Wie baue ich am besten vertrauen zu meinem pferd auf?

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Huhu,

eine Bindung zum Pferd, ein Band, dass einen verbindet baut auf gegenseitigem Vertrauen und darauf, wie genau man sich kennt.

Pferde kommunizieren anders als wir Menschen und sie haben andere Ansprüche an ihre “Verbündeten“, als wir. Wir möchten im Umgang mit dem Pferd, dass es uns als Leittier akzeptiert und wir dann mit ihm arbeiten können. Für ein Pferd ist vor allem Berechenbarkeit des Menschen wichtig. Das heißt, unser Pferd muss uns einschätzen können, es muss sich darauf verlassen können, dass wir wissen, was wir tun und dass wir immer den gleichen Konzept folgen.

Hier ein Beispiel zur Berechenbarkeit des Menschen. Herr H. möchte seinen Paint von der Weide holen. Er schiebt als erstes einmal ein Leckerlie rein, möchte dann los gehen, doch das Pferd bewegt sich kein Stück vom Fleck. Nun wird Herr H. wütend, er wird energisch, ruckt barsch an Strick und bekommt das Pferd schließlich mit Einsatz des Stricks in Gang. Zehn Meter weiter bleibt das Pferd unaufgefordert stehen. Herr H. tut seine vorherige Aktion leid, bleibt mit dem Pferd stehen und gibt noch ein Leckerlie. Er bleibt einige Minuten mit dem Pferd stehen, gibt ein Leckerlie nach dem anderen und versucht schließlich vergeblich wieder wieder zu gehen, stößt dabei wieder auf Widerstand und muss erst wieder energisch und laut werden, bis er weiter kommt. Für das Pferd völlig unverständlich. Erst wird es gelobt fürs Rumstehen, dann angeschrien, dann wieder gelobt und nachdem es für seine eigene Entscheidung gelobt wurde, soll es plötzlich wieder auf den Menschen hören und brav mitgehen. Das Pferd versteht den Menschen nicht, kann seine Reaktionen nicht einschätzen.

Daraus folgt, dass der Mensch konsequent ist. Nur Konsequenz macht ihn für das Pferd auch berechenbar.

Hier ein kleines Beispiel um das zu verdeutlichen. Frau M. geht mit ihrem Haflinger spazieren. Sie möchte, das er ihr vertrauensvoll folgt. Am einer Weggabelung möchte Frau M. rechts abbiegen. Der Haflinger bleibt stehen und möchte links rum. Frau M. gibt ihm nach und die gegen links weiter. Sie möchte gerne das Leittier ihres Pferdes werden, ist für ihr Pferd in dieser Situation allerdings nicht berechenbar. Sie signalisiert ihm quasi “Stimmt, du hast Recht. Ich habe mich geirrt, den Weg ist besser. Dann gehen wir halt da lang, du hast diese Meinungsverschiedenheit gewonnen. Du entscheidest besser'“ Einem Menschen, welcher nicht sicher weiß, wo er lang will und sich immer wieder umentscheidet, ist für das Pferd kein gutes Leittier. Statt dessen hätte Frau M. ihm signalisieren sollen “Hey, der Weg ist ok, alles in Ordnung, ich weiß wo ich lang will, du kannst mir folgen.“. Sie trifft die Entscheidungen und sollte bei der Durchführung dann auch konsequent sein, damit das Pferd sich auf sie verlassen kann.

Das dritte wichtige Standbein um das Vertrauen eines Pferdes zu gewinnen, ist Respekt. Der Mensch sollte das Pferd als Lebewesen sehen und es respektieren, genauso wie seinen Individualabstand, seine Vorlieben und seine Eigenarten. Der Mensch muss sich mit Respekt auf die Ebene des Pferdes begeben um es verstehen zu lernen.

Berechenbarkeit, Konsequenz und Respekt sind die Grundsteine des Vertrauens. 

Damit ein Pferd Vertrauen fasst und sich einig vom Menschen führen lässt, muss der Mensch berechenbar und konsequent sein und sein Pferd als eigenständiges Wesen respektieren und lernen, die speziellen Eigenschaften des Pferdes zu verstehen. Dazu gehört auch, das Pferd so zu akzeptieren, wie es ist und es nicht in seinem Charakter verbiegen zu wollen.

Um überhaupt gegenseitiges Vertrauen aufbauen zu können, muss der Mensch geduldig sein. Er muss dem Pferd und sich Zeit geben können.

