Wie definiert ihr einen „freien Willen“?

14 Antworten

Ich glaube an ein Multiversum. Ein unendliches Meer meiner selbst in verschiedenen Ausführungen. Ich denke kleine Entscheidungen wie: Welches Shampoo kauf ich? Sind eher eine logische Konsequenz früherer grosser Entscheidungen. Es gibt aber Momente im Leben wo Entscheidungen ein komplettes Leben verändern. Im Moment befinde ich mich auf einem bestimmten Zeitstrang einer Realität. Gerade im Alter um die 20 kommt man an eine Weggabelung wo man einen bestimmten Weg einschlagen kann. Natürlich wirken sich vorangegangene Entscheidungen darauf aus. Aber sie müssen es nicht. Wenn ich mich heute dazu entschliesse statt ein Künstler ein Physiker zu werden wird das den Verlauf der Realität verändern. Nehmen wir an Albert Einstein hätte niemals seine berühmte Formel entdeckt. Würden wir sie dann überhaupt jemals besitzen. Vielleicht nur etwas später oder auch nie. Es geht um Gesetze von Energien die sich durchsetzen können oder auch nicht. Wäre Einstein nicht so besessen davon gewesen hätte vielleicht ein anderer sie entdeckt.

Ich glaube nicht daran das ein Mensch wirklich zu etwas bestimmt ist. Es gibt höchstens Gelegenheiten, die man ergreifen kann. Vielleicht wechseln wir mit unserem Geist auch einfach die Dimension ohne es zu merken, sobald wir eine Entscheidung getroffen haben. Ihr kennt das bestimmt wenn ihr in einem Moment der Ruhe mehrere Vorstellungen habt wie eine Situation ausgehen kann. Je nachdem was ihr tut oder sagt. Vielleicht ist man in diesem Moment synchron mit mehreren Realitäten und sobald man nach einer handelt geht man über in die "andere" Welt. Danach ist es sozusagen einfache Mathematik. Ich setze die Variablen, bestimme die Formel und das Ergebnis folgt.

Ich hoffe ihr versteht was ich meine. So stell ich mir freien Willen vor, ungefähr.

Ja ich mag Sience Fiction:D

"Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir vergessen dass wir nur Atome sind die den Regeln der Physik folgen und nicht übernatürliche Wesen die selbst Entscheidungen treffen können. Es gibt halt nur das Bewusstsein, dass unsere Gedanken wahrnimmt, aber es ist nicht selbst der Denker."

Wenn es ein beobachtenden Bewusstsein gibt, wer oder was entscheidet dann, worauf dieses Bewusstsein seine Aufmerksamkeit lenkt? Wer entscheidet z.B., ob mein Bewusstsein seine Aufmerksamkeit in genau diesem Moment z.B. auf die Empfindungen in meinem linken Fuß lenkt oder auf das, was ich mit den Ohren wahrnehmen kann....oder oder oder?

https://www.gutefrage.net/frage/was-ist-aufmerksamkeit-experiment

Ich habe manchmal den Eindruck, dass viele Menschen vergessen, dass wir viel mehr sind als Atome, die den Regeln der Physik folgen. ;-)

Also erstmal sehr spannende Frage. So wie du habe ich früher auch gedacht, es kann nicht sein, dass ich denke ich funktioniere ja nur und dazu gehören halt meine Gedanken dazu. Aber was ist wenn du dir dein Gehirn wie eine künstliche Intelligenz vorstellst die immer schlauer wird je länger sie lebt. Wir sind an sich auch nur künstlich Intelligenz halt aus Bio Komponenten. Dein Körper hat bei deiner Geburt einen Grundcode und wird auch nur diesen ausführen. Allerdings lernt es irgendwann was passieren muss, dass es einen anderen Ausgang gibt. Und so entsteht immer weiter ein Bewusstsein. Deine Intelligenz ist so groß geworden, dass du selbst weißt was passieren muss, dass du immer schlauer wirst. Um das alles zusammen zu fassen entsteht dein Bewusstsein und damit auch dein Ego. Das ist was du wirklich fühlst und wie ein Lenkrad für dein Auto bzw dein Gehirn das was auf biologisch und physikalischer Ebene abspielt. Also kann dein "Geist" sich sozusagen selber steuern und deswegen auch einen Willen besitzen. Das alles auf Willkür beruht kann ich mir persönlich nicht vorstellen da es zu viele variablen (natürlich gibt es an sich auch unendlich viele Möglichkeiten) gibt die von irgendwas gesteuert werden müssen. Hoffe ich konnte dir damit einen kleinen Denkanstoß geben.

Und dazu was ob man einen eigenen Willen hat: Nach deiner Definition (egal welche Umstände) nein. Wenn du meinst du kannst entscheiden was du heute vor hast dann ja wenn es nun mal verwirklichbar ist.

