Wie bewertet ihr den Bau immer weiterer Atomkraftwerke in der ganzen Welt?

Das Ergebnis basiert auf 61 Abstimmungen

Der weitere Ausbau ist wichtig 61%
Weitere Atomkraftwerke sind einfach nur dumm 33%
Auf Atomkraft können wir nicht gänzlich verzichten 7%

22 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Der weitere Ausbau ist wichtig

Ich bin ehemaliger Atomkraftgegner und inzwischen - nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Fakten - leidenschaftlicher Kernenergiebefürworter:

Klären wir zuerst einmal, warum wir uns trotz der positiven Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energien der "Atomfrage" stellen sollten:

Die Nutzung fossiler Brennstoffe nimmt global weiter von Jahr zu Jahr zu. Die Realität, dass der Atomausstieg den Erdgas- und Kohleeinstieg nach sich zieht, zeigt sich überall: Japan (neue Kohlekraftwerke), USA (neue Gaskraftwerke), Deutschland (neue Gaskraftwerke, Nordstream-II, Flüssiggasterminal für US-Frackinggas)...

Angesichts der Klimaproblematik ist die entscheidende Frage nicht ob erneuerbare "Energien ODER Kernenergie", sondern "warum nicht beides?"

Das Erfolgsmodell zur Dekarbonisierung kann man auf www.electricitymap.org sehr gut erkennen: Wasserkraft + Kernenergie, auch in Kombination. Wind- und Solarenergie: Bisher nicht ohne fossiles Backup.

Der Siegeszug der erneuerbaren Energien findet erkennbar bisher nicht statt.
Im aktuellen "Rekord - Solardachzubau" 2020 fügen wir den jährlich bisher 46,5 TWh Solarstrom gerade einmal knapp 0,8 TWh hinzu.
Zum Vergleich: Unsere letzten 6 Kernkraftwerke liefern noch 60 TWh pro Jahr, allerdings nur noch bis Ende 2022. Würden wir diese Strommenge gegen Strom aus Braunkohle eintauschen, könnten schlagartig zusätzlich zum geplanten Kohleausstieg 60% der Braunkohle abgeschaltet werden und unsere CO2 Emissionen um 10% gesenkt werden.

Die Produktion eines einzelnen Kernkraftwerks stellt eine äußerst ernstzunehmende Größenordnung dar (1 AKW = 2700 Durchschnittswindräder = ca. 1000 Windräder der größten aktuell verfügbaren Leistungsklasse = 120 km² Freiflächen Fotovoltaik)
54 Kernkraftwerke würden 100% des aktuellen Strombedarfs decken, maximal 200 Stück den künftigen Gesamtenergiebedarf inklusive Sektorkopplung.

Weitere Vorteile der Kernenergie:

-Winziger Flächen und Ressourcenbedarf
-Winziges Müllvolumen (Eine Getränkedose voll hochradioaktivem Atommüll pro Menschenleben bei 100% Kernenergie)
-Historischer Ausbaugeschwindigkeitsrekord (zugebaute Produktion pro Jahr und Einwohner) - ja, die angeblich so langsame Kernenergie wurde bisher international noch nicht geschlagen: Frankreich und Schweden belegen mit deutlichem Vorsprung die beiden ersten Plätze, erst auf Platz drei kommt Schottland (halb so schnell wie Schweden).
-Internationale Studien (z.B. des MIT) sehen das Kostenoptimum in einem erneuerbar - nuklearen Energiemix. Wind- und Solarenergie benötigen teure Stromspeicher von gigantischer Größe - 24/7 verfügbare Kernenergie verringert diesen Speicherbedarf http://energy.mit.edu/research/future-nuclear-energy-carbon-constrained-world/#:~:text=and%20Karen%20Dawson-,The%20Future%20of%20Nuclear%20Energy%20in%20a%20Carbon%2DConstrained%20World,involving%20energy%20and%20the%20environment.

Last but not least:

Das Kernargument (nämlich das Risiko) gegen die Kernenergie ist falsch:
https://ourworldindata.org/safest-sources-of-energy

