Wie Atheismus begründen?

58 Antworten

Atheismus ist nur in der Form des Agnostizismus diskutabel; der reine Atheismus, der also behauptet, es gebe keinen Gott, ist in meinen Augen unseriös, da eine solche Behauptung unbeweisbar ist. Der Agnostizismus also könnte darauf verweisen, dass die Natur und alle Lebewesen nicht durch einen Schöpfergott, sondern durch Evolution im Laufe von Jahrmillionen allmählich entstanden sind. In der Evolution bewirken bestimmte Faktoren eine Höherentwicklung der Arten; also nach Darwin wird irgendwann eine Mutation ausgelöst, es folgt darauf eine Selektion der besser ausgestatteten Lebewesen. Dass dies zu einer Höherentwicklung geführt hat, kann nur auf eine naturgesetzliche Programmierung zurückzuführen sein. Eine geistlos-zufällige, blinde Entwicklung zu immer komplexeren Lebensformen halte ich für ausgeschlossen. Die Naturgesetze sind hier entscheidend mit beteiligt. Schwierig wird es jetzt für den Atheismus, die Frage zu beantworten, woher eigentlich die Naturgesetze kommen, wer also den Lebewesen (Tieren und Pflanzen) die Höherentwicklung in der geschilderten Weise „einprogrammiert“ hat. Da die Kette der Entwicklungsphasen ins Unendliche zurückreicht und nie zu einem Anfang führt (mit dem Urknall ist das Naturgesetz sicher nicht von selbst entstanden, es reicht auch in die Zeit vor dem Urknall zurück), muss also der Atheist logischerweise sagen: die Naturgesetze waren schon immer da, seit Ewigkeiten. Zu behaupten, die (intelligenten) Naturgesetze seien ganz von selbst, aus dem Nichts, hervorgegangen, wird niemanden überzeugen. Waren also die Naturgesetze seit Ewigkeiten da, muss man ihnen gleichsam göttliche Eigenschaft zuerkennen. Denn die Existenz von Ewigkeit zu Ewigkeit ist eine göttliche Eigenschaft, von Gott sagt man ja auch: Er existiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Somit werden die Naturgesetze von den Atheisten zum Gott erhoben, d.h., sie müssen sie zum Gott erheben, ob sie das wollen oder nicht. So sah auch Ernst Haeckel, ein Anhänger der Darwinschen Evolutionstheorie und überzeugter Agnostiker, Gott als identisch mit dem allgemeinen Naturgesetz an. Die religiösen Menschen machen es sich etwas einfacher; sie sagen: Gott ist der Schöpfer der Naturgesetze. Die Atheisten wollen so „einfach“ nicht argumentieren; sie sagen eben: Die Naturgesetze haben das alles (die Welt, die Natur etc.) bewerkstelligt! Basta! Mehr sagen sie nicht. Aber wenn man sich mit ihrem „Basta“ nicht zufrieden gibt, sondern weiter nachhakt, müssen die Damen und Herren Atheisten die göttliche Eigenschaft der Naturgesetze eben anerkennen. Ernst Haeckel tut das ja auch. Folglich ist der Agnostizismus eigentlich kein Atheismus, die Agnostiker haben einen Gott: das Naturgesetz! - Es könnte sein, dass die Atheisten Gott (als Persönlichkeit) noch aus einem anderen Grunde negieren; zumindest einen liebenden Gott. Die Schicksale der Menschen sind oft so hanebüchen unglücklich, manchmal schreckenerregend, dass man von einem liebenden Gott eigentlich nicht sprechen kann. Hier könnte man – im christlichen Sinne – so argumentieren: Gott hat dem Menschen seine Liebe erwiesen, indem er ihn durch die Vernunft aus der dumpfen Masse der Tiere heraushebt und in die Lage versetzt, kraft seiner Vernunft das Gute zu erkennen und das Gute zu tun. Seit Kant wissen wir, dass vernünftig handeln zugleich auch moralisch handeln bedeutet. Und die Vernunft haben wir ganz sicher nicht bekommen, damit wir sie „am Garderobenhaken abhängen“ sollen. Indem wir also vernünftig bzw. moralisch handeln können, ist uns von Gott - nach christlicher Auffassung – der Weg zur Erlösung eröffnet worden (s. Johannesevangelium Kap. 5, V. 29: „...und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die da Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts“). Man kann also in der Gabe der Vernunft einen Liebeserweis Gottes sehen. Dass viele so unglücklich leben müssen, andere wiederum auf der Sonnenseite wandeln dürfen, ist aus der Perspektive Gottes gesehen, unerheblich; denn was ist das irdische Leben, vom Tode her betrachtet, eigentlich? Eine Millisekunde, ein Nichts!

Gott-der-Lücken-Argumente sind Fehlschlüsse. Du kannst nicht einfach behaupten "Ich habe keine Ahnung, also war es Gott".

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@DarkSepia

Du kannst nicht einfach behaupten "Ich habe keine Ahnung, also war es Gott".

