Wie empfinde ich Affektion?

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4 Antworten

Ich glaube, es geht bei deinem Problem um die Fähigkeit zu kognitiver und zu emotionaler (affektiver) Empathie. Die meisten Menschen verfügen über die Fähigkeit sowohl zu kognitiver wie auch zu emotionaler Empathie. Empathie ist Mitgefühl.

Ich versuche mal, beides an einem realen Beispiel zu erklären: Letztens sah ich an einer Straßenecke ein mir fremdes Mädchen, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Ich merkte sofort an der Körperhaltung und am Gesichtsausdruck, dass es traurig war. Dieses intuitive, spontane Erkennen der Traurigkeit nennt man kognitive Empathie.

Es macht mich nun selbst traurig, dieses Kind da so mutterseelenallein herumstehen zu sehen. Dass ich nun selbst die Gefühle eines anderen Menschen empfand, also im wörtlichen Sinne "mitfühlend" war, nennt man emotionale oder affektive Empathie. Ich fragte das Mädchen, was denn los sei. Die Kleine erzählte, dass sie sich mit ihrer Freundin an dieser Straßenecke verabredet hätte, um mit ihr gemeinsam zum Kinderhort in die Nachmittagsbetreuung zu gehen. Die Freundin war aber nicht gekommen und sie hätte nun schon so lange gewartet. Ein vergleichsweise banales Problem, aber die Kleine fühlte sich nun mal verlassen und war entsprechend bekümmert. Ich versuchte sie zu trösten, sagte, dass ihre Freundin die Verabredung wohl nur vergessen hatte und bot ihr an, sie zum Kinderhort zu begleiten, so als Ersatzfreundin für einen Weg von 10 Minuten.

Nun gibt es Menschen, die kognitive Empathie empfinden (sie merken, was mit dem anderen Menschen los ist), aber ihnen fehlt die emotionale Empathie. Es löst also bei ihnen selbst nichts aus, sie bleiben distanziert.

Und es gibt Menschen, denen fehlt die kognitive Empathie. Die würden z. B. nicht merken, dass das Mädchen traurig ist und Hilfe braucht. Wenn man es ihnen aber sagt, dann sind sie wirklich mitfühlend und verhalten sich solidarisch. Autisten tendieren in diese Richtung. Das liegt daran, dass sie das Minenspiel in den Gesichtern und Körperhaltungen, die Stimmungen ausdrücken, oft nicht so gut entschlüsseln können. Man muss ihnen dann mit Worten mitteilen, was los ist. Aber dann sind ihre Gefühle nicht viel anders als bei anderen Menschen auch.

Es ist möglich, dass du zu diesem Menschentyp gehörst. Das müsste aber diagnostiziert werden. 

Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass du dir gemeinsam mit den Menschen deines Umfeldes angewöhnst, über emotionale Dinge zu reden. Dass ihr einander beispielsweise sagt, wenn jemand schlecht geschlafen hat und deshalb gereizt ist, oder wenn einer den anderen mag oder wenn jemand mutlos ist und ein bischen Zuspruch braucht.

Der andere Weg ist, das Erkennen von Stimmungen und Emotionen anderer regelrecht zu lernen, z. B. mit Hilfe von Fotos, Filmen. Autismus-Trainigszentren bieten das an.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas beim Einordnen deiner Besonderheiten helfen. Aber bespreche das bitte alles mit deinem Therapeuten.


Das werde ich, danke.

Wobei ich anmerken möchte, dass ich Mimiken relativ gut deuten kann. Ich meine, manchmal bringe ich Dinge durcheinander, oder ich missverstehe Nuancen (In etwa sehen müde und traurige Menschen für mich völlig gleich aus), aber ich arbeite daran, Mimik zu verstehen. Für Körpersprache fehlt mir meist die Aufmerksamkeit. Außer bei Kindern, die ihre Emotionen ja wirklich sehr offen zeigen.

 Allerdings kann ich nicht erkennen, ob jemand lächelt, weil er glücklich ist, oder ob er lächelt, damit ich ihn für glücklich halte.

Und umgekehrt bin ich manchmal unsicher, ob ich etwas fühle oder nur glaube, dass ich es in diesem Moment fühlen sollte.

Es ist schwer zu erklären, glaube ich.

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@Implord

Wenn du dir häufiger über deine eigenen Gefühle im Unklaren bist, dann solltest du dich im Rahmen der Diagnose auch auf Alexithymie untersuchen lassen. So etwas kann auch im Zusammenhang mit Autismus vorkommen.

