Wie alt was Jesus nach den heutigen Erkenntnissen, als unsere moderne Zeitrechnung (aktuell 2017) begann?

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5 Antworten

Es liegen dazu überhaupt gar keine Erkenntnisse vor. 

Einig ist man sich lediglich hinsichtlich der Tatsache, dass die christliche Zeitrechnung nicht mit der tatsächlichen Geburt Jesu zusammenfallen kann und somit anachronistisch ist. Auch wenn die meisten Historiker darin übereinstimmen, dass es ein historisches Vorbild für die biblische Figur des Jesus von Nazareth wirklich gegeben hat, so gibt es außerhalb der Evangelien keine Quellen, wann genau dieser Mann geboren wurde. Und die Bibel ist als Quelle aus folgenden Gründen nicht als authentisch anzusehen:

Die Bibel nennt nicht Explizit das Geburtsdatum Jesu, aber sie schreibt, dass er unter der Herrschaft Herodes des Großen geboren wurde. Nach dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus starb Herodes im Jahre 4 v. Chr. - was auch deckungsgleich mit anderen Quellen ist.  Jesus muss also wenn man danach geht spätestens 4 v. Chr. geboren sein.

Außerdem wird im Lukasevangelium der Hintergrund seiner Geburt als Geschichte erzählt: hier sollen Joseph und seine Frau Maria aufgrund einer Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem, dem Geburtsort des Joseph gereist sein. Solche Volkszählungen als Eintrag in die Steuerlisten sind ab der Statthalterschaft des Quirinius verbrieft, der aber erst im Winter 6/7 n. Chr. sein Amt antrat. Eine frühere Steuererhebung durch die Römer gilt historisch als unwahrscheinlich, da Herodes noch selbst die Steuerhoheit innehatte und somit erst nach seinem Tod und der Klärung der Nachfolgestreitigkeiten die Römer in Judäa steuern erhoben. Die Bibel widerspricht sich also hier aus Sicht des Historikers.

Andere Datierungsversuche wie zum Beispiel durch astronomische Berechnungen, die sich mit der Frage nach der Erscheinung des Sterns von Bethlehem befassen, beißen sich ebenfalls mit anderen historischen Daten. Sie gelten damit als unhistorisch.

Somit ist Jesu Geburtsdatum im groben Raster zwischen den Jahren 7 v.  Chr und 7 n. Chr. historisch anzusiedeln, mit der größten anzunehmenden Wahrscheinlichkeit zwischen den Jahren 7 v. Chr. und  4 v. Chr. Jedoch ist diese Datierung rein hypothetisch, da Jesu Existenz aus wissenschaftlicher Sicht zwar wahrscheinlich, aber keineswegs bewiesen ist.

das würde ja bedeuten, dass jegliche zeitliche Angaben mit einem entsprechenden Postfix falsch in ihrer Bedeutung sind

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@Ivan69

Ja, so ist es.

Das ist aber einfach zu erklären: die Evangelisten schrieben ja nicht als Zeitzeugen, sondern mit einem größeren zeitlichen Abstand. Keiner von ihnen war zur Zeit von Jesu Geburt bereits geboren und hatte damals alle vorangegangen Ereignisse nur als Hörensagen erlebt: sie wussten, wann Herodes UNGEFÄHR gelebt hat, sie wussten, wann UNGEFÄHR Quirinius seine Steuerlisten aufgesetzt hat, und vielleicht wussten sie auch UNGEFÄHR, wann ein heller Stern am Himmel erschien. Aus all diesen Ereignissen, von denen sie etwas gehört, aber sie nie selbst erlebt hatten, schrieben sie nun eine Geschichte. Eine Geschichte mit einer religiösen Intention, mit einer wichtigen Botschaft und mit dem Ziel, ein breites Publikum zu erreichen. 

Da Intention, Botschaft und Ziel alle drei vor dem Anspruch, historisch authentisch zu sein standen, und generell kaum ein literarisches Werk in der Antike so einen Anspruch überhaupt hatte, da es ja noch keinen Geschichtsunterricht gab, ergeben sich selbstverständlich chronologische Unstimmigkeiten. 

Immer im Hinterkopf behalten: die Bibel ist ein Geschichten- aber kein Geschichtsbuch.

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@MarkusPK

ja, das hast du gut beschrieben, dass sich zwangsläufig solche chronilogischen Unstimmigkeiten ergeben. Ereignisse wurden ja auch nicht auf direktem Weg und alles andere als zeitnah festgehalten.

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Viele Historiker nennen aufgrund der Zeitumstände das Jahr 4 v.u.Z. als Geburtsjahr.

Der Stern von Bethlehem wird oft die dreifache Konjunktion Jupiter-Saturn angenommen und dann wäre das Geburtsjahr 7 v.u.Z.

