Wie belastbar muss man als Pilot bei der Bundeswehr sein?

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4 Antworten

Doch doch, im Alltag ist man solchen Situationen auch ausgesetzt. Damit ist nicht gemeint, dass gefühllose Kampfmaschinen gesucht werden, was ausdrücklich nicht der Fall ist. Gefragt ist, die Emotionen im Griff zu haben und auch in schwierigen Situationen cool zu bleiben und korrekt zu funktionieren.

Um das zu testen, wird man in der Ausbildung mit Absicht in die schwierigsten Situationen gebracht und dann wird geguckt, wie du deine Aufgaben noch erledigst.

Versuche das mal, an ein paar Beispielen zu verdeutlichen:

Panikfestigkeit: gerätst du in Panik oder Hektik, wenn du die Situation gerade nicht überblickst und sie gefährlich erscheint? Korrekt wäre, Ruhe zu bewahren (was viel Energie und Selbstdisziplin fordern kann), das Problem erkennen und lösen. Traust du dich mit Freunden auch mal was Verrücktes zu machen oder bist du der Bedenkenträger? Bist du auch in völlig verworrenen Situationen noch in der Lage, klare und vernünftige Gedanken zu fassen? Würdest du bei deinem ersten Bungeesprung rumhampeln und zögern oder kommentarlos runterspringen?

Multitasking: kannst du mehrere Sachen gleichzeitig machen, ohne den Blick fürs Ganze zu verlieren?

Äußere Belastungen: stell dir vor, du arbeitest gerade an etwas schwierigem für die Schule, draußen herrscht Baulärm, im Zimmer ist es heiß, die kleine Schwester tobt kreischend rum und dann kommt Muttern an, du wolltest doch noch den Müll wegbringen. Drehst du dann am Rad oder antwortest du eher mit "Jaja, eines nach dem anderen"?

Wenn du einen (unschuldigen) Verkehrsunfall hättest, würdest du dich dann aufregen und rumdiskutieren oder eher ruhig auf die Polizei warten und die Formalitäten klären?

Ja, gerade Militärpiloten müssen stressresistent sein, denn Du kannst ja nicht einfach Dein Luftfahrzeug abstellen und sagen: "Ich kann jetzt meinen Auftrag nicht durchführen, es ist mir zu stressig." 

Dann hätte der Steuerzahler, also auch ich, Geld für nichts ausgegeben. 

Fliegen in Baumwipfelhöhe, in einer Rotte, unter Feindbeschuss, bei schlechtem Wetter, geführt vom Leitoffizier, dazu viele unterschiedliche Meldungen, die zur gleichen Zeit auf Dich einprasseln und dabei sicher fliegen, um den Auftrag der politischen und militärischen Führung um- und durchzusetzen: So etwas erfordert einen ganz bestimmten Menschentyp. 

Und das sind nicht die coolen Jungs aus den Spielfilmen! 

Ob Du weinst, wenn Du ein Katzenvideo siehst, ist egal. Du musst während des Dienstes private Gefühle ausblenden können und Dich auf Deinen Einsatz konzentrieren, sonst stürzt der Hubschrauber ab - auch ohne Feindeinwirkung. 

Stressresistent, mehrfachbelastbar, entscheidungsfreudig, kommunikativ, anpassungsfähig, reaktionsschnell, dazu Einzelkämpfer mit Selbstdisziplin und dadurch ein guter Teamplayer. 

Das alles wird verlangt und das alles wird abgefragt und überprüft. 

Laut Brigadegeneral Günter Katz, Leiter des Stabes "Ausbildung des fliegenden Personals“ im Kommando Einsatzverbände der Luftwaffe, hatte die Bw 2012 rund 2.000 Bewerber, davon blieben 86 übrig, davon wurden 24 Jetpiloten. Katz: "Je mehr Bewerber, desto besser, denn dann können wir uns die Besten auswählen.“

(Quelle: Interview in „Karriereguide 2014 - Luftfahrtberufe“, Seiten 51-53)

Damit waren also, wenn mein Taschenrechner richtig gerechnet hat, nur 4,3 % aller Bewerber (86 von 2.000) überhaupt für die Militärfliegerei (Kampfjet, Transporter, Hubschrauber) geeignet. Das deckt sich mit den DLR- und LH-Tests, die rund 5 % der Bewerber als geeignet für den zivilen Job ansehen.

Militärpilot ist eben kein "Job" für Schnarchnasen oder Bürofuzzis. 

Klasse Antwort :) Glaube seine Frage galt aber für die Hubschrauberstaffel (die widerum andere Einstellungstests bzw Quoten hat)

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Die Stresssituationen bei der Bundeswehr sind mit kaum was aus dem alltäglichen Leben vergleichbar. Pilot gehört zwar zu den schwersten bzw zu den verwendungen wo am meisten gefordert wird, aber das musst du ja nicht von Anfang an wissen. Man darf ja traurig sein, wenn jemd. oder ein Haustier stirbt. Gefühle sind ja nicht verboten, nur du musst sie bei der Bundeswehr im Griff haben. Wenn ein Haustier stirbt, dann gibt es keinen grund dafür. Aber beim Bund musst du halt alles zurückstellen bis Dienstschluss ist.

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