Wie bekommt man solche runden lichtspiegelungen hin? Fotografie

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Hey wie bekomme ich es hin **so ein Foto** zu machen …

… das umschreibt meiner Auffassung nach alles, was dieses Bild ausmacht.

Nachdem zwei Tage vergangen sind, und bisher niemand zu erwähnen versuchte, die Belichtungszeit in seine Überlegungen einzubeziehen, denn doch einen Versuch in direkter Antwort:

Ganz grundlegend für dein Beispiel ist die Belichtungszeit. Niemand wird dieses Foto nachstellen können, wenn er/sie es unterlässt, darauf größten Wert zu legen. Was du hier liest, ist großteils (meine Kommentare inbegriffen) theoretisches Geplänkel; teilweise aber auch nur dummes Geschwätz.

Wie (für den, der Ahnung hat) wirklich leicht erkennbar, sind die "Lichtpunkte" je runder, umso dunkler (von Weiß über Gelb ins Orange gehend). Von denen, welche nach hinten wegspringen abgesehen, denn die werden von der Wunderkerze weiter beleuchtet. Diese Punkte bestehen auch keinesfalls aus irgendwelchen Reflektionen, sondern aus den verglühenden Funken der Wunderkerzen.

Meiner Ansicht nach ist das ein sehr gutes Foto und zudem auch bearbeitet. Ich habe es kopiert, ohne Ergebnis versucht, die Metadaten herauszufinden und auch vergrößert. Es ist kaum Bildrauschen feststellbar, PNG ist auch kein Bildformat, welches direkt aus einer Kamera stammen kann. Es ist also bearbeitet. Ich denke zudem, dass entweder eine Profi-Kamera dahinter steckt, oder ein sehr guter Photoshop-Anwender, vermutlich eher beides.

"In Photoshop gestempelt" ist allerdings eine sehr seltsame Aussage. Wer das zu erkennen glaubt, kann m.E. kaum Ahnung haben.

Darauf einzugehen, was nun an den (meisten bisherigen) Antworten falsch ist, würde den Rahmen und wahrscheinlich auch deine Geduld überfordern. Natürlich kannst du dir z.B. ebenso gut am Geschlechtsorgan rumspielen, wie am Fokusring, beim Fotografieren solltest du beides unterlassen, denn das Ergebnis wird ähnlich schmierig ausfallen.

Ich konnte keine Metadaten aus dem verlinkten Bild entnehmen, bin jedoch der Überzeugung, dass hier nicht geblitzt wurde, dass die Lichtstärke des Objektivs kaum eine Rolle spielt, denn als Blende wurde sicher f5,6 oder kleiner gewählt — völlig locker erkennbar, denn die Falten zw. Daumen und Zeigefinger zeigen Struktur. Auch die Anzahl der Blendenlamellen spielt bei diesem Foto nicht die geringste Rolle, es ist einfach nicht erkennbar.

Du benötigst mindestens 1/800 sek., ich rate zu schnellerer Verschlusszeit. Schaffst du es, eine Verschlusszeit von etwa 1/1000 sek. zu realisieren, dann kannst du dich um die Optimierung aller anderen Werte (ISO/Blende etc.) kümmern, sofern das geht.

Meiner Ansicht nach (und ich habe zudem eben mit einem anderen Fotografen gesprochen), ist beim Beispielfoto keine besonders große Blende gewählt, die Lichtstärke des Objektivs also ziemlich unwichtig. Ich nehme an, die Blende dürfte zw. 6,3 und 8 liegen, das zeigen schon allein die Falten zw. Daumen und Zeigefinger der Hand vorne, sie wären weitaus weniger definierbar, wenn hier z.B. f2,8 gewählt würde.

Die Verschlusszeit ist schon erwähnt, das Umgebungslicht muss ausprobiert werden, um Blende und Verschlusszeit mit einer passenden Lichtempfindlichkeit zu kombinieren. Ich bin überzeugt, dass es in der Aufnahmesituation nicht wirklich dunkel war, der Hintergrund wirkt so dunkel, weil die Belichtung sich durch die grellen Wunderkerzen entsprechend runter schraubte. Zudem besagt die Rauscharmut des Bildes entweder einen sehr guten Rauschfilter (egal ob Photoshop oder Kamera), oder eine wertvolle Ausrüstung des Fotografen.

Das "Bokeh" (wird im deutschen Sprachraum erst seit Einführung der digitalen Fotografie überhaupt verwendet) ist mittelmäßig, für die Aufnahme und den vermutlich gewünschten Effekt gut, aber kaum zu beurteilen, weil die allein stehenden Lichtpunkte kaum etwas damit zu tun haben.

