Weshalb ist die Urknalltheorie nur eine Theorie?

...komplette Frage anzeigen

15 Antworten

Hallo louisfcz,


um die Frage zu beantworten, muss man verstehen, was eine naturwissenschaftliche Theorie ist.

In der Umgangssprache ist eine Theorie eine Idee, eine Vermutung. Es ist etwas, was man in der Praxis nicht getestet hat. Der Theoriebegriff steht umgangssprachlich der Praxis gegenüber. Wer theoretisch ein Auto fahren kann, hat es praktisch nicht oder schon lange nicht mehr gemacht.

In der Naturwissenschaft meinen wir mit "Theorie" etwas ganz anderes:

Eine naturwissenschaftliche Theorie ist ein geschlossenes Erklärungsmodell. Wenn ein bestimmter Satz Beobachtungsdaten vorliegt, dann kann uns eine naturwissenschaftliche Theorie sagen, WARUM, wir diesen Satz Beobachtungsdaten vorliegen haben - und keinen anderen. Naturwissenschafliche Erklärungsmodelle stellen also einzelne Beobachtungsdaten in einen logischen Kontext. - Mehr noch, einen oft mathematisch exakt formulierten Kontext.

Eine naturwissenschaftliche Theorie ist also meist exakt mathematisch formuliert oder macht zumindest exakte Vorhersagen über weitere Beobachtungen. Man sagt, sie sei an der Beobachtung testbar - eine naturwissenschaftliche Theorie muss so exakt formuliert sein, dass sie durch Beobachtungen überprüfbar und falsifizierbar sein muss - sie muss an der Beobachtung scheitern können. Zusätzlich muss sie frei sein von inneren Widersprüchen (sie darf keine widersprüchlichen Vorhersagen machen) und von äußeren Widersprüchen (sie darf nicht Vorhersagen machen, die im Widerspruch zu anderen bewährten Erkenntnissen stehen oder im Widerspruch zu anderen Beobachtungsdaten.)

Ein naturwissenschaftliches Erklärungsmodell, dass alle diese Eigenschaften hat und das eine Fülle von Tests an der Natur bestanden hat, nennen wir in der Naturwissenschaft "bewährte Theorie". Und etwas "besseres" kennt die Naturwissenschaft nicht.

Naturwissenschaft kennt keine absoluten Wahrheiten, sondern nur "im Rahmen der Messgenauigkeit zutreffend". Das genügt aber, um die Natur zu verstehen - und darum geht es ja schließlich. Theorien sind Erklärungsmodelle, mit denen wir die Vorgänge in der Natur so gut verstehen können, dass wir zuverlässige Prognosen für zukünftige Beobachtungen und/oder technische Anwendungen haben.

So. Und damit wird Deine Frage ganz einfach:

Der Urknall ist eine Theorie, weil er ein bewährtes Erklärungsmodell ist für eine ganze Reihe von Beobachtungen, die wir in der Astrophysik und Kosmologie gemacht haben. Kein anderes Erklärungsmodell erklärt unsere Beobachtungen auch nur annähernd so gut wie der Urknall. Deswegen ist es eine "gesicherte oder bewährte Theorie".

Unsere Daten reichen zurück bis ins wenige Sekunden alte Universum. Der Urknall ergibt sich zwanglos aus der Fluchtbewegung der Galaxien. Er hat die Hintergrundstrahlung korrekt vorhergesagt. Er hat die Häufigkeitsverhältnisse der leichten Elemente korrekt vorhergesagt. Die Vorhersagen für die Vereinheitlichung der physikalischen Kräfte im jungen Universum hat sich in Teilchenexperimenten am CERN bestätigt. Wir haben in den letzten 80 Jahren eine derartige Fülle an Belegen für den Urknall erhalten, dass er DAS Standardmodell der Kosmologie ist - und das zurecht. (Und hat mit einer "Meinung" nichts zu tun.)

Ältere Modelle waren z.B. das "Steady State"-Modell, bei dem das Universum zeitlich unbegrenzt ist. Das kann aber einige der oben genannten Beobachtungen nicht erklären. ... Und ist deswegen "vom Tisch".

Grüße

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
uteausmuenchen 05.04.2017, 03:26

Danke für das Sternchen!!  Ich freu' mich 

=)

0

Weil es etwas besseres als eine Theorie in den Naturwissenschaften nicht gibt. Man kann Theorien allerdings nach ihrer Qualität beurteilen, die man z.B, daran festmacht, wie gut sie belegt ("bewiesen") sind oder wie gut ihre Vorhersagen eintreffen.

