Widersprechen polyamore Beziehungen nicht der Vernunft?

Das Ergebnis basiert auf 19 Abstimmungen

Ich bin für monogame Beziehungen! Es widerspricht der Vernunft 68%
Ich würde eine polyamore Beziehung eingehen! Widerspricht nicht 26%
Ich weiß es nicht so ganz 5%

15 Antworten

Ich würde eine polyamore Beziehung eingehen! Widerspricht nicht

Hallo Johanmiller,

das Spannungsfeld, was Du beschreibst, sehe ich durchaus in ähnlicher Weise. Ich habe mich vor noch gar nicht so langer Zeit gefragt, was das alles mit der Liebe ist - und warum sie insbesondere (theologisch betrachtet) für den Himmel so essentiell zu sein scheint.

Mit einem Axiom - Raumzeitlosigkeit von Gott - lässt sich Liebe universal und auf alle Menschen gleichermaßen wirkend darstellen. Es gibt dabei weder Forderungen noch Erwartungen, da diese Prozesse erfordern, die es in Raumzeitlosigkeit nicht geben kann. Dafür schafft die Liebe Fülle - und mit ihrer Universalität größtmögliche Freiheitsgrade. Sie ist ein Geben und Schenken. Niemand ist zu Gunsten von jemand anderem benachteiligt. Letztlich macht die Liebe eins, denn es gibt keinen Raum mehr - und sie ist zeitlos und ewig.

Auf einer ganz anderen Seite steht die Fortpflanzung - archaisch menschheitsgeschichtlich - auf eine Optimierung in eine Richtung orientiert. Diese Archaik widerspricht im Grunde diesem Ansatz der Liebe, da sie nur auf die eigene Person schielt.

Sexualität ist zum einen zur Fortpflanzung notwendig - zum andern ist sie mit dem körperlichen Ausdruck von Einheit das wohl stärkste Symbol der Liebe. Das lässt sich vereinen: in Liebe dürfen zwei Menschen neues Leben schenken.

Mehrere Menschen zu lieben, ist somit etwas der Liebe intrinsisches. Ferner ist Liebe selbstverständlich - einfach nur da. Eine Partnerschaft ist somit nicht mehr die (zwingend notwendige) Folge von Liebe, sondern darf sich auf Liebe gründen. Eine Partnerschaft ist somit ein Commitment von zwei oder auch mehreren Menschen, ihr Leben miteinander zu gestalten und zu leben.

Eine Partnerschaft in Liebe kann nicht den Anspruch haben, einen Partner oder eine Partnerin für sich zu haben. Die Partnerinnen und Partner dürfen sich gegenseitig und auch andere Menschen lieben. Jetzt hängt es davon ab, wie viel Nähe sie mit diesen anderen Menschen teilen können. Unter sich selbst werden sie große Nähe teilen können.

Nehmen wir an, es existiere eine Gruppe von Menschen, in denen es mindests ein Paar gibt. Nehmen wir weiter an, dass sich alle Menschen dieser Gruppe lieben können - und o.B.d.A. dass sie alle gemeinsam gleich viel untereinander teilen können. Hätte das Paar die Ansicht, den Partner oder die Partnerin mit einem anderen Menschen teilen zu müssen, schwingt ein Besitzanspruch, der zur Liebe im Widerspruch steht, mit. Vielmehr schenkt sich das Paar auch den anderen Menschen, wie diese sich auch dem Paar - und den beiden durchaus in einem Moment einzeln - schenken.

Einst war ich mit meiner damaligen Partnerin in einem solchen Freundeskreis - und es war für uns alle eine traumhafte und wundervolle Zeit. Wir kannten weder Ablehnung noch Eifersucht. Niemand war je ausgeschlossen. Und das, was ich eben gesagt habe, hatte ich beobachtet.

Es war also möglich - und die Liebe hatte es in meiner heutigen Ansicht in der angegebenen Beschreibung generell ermöglicht - dass einzelne Menschen sich und ein Paar lieben, das Paar wieder die einzelnen Menschen. Gleichermaßen liebt sich auch das Paar - und bleibt weiterhin in seiner Partnerschaft.