Du scheinst einer Theorie anzuhängen, von der ich schonmal irgendwo gelesen habe und die auch durchaus interessant klingt. Demzufolge könnte man, wenn man vom Urknall an sämtliche Vorgänge im Universum bis heute herunterrechnet, alle Dinge vorhersagen. Denn alles basiert auf logisch aufgebauten und unendlich langen Kausalketten, die man quasi nur irgendwie nachvollziehen können müsste.

Wie gesagt, der Gedanke ist spannend und reizvoll - aber meiner Meinung nach nicht zutreffend. Wie oft warst du im Leben schon in einer Zwickmühle? Musstest dich zwischen zwei Optionen entscheiden? Wie oft gingen Projekte, die du angepackt hast, ganz knapp zu deinen Gunsten oder Ungunsten aus? Wie viele objektiv betrachtete "Zufälle" hast du in deinem Leben bereits beobachten können?

Ich persönlich kann mir einfach nicht vorstellen, dass all das quasi von vornherein feststehen sollte. Deshalb glaube ich, dass es tatsächlich einen freien Willen und auch einen Zufall gibt.

Endgültig wissen bzw. "beweisen" werden wir es aber wohl niemals.

warum ist das für dich schwerer vorstellbar, als die Idee wir würden selbst entscheiden was passiert, obwohl wir das ja ganz offensichtlich nicht tun (kann man ja einfach testen)

die ganze Autonomie Idee kommt mir viel abwegiger vor. Man kann nicht seine eigene Quelle sein.. niemand gebährt sich selbst

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@caged

Ich sag es mal so: wir haben keine absolute Kontrolle über unseren Körper oder Geist. Insbesondere das Unterbewusstsein, das man normalerweise nicht aktiv wahrnimmt, spielt da eine große Rolle.

Aber wenn ein Gedankenimpuls, z.B. "Ich habe Durst." auftritt, kannst du dich immernoch entscheiden, ob du jetzt sofort etwas zu trinken holst, oder vorher noch eine Frage bei gutefrage.net beantwortest. Und genau das empfinde ich als den "freien Willen": die Tatsache, dass wir selbst entscheiden können, wie wir auf biochemische Prozesse und Impulse des Körpers reagieren wollen.

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@Indecisive

es kann uns allenfalls so vorkommen, wenn wir uns Mühe geben, so blind wie möglich zu sein. Aber all das ist ja Teil des Ablaufs: der Durst, die Abwägung, das Verschieben, die Beantwortung der Frage, dann das Nachholen des Trinkens. Was mach ich denn, um mich aktiv gegen jedes einzelne davon zu entscheiden, wenn ich mich lieber frei dagegen entscheiden würde? Wie verhindere ich den Impuls des Durstes bevor er aufkommt? Wenn ich das nicht kann, wieso sollte ich an irgendeinem anderen Punkt der Kette eingreifen können? Jeder Teil kommt ebenso spontan zustande wie der Durstimpuls. Jeder einzelne kleine Teil unseres Gedankengangs ist ein Dominostein in der Kettenreaktion unseres Daseins

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@caged

Letzten Endes kann man über derartige Fragen sowieso nur spekulieren. Ich bewerte es eben so, dass der bewusst wahrnehm- und ausübbare Einfluss des Menschen einem freien Willen gleichkommt.

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@caged

du hast die Wahl, ob du JETZT trinkst, IN 2 STUNDEN (womit man eventuell Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme in Kauf nimmt) oder auch GAR NICHT (längerfristig Selbstmord)

zudem hast du die Wahl, ob du Regenwasser aus dem Garten, Tee, Milch, Saft, Wodka oder sonstwas trinken willst

also das ist mit freiem Willen gemeint

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@DasPferdechen

du scheinst das ganze recht öberflächlich zu betrachten. Wenn man sich dem Handeln nicht rein willentlich vollends entziehen kann, ist alles davon im Grunde alternativlos. Natürlich ist es angenehmer, sich von der Idee überlisten zu lassen, das sei nicht so.

Meine Intention ist zb auch gerade nicht diesen Kommentar zu schreiben, trotzdem muss ich mir offenbar reinziehen, wie sowas angeblich passiert.

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@caged

was anderes ist mit freiem Willen aus meine Sicht aber überhaupt nicht gemeint

beim Trinken ist es natürlich so, dass ein Unterlassen tödliche Folgen hat und das ist bei den meisten anderen alltäglichen Problemen in der Regel nicht so

also weder das Ansehen, noch das Vermeiden von Pornos ist tödlich, weder die Zu- noch Absage einer freundschaftlichen Verabredung ist tödlich, weder die Entscheidung für oder gegen Parmesankäse auf den Nudeln ist tödlich usw.

natürlich haben wir einen freien Willen, andererseits können wir natürlich über grundlegende Dinge wie z.B. wer unsere Eltern sind, zu welcher Zeit und in welchem Land wir geboren wurden, nicht entscheiden und das prägt uns

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Ich persönlich kann mir einfach nicht vorstellen, dass all das quasi von vornherein feststehen sollte. Deshalb glaube ich, dass es tatsächlich einen freien Willen und auch einen Zufall gibt

Genau das ist der Grund, warum der Mensch seinen Willen nicht als unfrei akzeptieren möchte. Schöner hätte ich das gar nicht ausdrücken können.

Einen freien Willen anzunehmen ist nichts anderes als die Kapitulation vor der Unbegreifbarkeit des Universums, Herr Experte.

Einfaches Beispiel.
Ich sehe irgendwo einen Stein und frage mich: warum liegt der da?
Durch eine exakte Zurückverfolgung der Kausalkette könnte man schließen, dass er an dem und dem Tag dorhin geworfen wurden, bevor er dann und dann aus einem größeren Felsstück herausgeschwemmt und ans Ufer gespült wurde; zuvor rollte das Felsstück durch den Fluss und kam am Datum WX an den Koordinaten YZ zu liegen… das alles könnte man noch ewig weiterführen.

Wichtig ist: die Geschichte dieses Steins ist theoretisch, bis ins Detail nachvollziehbar, deduktiv und kausal. Nur kann ich, als Finder dieses Steins, dies alles nicht nachvollziehbar, weil ich nicht alle Zusammenhänge kennen kann, und sie im Fall dieses Steins auch nicht bis ins Letzte nachvollziehen werde können.

Unwissen ist keine Schande. Dem Menschen fehlt einfach der komplette Überblick der Kausalkette. Ein Geologe könnte vielleicht noch Rückschlüsse ziehen, aus welchem Erdteil der Stein kommt, oder ob er sogar aus dem All auf die Erde fiel.

Aber woher weiß er das? Aus detaillierteren Kenntnissen der Kausalkette. Die Empirie (und nichts anderes ist die Untersuchung der Kausalkette) legt ihm all diese Schlüsse nahe.

So langer Text — hier die Pointe:

Jetzt kommt der Verfechter des FREIEN WILLENS ins Spiel. Dieser denkt sich einfach nur: »Och, der Stein liegt da, weil er das so wollte.« Und lebt sein ignorantes Leben weiter.

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@aehwaatema

Ich weiß nicht, was du mit deiner offensichtlich sarkastischen Betitelung als "Experte" zum Ausdruck bringen möchtest. Du siehst ja, bei welchen Themen ich von anderen (!) als Experte angesehen werde. Ich habe mir solche Titel nicht selbst verliehen und brauche mich daher auch nicht für sie rechtfertigen.

Wie du schon selbst in deinem Text ausgedrückt hast (schöner hätte ich es übrigens nicht ausdrücken können): wir können nicht alle Zusammenhänge bis zum letztendlichen "Auslöser" zurückrechnen. Das heißt, wir diskutieren hier letztendlich über feuerspeiende Regenwürmer, fliegende Schweine oder fußballspielende Schneemänner.

Ich weiß, dass ich eine Entscheidungsfreiheit wahrnehme. Es ist somit zumindest (!) meine ganz subjektive Realität. Vielleicht könnte man theoretisch mit hinreichend weit zurückkalkulierten Kausalketten "vorhersagen", ob ich morgen um 16:12 Uhr ein Glas Apfelsaft trinken werde. Und? Wird das in der Realität jemals der Fall sein? Wird irgendjemand zu unseren Lebzeiten in der Lage sein, diese hypothetische Möglichkeit in der Praxis anzuwenden? Nein.

Somit steht das Thema auf einer Stufe mit dem "Hyperraumsprung" aus Star Wars, oder den berühmten Zeitreisen.

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@Indecisive

Das Thema ist tatsächlich nicht ganz so fern, wie du denkst.

Vielleicht könnte man theoretisch mit hinreichend weit zurückkalkulierten Kausalketten "vorhersagen", ob ich morgen um 16:12 Uhr ein Glas Apfelsaft trinken werde. Und? Wird das in der Realität jemals der Fall sein?

Dies ist tatsächlich der Fall. Google, Apple, Facebook arbeiten gerade daran, und auch (*ein paar chinesische Konzerne*) der chinesische Staat ist just dabei, genau auszurechnen, wann du gerne ein Glas Apfelsaft trinken wirst.

https://www1.wdr.de/fernsehen/die-story/sendungen/neuland-wer-hat-die-macht-im-internet-100.html

Das alles ist kaum mit einem freien Willen vereinbar.

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Von der Freiheit des Willens zu sprechen, ist irreführend. Die Freiheit des Menschen liegt darin, dass er die Beweggründe seines Handelns erkennen und dadurch auf seine Entscheidungen Einfluss nehmen kann.

Der Wille ist von sich aus eine Äußerung des Unterbewusstseins und damit unfrei. Aber es gibt die Freiheit der Gedanken, die sich der Mensch im selbständigen Denken aufgrund ethischer Einfühlung erschließen kann. Mit ihrer Hilfe kann er sein Handeln frei gestalten.

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