Nach meinen eigenen Forschungen zum Stern von Bethlehem kann ich aber das Jahr 4 v.u.Z. bestätigen.

inwiefern kann man sich diese Nachforschungen vorstellen?

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@Ivan69

Die kann man sich so vorstellen, dass ich mehr oder weniger durch Zufall entdeckt habe, dass die Offenbarung eine astrologische Interpretation des Sternenhimmels ist. Zu jedem einzelnen Satz der Offenbarung kann ich den entsprechenden Sternenhimmel zeigen.

Ein befreundeter Historiker, mit dem ich das diskutiert habe, meinte zwar, das sei schlüssig, regte aber an, nachzuweisen, dass diese Astrologie der gesamten Bibel, also insbesondere den Prophetenberichten und dem Stern von Bethlehem zugrunde liegt.

Also bin ich hergegangen und habe in jahrelanger Fleißarbeit den täglichen Sternenhimmel zwischen 2000 v.u.Z bis etwa 500 u.Z, ausgewertet und habe parallel einen Zeitstrahl aller Prophetenberichte erstellt und siehe da, das passt komplett von vorne bis hinten zusammen. Zum Glück geben die Propheten nicht selten konkrete Zeiten ihrer Beobachtung an, z.B. Hesekiel:
"Im neunten Jahr, im zehnten Monat, am zehnten Tage des Monats, erging das Wort des HERRN an mich also:"

Und immer, wenn in den Berichten ein bestimmtes Motiv genannt wird, kann man am selben Tag auch immer dieselben Konstellationen am Himmel sehen.

Das betrifft auch den Stern von Bethlehem. Der Sternenhimmel im Jahre 4 v.u.Z. zeigt dieselbe Konstellation der Planeten im selben Sternbild an, wie bei den Ankündigungen des kommenden Messias im AT.


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@Hamburger02

das ist sicherlich interessant. Ich meine solche bzw. ähnliche Prüfungen in Fernsehdokumentationen gesehen zu haben, wo nach passenden Mappings zwischen den Texten und dem zurückgerechneten Sternenhimmel und Kometenberechnungen gesucht wurde. Gleiches wurde ja auch intensiv bei Stonehenge und verschiedenen Pyramiden in Mexico gemacht (z.B. die große in Chichen Itza und Teotihuacan)

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@Ivan69

Richtig, da steckt ein ähnliches Prinzip dahinter. Habe meine Vorarbeiten auch von einem Astronomen, der bei der Entschlüsselung der Himmelsscheibe von Nebra mitwirkte, prüfen lassen, und der stellte die Korrektheit fest, meinte aber, dass er selber keine Lust zu so einer aufwändigen Fleißarbeit wie meiner hätte.

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Darüber streiten sich die Fachleute. Vier Jahre oder sieben Jahre - genau weiß es keiner.

ja, so hatte ich das auch gelesen

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@Ivan69

Um was geht es Dir genau? Um das zurückgerechnete Datum oder darum, wann die heute aktuelle Zeitrechnung zu verwenden begonnen wurde? Der Unterschied beträgt in etwa 1582 Jahre.

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Als unsere moderne Zeitrechnung begann? Wie meinst Du das? Zur Zeit Jesu gab es die Zeitrechnung, die sich angeblich nach Christi Geburt ausrichtete noch gar nicht. Der julianische Kalender existierte seit der Zeit 45 Jahre vor dem heute zurückgerechneten Beginn unserer Zeit. Die Zeit, wie wir heute die Kalenderjahre messen begründet sich auf dem gregorianischen Kalender 1582 zu verwenden begonnen wurde.

Mit anderen Worten, war Jesus etwa 1550 Jahre lang nicht mehr auf der Welt, als der heutige Kalender zu verwenden begonnen wurde.

wie genau ich das meine? Dazu hatte ich extra in Klammern die Jahreszahl 2017 benannt. Diese Zeitrechnung und du hast das ja auch schon sehr gut benannt in diesem Posting.

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@Ivan69

Ich meinte mit der Frage, "wie meinst Du das?" was Du meinst, wann die aktuelle Zeitrechnung begann, denn es gibt einen enormen Unterschied zwischen dem Beginn der zurückgerechneten Zeitrechnung und dem Beginn ihrer Nutzung. 

Das Jahr 2017 basiert auf dieser Zeitrechnung, aber sie wurde augenscheinlich erst ab dem Jahr 1582 verwendet. Alles, was davor war oder davor gewesen sein soll, einschließlich der Geburt, dem Leben, Lehren und Wirken Jesu sowie dessen Tod wurde lediglich zurückgerechnet und, zumindest in Bezug auf seine Geburt sogar noch falsch. Eigentlich sollte Jesus der Überlieferung nach kurz vor dem Jahr 1 geboren werden, also laut dem 24.12. sieben Tage davor, denn der Mist mit dem 24.12. ist schon davor verbrochen worden.

Spätere Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass Jesus nach dem gregorianischen Kalender in einem Jahr von 7 bis 4 vor Beginn dieser Zeit geboren wurde, da Herodes, der alle Neugeborenen in und um Bethlehem töten lies, im Jahr 4 vor Beginn unserer Zeit gestorben ist.

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@JTKirk2000

ich habe es doch geschrieben, 2017. Dass diese Rechnung nicht mit dem Jahr 0 begann ist richtig und gleichzeitig irrelevant für diese Betrachtung. Relativ zum Jahr 0 gibt es Annahmen, wann Jesus geboren sein müsste, wo Zahlen von 4-7 Jahren die Runde machen.

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@Ivan69

Relativ zum Jahr 0 gibt es Annahmen, wann Jesus geboren sein müsste, wo Zahlen von 4-7 Jahren die Runde machen.

So ist es. Eher wahrscheinlich als 4 ist aber 7 Jahre. Wäre er im Jahr 4 vor unserer Zeit geboren worden, hätte das Herodes wohl kaum noch interessiert, es sei denn er ist sehr überraschend gestorben, nämlich laut Wikipedia und dort weiterführenden Quellverweisen im März im Jahre 4 vor unserer Zeit (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Herodes ). 

Da Jesus wahrscheinlich im April geboren wurde, ist es eher unwahrscheinlich, dass Herodes da noch den Kindermord in Bethlehem befohlen hätte, wenn Jesus im Jahr 4 v. u. Z. geboren worden wäre.

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@JTKirk2000

im April? Den 25.März hältst du dann für weniger wahrscheinlich?

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@JTKirk2000

das ist ein potentieller Geburtstag, den ich im Netz gefunden habe.

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@Ivan69

Okay, mal was anderes, also das Datum meine ich. 

Wie ich mal erfahren habe, scheint der Oktober zur damaligen Zeit als der 8. Monat gezählt worden zu sein, daher auch Oktober, denn im Lateinischen steht octō für 8. Da im Lukasevangelium steht, dass der Engel Gabriel Maria im 6. Monat erschien, dürfte dies also 2 Monate vorher gewesen sein in Folge dessen sie den Sohn Gottes empfangen haben soll, also im August.

Nimmt man eine etwaige Schwangerschaftsdauer von etwa 40 Wochen, so erhält man etwas über 9 Monate, was dann Mai bis Juni bedeuten würde.

Geht man davon aus, dass bei der Übersetzung die Zählung der Monate auf die uns bekannte übertragen wurde, so ist mit dem 6. Monat nicht der August, sondern der Juni gemeint, womit die Geburt Jesu in den März oder April fällt. 

Allerdings bedeutet es nicht zwangsläufig, nur weil der Engel Gabriel der Maria im 6. Monat erschien, dass dies Anfang dieses 6. Monats geschah und dass die Empfängnis praktisch gleich darauf stattfand oder in den direkt folgenden Tagen.

Anderenfalls wiederum kann sich dieser erwähnte 6. Monat auch darauf beziehen, dass damit der 6. Monat der Schwangerschaft Elísabets mit Johannes dem Täufer im Lukasevangelium gemeint ist. Dies wird durch die weiteren 3 Monate des Besuchs von Maria bei Elisabet vermutlich bekräftigt, obwohl sich da die Frage stellt, welche Frau direkt vor, bei oder direkt bei der Geburt eine Freundin verlässt, denn sie waren sicher befreundet, da sie wohl sonst kaum 3 Monate zu Besuch geblieben wäre.

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@JTKirk2000

wenn man bei all diesen möglichen Rechnungen noch in Erwägung zieht, dass die Schwangerschaftsdauer durchaus variieren kann ...

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@Ivan69

Eben. Und so viel gerechnet habe ich da eigentlich eher nicht. Wenn ich nach Wochen gegangen wäre, was eigentlich kompletter Humbug wäre, da die Bibel ja nur von Monaten berichtet, dann wäre es vielleicht interessant geworden, aber von dem Sinn einer Berechnung her auch entsprechend überflüssig.

Man müsste schon eine funktionierende Zeitmaschine haben, um wirklich herausfinden zu können, ob und wann Jesus geboren worden ist. Aber wenn es eine solche Zeitmaschine geben soll, die eine Zeitreise (so weit) in die Vergangenheit ermöglichen sollte, würden vermutlich viele Erkenntnisse über Raum, Zeit, Energie und Massenträgheit überarbeitet werden müssen.

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