Wie am besten bilingual erziehen?

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10 Antworten

Grundsätzlich ist es nützlich und spannend, Kindern mehrere Sprachen beizubringen. Aber man darf doch einige Dinge nicht übersehen:

Die (erste) Muttersprache ist bei einem Kind die Umgebungssprache, d.h. die Sprache des Landes, in dem es lebt, sobald es mit der Umgebung Kontakt bekommt (also spätestens ab dem Kindergarten).

Das Kind spricht von sich aus die für ihn "leichteste" Sprache, d.h. die, die ihm am einfachsten über die Zunge kommt, und das ist die Muttersprache (s.o.).

Ganz falsch ist es deshalb, dem Kind vorzuschreiben, welche Sprache es verwenden soll, schon gar, Antworten in einer bestimmten Sprache nicht zu akzeptieren.

Die häufigste Situation ist wohl, dass ein Kind im Land mit der Sprache A lebt und ein Elternteil hat ebenso Sprache A als Muttersprache. Dann wird es normalerweise auch dem anderen Elternteil der zu ihm Sprache B spricht, in Sprache A antworten.

Manche Eltern denken dann, ihre bilinguale Erziehung sei gescheitert. Das ist aber nicht so. Bei genügendem Anlässen (Treffen mit anderen, die nur Sprache B, aber nicht Sprache A verstehen), lernt das Kind, Sprache B ebenfalls zu aktivieren, und zwar schnell und mühelos.

Ab einem bestimmten Alter (spätestens in der Pubertät) ist der Wortschatz und der Bedarf an Ausdrucksmöglichkeiten so gewachsen, dass Sprache B weder hinter Sprache A zurückfällt. Echte Zweisprachigkeit mit völlig ausgewogenen Sprachkenntnissen in zwei Sprachen, gleichzeitig in beiden auf muttersprachlichem Niveau, ist sehr selten. (Ich habe Diplomatenkinder kennen gelernt, die 4 Sprachen konnten, aber keine auf muttersprachlichem Niveau, wegen zu vieler Ortswechsel).

Zur bilingualen Erziehung gehören feste Regeln, vor allem "1 Person - 1 feste Sprache". Von tagesbezogenem Sprachwechsel halte ich nichts.

Trilinguale Erziehung: Voraussetzung ist immer, dass nur Muttersprachler dem Kind ihre Sprache beibringen, es muss also eine 3. Person her. (Ich würde mein Kind nicht von einem x-beliebigem Kindermädchen dessen Sprache beibringen lassen. Das muss schon jemand sein, der die Norm beherrscht.)

In jedem Fall wird sich bei den 3 Sprachen auch dort eine Rangfolge einstellen. Aber das macht ja nichts.

Sorgfältig beobachten, ob das Kind überfordert ist. Theoretisch ist es das nicht, aber das ist auch altersabhängig. Je kleiner das kidn ist, desto müheloser beherrscht es dann Aneignen von Sprachen. Je älter es wird, desto mühevoller kann es sein, dauernd 3 Sprachen zu verwenden, geschweige denn: verwenden zu müssen.

Ich habe jahrelange Erfahrung mit bilingualer Erziehung Deutsch und Esperanto. Zurzeit bin ich die 3. Person mit der 3. Sprache (Esperanto) für meinen 3-jährigen Enkel, der zweisprachig slowakisch-deutsch aufwächst.

Und zuletzt: Bei der Einschätzung, wie gut manche Kinder welche Sprachen gelernt haben, wird oft manches durch die rosarote Brille gesehen und übertrieben. Nüchtern bleiben! Es lohnt trotzdem.

Wow, das nenne ich mal eine Darstellung aus erster Hand! Vielen Dank! :)

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Nur Muttersprachler dürfen dem Kind ihre Sprache nahebringen, und du lehrst es Esperanto? Tolle Muttersprache, ich muss schon sagen.

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@Tabby09

Du scheinst meine Kommentare abzuklappern und negativ zu kommentieren, wenn Esperanto drin vorkommt.

Aber gut, das ist dein Bier.

Zur Sache: Eine Muttersprache im eigentlichen Sinne ist normalerweise die Ethnosprache der Umgebung eines Kindes. Esperanto ist aber als Zweitsprache konzipiert und kommt daher als Umgebungssprache nicht vor.

Trotzdem gibt es erstaunlich viele esperantosprechende Eltern, von denen einer mit seinen Kindern nur Esperanto spricht. Da hat Esperanto dann aber automatisch die Rolle der ersten Fremdsprache für die Kinder. (Die Folge ist übrigens, dass die Kinder später weitere Fremdsprachen erheblich schneller und besser lernen: "propädeutischer Effekt".)

