Wie definiert oder beschreibt man eine Willensregung?

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5 Antworten

Eine Willensregung ist eine auf eine Handlung zielende innerlich gefühlte Äußerung des Willens.

Es gibt einen Handlungsimpuls, der als Begehren, Sehnen, Wünschen, Absicht beschrieben werden kann. Als Willensregung allein ist er noch nicht in die Tat umgesetzt, nur darauf in einer Bewegung gerichtet (der Wille drängt dorthin). Weil das Verständnis des Willens nicht bei allen Menschen gleich ist, wird Darstellung nicht immer gleich sein (es gibt also kein einheitliches „man“).

Einige Hirnforscher (Reduktionisten und radikale Deterministen) werden Willensregungen als Gehirnaktivitäten beschreiben, wobei neuronale Prozesse das Wesentliche und die allein wirklichen Gründe sind, während Vorstellungen eines freien Willens eine als Begleiterscheinung auftretende Illusionen sind.

Einen zwingenden Beweis haben sie bisher nicht vorgelegt. Eine Deutung, bei der ein Bewußtsein mit Kontrollmöglichkeiten vorkommt und mentale (geistige) Vorgänge eine echte Bedeutung haben, ist durchaus möglich. Ein innerer Sinn eines Subjekts beobachtet den eigenen Willen und stellt das Auftreten von Zielsetzungen des Willens fest, die Kräfte als Beweggründe für ein äußeres Handeln sein können. Es gibt dabei Einflüsse, aber es äußert sich ein selbstbestimmter Wille und trifft eine Entscheidung.

Ein Spezialist für Buddhismus bin ich nicht. Die Lehre unterscheidet offenbar Gruppen von Daseinsfaktoren:

1) Gestalt oder Körperlichkeit (rupa)

2) Empfindung (vedana)

3) Wahrnehmung (samjna)

4) Willensregung (samskara) in Bezug auf die sechs Sinnesobjekte (fünf Sinnesorgane und ein Denksinn, der sich auf den Bewußseinsstrom richtet)

5) Bewusstsein (vijnana)

Willensregungen sind nach buddhistischer Auffassung geistige Gestaltungen. Sie folgen auf Wahrnehmungen und sind meistens mit einem bestimmten Gefühl verbunden. Es gibt gute, schlechte und neutrale Willensregungen (Kriterium, ist, ob sie heilsam sind oder nicht, also auf dem Weg der Erleuchtung förderlich oder abträglich). Alle Willensregungen, ob deutlich bewußt oder nicht, stark oder schwach, hinterlassen einen Eindruck im Unbewußten. Auch Wollen ist in gewissem Sinn ein Tun (sogar bei fehlender Auswirkung, wenn es zu keiner Handlung mit einem davon Betroffenen kommt) und hat eine Wirkung. Es wird Karma geschaffen, im Geist Energie gespeichert und damit sind Weichen für die Zukunft gestellt. Die willentlichen Bewußtseinszustände haben Grundmotive (Wurzeln) mit bestimmter Charakteristik, Funktion, Manifestation und unmittelbaren Gründen/Anlässen.

Nach der Abhidhamma/Abhidharma-Theorie gibt es 52 Grundmotive für Willensregungen (bei http://homepage.hispeed.ch/stress-los/stress/l10aamentalfaktorenbewusstsein.htm im Einzelnen unter der Überschrift „Die 52 Mental-Faktoren“ angegeben).

Danke fuer deine differenzierte Antwort. Sehr schoen, wie du die verschiedenene Facetten ansprichst (Hirnforschung, und jenseits der Hirnforschung, Buddhismus). Was du hier als Willensregung im Buddhismus antoenst, sindn die Kleshas: Anziehung, Ablehung, Neutral. Daraus entstehen Durst/Gier und Hass/Ekel, daraus wiederum entsteht schlechtes Karma...Ich wuerde das Gefuehl der Ablehnung und Anziehung aber nicht als Willensregung bezeichnen. Es ist eine sehr interessante Frage: meiner Meinung nach gibt es kein entsprechend ausgebautes Konzept des "freien " Willens, der aus einer Philosophietradition entstammt, die im Denken seine Grundlage hat. Der Buddhismus fundiert sich nicht auf Denken. Die meisten Stroemungen des Buddhismus betrachten Denken gar als Ausgangspunkt fuer Illusionen, fuer dualistische Konzeptionen und falsche Ichvorstellungen/Ichbildung. Im Buddhismus wird Nichtich, Nichtdualitaet etc angestrebt. Das Zentrum ist im Hara, nicht im Kopf, etc... Es gibt auch unterschiedliche Konzepte bei uns fuer den Willen, physiologisch und grob gesagt, den Willen, der im Bauch sitzt, und den Willen, der im Kopf ist. Das Konzept des Willens ist vor allem mit der Vorstellung von Freiheitsgraden verknuepft, und der Vorstellung von Individualitaet.

