Weshalb wird in Deutschland die Kirchensteuer vom Arbeitgeber eingezogen?

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8 Antworten

erst als wir eine eigene kleine firma mit arbeitnehmern hatten, bemerkten wir diese unerhörtheit!!! es wurde eine monatliche pauschale für jeden arbeitnehmer einbezogen, 4 arbeitnehmer = 4 x steuern, d. h. 2x für atheisten (wie ich) und 2x für moslems. die arbeitnehmer (auch ich) wussten natürlich nichts davon. das ist das allerletzte...

Die Kirchensteuer ist als Spätfolge der Säkularisation eine staatliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. 1803 wurden durch die Säkularisation fast alle (über 200) Klöster aufgehoben und alle geistlichen Territorien und Güter gingen an die Fürsten über. Die deutsche Kirche wurde dadurch ihrer organisatorischen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen (Jahreseinnahmen: circa 21 Millionen Gulden) beraubt. Zunächst verpflichteten sich die Fürsten, die Geistlichkeit zu besolden und das kirchliche Leben in den Gemeinden zu ermöglichen. Aber ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, sich der Unterhaltspflicht gegenüber der Kirche zu entledigen und die Eigenfinanzierung der Kirche durch die Gläubigen einzuführen. 1919 garantierte die Weimarer Verfassung in Artikel 137 das Besteuerungsrecht der Religionsgemeinschaften. Das Grundgesetz hat diese Regelung mit dem Artikel 140 übernommen. ("Geschichte der Kirchensteuer", Bistum Augsburg)

Im Grunde zur Vereinfachung, da sich die Kirchensteuer nach der Lohnsteuer berechnet, ebenso wie die Sozialabgaben vom Arbeitgeber an die entsprechenden Versicherungsträger gemeldet und abgeführt werden.

Für die Kirchen ist es schlicht billiger, die Mitgliedsbeiträge vom Staat einziehen zu lassen. Übrigens bezahlt die Kirche auch diesen Service.

In vielen anderen Ländern geht es auch anders und dort klappen keine Haushalte zusammen, weil den Mitgliedern ihre Kirche üblicher Weise schon etwas wert ist.

Auf gewisse Art und Weise garantiert die Kirchensteuer eine gewisse Unabhängigkeit von Verkündigung und Lehre in den Kirchen (vor allem in der Evangelischen), weil Pfarrer oder Pfarrerin nicht ihrer Gemeinde nach dem Wort reden müssen (um bezahlt zu werden) sondern auch Kritisches äußern können.

AUSSCHLIESSLICH die beiden grossen "Kirchen" lassen ihre Mitgliedsbeiträge über das Finanzamt und damit über den AG einziehen und zahlen für diese Dienstleistung auch einen Obulus an das Finanzamt.

Alle anderen Glaubensgemeinschaften bekommen ihre Beiträge und Spenden direkt von den Mitgliedern - auch in Deutschland.

Völlig klar. Die Frage bezog sich natürlich auf die christliche Welt; deshalb war ja auch von "Kirchensteuer" die Rede. Mal abgesehen davon, dass es hier auch Absplitterungen von den beiden großen Kirchen gibt (die meist feste Beträge direkt an ihre Glaubensgemeinschaft zahlen), haben andere Religionsgemeinschaften (beispielsweise Moslems, Juden, Buddhisten) ja auch keine Kirchen. Ob es anderenorts "Moschee-", "Synagogen"- oder "Tempelsteuern" gibt, weiß ich nicht, wär aber mal interessant zu erfahren.

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Also, seit Kroatien ein Einkommen mit Vatikan abgeschlossen hat, muessen dort alle Buerger (egal ob katholisch oder nicht, was ich verabscheue) einen Kirchenbeitrag entrichten.

Zusaetzlich werden noch Spenden gesammelt fuer unterschiedliche Restaurierungen, Neubauten usw. und meiste Menschen glauben dass sie dazu verpflichtet sind weil auf den Beitragsrechnungen ihre Name steht!

Also, schlimmer geht immer!!

Ganz einfach: Weil bei uns sehr, sehr wenig Abgaben an die Religionsträger FREIWILLIG geleistet werden würden. Der gesamte Finanzhaushalt der Kirchen würde zusammenklappen, denn wenn die Kirchen nur noch die Steuern von ihren wirklichen Schäfchen bekämen, wäre Sparen angesagt. ;-)

das liegt an der ungeheuer großen macht der kirche, die in diesem sinne auch im grundgesetz festgeschrieben wurde (artikel 1409:

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