlicht Unwissenheit oder auch Bequemlichkeit nennen: Manche wissen es nicht besser, manche hingegen sind zu bequem, im Zeitalter moderner Medien und Rechtschreibprogramme sich Mühe zu geben & schlunzen daher (sorry!) einfach irgendeinen Kappes hin. 

Exzellente Antwort: Daumen hoch und danke!

Wobei ich mit Blick auf meine eigene Antwort zur selben Frage sowie mit Blick auf mehrere eigene Kommentare zu anderen Antworten den Aspekt zu bedenken gebe: "Inwieweit versuchen manche Menschen andere nur deshalb zu erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen?"

Inhalt & Form der hier gestellten Ausgangsfrage in Verbindung mit intensiver Einsicht in das Profil des Fragestellers führen zu mancherlei ergänzenden (und eigentlich noch wesentlich spannenderen) Fragen, die mich nach Veröffentlichung mehrerer Romane zu einem neuen belletristischen Werk inspirieren, worin der Fragesteller als Protagonist auftritt, der im Netz zu sehr von sich selbst eingenommen ist, als dass er im realen Leben bestehen könnte ;)

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@GegenAufwiegler

Sollte ich eine Hauptfigur eines literarischen Werks, und sei ich dort noch so verzerrt da„r“gestellt, möchte ich um einen Anteil an dem Erlös bitten.

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