Wie bringe ich meine 4 jährige Nichte bei, dass ihre Mutter nicht mehr lebt?!

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10 Antworten

Liebe porsesh, mein herzliches Beileid zum Tod deiner Schwester...

Tod ist ein sehr schwieriges, abstraktes Thema, und für Kinder in diesem Alter im Grunde überhaupt nicht zu begreifen. Selbst für uns Erwachsene ja nicht... Ich würde mich auch nach professioneller Hilfe für deine Nichte umsehen, ein sehr wertvoller Tipp von Vanbea! Auch, wenn man es hundertmal erzählt, dass Mama jetzt im Himmel bei den Engeln ist, wird deine Nichte wahrscheinlich jeden Tag doch wieder fragen, wann denn Mama wieder nach Hause kommt... Und du darfst ruhig authentisch (ehrlich) sein und gemeinsam mit ihr darüber weinen, dass Mama heute auch nicht wieder gekommen ist, weil der liebe Gott (oder wer auch immer) sie ab jetzt dringender braucht...So kann sie von dir lernen, dass Trauer ein normales, zulässiges Gefühl ist, was nicht unterdrückt werden muss! Das ist sehr wichtig für sie.

Ich habe einen Kinderbuchtipp für dich: Nilsson / Tidholm, Adieu, Herr Muffin, erschienen im Beltz Verlag, kannst du in jeder Buchhandlung bestellen und es ist am nächsten Tag da. Es handelt von einem Kind, das ein Meerschweinchen hat. Eines Tages ist das Meerschweinchen alt und krank, man geht zum Tierarzt, dieser schüttelt nur den Kopf, schließlich ist das Meerschweinchen tot... Währenddessen denkt das Meerschweinchen Herr Muffin die ganze Zeit darüber nach, was in seinem Leben alles schon passiert ist und welche Freude er mit seiner Frau und seinen Kindern hatte... und dass er sich nun zu müde zu allem fühlt. Aus seiner Sicht ist sein Leben abgeschlossen. Das Kind ist sehr traurig, das Meerschweinchen wird feierlich beerdigt, alle seine Freunde sind gekommen... Das Buch ist ausgezeichnet worden als das beste Bilderbuch des Jahres in Schweden. Und die Katholische Nachrichtenagentur schrieb, "Kann man einfühlender und tröstender mit Kindernüber den Tod ins Gespräch kommen?" Keine Angst, der Inhalt ist überhaupt nicht religiös in irgendeine Richtung und daher für alle Religionen der Welt geeignet!

Von der psychologischen Seite her weiß ich, wie wichtig es ist, dass deine Nichte mit auf die Beerdigung gehen darf. Ich durfte das damals nicht, weil man damals dachte, dass man Kindern eine Beerdigung ersparen müsse. Mir hat stattdessen Zeit meines Lebens ein echter , endgültiger Abschied gefehlt... Sagte meine Therapeutin dazu.

Ich habe auch als Kind meine Mutter an den Krebs verloren, sie war genauso alt wie deine Schwester. Begriffen und überwunden habe ich es bis heute nicht. (Bin gerade wieder voll am Weinen).

Bitte denke auch du daran, evtl. für dich selbst professionelle Hilfe zu holen. Ich weiß, das es z.B. Hospizvereine gibt, die sterbende Menschen und ihre Angehören betreuen. Vielleicht können die dir weiterhelfen. Denn du brauchst sicherlich auch Kraft, um dich um deine Nichte zu kümmern...

Es tut mir so leid für euch.

Liebe Hopsfrosch, besten Dank für deine wertvolle Tipps und Erfahrungen, sie helfen mir auf jeden Fall weiter, ich werde darauf achten, das Buch werde ich meine Nichte besorgen und vorlesen, ich wünsche mir, dass du auch deine innere Ruhe und Ausgleich findest. 👝👝👝👝👝👝

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@porsesh

Vielen Dank! Au weia, jetzt musst du Arme auch noch mich trösten... Ich wünsche euch alles Gute. LG!