Dabei wird ein Sprachniveau erzielt, das dem muttersprachlichen ebenbürtig ist, weshalb man auch dann von Esperanto als der zweiten (nachrangigen) Muttersprache sprechen kann.

Deshalb kann man auch in diesem Fall von der Regel abweichen, dass der Lehrende Muttersprachler sein soll.

Voraussetzung ist aber klar, dass der Lehrende wirklich Esperanto auf einem Niveau beherrscht, das dem einer Muttersprache gleichkommt. Bei mir war das der Fall.

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@RudolfFischer

Na dann, tschuldigung für´s negativ kommentieren, klang hier nur sehr lustig.

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Mit gleich drei Sprachen könnte ein Kind überfordert sein, vor allem dann, wenn beide Eltern nicht alle drei Sprachen selber perfekt beherrschen! Die bilinguale Erziehung hingegen macht durchaus Sinn!

Das ist ein Argument!

Danke :)

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Jedes Elternteil sollte mit dem Kind in seiner Muttersprache sprechen. Wenn die Eltern zur Verständigung eine Drittsprache benutzen- und diese auch richtig beherrschen- dann wird es am Ende so aussehen.

Kind redet mit Mama französisch, mit Papa deutsch und wenn alle zusammen sitzen englisch.

Schlimm ist es, wenn das erziehende Elternteil mit den Kindern in der Sprache des Partners spricht und diese nicht wirklich beherrscht. Das ist schlimmer als drei- oder sogar viersprachig aufzuwachsen! Ich spreche leider aus Erfahrung. Mein jüngere Tochter hat ihr Deutsch zu einem Teil vom Vater mitbekommen und sein Deutsch war alles andere als gut. Er hat Sätze verkürzt, teilweise falsche Endungen benutzt, die Zeiten verwechselt, usw. Meine Verbesserungsversuche waren oft vergeblich. Und zusätzlich hat er es versäumt mit seinen Kindern in seiner Muttersprache zu sprechen, so dass sie meiner Meinung nach eines Vorteil beraubt wurden. :-(

Ich würde das Kind nur bilingual erziehen. Wie du schon gesagt hast. Du sprichst Deutsch mit ihm und deine Freundin nur Französisch. Dann lernt das Kind beide Sprachen gut. Eine dritte Sprache würde ich erst später hinzufügen. Ich habe mal gehört, dass es in Deutschland sogar schon vereinzelt Kindergärten gibt in denen Englisch gelehrt wird. Ob das in Frankreich auch so ist weiß ich nicht.

bei freunden von mir funzt das prächtig! sie ist deutsche, ihre mutter allerdings französin. der vater des kindes ist italiener, gesprochen wird bei ihnen zu hause hauptsächlich englisch. somit sind die kinder von anfang an mit 4 sprachen konfrontiert worden. wer wirklich der meinung ist, dass kinder damit überfordert sind, hat wohl so gar keinen blassen schimmer, wie das menschliche gehirn funktioniert. ja mehr eindrücke und "hirnarbeit" ein kleinkind bekommt, desto einfacher wird ihm sein leben lang das lernen fallen. ich denke, dass es eine möglichkeit wäre, dass du mit dem kind dann in deiner muttersprache sprichst, deine frau in ihrer, und wenn ihr zusammen redet, dann ruhig weiter in englisch.

bei meinen bekannten hat es ca 2 jahre gedauert, bis die kinder gesprochen haben. und das bei allen 3en. dennoch haben die die sprachen nicht gemischt, sondern sind sauber in der sprache ihres gegenübers geblieben. das hat mich ziemlich begeistert. lass dir bloß nicht einreden, dass das ein kind überfordert. du kannst dich auch gerne an verhaltensforscher oder kinderpsychologen wenden. die werden dich ebenfalls beruhigen.... liebe grüße

Geht ohne Probleme, denn bei Kleinkindern wird jede Sprache, also egal ob es eine, zwei, oder drei sind, wie eine Muttersprache angelegt. Mein Sohn hat zu jedem Wort, das er gelernt hat, gleich alle Versionen gelernt.

Wie habt ihr das gemacht? Ich meine, Wörter lernen ist das eine, aber Sätze bilden das andere... habt ihr bestimmte Tage gesetzt für eine bestimmte Sprache?

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@FlyingTaxi

Das ging bei uns ganz zwanglos, denn durch meine Berufstätigkeit war gar nicht die Zeit, da groß Pläne aufzustellen. Ich stimme übrigens mit tinka82 überein, für Englisch solltet ihr euch vielleicht ein englisches Kindermädchen suchen.