Immerhin stehen Theorien damit von ihrer Wertigkeit deutlich über religiösen Spekulationen und Fantasien. Das ginge in der Wissenschaft allenfalls noch als unbelegte Hypothese durch, keinesfalls aber als Theorie.

Die Urknalltheorie ist deswegen eine Theorie, weil mittlerweile tausende Beweise dafür, aber noch kein einziger dagegen gefunden wurde, selbst von denen nicht, die die Urknalltheorie ablehnen. Da kommt allenfalls "das kann ich mir nicht vorstellen". Das liegt dann allerdings eher am mangelnden Vorstellungsvermögen und Wissen des Betreffenden und nicht an der Theorie selber.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
grtgrt 01.12.2016, 10:52

Was du "Beweise" nennst, sind einfach nur mit der Theorie kompatible Beobachtungen. Man sollte diese beiden Begriffe nicht miteinander verwechseln.

Sämtliche astronomischen Daten, die man bis ins Mittelalter hinein gesammelt hatte, waren sehr gut verträglich mit der Theorie der Ptolemäischen Zyklen - und dennoch war diese Theorie (wie wir heute wissen) grundfalsch.

0

Die Physik denkt sich Modelle aus, deren Verhalten möglichst genau dem Verhalten der Natur entspricht (soweit wir es beobachten können).

Diesen Modellen liegen gewisse Annahmen zugrunde, wie die Natur beschaffen sein könnte. Diese Annahmen sind das, was wir als Theorie bezeichnen. 

Physiker weisen aber auch immer wieder darauf hin, dass wir niemals erkennen können, wie die Natur tatsächlich ist - wir wissen nur, wie wir sie sehen und verstehen http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr1896-52 und http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35 ).

Konsequenz daraus: Physikalische Theorien lassen sich nicht beweisen; sie lassen sich nur bestätigen oder widerlegen. 

Als gut bestätigt gilt eine Theorie dann, wenn man sehr viele Beobachtungsergebnisse hat, die mit der Theorie kompatibel sind. Dennoch ist nie auszuschließen, dass man schon bald eine weitere Beobachtung macht, die beweist, dass die Theorie nicht bis ins letzte hinein richtig sein kann. 

All das gilt natürlich auch für die Urknalltheorie, Sie ist heute durch viele Beobachtungen bestätigt, was aber immer noch nicht heißen muss, dass sie bis ins letzte Detail hinein richtig ist.

Und tatsächlich: Seit ihrem Entstehen ist die Urknalltheorie mehrfach durch zusätzliche Annahmen modifiziert und verfeinert worden. So richtig überzeugend wurde sie erst, als man sie durch die Inflationstheorie ergänzt hat.

http://greiterweb.de/zfo/Urknall.htm#msgnr0-177 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
grtgrt 30.11.2016, 19:48

Schönes Beispiel einer physikalischen Theorie, die lange Zeit als durch viele Beobachtungen bestätigtes Weltbild galt, sind die Ptolemäischen Zyklen: eine überaus komplizierte Theorie, wie es zur tatsächlich beobachteten Form der Bahnen kommt, in denen die Planeten unseres Sonnensystems sich bewegen.

Erst Newtons Theorie der Gravitation und die durch sie gelieferte viel einfachere Erklärung für die Bewegung der Planeten um die Sonne hat gezeigt, dass die Theorie des Ptolemäus grundfalsch war.

Es ist unwahrscheinlich - aber nicht auszuschließen - dass auch die Urknalltheorie irgendwann als falsch erkannt werden könnte.

Eben deswegen nennt man sie nur eine Theorie.

0

Wieso "nur"?

Eine wissenschaftliche Theorie ist eine gut begründete und durch Beobachtungen belegte Erklärung.

Man spricht z.B. auch von der Gravitationstheorie oder der Theorie des Elektromagnetismus, was nicht bedeutet, dass deren Aussagen angezweifelt würden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
louisfcz 30.11.2016, 18:10

Das ist eine Schulaufgabe: ,,Weshalb ist der Urknall nur eine Theorie? Was gibt es für andere Meinungen?"

0
OnkelSchorsch 30.11.2016, 19:40
@louisfcz

Dann ist die Schulaufgabe falsch gestellt. Die Urknalltheorie ist keine Meinung. Dies wurde dir hier mehrfach gut erklärt.

1

Eine Theorie in der Wissenschaft ist mehr als eine umgangssprachliche Theorie. Sie muss einige Kriterien erfüllen. Vorher ist es nur eine Hypothese.

