Wie beginnt man von 0 zu meditieren?

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3 Antworten

Ich selbst habe einige Jahre Meditationserfahrung und helfe dir gerne weiter.

Was ist Meditation

Manche Menschen glauben, dass Meditation eine bestimmte Technik ist, mit der man "sich ruhig macht", doch Meditation ist keine solche Technik.

Meditation ist nach meinem Verständnis einfach ein Zustand entspannter Achtsamkeit. Damit ist Meditation weder schläfrige Trance noch krampfhafte Konzentration, sondern ein ausgeglichener Zustand zwischen diesen Extremen.

Meditation ist das Ganz-da-sein im Moment, ohne Gedanken an Vergangenheit, Gegenwart, oder Zukunft. Nur die Erfahrung völliger Achtsamkeit. Damit wird auch gleich der nächste Punkt klar:

Meditation benötigt kein Equipment

Meditation ist nicht von äußeren Umständen wie einer Buddha-Statue, einem Altar, oder Räucherstäbchen abhängig.

Ein Sitzkissen ist empfehlenswert, damit man beim Sitzen auf dem Boden die Knie ohne Anstrengung auf dem Boden bewahren und langfristig eine entspannte, aufrechte Sitzhaltung bewahren kann.

Doch eine fest zusammengelegte Wolldecke kann genau die gleiche Funktion haben und als Sitzunterlage zur Schonung der Knie reicht eine Fleece-Decke oder ähnliches.

Ich selbst habe schon eine zusammengerollte Jacke, einen Erdhügel mit einer eingescharrten Sitzmulde und Bänke auf Bahnhöfen zur Meditation genutzt. Es geht also wirklich nicht um irgendetwas exotisches.

Was macht man bei der Meditation?

Es gibt unzählige verschiedene Formen der Meditation und praktisch jede spirituelle Tradition verfügt über meditative Methoden.

Allgemein üblich ist jedoch, die Aufmerksamkeit auf eine "Meditationsobjekt" zu lenken - etwa den eigenen Atem - und den Geist nicht abschweifen zu lassen, so dass die Gedanken ganz von selbst zur Ruhe kommen.

Gerade für Einsteiger ist die Achtsamkeitsmeditation (Vipassana) sinnvoll, bei der die Achtsamkeit auf den Atem gerichtet wird.

Das mag einfach und banal klingen, doch buddhistische Theravada-Mönche widmen ihr ganzes Leben dieser Praxis. Hier gibt es ein 15 Minuten dauerndes Video - einfach zum bequem hinsetzen und mitmachen.

Man lässt bei der Meditation also einfach seinen Geist ruhen. Wenn man versucht, aufkommende Gedanken bewusst zu verdrängen, dann ist das bereits ebenfalls ein Gedanke. Das "Gedanken verdrängen" bringt also nichts.

Besser ist es, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken und wann immer man geistig abdriftet, wieder zur Beobachtung zurückzukehren.

Dabei geht es nicht darum, besonders tief, oder langsam zu atmen - es wird lediglich beobachtet.

Was ist das Ziel der Meditation?

Bei der Meditation sollte man kein Ziel haben, denn schließlich geht es darum, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Wenn man sich ein Ziel setzt, dann produziert das wieder Gedanken

"Einatmen...Ausatmen...bin ich schon entspannt? Einatmen...Ausatmen...wie lange es wohl dauert?....Einatmen....Entspannung ist gut....Ausatmen....ich hab nachher noch so viel zu tun....da hilft Entspannung....Einatmen....bin ich schon entspannter?....."

Damit ist die entspannte Achtsamkeit dahin und man ist wieder im Gedankenkarussell.

Meditation und spirituelle Erfahrungen

Manche Menschen wünschen sich besondere spirituelle Erfahrungen, irgendwelche Erleuchtungen oder dergleichen. Doch damit haben sie ein Ziel bei ihrer Meditation - und stehen sich wieder selbst im Weg.

Wenn man solche "spirituellen Erfahrungen" unbedingt machen will, wird man früher oder später bei der Meditation auch besondere Erfahrungen machen - aber nicht, weil man erleuchtet ist, sondern weil das Gehirn einem einen Streich spielt und Halluzinationen verursacht.

Auch der Wunsch nach solchen Erfahrung ist somit letztlich nur ein Hindernis, weil es den Geist beschäftigt. Besser ist es, nichts erreichen zu wollen.

Meditation und Haltung

Wie schon am Anfang klar wurde, hat Meditation nichts damit zu tun, die Beine zu verknoten und verbrezelt irgendwohin zu setzen.

Meditation als Zustand entspannter Achtsamkeit ist auch im Stehen, bei Aktivitäten wie dem Gehen möglich. Als Grundlage für solche aktiven Formen der Meditation ist die Sitzmeditation jedoch ein gutes Fundament.

Weshalb also auf einem Kissen auf dem Boden sitzen?