Nach knapp 20.000 Reaktorbetriebsjahren sehen wir, dass - trotz aller tragischen Unfälle - Kernenergie zu den am wenigsten tödlichen Energiequellen zählt und in etwa gleich auf mit Wind- und Solarenergie liegt. NASA Forscher haben gar errechnet, dass Kernenergie durch Verhinderung von gesundheitsschädlichen Abgasen aus Kohlekraftwerken und Grubenunglücken global bereits ca. 2 Millionen Menschenleben gerettet hat.
Es drängt sich ein Vergleich mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln auf:
Wenn Kohle, Erdöl und Erdgas und Biomasse dem Autofahren entspricht, dann entspricht die Kernenergie dem Fliegen: Ein einzelner Flugzeugabsturz ist sicher dramatischer als ein einzelner Autounfall, doch in der Gesamtbilanz sterben durch Flugzeugabstürze ca. 100 mal weniger Menschen als durch Autounfälle.
Moderne Leitwasserreaktoren sind äußerst ausgereift und absolut nicht mehr vergleichbar mit dem technischen Stand vor 50 Jahren. Alle noch laufenden Reaktoren in Deutschland wurden z.B. mit Wasserstoffrekombinatoren (verhindert Knallgasexplosion wie in Fukushima) und gefilterter Druckentlastung (vermindert Freisetzung radioaktiver Stoffe bei Unfallabläufen wie bei Three-Miles-Island drastisch). Neue Reaktoren wie der EPR oder der WWER-1200 werden sind gar von vornherein auf eine vollständige Kernschmelze ausgelegt. Die Bilanz wird sich also in Zukunft eher verbessern als verschlechtern.

Einen habe ich noch:

Viele Atomkraftgegner sehen ein Hauptproblem in den langen Zeiträumen, für die Atommüll weggeschlossen werden muss. Diesen Leuten erkläre ich gerne, warum sie eigentlich - ohne es zu wissen - Kernenergiebefürworter sind:

1.) Wir haben bereits Atommüll, der laut eigener Aussage aufgrund der langen Zeiträume (200.000 Jahre bis das Strahlungsniveau von Natururan erreicht wurde) nicht entsorgt werden kann.
2.) Die einzige Möglichkeit, langlebige Stoffe, wie z.B. Plutonium in kurzlebige Spaltprodukte umzuwandeln ist, diese Stoffe mit Neutronen zu beschießen und dadurch zu spalten oder zu transmutieren
3.) Die einzige Möglichkeit, dies zu tun, sind Reaktoren mit schnellen Neutronen, z.B. Reaktoren der Generation IV
4.) Diese Reaktoren werden wir schneller haben, wenn wir uns mit der vorhandenen Kerntechnik anfreunden. Solange die Zeichen auf Atomausstieg stehen, ist die Motivation zur Entwicklung solcher Reaktoren zumindest ausbaufähig.
5.) Das Zeitproblem des Atommülls würde dadurch von 200.000 Jahren auf ca. 300 Jahre verkürzt werden. In Verbindung mit einer dadurch einhergehenden weiteren Volumenreduktion ist ein Endlager sehr wohl verantwortbar, vor allem wenn man bedenkt, dass wir bereits konventionellen Giftmüll endlagern, der buchstäblich bis ans Ende der Zeit problematisch bleiben wird und nicht "nur" 200.000 Jahre.

Ergänzend zu meinen Ausführungen empfehle ich die sehr sehenswerte Doku "Pandoras Promise", die mir vor wenigen Jahren die fehlenden Argumente für meine geistige 180-Grad Wende geliefert hat. (findet ihr auf Amazon Prime und auf YouTube)

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich kenne deine Videos bei YouTube zu dem Thema.

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Ein schöner Hit-and -Run eines AKW-Fanbois und seiner Anhänger aus Youtube.
1 Antwort in neun Monaten - genau wie einige andere hier, jeder einzelne natürlich *FÜR* AKWs abgestimmt.

Das zeigt schön, warum Online-Abstimmungen wie diese hier im Prinzip wertlos sind; die können von einer gut koordinierten Interessengruppe leicht übernommen werden.

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Weitere Atomkraftwerke sind einfach nur dumm

Die Menschheit muss sich damit abfinden dass sich nur eine begrenzte Menge Energie regenerativ erzeugen lässt. Atomkraft ist keine Lösung denn sie ist nicht beherrschbar und erzeugt radioaktiven Müll für hunderte nachfolgende Generationen.

Ein Umdenken ist wichtig. Weniger Energie verbrauchen, die vorhandenen Ressourcen effektiv und optimal einsetzen.

Natürlich muss man sich dann auch irgendwann davon verabschieden 80kg Fleisch in 2 Tonnen Metall durch die Gegend zu fahren. Ist so. Aber da viele denken "Nach mir die Sintflut" und "Wirtschaftswachstum ist wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität" werden wir auf die wahre Energiewende noch lange warten müssen. Leider.

Kernkraft ist die sicherste Energie von allen. Fukushima hat gezeigt, was im schlimmsten Fall mit schlechter Ausrüstung möglich ist. Keine Strahlentoten, keine Krebskranken, unnötige Evakuation. 

Tschernobyl mit den 28 Strahlentoten gibt es im Westen nicht, und das baut auch keiner mehr.

Zum Vergleich Staudämme: 420 Tote in Fréjus, 2000 in Longarone, 200'000 in Benqiao. Um mal drei von all diesen Dammbrüchen zu nennen.