Die helle Fläche hinter der ersten sichtbaren Hand kann Armlehne eines Sessels oder das Knie eines Menschen sein, hier ist die Auflösung okay, aber keineswegs Zeichen für eine besonders weit geöffntet Blende.

Ein besonderes Bokeh ist auf Fotos zu erkennen, welche strukturierte Hintergründe in weicher Auflösung zeigen. Hier ist lediglich der Schein davon offensichtlich, weil ein paar Lichtpunkte verschwommen und gerundet zu sehen sind. Deren Abbildung hängt aber weitaus mehr von der Auslösegeschwindigkeit, als von der Lichtstärke des verwendeten Objektivs ab.

Die wirkliche Qualität der Auflösung, bzw. die Tiefenschärfe ist jedoch viel deutlicher an den Händen, den Falten dort (Daumen z.B.) und den Nägeln (Zeichnung des Halbmonds am Daumennagel) erkennbar. Nichts davon wäre derart klar sichtbar, wäre hier wirklich eine offene Blende verwendet worden.

Dieses Foto bekommst du mit deiner Ausrüstung hin, es wird allerdings Zeit und eine Menge Fehlversuche kosten.

Egal, was alle hier sagen: Das Foto wurde nicht bearbeitet und es wurde während der Aufnahme auch nicht am Fokusring gespielt. Das ist ein einfacher Effekt, quasi der erste Effekt, den man beim Fotografieren mit manueller Blendenwahl lernt. Absolutes Standard-Wissen.

Viele haben hierzu ja schon das richtige Stichwort genannt: Schärfentiefe.

Allgemein gesprochen ist das so: Wenn Du fotografierst, kannst Du mit dem Objektiv auf einen bestimmten Bereich, also auf eine bestimmte Entfernung hin, scharfstellen. Alles was davor und dahinter ist, wird unscharf. Der Bereich, in dem vor und hinter der Fokusebene immer noch mehr oder weniger alles scharf gestellt wird, wird als Schärfentiefen bezeichnet. (Der Übergang ins Unscharfe ist aber fließend und nicht abrupt.) Die "Länge" (Tiefe) dieses Bereichs ist vorwiegend von der verwendeten Blende abhängig (und ein wenig von der Brennweite). Je größer die Blendenöffnung (also je kleiner die Blendenzahl), desto weniger Schärfentiefe hast Du. Und das führt in dem Beispielfoto, welches mit einem Objektiven mit recht großer Blende aufgenommen wurde, eben dazu, dass gerade mal die Spitzen der Wunderkerzen scharf dargestellt werden und die sich nur wenige Zentimeter dahinter befindenden Hände bereits unschar. Funken, die sich noch weiter vorne und hinten befinden, werden völlig unscharf abgebildet.

Und damit wären wir beim zweiten Effekt und Deiner eigentlichen Frage. Solche unscharfen Lichtflecken nehmen genau die Form der Blendenöffnung an. Je nach Konstruktion der Blendenöffnung hast Du also eckige bis idealerweise runde Lichtflecken.

Das von ky4f12 angemerkte eckige Verhalten des 50mm 1,8er ist also darauf zurückzuführen, dass die Blendenöffnung in diesem günstigen Objektiv nicht kreisrund ist. Hierfür ist höherer konstruktiver Aufwand nötig, von daher ist das eher ein Kennzeichen teurerer Objektive.

Für mehr Hintergrundwissen, schau doch mal hier:

http://www.fotolehrgang.de/2_8.htm

Dein Objektiv wird korrekt übrigens mit 18-55mm 3,5-5,6 IS II bezeichnet. Das "3,5-5,6" bezeichnet die je nach Brennweite maximale Blendenöffnung. Versuche diesen Wert beim Fotografieren möglichst klein zu halten, dann bekommst Du Bilder mit geringer Schärfentiefen hin.

Schlotterbuex

Gute Antwort, DH.

Zu ergänzen ist m.E. noch, dass die Verschlusszeit bei dieser Aufnahme vermutlich sehr kurz war. Ich habe das gestern mal nachgestellt und musste mit 1/1000-stel sek. verschließen, damit ich ein paar der Funken ohne Schweif und relativ rund hinbekam.

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Ich denke auch, dass es nachbearbeitet ist, da der Übergang zwischen den runden und den scharfen Leuchtpunkten zu abrupt ist.

Grundsätzlich aber kannst du so etwas erzeieln, indem du mit möglichst offener Blende fotografierst. Dazu benötigst du ein lichtstarkes Objektiv mit sehr schönem Bokeh, denn sonst werden die Lichtflecke nicht rund, sondern polygonal. Sprich: Es wird teuer! :)

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