Behaupten kann man dies schon, nur was ist so eine pauschale Behauptung Wert? Genau so viel, als würde ich sagen, Rotkäppchen war Schwanger, als sie der Wolf fraß.

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Das schöne ist, das Atheismus keiner Begründung bedarf, weil wir alle als Atheisten auf die Welt kommen. Wir glauben also anfangs an keinen Gott. Wenn etwas Neues in unser Leben eintritt, dann muss das begründet werden.

Beispiel: Wenn dir es keiner gesagt hätte, würdest du heute noch keine Zähne putzen. Irgendwann wird aber deine Mutter oder dein Vater dir gesagt haben, dass das gut für die Zähne ist. Das war die Begründung. Ab dann hast du angefangen, dir die Zähne zu putzen. Wenn jetzt wieder einer ankäme und würde dir sagen, dass Zähneputzen total überflüssig ist, so muss er dir das wiederum begründen. Wenn er keine Begründung liefern kann, wirst du weiter zähneputzen.

Das Beispiel mit dem Zähne putzen hinkt ein wenig. Zähne putzen ist plausible und du wirst ggf. selbst irgendwann darauf stoßen dir die Zähne zu putzen, es ist irdisch und empirisch. Die Sache mit dem Übermächtigen, der auch noch über uns wachen soll hinkt dabei sehr. Man versteht aber worauf du hinaus willst.

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@WillTell

ggf. selbst irgendwann darauf stoßen dir die Zähne zu putzen

Dann liefere ich mir die Begründung aber selber. Ich werde nicht grundlos anfangen, zähnezuputzen.

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@WillTell

Wer provokant argumentieren möchte (was ich nicht möchte, sondern nur die Möglichkeit aufzeigen), der könnte auch als Grund für die den Atheismus die Gründe für den Theismus nennen :P

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@Suboptimierer

die Vorfahren erkennen daß bei Nichtbehandeln die Zähne irgenwann weh tun und ausfallen.Oder du siehst selber Leute ohne Zähne.Dann erkennt man,daß Zähne putzen gut ist. Das kann man zwar nicht mit dem Glauben vergleichen,denn Gott offenbarte sich selbst den Menschen früher und auch heute noch,aber trotzdem gibt es ja menschen,die sagen daß es gut tut zu glauben.:-) Ob man es dann macht ist natürlich jeden selber überlassen.

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@Suboptimierer

Du findest meinen Kommentar provokant? Ich sagte doch, dass man versteht, was du meinst. Wie schon oben jemand erklärte, Zähne putzen ist ggf. nicht "der Urzustand" aber was ist schon der "Urzustand" darum geht es gar nicht. Zähne putzen ist etwas was einen Sinn ergibt, was man real tun kann und was man nachweisen kann, sodass es auch jeder mit allen Sinnen bestückter Mensch es verstehen kann. Was man, bei Gott und der ganzen Religion nicht im geringsten kann. Kein Grund zu streiten.

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@alexander329

die Vorfahren erkennen daß bei Nichtbehandeln die Zähne irgenwann weh tun und ausfallen.

Eben nicht! Das ist doch genau das, was ich versuche, die ganze Zeit zu erklären. Die Vorfahren erkennen nicht, dass die Zähne ausfallen. Das ist vollkommen normal. Sie erkennen höchstens, dass wenn sie die Zähne behandeln, sie nicht mehr so schnell ausfallen. Sie würden nie auf die Idee kommen, dass sie ausfallen, weil sie sie nicht behandeln. Das ist so wie wir nicht auf die Idee kommen, dass wir nur deshalb nicht älter als 150 werden, weil wir nicht täglich 20x einen Kopfstand machen.
Und es ist egal, ob man es bei anderen gesehen hat, Bücher darüber gelesen hat oder selber geforscht hat. Es MUSS einen Grund geben, das Zähneputzen anzufangen.

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@WillTell

Du missverstehst mich. Meine eigene Aussage ist provokant:

Wer provokant argumentieren möchte [...], der könnte auch als Grund für die den Atheismus die Gründe für den Theismus nennen

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@Suboptimierer

wenn sich aber niemand Gedanken darüber gemacht hätte,wie man seine Zahnschmerzen verhindern kann,niemand getestet hätte wie die Zähne gesund bleiben,dann würde doch auch heutzutage noch niemand Zähne putzen. Und glaube mir,es gibt sicher Leute,die täglich 20xKopfstand machen. :-)

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@alexander329

Okey, dann diskutieren wir eben weiter :(

Also ist halt der Zahnschmerz der Grund, aber es ist immer noch ein Grund. Zur Erinnerung: Mir ging es darum, zu zeigen, dass Atheismus nicht begründet werden muss, sondern der Glaube. Nicht-Zähneputzen muss auch nicht begründet werden, sondern Zähneputzen.

Wenn du jemanden, der gute (oder schlechte) Zähne hat sagst, er solle besser die Zähne putzen und er hat noch nie etwas davon gehört, dass es das gibt, dann wird er auf jeden fall fragen: "Warum?" Und dann musst du ihm begründen, warum er das besser solle.