In meinen Augen ist es keine Polyamorie mehr, wenn sich gerade bei einer Partnerschaft ein Partner oder eine Partnerin ausgeschlossen fühlt oder ausgeschlossen wird. Es ist auch keine Polyamorie, wenn sich eine Gruppe von Menschen nur gegenseitig Sexualität teilt. Dann fehlt das, was den Begriff "Amorie" ausmacht: die Liebe.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

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Hallo Earth,

ich geh da ganz mit dir, dass Liebe in einer Partnerschaft nichts mit Besitz tun hat. Niemand kann eine Person besitzen, nicht mal die Eltern das eigene Kind. Auch Gott besitzt uns nicht, denn seine Liebe schenkt die Freiheit. Sogar die Freiheit sich ja gegen ihn zu entscheiden. Da geh ich ganz mit dir...

Aber ich habe mich ja im Rahmen meiner Masterarbeit mit Trinitätstheologie und einer Anthropologie der zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigt und ich komme vorläufig (nach der ersten Lektüre) zu dem Schluss, dass Leben nur durch zwei Indivduen weitergegeben wird. Auch die Trinität besteht aus drei Einzigen, die eine Gemeinschaft bilden. Vater und Sohn sind vereint und es eint sie der Hl. Geist. Er geht von beiden aus. Wenn wir das auf eine Familie oder Paar übertragen, so entsteht das Kind aus der elterlichen Liebe und die späteren Drei oder auch dann mehr Kinder bilden eine neue Gemeinschaft aus der Liebe hervorgeht.

Ich glaube auch, dass man mehr Menschen lieben kann. Ich liebe ja auch meinen Kumpel auf eine freundschaftliche Weise, aber auf eine partnerschaftliche? Liebe fordert, das sich ganz "ein"lassen auf das Gegenüber, mit ihm alles zu teilen und das kann man meiner Meinung nach nicht, wenn ich Liebesbeziehungen zu 30 Leuten pflege. Das kann ich auch in Freundschaften. Und dann geht´s letztendlich doch nur um Sex. Denn das teilt man mit Freunden bekanntlich nicht.

Liebe Grüße

der Ex-Spaziergaenger

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@Johanmiller

Aus den Augen irgendwie verloren - und doch wiedergetroffen.

Die Partnerschaft hat den enormen Vorteil - und gehen wir von einer Partnerschaft in Liebe aus - dass es eben diese zwei Menschen sind, die neues Leben schenken; und in ihrem gemeinsamen Leben auch sich um dieses neue Leben kümmern.

Ich bin nicht der Meinung, dass es grundlegend immer um Sex geht. Das mag so in der Gesellschaft gepflegt werden. Für mich steht die Liebe immer im Vordergrund - und Sexualität sehe ich eben als den wohl intensivsten Ausdruck der Liebe. Ich billige generell auch einer Freundschaft Sexualität zu - wobei wir es eher selten finden werden, dass Freunde sich gegenseitig dies teilen.

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@EarthCitizen20
Ich billige generell auch einer Freundschaft Sexualität zu - wobei wir es eher selten finden werden, dass Freunde sich gegenseitig dies teilen.

Aber was ist dann der Unterschied zu einer Partnerschaft? Sex mit Freunden, Sex mit der Partnerin? Ich liebe alle... Ich soll auch meinen Nächsten lieben wie mich selbst.

Ich weiß nicht.... Liebe ist zwar ein allgemeines Prinzip, wenn nicht sogar das Lebensprinzip, aber es gibt dennoch verschiedene Feinheiten oder!?

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@Johanmiller

Mit der Universalität der Liebe wird eine Partnerschaft etwas rein natürliches - während die Liebe selbst etwas Geistliches bleibt.

Wir sind Sexualität in der Partnerschaft gewohnt, so dass Sexualität einem wie ein Attribut der Partnerschaft vorkommt. In meinen Augen ist sie aber aus der Liebe herleitbar.

Lieben wir unsere Partnerninnen, haben wir gerne Sex mit ihnen aus Liebe (und nicht stand-alone). Wir erlauben uns in der Partnerschaft gewohnheitsgemäß große Nähe, die der Sexualität den Weg bahnt.

Mit einer Freundin mögen wir wieder gewohnheitsgemäß weniger Nähe teilen - und wegen der gewohnten exklusiven Sexualität in einer Partnerschaft in der Freundschaft Sexualität vermeiden. Da Sexualität sich aber aus der Liebe ableitet, ist sie auch in einer Freundschaft möglich.

