WIE geht das in Musik mit den Vorzeichen?

1 Antwort

Hallo,

wenn Du eine Dur-Tonleiter bilden mußt, hast Du zwei Möglichkeiten:

Du lernst auswendig, welche Tonarten welche Vorzeichen haben (Quintenzirkel) - oder Du durchschaust das System, nach dem eine Tonleiter gebildet wird. Wenn Du das kapiert hast, kannst Du Tonleitern wie mixolydisch Des bilden, ohne das irgendwo nachschlagen zu müssen oder Dutzende von Tonleitern auswendig zu können.

Das Musiksystem, das in der westlichen Welt verwendet wird, besteht aus Ganzton- und Halbtonschritten. Der Ganztonschritt ist der Normalfall. Das ist der Tonabstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Noten.

Wenn Du mit der Note C beginnst, heißt die nächste Note D und ist einen Ganztonschritt höher als C. ebenso verhält es sich mit D und E. Nun aber kommt die Ausnahme: Von E nach F ist es immer ein Halbtonschritt. Am Klavier erkennst Du dies daran, daß sich zwischen der Taste E (weiß) und F (weiß) keine schwarze Taste befindet. Es gibt noch eine solche Lücke zwischen den schwarzen Tasten, wo zwei weiße Tasten ohne eine schwarze dazwischen vorhanden sind: Das ist bei den Tönen H und C der Fall. Auch hier haben wir es mit einem Halbtonschritt zu tun. Alle anderen weißen Tasten auf dem Klavier liegen einen Ganztonschritt auseinander. Zwischen ihnen befindet sich jeweils eine schwarze Taste.

Nun ist eine Dur-Tonleiter so aufgebaut, daß sich in ihr zwei Halbtonschritte befinden, nämlich zwischen dem 3. und 4. sowie zwischen dem 7. und 8. Ton.

Wenn Du so eine Tonleiter mit dem Ton C beginnst, ist die Sache einfach. Auf dem Klavier suchst Du die Taste, die den Ton C (bzw. irgendein C) anschlägt, ich glaube, ein Konzertflügel hat sieben davon zu bieten, dann spielst Du von dieser Taste ausgehend die nächsten sieben Tasten rechts davon an und fertig ist die C-Dur-Tonleiter. Das liegt daran, daß bei C-Dur die vier Töne, die jeweils einen Halbtonschritt auseinander liegen,genau dort sind, wo sie hingehören, nämlich auf Stufe 3 und 4 sowie 7 und 8:

C-D-{E-F}-G-A-{H-C}. Die beiden Halbtonschritte habe ich in Klammern gesetzt.

Jetzt möchtest Du aber auch einmal etwas anderes spielen als C-Dur. Du möchtest Deine Tonleiter vielleicht mit einem D beginnen:

D-{E-F}-G-A-{H-C}-D. Auch hier hast Du wieder Halbtonschritte zwischen E und F sowie zwischen H und C. Leider befinden sie sich an der falschen Stelle. E und F liegen auf den Stufen 2 und 3, H und C liegen auf 6 und 7. Das ist ein bißchen blöd, denn jetzt hast Du zwar eine Tonleiter - aber die kannst Du nun wirklich nicht mehr Dur nennen. Das ist eine Kirchentonart namens dorisch D.

Eine schöne altertümliche Tonart; aber Du hast DIch ja nun mal auf Dur versteift, willst aber partout nicht mit C, sondern mit D beginnen.

Jetzt mußt Du tricksen. Du hast die Möglichkeit, einen Ton um jeweils einen Halbtonschritt zu erhöhen oder erniedrigen. Wenn Du ihn erhöhst, schreibst Du ein Kreuzchen # vor diesen Ton, wenn DU ihn erniedrigst, schreibst Du ein kleines b davor. Außerdem bennenst Du den Ton um. Ein F mit einem # davor heißt Fis, ein G mit einem b davor heißt Ges. Wird ein Ton also um einen Halbton erhöht, fügt man seinem Namen ein -is an; eine Erniedrigung wird durch ein angehängtes -es kenntlich gemacht. Hierbei gibt es Ausnahmen: Der Halbton unter dem H heißt nicht Hes, sondern B, der unter dem E heißt nicht Ees, sondern einfach Es, der unter dem A nicht Aes, sondern As. Bei -is gibt es solche Besonderheiten nicht.

Mit diesem Werkzeug kannst Du nun anfangen zu basteln.

Aus D-E-{F-G}-A-H-{C-D} wollen wir eine D-Dur-Tonleiter machen.

Ich habe wieder dort die Klammern gesetzt, wo wir die Halbtonschritte brauchen und Fettschrift benutzt, wo wir im Moment Halbtonschritte haben.

Wir müssen es dahin bringen, daß sich die fettgedruckten Noten in den Klammern befinden.

Bei D und E ist noch alles klar. Hier wird ein Ganztonschritt gebraucht und es ist auch einer da. Paßt. E nach F: Ein Halbtonschritt, wo ein ganzer hingehört. Hier müssen wir etwas ändern. Wir könnten natürlich das E zu einem Es machen. Es und F liegen einen Ganztonschritt auseinander, das wäre ok. Dann haben wir aber einen Halbtonschritt zwischen D und Es - und da wollen wir keinen. Also: Das D bleibt, das E auch. Wir arbeiten uns immer von links nach rechts durch. Wenn wir nach dem E einen Ganztonschritt brauchen, müssen wir eben das F zu Fis erhöhen:

D-E-Fis. Das ist gut. Ganztonschritt von D nach E, Ganztonschritt von E nach Fis. So gehört es sich für die ersten drei Töne einer Durtonleiter. 