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@FlyingTaxi

Das ging bei uns ganz zwanglos, denn durch meine Berufstätigkeit war gar nicht die Zeit, da groß Pläne aufzustellen. Ich stimme übrigens mit tinka82 überein, für Englisch solltet ihr euch vielleicht ein englisches Kindermädchen suchen.

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Das macht aber nur Sinn, wenn das Kind die 3. Sprache, hier also Englisch, auch richtig vorgesprochen bekommt. Können die Eltern z.B. Englisch nur gerade so gut, dass sie sich verständigen können, lernt das Kind diese Sprache falsch.

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Hallo.

Also meine Frau ist Ägypterin ich bin Deutscher. Wir machen es bei unseren 2 Mädchen so das meine Frau nur persisch bzw. ägyptisch mit ihnen spricht und ich nur deutsch. Wenn wir alle zusammen sind bei einem Ausflug oder beim Essen oder so da sprechen meine Frau und ich englisch untereinander und auch mit unseren Kindern. Am Anfang war es nicht so einfach aber unsere Kinder sprechen mittlerweile alle 3 Sprachen fließend. Hoffe ich konnte dir helfen

MfG Alex

ich kenne aus dem bekanntenkreis einen ähnlichen fall:

dort wurde es so gehandhabt.

mo-mi-fr wurde ausschließlich die eine sprache gesprochen. konsequent von allen familienangehörigen

di-do-sa die andere sprache

nur am sonntag durfte man die "muttersprache" sprechen. in diesem fall war es englisch, weil die familie in england wohnte.

vielleicht ist das eine anregung ?

Hey das klingt super! :)

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Coole Idee - so lernt jeder Elternteil auch bei der jeweils anderen Sprache dazu.

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@kataha

der betroffene hat zusätzlich noch weitere sprachen gelernt und ist ein sprachtalent geworden

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Die armen armen Kinder. meint ihr nicht, dass das viel zu viel ist für ein Kind??

Ehrlich gesagt nicht. Das ist sogar relativ normal. Was ist mit Kindern von Eltern zweier Staatsangehörigkeiten, die in einem dritten Land leben?

Zum Beispiel ein Italiener und eine Mexikanerin in den USA? Das ist ganz und gar nicht untypisch. Und im Regelfall lernen die Kinder jeweils die Muttersprache der Eltern + Englisch, da in den USA englisch gesprochen wird.

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@FlyingTaxi

Meinen Sie jetzt die Sprachschöpfungen, die bei Jugendlichen mit Migrationsdhintergrund allenthalben zu beobachten sind? - Na Danke! Dann lieber ein Sprache und die gescheit!

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@schelm1

Was man bitte nicht verallgemeinern und mit Klischees behaften soll.

Die Jugendlichen, die du bezeichnest haben oft ein sozial schwaches Umfeld sowie Eltern mit schlechten Sprachkenntnissen, was natürlich primären Einfluss auf den Wortschatz und das Sprachverhalten der Kinder hat. Zudem kommt es darauf an, ob man einen Migrationshintergrund hat und nicht mit einer Sprache aufwächst und sie später dazu lernt oder ob man mit der Sprache aufwächst.

Es gibt absolut ausreichend Gegenbeispiele.

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Diese (uralten) Befürchtungen sind wissenschaftlich LÄNGST WIDERLEGT!!! Nur weil es uns Erwachsenen schwer fällt sich auf eine andere Sprache einzulassen, projezieren wir gerne diese "Überforderung" auf Kleinkinder...

Dem ist nicht so! Das Gehirn von Babys/Kleinkindern ist so begierig Sprache aufzunehmen wie niemals sonst im Leben! Die Angst einer Überforderung des Kindes ist unbegründet! - Allein für die Eltern könnte es hart werden ;-) Ich habe auch schon von dem Tipp gehört nach Wochentagen getrennt eine der Sprachen innerhalb der Familie zu verwenden.

Bonne Chance - Viel Erfolg - Good Luck!!!

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dann macht doch erst mal die kinder und dann schauen wir weiter !

Ich möchts aber von Anfang an richtig machen.

Und wenn es dir hilft, wenn ich schreibe "Wir haben zwei Kinder im Alter von 7 Monaten", dann stell dir einfach vor, ich hätte das geschrieben. Darauf kommt es ja nun wirklich nicht an...

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@FlyingTaxi

Das denke ich aber auch! Die Zukunft wird Sie eines Besseren belehren!

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