Wie analysiere ich das Gedicht ,,Der Genius´´von Friedrich Schiller in Hinsicht auf Inhalt und Sprache?

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2 Antworten

Das kurze Gedicht wurde 1795 geschrieben: damals begann die Romantik, die sich intensiv mit dem Genie-Gedanken befasst, wie es der Sturm und Drang auch getan hatte, doch jetzt mit neuer Akzuentierung.

Schiller ist Stürmer und Dränger, aber nie Romantiker gewesen, dennoch interessiert ihn die Thematik immer noch.

Der Romantik-Begriff der Romantik ist grob gesehen folgender:

Das Genie ist das Medium der Natur. Durch das Genie projiziert sich die Natur in ein anderes (das Kunstwerk) und kann sich durch diese Beziehung "fühlen". Das Werk des Genies ist deshalb potenzierte Natur.

Ursprünglich heisst das Gedicht: Natur und Schule. Es geht hier tatsächlich darum, wie der Künstler bei der Natur indie Schule geht.

Nun das Geidcht selbst:

Wiederholen zwar kann der Verstand, was da schon gewesen,

Was die Natur gebaut, bauet er wählend ihr nach.

Über Natur hinaus baut die Vernunft, doch nur in das Leere,

Du nur, Genius, mehrst in der Natur die Natur.

Die wichtigsten Wörter habe ich hervorgehoben. Die vierfache Wiederholung von Natur zeigt, dass diese Dimension hier maßgebend ist.

Das Menschliche wird durch Verstand, Vernunft und Genius umschrieben. Dabei  handelt es sich offensichtlich um eine Steigerung.

Der Vierzeiler beschreibt, wie diese Dimensionen (des menschlichen Geistes) sich auf die maßgebende Natur beziehen:

A. der Verstand wirkt nur "wiederholend", bringt also nichts Neues, aber nur "wählend" wiederholen, weil er auf die eigenen Grenzen angewiesen ist. Er wählt, was er wiederholen kann (also keine freie Wahl).

Formmerkmal: der zweite Vers ist ein Chiasmus (Grundsche abba: Natur - bauen - bauen - Natur). Betont, dass "er" (Verstand) auf Reduplikation angewiesen ist).

B. die Vernunft: sie kann zwar über die Natur hinausgreifen, da sie aber selbst nicht Natur ist, ist der Überschuss "leer". Vernunft kann sich zwar über die Natur erheben, mit der Folge, dass sie auch zum Feind der Natur wird, sie beherrschen will und sie dadurch zerstören kann (ist seit Descartes so und klingt eigentlich sehr modern).

C. der Genius: übersteigt beide anderen. Wird deshalb eigens behandelt: er wird angeredet ("du...") und bildet ein Kolon (Versteil) für sich ("Genius" steht zwischen zwei Kommas), und der Grund dafür wird ganz zuletzt formuliert (Pointe).

Nur in diesem Vers wird auch das Wort Natur wiederholt. Weil der Genius selbst Natur ist, kann er "in der Natur" die Natur mehren, das heisst in der Natur über die natur hinausgehen, ohne ins Leere zu greifen.

Das ist Schillers Standpunkt, um Kunst als pozentierte Natur poetisch darzustellen.



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Kommentar von achwiegutdass
15.01.2016, 00:29

Wer so dumm und neidisch ist, diese ausführliche, für Kleinkarrierte wahrscheinlich allzu kompetente Antwort negativ zu beurteilen, sollte wenigstens den Mut haben, Farbe zu bekennen - aber nein: zu deinem Verhalten gehört ja auch Feigkeit.

Ich hoffe, Klarissa01 wird dieses dämliche Verhalten mit der hilfreichsten Antwort ausgleichen wollen.

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Bei einer Gedichtsanalyse ist es immer wichtig drei Schritte zu befolgen. Erstmal analysieren (also beschreiben welche Stilmittel benutzt werden usw.), dann interpretieren (Was bewirken diese Stilmittel) und dann alles zusammenfassen. Ein gutes Beispiel einer Analyse und Interpretation findest du hier: 
Der Antritt des neuen Jahrhunderts - Friedrich Schiller (Übungsaufstz)

https://dokumente-online.com/der-antritt-des-neuen-jahrhunderts-friedrich.html

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