Weshalb war Erich Mielke zur Pressekonferenz 1989 vor der Volkskammer so freundlich?

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6 Antworten

Mielke war ein einfach strukturierter Mensch, der so sprach, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Auch bei den Konferenzen des MfS, wo er Führungskader mit aktuellen Infos versorgte, redete er so und das kannte man von ihm schon seit Jahrzehnten. Da lachte niemand drüber und da schmunzelte auch niemand. Aber nun redete er auch so wie bei seinen MfS-Mitarbeitern offen vor TV-Kameras vor der Volkskammer. Und die kannten ihn nicht, weil der Geheimdienstchef nie vor der Volkskammer geredet hatte. Es war der erste und einzige Auftritt.

Natürlich haben alle Stasi-Leute diese Ansprache vor dem DDR-Parlament verfolgt und waren sofort erschüttert und wütend, denn sie wußten nun natürlich, das wegen Mielkes Auftritt das MfS der Lächerlichkeit preisgegeben wurde und die Zerschlagung folgen würde.

Generäle hatte vergeblich versucht, Mielke zurückzuhalten. Aber er wollte sich das nicht nehmen lassen und den Abgeordneten die Leviten verlesen.

Schuld an diesem Dilemma war Honecker! Er hatte bis zuletzt der Abt. Öffentlichkeitsarbeit des MfS in Berlin einen Maulkorb verpaßt. Die DDR-Bürger wußten so gut wie nichts über das MfS und von nachrichtendienstlichen Mitteln und Methoden schon gar nichts. Als nun alles offiziell und offen wurde, da waren viele DDR-Bürger fassungslos. In Wahrheit hatte Honecker sie naiv gehalten und tatsächlich mangels Infos für blöd verkauft.

Hätte das MfS von gefangenen Agenten und Bösewichtern berichtet, dann wäre das in der Bevölkerung auf Honecker zurückgefallen. Er wollte nur seine politischen Erfolge feiern und sich in der Sonne aalen. Die DDR-Bevölkerung sollte glauben, er hätte den Sozialismus mit seinen Parolen sicherer gemacht und wollte also nichts von Gesetzesbrechern wissen. Das hat dem MfS gewaltig geschadet, denn seit dem DEFA-Film "For eyes only" war das Thema Stasi und deren realen Erfolge tabu.

Interessant ist, das Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal erklärt hat, das auch im Westen der BND-Chef nur 1 x im Monat zu ihm vorgelassen wurde - aus gleichem Grund. Politiker sonnen sich in ihren Erfolgen, wollen hofiert werden und leben ihre Eitelkeit aus.

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Das war keine Presskonferenz, das war in einer Volkskammersitzung. Du meinst wahrscheinlich seinen Ausspruch: Ich liebe doch alle , alle Menschen.  Das hat er wohl eher aus Verzweiflung gesagt. Er fühlte sich von den Vorwürfen der Abgeordneten in die Enge getrieben, wollte sich irgendwie rechtfertigen und hat  dann diesen Satz  gesagt. Schon damals wusste jeder, das das Schwachsinn war, was er da gesagt hat.  Das Ministerium für Staatssicherheit, das Mielke geleitet hat, hatte mit Menschenliebe nicht das Geringste zu tun.  Die Staatssicherheit war eine extrem menschenfeindliche Organisation, unter der viele Menschen  gelitten haben. 

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Kommentar von 666Phoenix
01.09.2016, 19:57

Woropa

extrem menschenfeindliche Organisation, unter der viele Menschen gelitten haben.

Vom faktischen und logischen Standpunkt abgesehen, kann eine Organisation nicht "extrem" menschenfeindlich sein, wenn dann "nur" viele (quantitativ nicht verifizierbare) Menschenmassen "gelitten" haben sollen! 

Nimm einfach zur Kenntnis, dass diese "Organisation" (ein Lacher für Dich - Wiki: "Organisation bzw. Organisieren - griechisch ὄργανον órganon ‚Werkzeug‘ - lässt sich am zutreffendsten mit ‚Bewerkstelligung‘ übersetzen, eindeutige Definitionen bestehen jedoch nicht.") nicht nur die Leute bespitzelt hat (aus welchen Gründen auch immer), sondern ca. 40 Jahre mit dafür verantwortlich war, dass der "Kalte" nicht in einen "Heißen" Krieg umschlug! Etwas, was Deine Bundeswehrkrieger bis heute nicht verstehen (wollen).

Und dafür müssten auch Leute wie Du noch "Danke" sagen!

Kommst Du noch mit??

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Zum Zeitpunkt dieser Volkskammersitzung war für Minister Erich Mielke seine Welt zusammengebrochen, alles woran er glaubte und wofür er gelebt hat. Zudem war er bereits körperlich sehr krank (Krebserkrankung), aber auch geistig (beginnende Altersdemenz).

Von der Sache her war er eigentlich immer ein freundlicher Mensch, nur ein erbitterter Gegner jedes Feindes der DDR sowie der Partei- und Staatsführung. Und da verstand er absolut keinen Spaß.

Das Ministerium für Staatssicherheit war der zentrale Geheimdienst der DDR, der nach heutigem Verständnis mehrere Geheimdienste in sich vereinte (Beispiel Bundesrepublik Deutschland: BND, Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, Staatsschutz, Teile von Bundespolizei, BKA und Landeskriminalämter). Also eine Art Superministerium. Folglich war das MfS eine ganz gewöhnliche Staatsbehörde, wie es sie auch heute noch gibt. Bei den Mitarbeitern gibt es im Vergleich zu den heutigen Behörden auch keine Unterschiede, es gibt redlich und rechtstreu arbeitende Mitarbeiter und Sadisten, die ihren Posten bzw. Position gegen Bürger mißbrauchen.

Ach ja, die Bürger werden heute so intensiv ausspioniert, dagegen würde das MfS wie ein Taschendieb aussehen. Ich denke dabei nur an facebook & Co.

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Wie kommst Du auf Mielke? Auf welche Konferenz beziehst Du Dich in diesem Zusammenhang?

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Kommentar von siebentausend
31.08.2016, 00:25

Als er sagte, dass er alle Menschen liebe.

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Da war er bereits senil und von beginnender Demenz betroffen.
Die Greisentruppe vom ZK der SED hat nicht begriffen, dass ihre Zeit abgelaufen war.

Olle Mielke seine Trachtentruppe "Stasi" wurde nicht mehr gebraucht und in den Orkus der Geschichte entlassen.

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Dieser Ausspruch fand auf keiner "Pressekonferenz" statt - Doofheit im Pisa-Land lässt grüßen!

Auch nicht er war gefährlich, sondern bestenfalls der von ihm ursupierte Apparat namens MfS.

Sein Auftritt vor der Volkskammer an bewusstem Datum war nicht "freundlich", sondern höchst lächerlich! Die damalige Volkskammer war bereits vom Westen gekauft, korrumpiert und unterminiert. Sein Apparat hatte bereits begonnen, Akten und "Beweisstücke" zu vernichten. Die gesellschaftliche Stimmung hinsichtlich seines Apparates lautete: "Stasi in die Produktion!" - Die hätten das mal tun sollen, dann hätten die meisten Ramscher aus dem Westen die Produktionsstätten der ehemaligen DDR nicht so ohne weiteres für ´nen Appel und ´n Ei in den Rachen geschoben bekommen!

Was sollte denn da ein alter, seniler DDR-Trottel noch von sich geben??

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