Wie entstand Diskriminierung von Homosexuellen im Sport?

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5 Antworten

Hi,

deine Frage klingt so, als ob du eine Antwort erwartest nach dem Motto: Irgendwann setzte sich XY hin, dachte nach, und erfand die Homophobie im Sport.... So einfach ist das natürlich nicht, das ist viel komplexer.

Betrachte es so: Homosexualität gehört zwar zur Menschheit dazu, aber es wird unterschiedlich mit ihr umgegangen. Da prinzipiell nur ein sehr geringer Teil einer Bevölkerung homosexuell ist, sind Homosexuelle immer eine Minderheit, die nun mal ganz anders ticken, was den Sex angeht, als der Rest. Der Mensch hat nun mal die Tendenz, mit Angst und Ablehnung gegen alles zu reagieren, was ihm komisch und andersartig erscheint.

In jedem Kulturkreis, jeder Gesellschaft, jedem Milieu entwickeln sich ganz eigene Vorstellungen davon, was gut und erstrebenswert ist, und was abzulehnen ist. Z.B. die deutsche Gesellschaft hat eine klare Abneigung gegen Diskriminierung, deswegen wird Homosexualität nicht wie in Uganda oder Russland verfolgt, aber es gibt auch noch konservative Teile in Deutschland die sich dagegen sträuben, Homosexuelle komplett rechtlich gleichzustellen.

Genauso ist es auch in verschiedenen Milieus: Hochschulen, Gymnasien, Realschulen, die Feuerwehr, Sportvereine, Leistungssport, Vorstandsetagen - überall bilden sich kleine Milieus für sich, wo ganz eigene Vorstellungen davon herrschen, was wünschenswert und gut ist und was abzulehnen ist.

Der Sport ist einfach ein solches Milieu was unter ganz bestimmten Bedingungen steht: Er ist typisch männlich (was Fußball, etc. angeht), auch die meisten Fans sind nun mal Männer), der Sport steht im Rampenlicht (es gibt Fernsehübertragungen, Berichterstattung) und - es gibt den Sport in dieser Form schon sehr lange. Man überlege wie vor 50 Jahren mit Homosexualität umgegangen wurde. Ich denke, gerade im Sport hat da wenig Weiterentwicklung stattgefunden, weil der Fokus einfach auf der Leistung vor einem Publikum liegt, da hat man sich nie mit Homosexualität befasst bzw. hat es lieber geheimgehalten.

Deine Frage beantworten und den Finger darauf legen nach dem Motto "Daran liegts" kann ich nicht. Man kann sich aber überlegen, welche speziellen Bedingungen es im Milieu der Leistungssportler gibt, und was davon es begünstigt haben könnte, dass man sich in diesem Milieu eben noch auf dem Niveau von vor 40 Jahren ist, was den Umgang mit Homosexualität angeht.

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das ist pauschal fuer sport gar nicht zu beantworten. es gibt sportarten in denen schwule oder lesbische athleten "standard" sind, bzw. bekannt und verbreitet.

lesbische fussballspielerinnen werden schon beinahe als "normal" betrachtet. schwule fussballspieler dagegen sind immer noch eine "sensation" und werden in der presse breitgetreten (und so lange sie aktiv sind, ist es nach wie vor ein enormes risiko, offen schwul zu sein).

mit anderen worten, es haengt vom image der jeweiligen sportart ab, ob und wie stark diskriminiert wird. sportarten, die als besonders "maennlich" gelten, sind dabei staerker von schwulen diskriminierung betroffen als andere. wie slimatnight schon schreibt, ist diese diskriminierung nicht separat entstanden, sondern praegt sich dort nur staerker aus. schwule taenzer, schauspieler, friseure erfahren schon seit langer zeit eine gewisse akzeptanz, was dazu fuehrt, dass otto-normalhetero immer noch glaubt, dass schwule auch nur in solchen berufen zu finden sind.

aber natuerlich hat homophobie im sport auch immer was mit koerperlichkeit zu tun und dass mann/frau sich schon belaestigt fuehlt, wenn er/sie mit homosexuellen gemeinsam duschen muss. vielleicht faengt es tatsaechlich auch damit an.

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Durch die besonders im Mannschaftssport bestehende Homoerotik musste eine Abgrenzung zur Homosexualität erfolgen, denn Sexualität wird schon an sich als Tabu betrachtet.

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a) indem dort niemand hinschaute und sie wuchern konnte

b) in den übrigen Lebensbereichen wurde sie thematisiert und gemildert

c) im Sport regiert vornehmlich der Körper, mit körperlich orientierten Menschen, der Geist bleibt etwas auf der Strecke; ehemalige Fussballer, die Mediziner geworden sind, sind da eher die Ausnahme; oder brutaler formuliert: überdurchschnittliche Bildungsferne der Ausübenden (in den USA kann man sogar American Football an der Uni "studieren").

d) die Ausrichtung unter c) bringt auch die entsprechende Fan- und Passivsportler-Kultur: Ins ebenso ungehobelte Milieu gehören dann folgerichtig auch Schlägereien, Alkoholexzesse, Pyros, Randale, Ausgrenzung, Rassismus, etc.

e) in einem Umfeld von Körperkult und in der Massenanonymität kann man getrost mal etwas Strunzdummes ablassen, die anderen machen es ja auch, meist ohne Folgen

Fazit: Es ist nicht dort spezifisch "entstanden", sondern wurde lange Zeit ignoriert; die Negativselektion von beteiligten Personen wie unter c) und d) beschrieben schafft Magnete, wo sich Pöbel und pöbelndes Verhalten auf, neben und ausserhalb des Sportplatzes.

Bei Mannschaftssportarten mit nahem Publikumskontakt ist das Phänomen ausgeprägter als z.B. im Golf, dem Tennis oder bei der Formel 1. Im entsprechenden Fall würden Zuschauer weggewiesen oder es hört niemand etwas, weil es schlicht zu laut ist ;-)

So, mal auf die Schnelle ein paar Gedanken... ;-)

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Kommentar von slimatnight
06.03.2014, 02:17

"sammeln"... fehlte noch am Schluss des Fazits...

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Die entstand nicht, sondern war schon immer da.

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