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Das ist wirklich schrecklich mein herzliches Beileid.

Sag bitte nie, dass die Mutter eingeschlafen ist und achte darauf, dass das auch niemand in der Gegenwart des Kindes tut. Die Kleine will sonst nicht mehr schlafen gehen. Zur Beerdigung würde ich die Kleine nicht mitnehmen, so einfach wie wir uns das lange Zeit versucht haben einzureden, dass Kinder das gut wegstecken ist es nicht. Meine heute erwachsenen Kinder sagen, dass sie die Beerdigung der Grossmutter schrecklich fanden und lange sehr Angst hatten. Gesprächsfetzen die Kinder von Trauergästen aufnehmen, können sie nachhaltig schwer verunsichern und ängstigen.

Sag der Kleinen bitte wie es ist: " Deine Mami war sehr sehr krank und ist deshalb gestorben." Die Kleine wird Fragen stellen und wenn sie überfordert ist, wird sie ausweichen und versuchen sich etwas anderem zuzuwenden. Darauf sollte man im Gespräch gut achten. Wichtig finde ich, dass man bei allen schrecklichen Tatsachen auch Trost anbieten kann. Die Mami ist im Himmel bei den Sternen, man kann der Mami immer nahe sein wenn man fest an sie denkt und man kann sie ganz doll lieb haben. Zum Friedhof würde ich mit der Kleinen alleine gehen. Hier kann man Blumen pflanzen und vielleicht auch Walderdbeeren, dann ist oft etwas Gutes da wo die Mama ist. Alles Gute für euch alle!

Der Vater meiner Kinder ist gestorben als die 1 & 3 waren. Er hatte ein Aneurysma und es ist Zuhause passiert, der 3jährige war dabei und es war ein furchtbarer Anblick. Später habe ich ihm erklärt, dass Papa gestorben ist und dass er jetzt bei den Sternen ist. Ganz weit oben. Er hat direkt verstanden, dass Papa nicht wiederkommen kann. Er hat nie danach gefragt. Er war bei der Beerdigung dabei, ich habe ihm aber nicht gesagt, dass im Sarg der Papa liegt, nur dass es eine Abschiedsfeier für Papa ist, wo sich alle verschieben. Er hat so 3 Wochen später angefangen nachts schreiend aufzuwachen und um sich zu schlagen, Termin beim Kinderpsychologen, fast 1 Jahr Wartezeit. Bis dahin habe ich es selbst hinbekommen, der Therapeut hat dann auch gesagt dass er keine Therapie braucht. Er ist noch lange nachts zu mir gekommen, selbst heute macht er das noch phasenweise, dass er nachts in mein Bett kommt. Der Psychologe meinte, er müsste sich versichern, dass es mir gut geht. Sonst ist er ein sehr fröhliches Kind. Gerade am Anfang habe ich Papa immer mit Einbezogen, beim Essen erzählt, dass Papa das auch gerne mochte usw. Die beiden erzählen auf Nachfrage auch anderen Kindern, dass Papa tot ist. Die Kinder gehen da freier mit um. Anfangs fing er urplötzlich an mit dem Thema. Mitten in der Bahn o.ä. "Mein Papa ist gestorben". Ich habe das immer so angenommen und auch wenn es vom Ort her unpassend war. Kurz nach dem Tod bin ich wohl mal auf dem Sofa eingeschlafen (auf dem sein Papa lag als er starb), da rannte er zu meiner Mutter (die zu Besuch war um mich zu unterstützen) "die Mami ist tot!" Meine Ma hat zum Glück sehr besonnen reagiert, ist mit ihm hin, hat ihn aufgefordert mir über die Wange zu streicheln und dann sah er, dass ich nur schlafe. Erzähle dem Kind bloß nicht, sie wäre eingeschlafen- das ist total beängstigend! Und sonst altersgerecht so ehrlich wie möglich. Sagt ihr auch wenn sie jetzt bei euch wohnt, damit sie keine Angst hat, was aus ihr wird, wo sie wohnt usw. Und nach Möglichkeit nicht aus ihrem Umfeld reißen, damit sie nicht noch mehr Bezugspersonen verliert. Alles Gute und mein Beileid für euch!