Zeigt der Mensch dies alles im gesamten Umgang, in der Arbeit mit dem Pferd, bei jedem Kontakt mit ihm und unterstreicht dieses durch Zuneigung und Liebe, sowie das Pferd diese möchte, und Zeit, die er mit dem Pferd verbringt, kann das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd wachsen. Das Vertrauen wächst mit der Zeit, wenn du dich korrekt und fair gegenüber dem Pferd verhältst. 

Liebe Grüße

Du kanst das Vertrauen zu deinem Pferd auch mit ganz kleinen Dingen aufbauen, dazu brauchst du keine Bodenarbeit oder sonst was.

Erst mal eine kleine Definition: Ein Pferd vertraut jemanden der es beschützt, einen Leiter, bei dem es sich sicher und wohl fühlen kann.

Das heißt also, dass du sein Leiter werden musst. Und der Leiter bestimmt immer Richtung und Geschwindigkeit der anderen.

Hierbei ist Gewalt jedoch volkommen fehl am Platz. Gewalt schwächt das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter und bewirkt also das Gegenteil. Wenn dein Pferd etwas falsches macht wenn es zum Beispiel nach links geht statt nach rechts, dann bestrafe es nicht, sondern verlange etwas anderes von ihm und wenn es das tut, dann lobe es. Pferde möchten Menschen gefallen, darum ist Lob unglaublich wichtig. Loben heißt nicht immer Leckerchen geben meißtens reicht es auch wenn du es am Hals kraulst.

Wenn dein Pferd etwas schlimmeres machen sollte zum Beispiel nach dir zu schnappen dann kannst du ruhig mal laut werden und das Pferd zum Beispiel ein paar Schritte zurück treten lassen aber auf gar keinen Fall schlagen das bringt nichts. Nach ein paar Sekunden ist das aber wieder vergessen und du verlangst wieder etwas neues von deinem Pferd für das du es dann wieder loben kannst.

Zeig deinem Pferd, dass es dir vertrauen kann und du es vor bösartigen Pferdefressern schützen kannst. Du musst also ein konsiquenter und selbstbewusster Chef werden. Wenn es sich sicher bei dir fühlt wird es dir vertrauen und bei dir sein wollen.

Es macht auch nichts, dass du dir dein Pferd teilen musst, Pferde haben ein sehr gutes Gedächtniss und merken sich die Personen die öfter mit ihnen arbeiten. Es wäre sogar mäglich mit einem Schulpferd Vertrauen aufzubauen, auch wenn du es z.B. nur ein oder zwei mal die Woche siehst.

Das ist aber natürlich viel zeitaufwändiger und dauert viel viel länger als mit einem eigenen Pferd.

Wenn du dein Pferd dann führst ist es wichtig, dass DU die Richtung und die Geschwindigkeit bestimmst und nicht das Pferd. Wenn es dir dann problemlos folgt, stehen bleibt wenn du das tust und sich von dir ohne Wiederstand vom Graßen hindern lässt hat es dich höchstwahrscheinlich als Chef akzeptiert.

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen :)

Viel Spaß mit deinem Pferd und LG

Was nutzt einem Bodenarbeit, wenn man beim restlichen Umgang mit dem Pferd inkonsequent ist. WinniePou hat das sehr schön beschrieben. Wenn du im täglichen Umgang und bei allem was du tust, für das Pferd immer schön konsequent und eindeutig bist, wird es dir vertrauen. Du kannst Stundenlang Bodenarbeit mit dem Pferd machen, wenn du dann beim Führen oder Putzen oder Reiten ein Fünkchen Inkonsequenz zeigt, bist du für das Pferd schon wieder unberechenbar und kluge Pferde werden zwar dann bei der Bodenarbeit brav das machen, was man von ihnen verlangt, dich aber dennoch nicht unbedingt als "Herdenoberhaupt" sehen, weil sie ja gelernt haben, dass sie doch ihre eigenen Entscheidungen treffen können und damit durchkommen.

Und zum Thema "Ich will nicht, dass sich das Pferd zu doll an meine Schwester gewöhnt" kommt es darauf an, was deine Schwester für ein Typ ist. Ist sie ein konsequenter Mensch, der sich gut durchsetzen kann, wird das Pferd vielleicht von ganz alleine sie als "Chef" sehen. Dagegen kannst du auch nur durch die gleiche Konsequenz arbeiten und nicht mithilfe von Leckerli etc.

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