Wikipedia: "In positivistischen wissenschaftstheoretischen Strömungen ist die Hypothese die Vorstufe einer Theorie, zu der sie durch verifizierende Beobachtungen werden kann, vorausgesetzt es gelingt niemandem, sie eindeutig zu widerlegen. Der Ausdruck „Theorie“ bezeichnet in der Wissenschaftssprache, in teilweisem Gegensatz zum allgemeinen Sprachgebrauch, eine Gruppe aufeinander bezogener logischer Aussagen, die zumindest teilweise durch Empirie bestätigt sind (z. B. die Relativitätstheorie oder die Evolutionstheorie)."

Die Schöpfungslehre ist im wissenschaftlichen Sinne nicht einmal eine Theorie.

In der Fragestellung liegt durch das Wort "nur" bereits eine Wertung, die mir zeigt, dass der Fragesteller schon selbst eine bestimmte negative Sicht auf die Urknalltheorie hat. Ich finde das sehr seltsam für eine Schulaufaufgabe. Die ist aus dem Religonsunterricht, nicht aus einem naturwissenschaftlichen Fach, oder?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Deine Frage ergibt so keinen Sinn, vielleicht solltest Du sie etwas klarer stellen. In welcher Hinsicht sollte ein Gedankengut mehr oder weniger oder gar "nur eine Theorie" sein? Wie willst Du Texte in "Theorien" und "Nur-Theorien" sortieren? Mit der Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit von Theorien hat das erst einmal nichts zu tun und mit Theologie oder Bibelgeschichten auch nicht, um das schon einmal vorab zu klären!

Eine Theorie ist ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben beziehungsweise zu erklären wie z.B. die Relativitätstheorie. Im Alltag finden wir z.B. Theorien zur Mechanik, zur Elektrizität oder zur Preisgestaltung.

Der Gegensatz zur Theorie ist die Praxis. Da lassen sich gewöhnlich Theorien handwerklich anwenden. So wendet z.B. der Maurer die Festigkeitstheorie praktisch an oder der Bierbrauer die Gärungstheorie.

Mit dem Urknall ist der Anfangspunkt der Entstehung von Materie und Raumzeit gemeint, gewissermaßen der universelle räumliche und zeitliche Koordinatenursprung. Dazu gibt es zahlreiche Theorien, eben Urknalltheorien.

Wenn Du nun irgend eine Theorie in Verbindung zum Ursprung der Materie nachvollziehen oder kritisieren willst, dann solltest Du sie hier erst einmal genau benennen, z.B. die Axiomatische Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie. Dann sehen wir weiter.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo!

Der Urknall ist, wie du ja schon weißt, eine Theorie.

Eine Theorie ist ein Lösungsvorschlag, der in diesem Fall von Menschen als Erklärung für den Beginn der Evolution dargelegt wurde. Allerdings ist nichts von dem bewiesen.

Ja, klar, einige Dinge unterstützen diese Theorie, aber im Grunde genommen weiß niemand von uns simplen Menschen, was damals wirklich passiert ist. Niemand hat das miterlebt oder konnte das von irgendwem vermittelt bekommen, der da gelebt hat, da das einfach zu lange her ist.

Daher bleibt diese Theorie wahrscheinlich für eine lange Zeit, wenn nicht für immer eine Theorie.

Außerdem gibt es ja noch verschiedene Erklärungen, unter anderem auch die aus der christlichen Sicht, wie du sicher schon weißt, demnach ist das nicht der einzige Lösungsvorschlag ;)

Ich hoffe ich konnte dir helfen!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Agronom 30.11.2016, 19:32

Die Urkanlltheorie beschreibt denn Beginn von Raum und Zeit. Sie hat erstmal gar nichts mit der Evolutionstheorie zu tun, beide sind völlig unabhängig voneinandern zu betrachten.

Ich hoffe du hast dir die anderen Antworten durchgelesen und erkennst selbst die Fehler in deinen Aussagen.

4
Zoroastres 30.11.2016, 20:10

Der Urknall hat nichts direkt mit der Evolution zu tun, nicht mehr jedenfalls als mit deinem nächsten Mittagessen.

Und wenn etwas Theorie genannt wird ist es so gut wie 100% bewiesen.

Einen Lösungsvorschlag nennt man in der Naturwissenschaft Hypothese.

Es gibt auch Hypothesen wo die Beweise sehr schwach sind. Darunter ist insbesondere die christliche. Noch weniger Beweise haben dann ein paar naturreligionen und das fleigende Spaghettimonster

3
Grobbeldopp 30.11.2016, 21:03

Außerdem gibt es ja noch verschiedene Erklärungen, unter anderem auch die aus der christlichen Sicht, wie du sicher schon weißt

Es gibt keine christliche Sicht auf die Urknalltheorie. