Widerspricht die Bergpredigt nicht der Rechtfertigungslehre?

... komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Nein, wieso?

Die sogenannte Rechtfertigungslehre besagt ja nur, dass man sich das Himmelreich nicht verdienen kann, nur gute Taten reichen nicht aus sondern grundlegend ist die Hinwendung und der Glaube an Gott: Gute Werke folgen dann aufgrund des Glaubens und nicht weil man sich das Himmelreich sichern will.

Was Jesus in der Bergpredigt sagt ist kein Widerspruch, er sagt, dass diejenigen nicht in den Himmel kommen, die sich nicht ändern, die nicht gerecht sind und sich nicht an die Gebote halten - das ist aber keine Handlungsanweisung, um sich einen Platz im Himmel sichern kann, sondern man soll aufgrund der Überzeugung dass die Gebote richtig sind, handeln.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Luther hat aber nie behauptet, dass alle in den Himmel kommen. Die Rechtfertigungslehre besagt, dass das Himmelreich nicht durch gute Werke garantiert ist, sondern allein durch die Gnade Gottes (sola gratia). Luther hat sich damit gegen den Ablasshandel gewandt, den die katholische Kirche zu seiner Zeit exzessiv betrieben hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von 23232313231
14.05.2016, 15:47

Also kommen nach Luther nur gläubige Christen in den Himmel?

Glaubte er dann also auch an die Hölle, wo der Rest (andere Religionen, Christen, die den Glauben nicht verinnerlicht haben etc.) hinkommen?

0

eleteroj bringt es mit dem letzten Satz auf den Punkt:

"Wer nun ins Königreich Gottes eintreten wird, dazu gibt es viele Parabeln im Evangelium. Wer draußen bleibt, obwohl er eingeladen wurde, tut das kraft seines freien Willens." 

Ich sehe deshalb auch keinen Widerspruch. Auch Luther sagt nicht, dass alle Menschen in den Himmel kommen. Die Meinung der Katholischen Kirche war ja damals, dass man sich den Himmel mit Geld oder Taten "erkaufen" kann. Luther sagte zu Recht, dass dies biblisch nicht begründet ist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Frage Dich doch einmal: Wen meint Jesus mit denen, die nicht ins Himmelreich kommen. Im Falle 7, 21 ist es recht eindeutig: Es sind Menschen, die 'Herr, Herr' sagen, es aber im Grunde nicht meinen, Heuchler. Und wenn wir uns überlegen, wie Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten mehr als einmal in Matth. 23 nennt - nämlich auch wiederum Heuchler, wird die Sache eigentlich klar. Und auf die Heuchler war Luther auch nicht gut zu sprechen. Ach, wenn Du Deine Bibel zur Hand nimmst, lies doch auch noch Matth. 21, 28 - 32. Ich finde, eine sehr aufschlussreiche Passage.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weder die Bergpredigt noch Luthers Rechtfertigungslehre offenbaren namentlich, WER nicht ins Himmelreich kommt. ;-) Gruß, q.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

die Kernfrage von Luther war: Wie findet der (erbsündige) Mensch einen gnädigen Gott?

Und er beantwortet sie mit dem Pauluszitat im Römerbrief: Ho de dikaios ek pisteos zäsetai - der Gerechte lebt (nur) aus dem Glauben.

Die Paulus/Luther-Theologie steht tatsächlich im Widerspruch zur Theologie des Jakobus-Briefs, der den bzw. das Glauben nicht verabsolutiert als die alleinrechtfertigende Geisteshaltung, sondern er sagt:

Was hilfts, liebe Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat
doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen?
15
So aber ein Bruder oder eine Schwester bloß wäre und Mangel hätte der täglichen Nahrung,
16
und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch
und sättiget euch! ihr gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft
ist: was hülfe ihnen das?
17
Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an ihm selber.
18
Aber es möchte jemand sagen: Du hast den Glauben, und ich habe die
Werke; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen
Glauben zeigen aus meinen Werken.
19
Du glaubst, daß ein einiger Gott ist? Du tust wohl daran; die Teufel glauben's auch und zittern.
20
Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, daß der Glaube ohne Werke tot sei?
21
Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke gerecht geworden, da er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte?
22
Da siehst du, daß der Glaube mitgewirkt hat an seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden;
23
und ist die Schrift erfüllt, die da spricht: "Abraham hat Gott
geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet," und er ward ein
Freund Gottes geheißen.
24
So sehet ihr nun, daß der Mensch durch die Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.25
Desgleichen die H* Rahab, ist sie nicht durch die Werke gerecht
geworden, da sie die Boten aufnahm und ließ sie einen andern Weg hinaus?
26
Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Dieser theologische Widerspruch wurde nie aufgelöst, auch Luther war das sehr wohl bewusst: er nannte den Jakobus-Brief kurzerhand eine Stroh-Epistel.

Wer nun ins Königreich Gottes eintreten wird, dazu gibt es viele Parabeln im Evangelium. Wer draussen bleibt, obwohl er eingeladen wurde, tut das kraft seines freien Willens.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Rosenblad
14.05.2016, 20:03

Diese lehrreiche Antwort "spart" mir eine Frage - Danke!

1

Garnicht. Luther (bzw. die Theologie der Reformation) ignoriert in diesem Punkt weitgehend die Botschaft Jesu.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bei unserem ewigen Vater gibt es keine "Rechtfertigung", es ei denn, wir sind in Christus (Röm.5,18). 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bist du gut in englisch? 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was ist eine Rechtfertigungslehre" ?

Vor unserem ewigen Schöpfer ist "Demut" angesagt (Eph.4,2), keine "Rechtfertigung" (1.Petr.5,5).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?