Geistige und körperliche Haltung spiegeln einander. Ist man gestresst oder geistig angespannt, dann verkrampft sich auch  der Körper. Ist der Geist aber müde und schläfrig, sinkt auch die Haltung zusammen.

Eine gute Sitzhaltung ist also ein Indikator für unseren geistigen Zustand.

Wenn wir mit einem Kissen auf den Boden sitzen, dann sitzen wir im vorderen Drittel des Kissens und nicht mittig darauf. Auf diese Weise können die Knie auf dem Boden ruhen, ohne Anspannung in den Oberschenkeln. Das Becken wir dabei automatisch leicht nach vorne gekippt.

In dieser Haltung folgt der ganze Körper der Schwerkraft, denn das Gewicht sammelt sich im unteren Bereich - Becken und Knie bilden eine breite, stabile Basis, auf der man den Körper entspannt aufrichten kann.

Sitzt man richtig, ist es in dieser Position schwer, jemanden an der Schulter oder dem Kopf umzustoßen, weil der Körperschwerpunkt ganz natürlich unten liegt.

Im Alltag sind wir dagegen häufig so "verkopft", dass unser Schwerpunkt viel weiter oben liegt und wir umfallen würden, wenn wir gegen einen ausgestreckten Arm laufen.

Ein solches "sich setzen" führt also auch dazu, dass der Geist "sich setzt" und leichter zur Ruhe kommen kann.

Deshalb empfehle ich auch "Westlern" eine der aus Asien überlieferten Sitzpositionen - burmesischer Sitz, Halber Lotossitz, oder den vollen Lotossitz.

Letzterer stellt meiner Meinung nach die beste Sitzposition dar, aber wie gesagt ist Sitzmeditation keine Gymnastikstunde. Man kann also ruhig längerfristig mit dem burmesischen Sitz üben und sich dann vorantasten, wenn man mag.

Meditation im Liegen

Manche meditieren auch im Liegen, weil es für sie entspannter ist. Doch meiner Meinung nach beginnt man dabei leichter herumzuträumen - auch weil der Geist diese Haltung mit "Schlaf" verbindet. Das fördert die Achtsamkeit natürlich nicht unbedingt.

Wenn man allerdings krank und aufrechtes Sitzen zu anstrengend ist, dann ist es völlig legitim, im liegen zu meditieren.

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Kommentar von Enzylexikon
05.05.2016, 15:19

Hinweis

Gerade im Bereich des "New Age" und der Esoterik-Szene wird eine Menge unter der Bezeichnung "Meditation" verkauft, was eher in den Bereich von Trance-Erfahrungen gehören würde.

Auch "Schutzengel-Meditationen" oder ähnliches, bei denen Kontakte zu irgendwelchen Wesen hergestellt werden sollen, halte ich zumindest für fragwürdig, weil der Aspekt des "Beobachtens" und des "Gedanken ziehen lassens" komplett wegfällt.

Außerdem sind Meditationsangebote auch ein beliebtes Mittel von Psychogruppen, um neue Mitglieder anzuwerben.

In der Vergangenheit wurde beispielsweise die Bewegung für "Transzendentale Meditation" (TM) nach Maharishi Mahesh Yogi kritisiert, weil sie für die Vergabe einer einfachen Silbe (Mantra) zur Meditation hohe Geldbeträge verlangt haben soll.

Ebenfalls kritisiert wird der pseudo-wissenschaftliche Anstrich, den sich die TM durch Studien gibt, die von pro-TM-gesinnten Einrichtungen durchgeführt wurden, oder über geringe Probandenzahl verfügten, so dass sie nicht aussagekräftig sind..

Auch andere Meditationsangebote, etwa aus dem Bereich der Neo-Sannyas-Bewegung um den umstrittenen "Sex-Guru" Bhagwan/Osho werden mitunter kritisch beurteilt.

Er lehrte dynamische Meditationen, bei der sich die Teilnehmer erst total verausgaben, damit sie dann zur Ruhe finden können.

Damit will ich nicht von Meditationskursen allgemein abraten - ich habe selbst unter einem Lehrer gelernt und empfehle auch, Meditation unter Anleitung zu erlernen - aber man sollte sich informieren, wer hinter dem Angebot steckt.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich dir gerne weiter. :-)

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Kommentar von Soeber
05.05.2016, 16:43

Vielen lieben Dank für deine sehr ausführlichen Antwort. LG

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Hallo,

Yuttadhammo Bhikkhu hat einige super Anleitungen für Vipassana-Meditation auf Youtube eingestellt. Die Titel lauten: How to meditate I, how to meditate II, how to meditate III, how to meditate IV. Wenn Dir die eine oder andere Fach-Vokabel fehlt, kannst Du mich gerne fragen. Bitte nenne hierzu den genauen Video-Ausschnitt per Zeitangabe.

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Ich meditiere im Liegen und lass die Energy durch den ganzen Körper flitzen , ist sehr spannend :) Da gibt es keine konkreten Regeln und Techniken, mach's wie es dir in den Sinn kommt :D

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