Wir Menschen werden es nicht schaffen, mit all unseren Freunden und Freundinnen gleichermaßen viel zu teilen. Das trägt aber unserer Liebe nichts ab. Und so gelten Jesu Worte immer: liebe Deinen Nächsten - aber je nach dem Nächsten oder der Nächsten in der Ausdrucksweise, die diese Person auch teilen kann und mag.

Letztlich dürfen wir Liebe als das Lebensprinzip sehen - und umso mehr: das Prinzip unseres Göttlichen Seins.

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@EarthCitizen20

Ja, aber dennoch finde ich das wir dann Freundschaft und Partnerschaft trennen müssen, weil Sexualität aus Liebe entsteht. Liebe hat aber das Ziel etwas weiter zugeben und zu teilen und in der Partnerschaft, hat das den Sinn Leben weiter zugeben! Leben ist produktiv und Liebe muss sich nicht nur der Sexualität äußern. Das ist der größtmögliche Ausdruck.

Die Nächstenliebe äußert sich im Teilen miteinander.

In einer Freundschaft äußert sich die Liebe in der gegenseitigen Sorge umeinander und der Unterstützung sowie dem Teilen.

In die partnerschaftliche Liebe äußert sich die die Liebe im gemeinsamen Teilen, der Sorge und der Zu-Gewandtheit und der Sexualität. 

Das sind die Feinheiten oder besser gesagt, die Ausdrucksformen von Liebe. So wie die göttliche Liebe zwar universal ist und der gesamten Schöpfung zugetan ist, so ist aber die innertrinitarische Liebe eine partnerschaftliche Liebe, die nur den drei göttlichen Personen zuteil wird. Dennoch lassen sie die Schöpfung daran teilhaben.  

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@Johanmiller

Ich sehe die Partnerschaft etwas anders herum. Sie ist soziologisch gesehen sehr ideal, um ein Kind - neues Leben - zu behüten, zu leiten, aufzuziehen. Letztlich sehe ich in der Liebe den Moment, neues Leben zu schaffen. So, wie wir - in prozessmäßiger Näherung - sagen können, dass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, so sehe ich das mit uns und neuem Leben.

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Ich persönlich bin auch ein monogamer Typ, allerdings erschließt sich mir deine Prämisse nicht ganz: Ich glaube nicht, dass Polyamorie notwendigerweise bedeutet, dass man sich für ein Weniger an sozialer Bindung entscheidet - genauso, wie denkbar ist, dass Du deinen Partner im Falle einer etwa Dreiecksbeziehung „teilen“ musst, ist auch genauso gut vorstellbar, dass sich daraus eine Gemeinschaft aus drei Menschen ergibt - was im Sinne deiner Fragestellung und Herangehensweise dann ja eigentlich noch viel Vernünftiger sein müsste.

Ich glaube ferner weniger, dass Trieb und Ratio von Haus aus widerstreitende Prinzipien sind, sondern, dass ein nichthierarchisches Nebeneinander beider Aspekte besteht, die in dieser, nicht voneinander zu trennenden Mischung den Menschen gerade erst ausmacht. Der Mensch ist meines Erachtens genausosehr „Triebwesen“ wie „Kopfwesen“ und es pervertiert meines Erachtens den Naturbegriff, Beziehungsgestaltung als eine rein rationale Entscheidung darzustellen und dies mit einer Natürlichkeit der Vernunft zu begründen.

Die Antwortmöglichkeiten sind etwas sehr zweifelhaft.

Ich für mich bin für monogame Beziehungen, verstehe allerdings nicht, wieso polygame Beziehungen der Vernunft widersprechen sollen...

Ich für meinen Teil, könnte es mir nicht vorstellen, meine Freundin mit irgendeinem Typen zu teilen und genauso würde ich es nicht tun wollen.

Richtig, du für deinen Teil.

Wenn Biologen und Evolutionsforscher sagen, dass auch der Mensch nicht für monogame Beziehungen geschaffen sei, dann mag das biologisch stimmen, aber ich bin der Überzeugung, dass der Mensch eine Vernunft bekommen hat.

Wäre der Mensch immer monogam gewesen, würde er heute wahrscheinlich gar nicht existieren. Was hat die Vernunft damit zu tun? Nur, weil du für deinen Teil keine polygamore Beziehung eingehen würdest?