Was würde er sagen, wenn du ihn fragen würdest, warum er keine Zähne putzt. "Hä", würde der sagen, "Das ist doch normal, dass man die nicht putzt." Das ist so, wie wenn du ihn fragen würdest, warum er nicht 20x am Tag einen Kopfstand macht.

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@Suboptimierer

okok ich habs verstanden.Du mußt ja nicht diskutieren wenn du nicht willst. So läuft es ja im leben eigentlich auch,ich muß begründen warum ich trotz Hexenverbrennungen,Kreuzzüge,Kinderschändung durch Priester immer noch glaube. Also ich glaube an einen liebenden,barmherzigen Gott,der uns menschen geschaffen hat und möchte,daß wir ihn zurücklieben.Das schlimme wird von Menschen gemacht,die Gott nicht lieben. Als Atheist mußt du natürlich nicht begründen warum du nicht glaubst.Kirche wird ja nunmal in den Medien,als rückständig, alles verbietend, das Schlechte gebärend dargestellt.Das entspricht aber (wie so oft in den Medien) nicht der Wahrheit.

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Wir kommen selbstverständlich als Agnostiker zur Welt. ;-)

Irgendwann entwickelt sich dann die Ansicht, dass es etwas göttliches gibt bzw. eben, dass es sowas nicht gibt. Oder man bleibt halt strenger Agnostiker und entzieht sich dieser Problematik gänzlich.

Insofern bedürfen zunächst weder Atheismus noch Theismus einer Begründung. Wenn jedoch jemand sich selbst einen Atheisten/Theisten nennt, dann sollte er eigentlich schon eine Begründung dafür haben. Denn wenn er es nicht weiß, dann ist er nach wie vor Agnostiker.

So lange man anderen Leuten nicht sagt, was sie zu tun hätten (siehe Zähneputzen), kann man ohnehin sein was man will. Wenn man ihnen aber Vorschriften machen will, dann wäre eine Begründung schon angebracht. ;-)

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@ArchEnema

Da sind wir uns in einem Detail uneinig. Sonst passt das wohl. Und zwar ist meiner Meinung nach der Urzustand, ein Atheist zu sein.

Solange, wie jemand nichts von einem Gottwesen gehört hat, könnte man da sagen dass er die Frage der Existenz für nicht entscheidbar hält oder dass er sich enthalten möchte? M. M. n. könnte man nur sagen, dass er nicht an einer Gottesexistenz glaubt, alleine, weil er schon mit dem Begriff nichts anfangen könnte.

Deiner Meinung nach hält man von Grund auf an ersteinmal alles für möglich. Ich sehe das so, dass etwas, das man nicht kennt, für einen ersteinmal nicht existiert.

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@Suboptimierer

Das ist wohl eine diffizile Spitzfindigkeit in der Wortbedeutung bzw. der Semantik. Meiner Ansicht nach gilt:

  • Ein Atheist glaubt nicht "nicht an Gott", sondern glaubt an "nicht Gott".

  • Ein Agnostiker glaubt nicht an Gott UND glaubt nicht an "nicht Gott".

Jedenfalls unterstelle ich dass ein Atheist bewusst ein Nicht-Theist ist: Wer unbewusst/zufällig kein Theist ist, der ist eben kein Theist. Wenn er sich aber als A-Theist bezeichnet, dann hat er zu wissen warum.

Aber wie gesagt: Spitzfindigkeiten. ;-))

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atheismus ist wie theismus eine metaphysische hypothese, d.h. eine aussage über etwas, was sich der naturwissenschaftlichen methodologie entzieht, d.h. weder bewiesen noch falsifiziert werden kann. ähnlich verhält es sich z.B. mit dem leben nach dem tod, es gibt die metaphysische hypothese, dass das leben weitergeht und dann die, dass die wahrnehmung für immer endet. wenn du für wahre aussagen naturwissenschaftliche beweisbarkeit vorraussetzt, musst du akzeptieren dass unsere heutige naturwissenschaft diese fragen weder bejahen noch verneinen kann und auf einen paradigmenwechsel warten. aber dir reichen ja gerade gute gründe, also eine konsistente rechtfertigung. zu rechtfertigung musst du wissen, dass du auf ganz viele verschieden weisen etwas rechtfertigen kannst: induktion / deduktion / hinweis auf autorität (wissenschaft) / beweislast der anderen seite zuschieben / fehlerhaftigkeit der gegenposition beweisen / gegen die die gegenposition vertretende person oder gruppe argumentieren, um so ihre glaubwürdigkeit infrage zu stellen / ein neue kategorie einführen (wie z.B. sinnvoll oder sinnlos) und die beschäftigung mit der frage einfach sinnlos nennen / die gegenposition einfach als lächerlich oder schlecht oder dumm oder veraltet oder (sonstiges wertherabsetzendes adjektiv) bezeichen / etc. in der philosophischen literatur (wie auch hier im forum) wirst du all diese argumentationsstrategien finden und ich würde dir vorschlagen einfach die anzunehmen, mit der du dich am besten fühlst.

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