Liebe porsesh, ich habe mich noch mal mit meiner Freundin, einer Erziehrein, über das Thema unterhalten. Sie hatte auch noch einen Buchtipp für dich: "Abschied von Rune". Es ist ebenfalls ein schwedisches Kinderbuch. Es handelt von einem relativ jungen Kind, dessen bester Freund Rune stirbt und wie er es verarbeitet.

LG

Sag ihr, dass sie nun im Himmel ist und von da oben immer auf sie auf passt und auf sie guckt, egal was passiert ! Und dass es ihr da gut geht und bei ihren Eltern ist (falls die bereits tot sind) vielleicht kannst du ihr auch erklären, dass es ihr da oben jetzt besser geht und keine medizin mehr nehmen muss und spielen kann ohne, dass sie Schmerzenhat .. Mach es aus kindliche weiß, dass sie es versteht

frage beim jugendamt nach professioneller trauerbegleitung für kinder nach und hole dir dort unterstützung. ggf. auch beim kinderarzt um professionelle hilfe bitten und tipps.

bestimmt hat die kleine von der schwäche und der krankheit von der mutti einiges mitbekommen, kinder sind da sehr sensibel. daran kannst du anknüpfen. ist das kind gläubig erzogen? dann kann über die kirche ebenfalls unterstützung geholt werden bzw. im gespräch auch gott mit einbezogen werden. würde ich aber nur machen, wenn die fam. insgesamt kirchgänger sind.

Auf gar keinen Fall verschweigen! Das macht es nur noch schlimmer! Ich würde auf jeden Fall die Wahrheit sagen, auch wenn es vielleicht schwer fällt und man sich einredet, dass sie es nicht verstehen, aber das können sie sehr gut :-). Ich hab mich mal ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich hoffe ich konnte dir helfen :-)

Mama war sehr sehr krank. Sie kann nicht mehr hier sein, sie ist im Himmel. (je nach Glaubenzszugehörigkeit auch mehr religiöse Inhalte) Manchen hilft auch das gemeinsame Gehen auf den Friedhof, dass Mama noch immer da ist. Ein Ort wo Mama ganz nah ist und wo das Kind das neuste vom Kindergarten Mama erzählen kann.

Mein Beileid!

Wow, das ist natürlich wirklich schrecklich, so früh seine Mutter verlieren zu müssen. Aber ich denke, in so einem jungen Alter können Kinder damit noch nicht so viel anfangen (naja, meine kleine Schwester hat, als sie 5 war, auch nur interessiert gefragt, was denn jetzt, nachdem ihr Opa verstorben ist, mit ihm geschehen wird, war aber eigentlich gar nicht richtig traurig, obwohl sie ihn mochte) Wie das aber bei der Mutter, der Person, der man eben am nähsten steht, ist, weiß ich nicht. Aber ich denke, das schlechteste wäre sowas zu sagen, das in die Richtung "vielleicht kommt sie irgendwann wieder" geht. Du solltest ihr keine Hoffnungen machen, aber sie natürlich auch nicht mit dem Thema erschlagen... Boah, das ist echt eine heftige Frage, es tut mir Leid, wenn ich jetzt viel geschrieben hab, ohne wirklich etwas auszusagen, aber ich wollte einfach mal versuchen, zu helfen.

"Sie ist bei Gott im Himmel" (Das stell ich mir immernoch vor, und ich bin schon über 20. Aber es hilft)

"Sie ist gestorben, das heißt, man schläft ein und wacht nie wieder auf. Aber jetzt hat sie keine Schmerzen mehr."

Mein Beileid. Halt deine Schwester ganz fest in Erinnerung! Und kümmer dich um die Kleine.

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