Ich habe Theologie studiert

Das kann ja heiter werden. Und dann über Vernunft sprechen...

Weil ich den freien Willen betone, sage ich auch, dass Menschen gerne mit mehreren Menschen eine "Beziehung" führen können, aber ich mag es nicht, dass die Biologie die Sexualtriebe so hoch stellt und die Vernunft untergeht.

In wie weit soll es denn deiner Meinung nach die Vernunft "[untergehen]". Von dir kommt bisher nur Geschwurbel. Du nimmst ein paar Mal das Wort "Vernunft" in den Mund, ohne das in irgendeiner Form zu begründen. Dir fehlt in deiner "Argumentation" jegliche Grundlage, die du nicht bereitstellst.

Der Mensch sucht eben nicht nur einen Partner für Sex und Aufzucht der Kinder, sondern, da er ein soziales und vernunftbegabtes Wesen ist, welches Zeiträumlich denken kann, einen Partner der zugleich auch mit ihm eine lebenslange Gemeinschaft bildet.

Was hat das mit Vernunftbegabtheit zu tun? Warum soll es nicht vernünftig sein mehrere Partner zu haben? Das wird in deiner Frage komplett "[untergangen]" ( ;-) ).

Was sagt ihr? Würdet ihr eine polyamore Beziehung eingehen? 

Nein.

Was spricht dafür oder dagegen?

Gibt sone und solche; und dann gibt's noch ganz andere, aber das sind die schlimmsten.

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Ich habe Theologie studiert Das kann ja heiter werden. Und dann über Vernunft sprechen...

Das spricht schon dafür, dass man wieder Null Ahnung hat... Schon mal gehört, dass Philosophie und Theologie vereint gelehrt werden bzw. Philosophie (auch religionskritische Philosophen) zum Theologiestudium gehört? Ne oder?

Ethik!?, Sozialethik? Humanwissenschaften wie z.B. Psychologie?, Soziologie? Gehört alles mit in einen theologischen Studiengang.

Manche denken auch nur, man betet in der Theologie oder so... Man oh man.

Aber das nur dazu.... Bzw. Theologen sind auch in der Wirtschaft gefragt ;)

Zweitens habe ich eine These bzw. eine Frage aufgestellt! Jeder kann seine Meinung sagen und ich habe auch nicht gesagt, dass ich dagegen bin und aus dem freien Willen die Entscheidung für eine polyamore Beziehung legtim sein kann, aber in meinen Augen nicht vernünftig.

Eine polyamore Beziehung ist in meinen Augen nicht vernünftig, weil eine partnerschaftliche Liebe auf ein ganzheitliche Liebe abzielt. Man kann sich nur einem Menschen ganz und gar hingeben und nicht 10 oder 20. Man kann nur einem Menschen seine ganze volle Aufmerksamkeit schenken. Man kann auch mehrere Menschen lieben, JA, aber das äußert sich meiner Meinung nach in sehr guten Freundschaften und da spielt jedoch die Sexualität keine Rolle.

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@Johanmiller
Schon mal gehört, dass Philosophie und Theologie vereint gelehrt werden bzw. Philosophie (auch religionskritische Philosophen) zum Theologiestudium gehört? Ne oder?
Ethik!?, Sozialethik? Humanwissenschaften wie z.B. Psychologie?, Soziologie? Gehört alles mit in einen theologischen Studiengang.

Vernunftgeleitete Menschen, studieren halt Fächer wie z.B. Soziologie, und lassen den abergläubischen Mumpitz einfach weg. :)

in meinen Augen nicht vernünftig.

Wen interessiert´s, was jemand für "vernünftig" hält, den man selbst nicht für vernünftig hält? :)

Die abrahamitischen Religionen haben allesamt ein dermaßen verkorkstes Verhältnis zur Sexualität, da kann man schon von vorneherein davon ausgehen, dass ein Gespräch mit solchen bedauernswerten Menschen vollkommen sinnlos ist.

Folge Du einfach deiner "Vernunft", und kümmer dich nur um deinen Kram.

Die Zeiten, in denen Theologen anderen Menschen irgendwelche Vorschriften oder "Empfehlungen" gemacht haben, wie die gefälligst zu leben haben, sind dann ja nun doch in diesen Breitengraden erfreulich- und sinnvollerweise seit geraumer Zeit vorbei ... :-))

... braucht dich also genau null zu beschäftigen.

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