Wie endete die Paulskirchenversammlung?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Mehr als eine Kurzfassung sprengt den Rahmen.

Die Ablehnung der Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. war für die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eine gewaltige Enttäuschung. Eine Mehrheit hoffte zunächst noch darauf, ihn umstimmen zu können. Am 22. April unterbreitete der Dreißiger-Ausschuß Vorschläge mit einer hoffnungsvollen Beurteilung. Die preußische Regierung lehnte aber die von der Nationalversammlung beschlossene Reichsverfassung eindeutig ab.

Im Verhalten der Abgeordneten zeigte sich in starkem Ausmaß Verworrenheit, Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit. Es gab Überlegungen, den Vorgang einem Ausschuß zuzuweisen, und Anträge auf Änderung der Verfassung (weil das Erbkaisertum nach der Ablehnung nicht umsetzbar war). Mit 276 gegen 151 Stimmen wurde aber ein unwandelbares Festhalten an Reichsverfassung und Wahlgesetz beschlossen.

Die Nationalversammlung begann eine Reichsverfassungskampagne (am 14. April hatten immerhin 28 deutsche Staaten die Reichsverfassung anerkannt, am 24. April folgte Württemberg auf Druck der öffentlichen Meinung und des Landtages). Ihr blieb nur der Appell an die Öffentlichkeit.

Am 4. Mai 1849 erging ein Aufruf an alle deutschen Parlamentarier, die Institutionen der Selbstverwaltung und das gesamte deutsche Volk, sich bei ihren Regierungen für die Annahme der Reichsverfassung einzusetzen. Als Eröffnungstag eines neu gebildeten Reichstages wurde der 22. August 1848 angegeben, die Wahlen dazu auf den 15. Juli angesetzt (hat nicht mehr stattgefunden).

Die Anzahl der Abgeordneten nahm in wenigen Wochen ab. Regierungen deutscher Staaten beriefen ihre Abgeordneten ab: Österreich am 5. April 1849, Preußen am 19. Mai, Sachsen und Hannover am 23. Mai und Baden am 12. Juni. Die Nationalversammlung setzte die Beschlußfähigkeit von 200 auf 150 Mitglieder herab.

Die Mehrheit der Liberalen in der Nationalversammlung lehnte Versuch ab, den Widerstand der die Verfassung Fürsten und ihrer Regierungen mit revolutionärer Gewalt zu brechen. Eine Spaltung in der Nationalversammlung wurde zunehmend deutlicher und vertiefte sich. Am 17. Mai wurde einem Kabinett der Rechten mit 191 gegen 22 Stimmen das Mißtrauen ausgesprochen. Eine knappe Mehrheit linker Angeordneter stimmte am 18. Mai dafür, den Reichsverweser Erzherzog Johann abzusetzen, um sich für eine neue Zentralgewalt (Exekutive) zu schaffen und den Kampf für die Reichsverfassung fortzusetzen.

Am 20. Mai unterzeichneten 65 Abgeordnete eine Erklärung zu ihrem Austritt aus der Nationalversammlung (darunter der Kern der Casino-Fraktion, Liberale, die eine konstitutionelle Monarchie mit einer kleindeutschen Lösung und einem preußischen Erbkaisertum befürworteten). Mit dem Ausscheiden der Konservativen und eines Großteils der Liberalen hatte die Linke (Demokraten) eine klare Mehrheit.

Am 24. Mai wurde die Beschlußfähigkeit wurde auf 100 Mitglieder gesenkt.

Am 26. Mai wurde ein Aufruf an das Volk verabschiedet. Am 30. Mai beschlossen die verbliebenen Abgeordneten („Rumpfparlament“) nach Stuttgart auszuweichen, da in Frankfurt die Lage unsicher wurde (drohende Unterdrückung durch Militär).

Am 6. Juni kamen 104 Abgeordnete in Stuttgart zusammen. Wilhelm Loewe wurde Präsident der Nationalversammlung. Versuche, eine neue permanente (ständige) Reichszentralgewalt zu errichten, waren vergeblich. Weil die provisorische Zentralgewalt und der Reichsverweser das Rumpfparlament nicht anerkannten, wurden sie von ihm für abgesetzt erklärt und eine neue provisorische Reichsregentschaft (aus fünf Abgeordneten bestehend) ausgerufen. Gegen Staaten, deren Regierungen die Reichsverfassung nicht anerkannten, wurde zu Steuerverweigerung und militärischem Widerstand aufgerufen.

Am 17. Juni verbot die Regierung von Württemberg der Nationalversammlung weitere Zusammenkünfte und ihrer provisorischen Reichsregentschaft jede weitere Tätigkeit. Am 18 Juni wurde der Tagungsort, der Sitzungssaal im Fritzschen Reithaus, von Soldaten mit Äxten verwüstet. Ein Demonstrationszug der Abgeordneten wurde von Militär (württembergische Truppe) auseinandergetrieben (Soldaten versperrten den Weg und aus einer Seitenstraße sprengte Kavallerie mit gezogenen Säbeln heran).

Im Hotel Marquardt trafen sich 94 Abgeordnete. Am 19. Juni wurden alle nichtwürttembergischen Abgeordnete von der württembergischen Regierung ausgewiesen. Eine Sitzung in Karlsruhe (für den 25. Juni hatte es im gebliebenen harten Kern noch eine Einladung gegeben) fand nicht statt (die Niederlage der Revolution auch in Baden zeichnete sich schon ab).

In Büchern gibt es ausführliche Darstellungen, z. B.:

Günter Mick, Die Paulskirche : Streiten für Einigkeit und Recht und Freiheit. 2. Auflage. Frankfurt am Main : Kramer, 1997, 233 - 294

Wolfram Siemann, Die deutsche Revolution von 1848/49. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1985 (Edition Suhrkamp : 1266 = N.[eue F.[olge] Band 266; Neue Historische Bibliothek), S. 204 – 218

Frank Engehausen, Die Revolution von 1848/49. Paderborn ; Müchen ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2007( UTB : Geschichte ; 2893 Seminarbuch Geschichte), S. 220 - 231

Wolfgang J. Mommsen, 1848 : die ungewollte Revolution ; die revolutionären Bewegungen in Europa 1830 – 1849. Durchgesehene Ausgabe. Frankfurt am Main : Fischer Taschenbuch-Verlag, 2000 (Fischer ; 13899), S. 292 - 299

Ulrike Rottmann, Das Scheitern. In: 1848, Aufbruch zur Freiheit : eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums und der Schirn-Kunsthalle Frankfurt zum 150jährigen Jubiläum der Revolution von 1848/49, 18. Mai bis 18. September 1998 in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt. Herausgegeben von Lothar Gall. Berlin : Nicolai, 1998, S. 373 - 377

Es entstand im Prinzip eine zweite Biedermaierzeit. Gerade die Liberalen, aber eig. so ziemlich alle Bevölkerungsgruppen, waren enttäuscht, dass es nicht zur Gründung eines Nationalstaates gekommen war. Das Bürgertum wendete sich ebenfalls von der Politik ab und steckte nun seine ganze Energie in die Wirtschaft, waren doch zumindest hier bestimmte Rechte durchgesetzt worden. Richtig in Schwung kam der einigungsgedanke dann erst wieder mit der Gründung des Deutschen Reiches (1871).

Was möchtest Du wissen?