Wie bewertet ihr die Person Paul von Hindenburg?

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6 Antworten

Hindenburg wird nur noch in äußerst rechten Kreisen verehrt, denen es an historischen Kenntnissen mangelt.

Einige Stichpunkte:

  • Als Militär im Ersten Weltkrieg war er wenig befähigt und hat Ludendorff machen lassen, der bedeutende organisatorische und strategische Fähigkeiten besaß und der eigentliche Sieger z. B. der Schlacht von Tannenberg war.
  • Hindenburg und Ludendorff haben sich in den Jahren ihrer Obersten Heeresleitung sowohl den Kaiser als auch die politische Führung des Reiches ihrem Willen unterworfen und für viele Fehlentscheidungen gesorgt, die letztlich zur vollkommenen Niederlage im Weltkrieg geführt haben.
  • Hindenburg hat an seinem angeblich so geliebten Kaiser Verrat begangen, weil er seinem "Obersten Kriegsherrn" die wahre militärische Lage viel zu lange verschwiegen hatte. Auf diese Weise kamen sowohl ernsthafte Friedensfühler als auch eine Parlamentarisierung der Monarchie zu spät. Zuletzt hat er den Kaiser noch zur Flucht nach Holland gedrängt und ihn sowie die Monarchie damit endgültig diskreditiert.
  • Hindenburg hat zusammen mit Ludendorff die sog. "Dolchstoßlegende" - besser: Dolchstoßlüge! - erfunden und damit die Politik der Weimarer Demokratie ernsthaft und mit letztlich fatalen Folgen belastet.
  • Hindenburg hat sich, obwohl er die Republik und die Demokratie ablehnte, als Reichspräsident in den Dienst der Weimarer Republik nehmen lassen. Er war eben nicht uneitel, ließ sich gerne als sog. "Sieger von Tannenberg" und Weltkriegshelden feiern und hatte Freude an der präsidialen Machtausübung und Repräsentation. Trotz aller Lippenbekenntnisse gegenüber seinem früheren Herrn, dem Kaiser, und Anhängern der Monarchie hat er nie ernsthafte Versuche unternommen, die Weimarer Republik monarchisch umzugestalten, denn dann hätte er auf seine Machtstellung verzichten müssen.
  • Gerne entschuldigt man Hindenburgs Ernennung Hitlers zum Reichskanzler mit seiner angeblichen Alterssenilität. Hindenburg war nicht senil, sondern wusste, was er tat. Ihm war zumindest klar, dass Hitler antidemokratisch war. Hitlers Bestrebungen, die demokratischen und Freiheitsrechte der Weimarer Verfassung auszuhebeln, hat er nichts entgegengesetzt, sondern unterstützt, die entsprechenden Gesetze hat er unterschrieben. Damit verstieß er gegen seine Amtspflichten und seinen Amtseid, die Reichsverfassung zu schützen!

Fazit: Hindenburg war ein eitler, egoistischer Mensch mit beschränkten Fähigkeiten, der als Militär ebenso wie als Reichspräsident versagt hat. Dass er die Errichtung der Hitlerdiktatur begünstigt und nicht verhindert hat, war sein schlimmster Fehler und ein Zeichen seiner Unfähigkeit. Über Hindenburg kann man kein positives Urteil fällen, und jede Form verherrlichender Erinnerung an ihn ist vollkommen verfehlt!

MfG

Arnold


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Kommentar von Tourist29354
22.02.2017, 22:02

Danke! Du hast Recht Hindenburg war alles andere als kaisertreu und ist Seiner Majestät schließlich in den Rücken gefallen.

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Selbst wenn ICH mit dem Begriff "Militärstratege" nichts anfangen kann, soll er in diesem Bereich ganz gut gewesen sein. Ich halte ihn für einen etwas "arg schlichten" Nationalisten, der es zwar gut meinte, damit aber großes Unheil anrichtete. Quasi ein "geistiger Bruder" Franz v. Papens.

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Zwiespältig. Hat als Oberbefehlshaber im Ersten Weltkrieg die Nerven behalten. Ab 1930 wurde er zum Steigbügelhalter Hitlers.

Insgesamt überwiegt sein Versagen nach 1930.

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Großer Mann (im wahrsten Sinne des Wortes), der viel geleistet hat und beim Volk (darf man den Ausdruck noch verwenden?) beliebt war.
Wurde auch dazu gedrängt, im hohen Alter nochmal Reichspräsident zu werden.

Geht es um die Ernennung des Österreichers zum Reichskanzler? 
Da tragen eher andere die Schuld. 

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Kommentar von Tourist29354
22.02.2017, 16:37

Was kannst du zur Ernennung von Hitler sagen?

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Ein General im ersten Weltkrieg. Sieger von Tannenberg. Macht ihn das nun groß? Nein. Er war ein Erzkonservativer, der letztlich mit der neuen Ordnung  nach dem Krieg nicht klar kam. War er ein Demokrat? Eher wohl notgedrungen als aus eigenem Willen.

Als er Hitler ernannte, war er vermutlich schon reichlich senil. Er hatte Hitler als "böhmischen GEfreiten" bezeichnet. Das ist für einen erzkonservativen General, der vermutlich nur den Adel gelten lließ, natürlich extrem abwertend gemeint. Und zeigt aber auch, dass er Hitler fälschlicherweise nicht ernst nahm.


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Kommentar von Tourist29354
22.02.2017, 18:55

Weder rechts noch links kamen mit der Ordnung zurecht. Aber das er bei Tannenberg gegen den Russen gewonnen hat ist doch eine Leistung

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Ein Nationalheld.
Er hat in Deutschlands schwersten Zeiten treu gedient und alles getan damit wir siegen.

Die spätere Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Alle dachten man könnte ihn kontrollieren (was sich bekanntlich nicht bewahrheitete). Ich glaube nicht dass er die Schuld daran trägt.

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Kommentar von abibremer
22.02.2017, 19:51

"Wir" siegen? Über wen oder was? ICH gehöre NICHT zu diesem "Wir"!!!!!

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Kommentar von Tourist29354
22.02.2017, 20:01

das wir gibt es nicht weil es vor 100 Jahren war! deine Vorfahren sind gemeint

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