Wie damit umgehen, dass die eigene Mutter?

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Hallo Adalbertt,

das ist nicht einfach... um nicht zu sagen: richtig schwer. Kritik von Personen, die uns nahe stehen, verletzt uns weit mehr als Kritik von Fremden. Und gerade bei den eigenen Eltern möchten die meisten von uns ein gutes Verhältnis, wenn nicht sogar, dass die eigenen Eltern wenigstens ein bissi stolz auf einen sind.

Trotzdem gehört zum Erwachsenwerden auch die Erkenntnis, dass

  • die eigenen Eltern, so sehr wir sie lieben, nicht unfehlbar sind. Sie können sich - wie jeder von uns - irren und in diesen Irrtum verrannt haben.
  • irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man sein Leben nicht mehr nach den Wünschen der anderen ausrichten kann: Man muss für sich die Entscheidungen treffen, zu denen man steht, weil man sie gründlich durchdacht hat.

Was Du da durchmachst, ist zwar ein besonders heftiger Fall, aber das zugrunde liegende Problem ist ein normalerTeil des Erwachsenwerdens: Dass man, wenn man von einer Sache wirklich überzeugt ist und diese für einen wichtig ist, dazu steht, auch wenn das bedeutet, in diesem Punkt von den Vorstellungen der Eltern abzuweichen.

Natürlich ist so was leichter auszuhalten, wenn der Streit um Klamotten, die Frisur oder um die Wandfarbe der ersten eigenen Wohnung geht. Aber das grundlegende Problem ist, dass uns eine offen gezeigte Ablehnung der Eltern - besonders dann, wenn sie faktisch ungerecht ist - tief verletzt. Wir fühlen uns zurückgewiesen, nicht selten kommen sogar Schuldgefühle hoch.

Was tun?

Je nachdem, wie tief Deine Mutter in ihrem Irrtum verhaftet ist, wirst Du Dir klar machen müssen, dass Du sie nicht von den naturwissenschaftlichen Tatsachen überzeugen kannst. Vor diesem Problem stehen Familienangehörige bei vielen Themen heute: Wenn jemand aus der Familie auf die Heilsversprechen selbsternannter Wunderheiler reinfallen, statt zum Arzt zu gehen, wenn sich Familienmitglieder verbarrikadieren aus Angst vor Chemtrails... wo sich irrationales Gedankengut erst einmal breit macht, ist es schwer, diese Menschen auf der sachlichen Ebene zu erreichen.

Als zweiten Punkt solltest Du Dir klar machen, dass Deine Mutter kein Recht hat, Dir ihre Realitätsverweigerung aufzuzwingen. Du bist NICHT schuld. Sag' Dir das immer wieder. Es gibt keinen Grund, Dich schlecht zu fühlen.

Drittens: Mach' Dir klar, dass das Auslachen eine sogenannte "Immunisierungsstrategie" ist. Viele Anhänger irrationaler Glaubenssysteme reagieren mit überheblichem Auslachen auf rationale Argumente, die ihr Glaubenssystem erschüttern würden, wenn sie sich ernsthaft damit beschäftigen würden. Schau Dir mal spaßeshalber ein paar Diskussionen im Web zur Alternativmedizin an... da kommt von den Anhängern der irrationalen Methoden auch viel Häme. Psychologen erkennen hier eine Schutzfunktion unseres Unterbewusstseins:

Sebastian Hermann beschreibt das in "Starrköpfe überzeugen" in einem sehr schönen Vergleich. Unser Unterbewusstsein ist wie ein großer gutmütiger Elefant... auf dem ein sehr kleiner Reiter sitzt. Der Reiter ist unser Bewusstsein. Unser Elefant mag seinen Reiter und will nicht, dass der unglücklich ist. Wenn in einem Gespräch Äußerungen kommen, von denen der Elefant weiß, dass sie seinen Reiter unglücklich machen würden - und wenn wir merken, dass wir uns geirrt haben, macht uns das unglücklich - dann schützt der Elefant seinen Reiter vor diesen Bemerkungen, indem er umdreht und wegtrabt. Die Argumente treffen dann nicht mehr auf den kleinen rationalen Reiter, sondern auf das breite Hinterteil des Elefanten.

Wenn Deine Mutter Dich auslacht, redest Du nicht mit der rationalen Reiterin, sondern siehst nur noch den Hintern des Elefanten. Argumente sind an dieser Stelle zwecklos.

Die Strategie kann eigentlich nur sein:

  • sich die Situation klar machen
  • sich selber von negativen Gefühlen befreien
  • keine Schuldzuweisungen
  • wenn man überhaupt etwas sagt, dann keine umfangreichen Argumente. Die kommen nicht an.

Man kann eine emotionale "Ich-Botschaft" (wieder so ein Ausdruck aus der Psychologie) senden, indem man sehr knapp seine eigenen Gefühle verbalisiert. Etwa "Dass Du mich hier auslachst, verletzt mich."

Ansonsten raten Psychologen in solchen Situationen wenn überhaupt zu einer sehr knappen Argumentation nach dem 3-Punkte Schema:

1) Erster Satz: Nennung der Fakten

2) Zweiter Satz: Verständnis zeigen, emotionale Brücke bauen

3) Dritter Satz: Ein Argument - wirklich NUR eines

Und nicht mehr. Also etwa in der Art:

"Der Mensch gehört auch heute noch zu den Affen und Schimpansen und Bonobos sind unsere nächsten Verwandten. Ich kann verstehen, dass das nicht ganz einfach einzusehen ist, weil die Zeiträume evolutionärer Veränderungen sehr groß sind. Aber sowohl der Fossilienbefund als auch die genetische Ähnlichkeit belegt die Verwandtschaft sehr eindringlich. ... Und nun lass' uns das Thema wechseln, Dein Auslachen verletzt mich."

Grüße

Hey vielen Dank für die ausführliche Antwort, dafür bekommst du den Stern :)

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Wie damit umgehen,

Es einfach hinnehmen. Womöglich hatte deine Mutter nicht das Privileg, irgendwo etwas über die Evolution oder die Geschichte der Menschheit lernern zu dürfen. Und wenn man davon nicht viel weiß, kann diese an sich richige Behauptung dennoch sehr verstörend bis lächerlich wirken.

Sollte man nichts in Bezug daraufhin sagen?

Das wäre eine Möglichkeit.

Lass sie doch. Auf verschiedene Meinungen und unhöffliches Benehmen bzw. herabsetzen/Beleidigen statt sachlicher Diskussion wirst du noch öfters treffen. Ignorieren bringt am Meisten, du musst ja nicht gewinnen, sondern willst Wissen austauschen, diskutieren um schlauer zu werden. Wenn der andere nicht will, egal.

Warum argumentieren Gegner der Evolutionstheorie immer mit "wenn...dann gäbe es heute ja keine Affen mehr"?

Man muss ja nicht an die Evolutionstheorie glauben. Aber warum zum Kuckcuk beweisen so viele gleichzeitig, dass sie die Evolutionstheorie schlicht und einfach nicht verstanden haben?

Ich hatte auch schon viele Überzeugungen, die sich als falsch hinausstellten. Zum Beispiel meinte mein Pa zu mir als Kind, diese dunkelgrüne Masse auf seinem Tisch sei ein sehr spezieller Tabak. Mit Dreizehn erklärte ich dann sehr überzeugt von meinen Worten dem Polizisten, der bez. Drogenprävention zu uns in die Klasse kam, dass der angebliche Hasch auf seiner Powerpointfolie, in Wahrheit nur eine Tabaksorte sei.

Danach wusste ich es besser.

Wie aber können Millionen von Menschen ihr Leben lang ihr Ungläubnis zur Evolutionstheorie mit einer so offensichtlichen Falschheit an Informationen begründen, ohne das sie iregendwann mal Lernen, dass nie jemand gesagt hat, wir stammen vom Affen ab? Wir haben gemeinsame Vorfahren, und aus dem selben Ding können mehrere Dinge entstehen.

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