Weshalb war der Nato -Doppelbeschluss so umstritten?

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2 Antworten

Das Folgende behandelt eine sehr umstrittene Entwicklung und präsentiert die Position militärischer Fachleute und politischer Pragmatiker. Damit sind Leute gemeint, die nicht vom Guten im Menschen ausgehen, sondern Gefahren sehen, denen man begegnen muss. Nach dem Motto: "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste".

Daneben gibt es natürlich auch radikal andere Positionen, wie sie in unterschiedlicher Weise auch die Friedensbewegung vertreten hat. Dort hatte man ein völlig anderes Menschenbild, das durchaus bereit war, einen ersten Schritt auf die andere Seite zuzugehen und dann zu hoffen, dass sie entsprechend nachzieht. Zum Teil wurde das von den Gegnern auf die polemische Formel gebracht: "Lieber rot als tot". Lieber nehme ich die Gefahr in Kauf, dass eines Tages überlegene russische Panzerverbände bis zum Rhein vormarschieren oder der Einsatz russischer Mittelstreckenraketen gegen Westeuropa angedroht wird (wie 1956 im Rahmen der Suezkrise geschehen), als dass ich die Gefahr zulasse, dass durch ein Versehen oder auch böse Absicht die ganze Welt im atomaren Feuer untergeht.

Also: Man kann beide Positionen vertreten. Hier wird die Position präsentiert und erklärt!!!, die die deutsche Bundesregierung unter Helmut Schmidt eingenommen hat.

1. Der Westen, d.h. die NATO,  war nach dem Zweiten Weltkrieg dem Osten im Bereich konventioneller Waffen (Soldaten, Panzer) unterlegen, weil sie - wie das in Demokratien üblich ist - nicht unnötig viel Geld in die Rüstung stecken wollten. Außerdem waren die stärksten Militärkräfte in den USA, d.h. mussten erst mal über den Atlantik transportiert werden - was der Ostblock wohl gestört hätte.

2. Deshalb waren Atomwaffen als letztes Mittel der Abschreckung wichtig (im Unterschied zu heute, wo man sie gegen asymmetrisch kämpfende kleine Gruppen wohl kaum einsetzen kann, selbst wenn man wollte). Diese Atomwaffen waren Langstreckenwaffen - es ging nach dem Motto: Wer als erster schießt, stirbt als zweiter. Eine sehr gefährliche Sache, die aber glücklicherweise funktioniert hat.

3. ab Ende der 70er Jahre modernisierte die Sowjetunion nun Mittelstreckenraketen (SS20), mit denen sie ganz Europa bedrohen konnte. Damit entstand die Gefahr eines Angriffs, bei dem nur Europa, aber nicht das amerikanische Kernland bedroht worden wäre - zumindest hatten Leute wie Bundeskanzler Helmut Schmidt davor Angst, dass es zwei Arten von Sicherheit gab.

4. Die NATO hat dann auf seinen Wunsch mit der Vorbereitung der Aufstellung eigener Mittelstreckenraketen begonnen (Pershing und Tomahawk). Gefasst wurde aber ein sogenannter Doppelbeschluss, d.h. die Raketen sollten stationiert werden, aber erst nach einer gewissen Zeit und wenn bis dahin die SU-Mittelstreckenraketen nicht abgebaut worden wären.

5. In Deutschland gab es dagegen massive Proteste der Friedensbewegung, die sich aber etwas einseitig nur gegen die westliche "Nachrüstung" richtete, weil sie natürlich im Ostblock keinen Abbau von Raketen bewirken konnte - dort gab es keine Möglichkeit der Mitbestimmung für friedenswillige Bürger.

6. Da die SU ihre Raketen nicht abbaute, wurden entsprechende Raketen im Westen stationiert.

7. Im Rahmen der Überrüstung der USA unter Reagan (einschließlich SDI = Plan eines Abwehrschirms gegen Atomraketen im Weltraum) und Gorbatschows neuer Politik von Glasnost und Perestroika kam es dann zu einem Abbau der Mittelstreckenraketen als erstem Schritt der Vertrauensbildung.

8. Heute ist leider die sogenannte "Friedensdividende" weg, d.h. ein Mehr an Sicherheit bei verringerten Kosten, weil wir wieder in einen Kalten Krieg marschieren, Russland erneut auf Militär und Atomwaffen baut, weil es sich von einer stetig nach Osten vordringenden NATO (plus EU) bedroht fühlt.

1.Was hat das denn mit Demokratie zu tun? Wer hat Dir erzählt eine Nichtdemokratie bräuchte unbedingt mehr Soldaten? Amerikanische Besatzungstruppen waren die ganze Zeit nach dem 2.WK schon da, also auch da falsch. Und generell war die Vormachtstellung der USA im Westblock gewollt und geplant und kein Zufall. Die Folgen seht ihr heute. Europäer sind nur Spielball der amerikanischen Politik.

2.Heute wie damals ist die Bedeutung der Atomwaffen die selbe.

3.Typisch westliche Rhetorik zu dem Thema. Aus militärischer Sicht vollkommener Unsinn, aber wurde so für die Politik der NATO ausgeschlachtet.

5.Schon wieder typisch einseitig westlich. Du hast sehr wenig Ahnung über das echte Leben im Ostblock.

8.Igiit, Russland? Ihr seid in jedes Land einmarschiert was sich nicht wehren konnte und schuld ist wieder Russland? Schaut mal in den Spiegel.

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@Hibernator

Man sollte Russland und die Sowjetunion nicht gleichsetzen. Während heute französische Schauspieler Richtung Osten auswandern, gab es für die Masse der Menschen von 1945 bis 1989 nur eine Richtung, in die sie wollten, nämlich nach Westen. Offensichtlich lebten sie lieber unter amerikanischer Hegemonie als unser sowjetischer. Alle diese Leute hatten also voll "Ahnung über das echte Leben im Ostblock".

Außerdem wurde am Anfang der Antwort schon darauf hingewiesen, dass es sich hier um eine ganz bestimmte Sicht handelt, der man gerne eine andere entgegensetzen kann - aber in einem sachlicheren Ton und vor allem mit Argumenten.

Was die heutige Politik der NATO gegenüber Russland angeht, so ist das wie gesagt eine ganz andere Angelegenheit. Nicht von ungefähr ist da die Meinung in Deutschland auch ganz anders als 1979.

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Weil es ein aggressiver Zug war. Sie provozierten damit ganz offen den Waschauer Vertrag. Die NATO handelt bis heute so. Rüstet auf, provoziert, rückt vor... und versucht es der Gegenseite in die Schuhe zu schieben. Die NATO übt ganz offen bei einem Manöver in Osteuropa zur Zeit die Besetzung der Region Kaliningrad und bezeichnet Russland dabei als Aggressor. Russlands Truppen sind aber nicht in Angriffskriege verwickelt und üben nicht die Einnahme Lissabons.

Die NATO hat damals aggressiv agiert, den nuklearen Wettkampf voran getrieben und das auf Kosten der Europäer wie heute wieder, den europäische Länder wurden durch die Stationierung der Mittelstreckenraketen zu Primärzielen.

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