"white, uneducated" auf Deutsch?

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5 Antworten

"white, uneducated" auf Deutsch?

"Weiß, ungebildet" lautet die korrekte Übersetzung. (Gemeint sind die Menschen, die kein "Abitur" haben.)  In den USA wird diese Schicht auch als "White Trash", also als "weißer Müll" bezeichnet.

Ich koennte die Presse in deutschsprachigen Laendern durchgucken ... es würde mich aber eher interessieren, was ihr hier dazu sagen würdet.

Es ist ein sozio-demographisches Instrument, das keinerlei "persönliche" und nur sekundär rassistische Elemente hat. Denn im "White Trash" sind auch die Schwarzen und Latinos dieser Schicht enthalten und werden aus zwei Primär-Gründen nicht mitgenannt: Griffigkeit des Begriffs, Zahlenmäßige Unterlegenheit. 

In anglizistischen Staaten gilt gemeinhin noch, dass die männliche Form die weibliche beinhaltet. Niemand sagt dort "Welcome dear guests and female guests", oder so. (Das ist eine Überstrapazierung der Sprache, um den Feminismus zu deeskalieren und abzulenken. Am Ende wird dann sowas wie "BürgerINNENmeisterINNENkandidatINNEN" herauskommen.)

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Dementsprechend verhält es sich auch mit diesem Begriff. 

Gemeint ist damit, dass - mit durchaus gewachsenen rassistischen Hintergründen; deshalb sekundär - sich in den USA eine Schicht herausgebildet hat, die auf den "American Dream" (auch das: bis heute "ein fast rein-weißer Traum") vertraute und sich nun verraten und verkauft fühlt.

Statt "mit eigener Hände Arbeit und im Schweiße des eigenen Angesichts" für den eigenen Reichtum arbeiten zu können; ist diese Schicht mittlerweile komplett abgehängt und mangels staatlicher Absicherung immer weniger imstande, sich selbst zu versorgen ... von "Reichtum" träumt diese Schicht schon lange nicht mehr.

Warum das "weiß" so hervorgehoben wird? Warum man nicht neutraler "Social Trash" oder so sagt? 

Ganz einfach: Weil die Weißen seit Jahrhunderten der "Gradmesser" der gesellschaftlichen Entwicklung in den USA sind. Und wenn die Amis sich über irgendwas freuen und an irgendwas festhalten, dann über bzw. an "Tradition". Sie beneiden Europa nicht um die schöne Landschaft oder um die soziale Politik. Sie beneiden es, weil es dort alte Burgruinen gibt...

Das ist NATÜRLICH Rassismus. Aber es ist "natürlicher Rassismus", also "tradierter Rassismus ohne explizite Wertung", folglich eine sehr milde Form des Rassismus, die eigentlich niemandem in den USA - auch den Latinos und Schwarzen nicht; und auch den Bürgerrechtlern nicht - wirklich aufstößt.

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Einfach ausgedrückt: Es ist ein klassischer Indikator für "Kulturschock". 

  • In den USA ist es ein "gängiger demographischer Eingrenzungsbegriff ohne expliziten Rassismus".
  • Und in Europa, vor allem aber in Deutschland, ist es ein "peinliches No-Go", weil es "politisch nicht korrekt" ist und man sich lieber an Äußerlichkeiten und ÄußerlichkeitINNEN sowie an Begriffen und BegriffINNNEN aufhängt, anstatt hinter den Vorhang bzw. die VorhängINNEN zu schauen und sich mit den echten Problemen und ProblemINNEN zu befassen, um echte Lösungen und LösungINNEN zu finden...

Doch die Schwarzen, Latinos und anderen "ethnischen Gruppen" in den USA kämpfen nicht für das *INNEN an jedem maskulinen Substantiv. Und sie kämpfen auch nicht für eine Trennung in "White Trash", "Black Trash" und "Hispanic/Latino Trash", wie es deutsche, politisch korrekte Bürgerrechtler sofort und reflexartig fordern und all ihre Kraft hineinlegen würden. Sie wollen gleichberechtigt BEHANDELT werden. 

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Kommentar von Pfiati
14.11.2016, 10:39

Hätte von dir "redneck(s)" erwartet.

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Kommentar von LolleFee
14.11.2016, 10:47

Ähm... - und die Antwort auf die Frage, wie die deutsche Presse wiedergibt, was die amerikanische Presse sagt ? ;))

Aber sehr schöne Abhandlung der -innen. Vor zwei Tagen hat jemand (eine Frau in dem Fall, aber ich habe auch schon Männer so reden hören) nur von -innen gesprochen, da wurden im Prinzip die schriftlichen Doppelwörter wie PädagogInnen/LehrerInnen/ArchitektInnen etc. einfach so ausgesprochen, wie es geschrieben steht - nur dass die "Doppelschreibung" ja nicht bzw. kaum zu hören ist (kaum, weil manchmal für diesbzgl. geschulte Ohren wie meine ein kleiner Glottisschlag vor den -innen zu hören war). Aber nur -innen schließt Männer aus, was meines Erachtens sprachgeschichtlich andersherum bei der normalen, in ganz großen Anführungsstrichen "männlichen" Pluralform nicht gegeben ist. Und wenn dann zwischendurch ein substantiviertes Partizip Präsens fällt, wirkt das wiederum sehr männlich. An dieser Stelle ist für mich  beim Gendern ein Punkt überschritten, an dem es kippt: Ich konnte die Sprecherin gar nicht mehr ernst nehmen, weil der Fokus viel mehr auf den Geschlechtern lag als auf dem, was sie eigentlich zu sagen gedachte.

Aber das auch off-topic ;))

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"Uneducated" würde man im Deutschen mit "ungebildet", politisch korrekter "bildungsfern" übersetzen. "white" - ja: weiß/Weiße. 

Und hier liegt der Stein des Anstoßes im Deutschen: Dieses schwarz-weiße Denken in Hautfarben gibt es in Deutschland nicht in dieser Form, einfach deshalb nicht, weil die Menschenmengen anders verteilt sind. (Anderes Schwarz-weiß-Denken schon, aber das steht hier nicht zur Diskussion.)

Ich würde also kenntlich machen, dass es sich um ein Zitat handelt, bspw."Die amerikanische Presse macht die "weiße, bildungsferne" Bevölkerungsschicht für Trumps Wahlsieg verantwortlich."

Du siehst, dass ich "Wahl an Trump" ersetzt habe. Man wählt nicht an jemanden, sondern einfach nur jemanden. Trumps Wahl oder die Wahl Trumps könnte aber zum einen missverständlich sein, zum anderen zeigt Trumps Wahlsieg gleich das Ergebnis.

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Kommentar von Pfiati
14.11.2016, 09:43

Danke, danke. LF. Hans sieht es auch so, was dein Satz betrifft.

Ich kann schon sehen, dass "Wahl an Trump" nicht optimal ist.

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Lollefees Vorschlag

."Die amerikanische Presse macht die "weiße, bildungsferne" Bevölkerungsschicht für Trumps Wahlsieg verantwortlich."

ist perfekt und dürfte auch Pfiati gefallen.

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Weiße Bevölkerung ohne großartige Schulbildung

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Kommentar von Pfiati
14.11.2016, 08:30

Danke FF. Das geht an die Sache (ran).

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Man könnte sagen: 'bildungsferne weiße Wählerschaft'.

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