Wichtigste Dinge zum Distanzreiten!?

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2 Antworten

Ich habe früher Distanzen mit meinem Araber geritten.Von 30 bis 60 km. Mit 30er Ritten habe ich angefangen, mich dann langsam hochgesteigert.  Allerdings gebe ich zu, dass das schon 20 Jahre her ist. Da gab es noch kein GPS. Ich  hatte da nicht mal ein Handy.  Das habe ich auch einmal sehr bereut, weil ich mich mal in der Eifel arg verritten hatte.

Wir, mein Pferd und ich standen im Wald und waren verloren. "Wo geht es denn jetzt hin?"fragte ich ihn ratlos. Und er antwortete: "Das weiß ich auch nicht. Ich kenn mch hier nicht aus. " LOL. Ich habe fünf Stunden gebraucht, um aus dem Wald rauszufinden und sie hatten schon alles abgeräumt, als ich endlich auftauchte. Ich muss allerdings sagen, dass es nicht nur meine Schuld war.  Der veranstaltende Verein machte öfters solche Ritte und kennzeichnete die Wege immer mit Punkten. Die dann übermalt wurden oder auch nicht.  Jedenfalls standen wir beide, als ich meinem Pferd die Frage stellte, auf einem Platz, der nur von Punkten so wimmelte.

Distanzreiten auf Amateurbasis ist herrlich. Nirgendwo habe ich soviel Kameradschaft erlebt und so wenig Neid. (Distanzreiten auf Profibasis, wenn die Scheichs mitreiten...da schweigen wir lieber. Das ist Tierquälerei und die hochgedopten Pferde sterben wie die Fliegen. Aber das ist ein anderes trauriges Thema).

Distanzreiten ist kein Teamwettbewerb, obwohl man oft im Team reitet. Es gibt Ritte mit gebundenem Tempo, also Tempo 6 und Tempo 5  (1 km in sechs oder 5 Minuten) und es gibt Ritte mit freiem Tempo. Da gewinnt der Schnellste, wenn der TA das Pferd durchlässt. Ich habe schon Distanzritte erlebt, wo der TA ein Massaker veranstaltet hat und jeden zweiten rausgeworfen hat. Das kleinste Zucken im Rücken, das geringste Ticken, das man nur durch das Mikroskop erkennen konnte, führte zum Ausschluss. So sollte es auch sein. Ritte, wo jedes dreibeinige Pferd in der Wertung bleibt, machen keinen Spaß. Angekommen ist gewonnen, sollte es immer noch heißen.

Die kleinen Ritte sind immer Ritte mit gebundenem Tempo. Da gewinnt der Reiter, der am wenigsten Strafpunkte einkassiert und dessen Pferd die beste Kondition hat. Vorausgesetzt, der Ta lässt das Pferd durch. Strafpunkte bekommt man für das Überschreiten der Zeit und wenn das Pferd bei den Pulswerten (ich glaube Atemwerte gibt es nicht mehr ??) über der Norm liegt.
Bei den gebundenen Ritten startet man meist zu zweit oder zu dritt im 5 Minuten Abstand. Trotzdem wird man einzeln gewertet und siegt/verliert auch einzeln.
Bei Ritten mit freiem Tempo gibt es einen Massenstart, es starten also alle gleichzeitig. Ich habe mich mit meinem Araber dann immer zurückgehalten und bin Schritt geritten und habe die Massen dann erst mal ziehen lassen. Und gedacht: "Ich hole euch sowieso alle wieder ein." Mein Araber war von seiner Veranlagung her in der Lage alles "tot" zu laufen.

Startgeld hat damals 1 DM pro km gekostet. Also in meinem Fall bis 60 DM für einen 60er Ritt. 

Du brauchst Helfer für so einen Ritt, die dir in der Pause das Pferd abnehmen und versorgen. Denn du musst ja mal für kleine Mädchen und auch was trinken. Da bist du froh, wenn du Helfer hast.

Ach, ich könnte unendlich viel erzählen. Aber dazu reicht hier der Platz nicht.  Ich rate dir, dich auf Facebook Distanzreiterforen anzuschließen. Dort lernst du alles, was du wissen musst. Vom Aufbau des Trainings bis hin wie man den Puls misst, wie man das Pferd füttert, mit was es gesattelt werden sollte (Dressursättel, Fellsättel etc.. sind ungeeignet.) Natürlich gibt es auch außerhalb von Facebook Distanzreiterforen.

Eine Regel kann ich dir aber jetzt schon verraten: man muss so gleichmäßig wie möglich reiten. So wenig das Tempo und die Gangarten wechseln, wie es geht. Besser 20 km im gleichmäßigen Tempo durchtraben als alle zwei km die Gangart wechseln. Üb das mal. ERst mit kleinen Strecken anfangen, udn dich dann steigern. Du wirst sehen,, dass irgendwann das Pferd sich unter dir in einen Roboter verwandelt, der praktisch von alleine laufen kann. Das Pferd hat dann seinen Rhythmus gefunden und strengt sich auch nicht mehr an. Dauernd das Tempo zu wechseln, ist ein typischer Anfängerfehler.