Nun brauchen wir einen Halbtonschritt - wir sind bei den Stufen 3 und 4 angelangt. Und siehe da: Von Fis nach G ist auch einer. Genau da, wo er hingehört. Durch die Erhöhung des F haben wir es uns erspart, auch am G etwas zu ändern. Weiter geht's: G-A. (Ganztonschritt, alles klar.) A-H (auch Ganztonschritt, da muß auch einer sein). H-C (Halbtonschritt, blöderweise brauchen wir einen ganzen). Jetzt wissen wir aber, wie es geht: Einfach aus dem C ein Cis gemacht, dann stimmt's wieder. Cis-D ist wieder ein Halbtonschritt und das ist gut so.

(Fortsetzung Tonleitern)

Jetzt ist unsere selbstgebastelte D-Dur-Tonleiter fertig:

D-E-{Fis-G}-A-H-{Cis-D}.

Jetzt stimmt alles, die Halbtonschritte sind genau da, wo sie hingehören.

Übrigens haben normale Tonleitern entweder gar keine Vorzeichen wie C-Dur, oder sie haben nur Kreuzchen in unterschiedlicher Anzahl oder nur b-chen. Gemischt tauchen sie nur in exotischen Fällen auf.

Laßt uns eine F-Dur-Tonleiter bauen.

Zunächst das Grundgerüst:

F-G-{A-H}-C-D-{E-F}.

Hier gibt es eigentlich nur Probleme mit dem H und dem C, die auf Stufe 4 und 5 anstatt auf 3 und 4 liegen. E und F dagen sind auf 7 und 8, wo sie gern unverändert bleiben können.

Wir müssen aber wie immer von vorn beginnen:

F-G-A (kann bleiben.

Jetzt kommt unser Problemfall: A-H. Stufe 3 und 4, wir brauchen einen Halbtonschritt. Diesmal kommen wir mit einer Erhöhung natürlich nicht weiter. Das A dürfen wir nicht verändern, weil sonst der Abstand zum vorhergehenden G nicht mehr stimmt. Bleibt das H, an dem wir etwas ändern müssen. Da es zu weit von A entfernt ist, müssen wir es erniedrigen: aus H wird B.

Damit stimmt alles. Jetzt sieht unsere Tonleiter so aus:

F-G-{A-B}-C-D-{E-F}.

Die Halbtonschritte sind an den richtigen Stellen. Jetzt klingt es nach astreinem Dur.

Wenn Du die Dur-Tonarten nach aufsteigender Kreuzchenzahl sortierst, siehst Du, daß die Tonart mit einem Kreuzchen mehr immer fünf Töne von der davor entfernt ist. Fängst Du bei C an, das überhaupt kein Kreuzchen braucht - auch kein b-chen - geht es weiter mit G (1 Kreuz), D (2), A (3), E (4), H (5), Fis (6). Merkspruch: Geh, Du Alter Esel, Heu Fressen.

Die b-Tonarten gehen von C aus immer vier Töne weiter:

C-F-B-Es-As-Des-Ges. Das ist die umgekehrte Reihenfolge wie bei den Kreuztonarten - nur mit den Halbtönen darunter.

Moll-Tonarten haben ihre Halbtonschritte zwischen den Stufen 2 und 3 und 5 und 6. Hier stimmen die natürlichen Halbtonschritte zwischen E und F, so wie H und C mit den von der Tonleiter geforderten überein, wenn Du mit A beginnst:

a-{h-c}-d-{e-f}-g-a braucht keine Vorzeichen. Man nennt a-Moll auch die Paralleltonart zu C-Dur, weil sie wie C-Dur auch keine Vorzeichen braucht. Dur- und Moll-Tonarten, die dieselben Vorzeichen haben, sind immer 1 1/2 Tonschritte auseinander.

Die Moll-Parallele zu D-Dur ist deshalb h-Moll. (Beide haben zwei Kreuzchen.) Zu F-Dur ist d-Moll parallel (jeweils ein b).

Auch die Kreuzchen liegen jeweils fünf Töne auseinander:

Es geht los mit dem Fis (das wird für G-Dur gebraucht), Cis (D-Dur hat Fis und Cis), Gis, Dis, Ais, Eis und His, die von Tonart zu Tonart jeweils dazukommen, und zwar in genau dieser Reihenfolge. Es gibt also keine Dur-Tonart, auch keine Moll- oder Kirchentonart, die nur ein Cis als Vorzeichen besitzt. Das Cis gibt es nicht ohne das Fis, das Eis nicht ohne Fis, Cis, Gis, Dis und Ais.

Bei den b-chen lautet die Reihenfolge B-Es-As-Des-Ges-Ces - auch hier tauchen wieder die 4- bzw. 5-Tonabstände auf.

Du siehst, wie logisch und geradezu mathematisch dieses System aufgebaut ist.

Versuche Dich doch auch einmal an irgendeiner Dur- oder Molltonleiter. Bei Moll werden die Noten übrigens mit kleinen Buchstaben geschrieben, bei Dur mit großen.

Herzliche Grüße,

Willy

0

Was möchtest Du wissen?