(Die Aussagen beruhen auf den Ergebnissen bei WHO und UNSCEAR)

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Ein Umdenken ist wichtig. Weniger Energie verbrauchen ...

Das wird mittelfristig nicht klappen. Knapp eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten haben noch keine Elektrizität. Auch die sollen weniger verbrauchen? Davon werden sie nicht begeistert sind, die wollen erstmal Strom haben um ihren Lebenstandard zu steigern.

Die Länder mit dem höchsten Lebensstandard haben auch den höchsten Energieverbrauch, das hängt direkt miteinander zusammen.

Um die steigende Bevölkerungszahl ernähren zu können, müssen Gegenden fruchtbar gemacht werden, z.B. durch die Entsalzung von Meerwasser. Dies und das anschließende Pumpen benötigt viel Energie.

Global deutlich weniger Energie zu benötigen, wird mittelfristig in keinem Fall klappen. Wir müssen den Klimawandel aber jetzt aufhalten!

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Der weitere Ausbau ist wichtig

Wir haben uns das Vorsorgeprinzip auf die Fahnen geschrieben und das Verhindern zum Nationalsport gemacht. Wir haben es verlernt, neue Dinge zu bauen.

Das Vorsorgeprinzip lehnt alles ab, was auch nur entfernt irgendwie schädlich werden kann. Dass eine neue Technologie aber auch viel Gutes mit sich bringt oder dass sie besser ist als ein etablierter Vorgänger, ignoriert dieses Prinzip völlig.

Klar können bei Kernenergie radioaktive Isotope entweichen, aber das ist besser als Kohleverbrennung, bei der krebserzeugende Substanzen im Normalbetrieb direkt in unsere Lungen geblasen werden, anstatt versiegelt zu werden. Kernenergie ist CO2-arm und ein wirksames Mittel gegen den Klimawandel.

Die Essenz des Klimawandels ist, dass wir nicht genügend saubere Energie haben, und da ist es einfach Wahnsinn, auch noch bewusst auf eine saubere Energiequelle mit so vielen Vorteilen zu verzichten. Wir spielen dann die Klimakrise freiwillig auf Nightmare Mode.

Atommüll? Ist nur ca. 300 Jahre radioaktiv-toxisch, danach ist er einfach nur toxisch. Wir haben tausende von Tonnen toxischen Mülls in Herfa-Neurode gelagert. Das Thema ist unendlich politisiert und höchst albern.

Zu teuer? Zu langsam? Nur im Westen und nur in den letzten Jahren, da wir es verlernt haben, neue Dinge zu bauen. China und Russland haben da keine Probleme.

Gefährlich? Ja, aber nicht unendlich gefährlich, sondern einfach nur normal gefährlich.

"Einfach nur dumm" ist es also, eine funktionierende CO2-arme Energiequelle mitten in der Klimakrise in die Luft zu sprengen. Ich wünsche mir für Deutschland wieder Mut zu Fortschritt und Lösungen von Problemen mit Hilfe der Wissenschaft, statt einer abergläubischen Protestkultur.

Der weitere Ausbau ist wichtig

Ohne Kernkraft können wir den Klimawandel auf absehbare Zeit nicht stoppen. Erneuerbare Energien sind viel zu diffus/verteilt, das "Einsammeln" mit sehr großem Aufwand verbunden.

Statistisch gesehen ist Kernenergie die sicherste Form der Energiegewinnung, mit den wenigsten Toten pro erzeugter kwh, inklusive Wind, Wasser und Solar. Das öffentliche "Gefühl" ist ein anderes, aber die Zahlen sind absolut eindeutig.

Der weitere Ausbau ist wichtig

Der Klimawandel ist real und menschengemacht. Sonne und Wind können uns nicht zuverlässig mit Energie versorgen. Fast jeden Winter gibt es mehrere Tage in Folge, an denen die beiden kaum bzw. fast gar nicht liefern. Wenn wir keine absolute Abhängigkeit von Erdgas haben wollen und Klimaschutz ernsthaft betreiben wollen, müssen wir an Kernenergie festhalten.

Neue Kernreaktorkonzepte der IV. Generation sind inhärent sicher und können die Menge des problematischen radiotoxischen Abfalls drastisch reduzieren sowie mit bereits angefallenem Abfall betrieben werden und diesen unschädlicher machen.

Diese Konzepte zur Marktreife zu entwickeln sollte höchste Priorität haben. Wir müssen daran mit Nachdruck forschen, wie wir ebenso dringend an Speichermöglichkeiten für die leider jahreszeit- und wetterlageabhängigen Erneuerbaren forschen müssen. Genauso sind schnellere Fortschritte bei der Kernfusion nötig.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

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