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@Implord

Alexitymie heißt, dass man seine eigenen Gefühle nicht zuordnen kann. Man weiß nicht richtig, wie es einem selbst geht und was man fühlt.

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Lass dich nicht allzu sehr beeindrucken von einem 'Schlagwort' wie 'wirkliche Liebe', und was sie nicht alles auslösen würde an Gefühlen. Da wird viel hineingepackt an Sehnsucht und Fantasien. Davon lebt die Schlagerindustrie.

'Liebe', wie du sie hier ansprichst, ist schlicht eine gefühlsmäßige Beziehung und Bindung an einen Menschen. Dieser Mensch bedeutet mir etwas (im positiven Sinne). Dieser Mensch steht mir näher als die meisten anderen in meiner Umgebung. Ich bin (vielleicht nicht immer, aber doch grundsätzlich) gerne mit ihm zusammen. Mir ist sein Schicksal nicht egal. Ich bin - wie selbstverständlich bereit, ihm zu helfen, wenn Not ist oder er mich darum bittet. Wenn es diesem Menschen schlecht geht, 'berührt' mich das, es ist mir nicht gleichgültig.

Kannst du mit dieser Beschreibung etwas anfangen?

Mit einigen. Ich helfe eigentlich immer, wenn man mich um Hilfe bittet, egal wer, und auch wenn er in Not ist.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob mir jemand egal ist. Als mich mein Psychologe fragte, was ich etwa empfinden würde, wäre meine Familie plötzlich weg, konnte ich nur antworten, dass ich das wohl wissen würde, wenn sie plötzlich weg wären.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich Dinge empfinde, oder sie mir einrede, weil ich sie für richtig halte.

Mitleid, in etwa: Denke ich nur, ich müsse Mitleid haben, und rede es mir daher ein, oder empfinde ich wirklich etwas?

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@Implord

Freust du dich manchmal, wenn du jemanden siehst? So, dass dir ein Lächeln kommt?

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@Tamtamy

Naja, wenn mir langweilig ist und ich sehe jemanden, mit dem man Gespräche führen kann, freut mich das irgendwie schon.

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@Implord

Ja, da kennst du also schon etwas an Reaktion bei dir.
Ist's okay, wenn wir es dabei belassen, oder möchtest du noch etwas wissen?

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Zu lieben und geliebt zu werden fühlt sich sehr gut an, aber niemand kann wirklich beschreiben wie es sich anfühlt, es lässt sich bestenfalls jeweils ein wenig umschreiben. Liebe ist unerklärbar, schön, geheimnisvoll, enorm vielseitig... Kurz eben: unbeschreiblich! Liebe ist nicht nur ein gefühl, sondern viel umfassender, grösser. Höflichkeit und ob mich jemand mag, kann ich recht gut unterscheiden, muss dazu aber den menschen näher kennenlernen, ausserdem schliesst das eine das andere nicht aus. Zuneigung und wohlwollen zu haben, ist ein wichtiger schritt um ein liebevollerer mensch zu werden. So wie du dich beschreibst, dünkt es mich du bist weiter in der fähigkeit lieben zu können als viele "gesunde" menschen! Liebe grüsse! Patrickson

Woran würdest du das festmachen?

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@Implord

Ich mache es an meiner bald 60 jährigen lebenserfahrung und an der tatsache, dass ich selber zuversichtlich ein liebevollerer mensch am werden bin fest. 

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@Patrickson

Ich meine, an welchen Teil meiner Aussagen würdest du das festmachen?

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@Implord

Vertrauen und vertrauenswürdiges verhalten ist ein wesentlicher schritt hin zur liebe! 

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Das meiste was wir empfinden und fühlen ist von den Hormon gesteuert. Da kannst du kaum was machen. Geduldig sein, ist hier angesagt, bis sich hier was ändert.

Hauptsache man bleibt im Kopf einigermassen vernünftig und lebt ein anständiges Leben. Alles braucht seine Zeit. Auch die Verliebtheit ist Homon- gesteurt. Wenn das passiert, musst du dich nicht mehr dazu zwingen. Es kommt einfach über dich.

Meistens sind es die kleinen Dinge, welche uns stark beeinflussen können.


Verliebthet, ja, aber dat is ja nich das gleiche wie die generelle Liebe zur Familie

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@Implord

Doch, es gibt auch ein Zusammengehörigkeits- Gefühl, welches durch Hormone gesteuert ist.

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@jogibaer

Ich mag es, Teil einer Gruppe zu sein. Ich bin nur nicht sicher, ob ich Affektion zu den einzelnen Menschen empfinde.

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