GErade bei Ritten mit gebundenem Tempo bringt einem das dauernde Gangartenwechseln hohe Puls-Atemwerte ein und die ruinieren am Ende dein Ergebnis.

Meinen Araber habe ich so laufen lassen, wie er wollte.  Ich habe ihn nicht getrieben und nicht gehalten.  Der lief wie ein Uhrwerk. Einmal habe ich einen 50er Ritt mit Tempo 5 gemacht. Viel zu langsam für ihn. Ich habe ihn also gehen lassen, wie er meinte. Das Ergebnis war, dass wir 4km vor dem Ziel ca 40 Minuten eher da waren als nötig. Man bekommt für schnelleres Reiten keine Pluspunkte.  Ich bin also abgestiegen, habe mich in die Sonne gesetzt, das Pferd fressen lassen  und bin dann nach ca 30 Minuten wieder aufgestiegen und ins Ziel getrudelt. Er hatte absolute Ruhewerte und ist natürlich unangefochten Erster geworden. Ich habe später nachgeschaut und festgestellt, dass er, wenn er durchgelaufen wäre, auch Erste bei den Leuten gewesen wäre, die freies Tempo gingen.

Danach bin ich dann nur freies Tempo geritten und war nie schlechter als 3. Das Pferd war einfach grandios.

Einmal war ich recht weit vorne und ganz alleine. Ca 2 km vor dem Ziel. Gut 1,5 km hinter mir war meine Freundin auf ihrer Araberin. Ich habe dann auf sie gewartet und wir sind Hand in Hand ins Ziel geritten.  Bei den Amateurdistanzritten kommt das vor. Da, wo die Scheichs mitreiten, die leider den Hochleistungssport Distanzreiten ruiniert haben, passiert das natürlich nicht. N aja, anderes, sehr trauriges Thema.

Meine RL ist früher international Distanzen geritten. Bis 160 km ,auf Europameisterschaftsniveau. Heute, sagt sie, erwähnt sie das nicht mehr, da sie sich schämt. Damals war der Sport noch unschuldig.

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Kommentar von Dahika
07.03.2017, 20:13

ach so, Turniere nennt man das Ganze eigentlicht nicht. Und wenn man in Schwarz-Weiß mit Eskadronausstattung auftauchen würde, würden die Leute komisch gucken.

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Kommentar von yylime
31.03.2017, 10:34

Danke für deine Antwort, das war sehr hilfreich

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Hey
Deine Frage ist sehr interessant, weil ich auch unbedingt an Distanzritte mit machen würde.
Zum Glück gibt es in unserer Nähe ein paar Veranstaltungen.

Also ich habe mich das ein oder andere mal umgehört und ein paar Reiter gefragt und auch mal bei einem zugesehen.

Erklärt wurde mir, das jedes gesunde Pferde eine Distanz von 30km locker schaffen kann. Die Voraussetzung ist, das es eben regelmäßig geritten wird, dafür brauchst du rein theoretisch gar nicht trainieren, wie sich das anhört ist dein Pferd fit für 20km.
Du solltest in der Woche vor dem Ritt die Distanz reiten. Sprich, wenn du an dem Wochenende eine Distanz von 30km reiten möchtest, dann musst du die Woche davor, sagen wir in 6 Tagen eine Distanz von jeden Tag 5km reiten.

Wenn du die Möglichkeit hast, dann gucke dir vorher so ein ritt an und frage die Leute am besten wie die vor gehen. Ich hatte einfach mal jemand auf Facebook angeschrieben (aus einer Gruppe von Distanz Reiter) und gefragt wie sie das so macht.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.

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Kommentar von Dahika
07.03.2017, 20:15

dafür brauchst du rein theoretisch gar nicht trainieren,

theoretisch. Wenn man aber ans Gewinnen denkt, sollte man schon trainieren, denn bei den kurzen Ritten zählt der Puls (Atem) Wert. Je niedriger, um so besser. Und gute Pulswerte bekommt man halt durchs Training.

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Kommentar von eskadron1996
07.03.2017, 20:41

Ja na klar das stimmt 👍 Trainieren wäre nicht schlecht aber im normal fall sollte das Pferd bei 20-30km keine Probleme haben, da sie ja geschrieben hatte, das sie freizeitmäßig und Dressur reitet, ihr Pferd würde locker eine Distanz von 20km schaffen ohne das der Puls wert schlecht ist. Deshalb habe ich auch geschrieben, das sie vor dem Ritt die Distanz mindestens einmal reiten sollte.

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Kommentar von eskadron1996
13.07.2017, 13:02

cool das freut mich 😊

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