Hier waere es ausserordentlich spannend, weiterzusuchen.

Ich finde uebrigens auch die Idee von Hannah Arendt spannend: Willen anzusiedeln als Schiedsrichter zwischen Vernunft und Begehren. Ich finde dies eine interessante Arbeitshypothese, die allerdings sehr ungenau und unvollstaendig ist.

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Zu einer Willensregung kommt es immer dann, wenn eine persönliche Entscheidung fällt. Zum Beispiel bin ich mehrere Tage lang unentschieden gewesen, ob ich diese Frage beantworten soll, das heißt: will. Ja, Sollen und Wollen liegen ganz nahe beieinander, viel näher, als oft gedacht. Wer will, lässt nicht einfach der Natur ihren Lauf, begehrt nicht gedankenlos, nicht rein affektiv, sondern interveniert aus freien Stücken. Bei einer solchen - willentlichen - Intervention orientiert eine Person sich am zumindest vermeintlich Gesollten. Man kann es so ausdrücken: Keine Willensregung ohne Meinungsbildung, keine Willensregung ohne Reflexion. Ich habe nachgedacht und bin nun zu der Tat geschritten, die Frage zu beantworten. Ich hätte es auch lassen können. Auch eine Unterlassung ist etwas Gewolltes; denn das Unterlassen ist - ebenso wie das Tun - eine Handlungsmöglichkeit. Computer handeln nicht: sie tun nichts und sie unterlassen nichts. Sie können nur funktionieren oder nicht funktionieren, ohne jemals die Regung eines Willens zu zeigen - abgesehen von den Willensregungen, mit denen Computernutzer - also solche, die einen Computer einen "Personal Computer" sein lassen - den Funktionsmechanismus anregen. "Anregen" wohlgemerkt im physikalischen, nicht im psychologischen Sinn. Funktioniert der Computer dann nicht, wie der User will, kann eine Diagnose auf ganz unterschiedliche "Fehlerquellen" lauten, aber keinesfalls kann ein ernst zu nehmender Befund die Information enthalten, der Computer habe nicht gewollt - so oft uns derartige Personifizierungen im Scherz natürlich in den Sinn kommen. Ebenso soll ein Computer bloß im übertragenen Sinne funktionieren: im Sinne einer Zwecksetzung, nicht einer Handlungsnorm. Weil nur Personen eigentlich sollen, kommen sie um Willensregungen nicht herum. So weit und so lange sie zurechnungsfähig sind. Denn von Zeit und Zeit, gelegentlich sogar ein Leben lang, kann es ein menschliches Schicksal sein, wie ein "unschuldiges Tier" zu leben. Der Wesenszug der Unschuld ist unsereins vielleicht sogar selbst bei "klarstem Kopf" nicht abzusprechen. Denn letzten Endes gilt für Deines- und Meinesgleichen unter allen Umständen: "Sie wissen nicht, was sie tun." Letzten Endes regt sich nur ein einziger Wille: der göttliche.

(Geänderter Schluss)

Ja, wenn die Umstände nicht wären! So vermag letzten Endes nur ein einziger Wille sich zu regen: der umstandslos göttliche, unbeschreibliche.

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Kenne zwar das Wort nicht, aber ich denke doch, dass es um eine Geste die Zustiummung oder Ablehnung ausdrückt geht.

Jede Form der Motivation ist die egoistische Schaffung von Begierde (Willensregung), ihr Rohstoff ist die Freiheit und ihr Ergebnis ein versklavter Geist !

du hast den Buddhismus zu theoretisch aufgefasst. Der Buddhismus hat uns keine ontologische Konzepte ueberliefert. Das ist ein haeufiges Missverstaendnis. Es ist ein Bewusstseinsuebungsweg mit provisorischen Aussagen, die uns aus unseren festgefahrenen Vorstellungen loesen sollen. Es ist aber nicht der Sinn von diesen Lehrsaetzen, uns neue Vorstellungen zu geben ueber Sein und Nichtsein...

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mit dem wort : ja oder nein

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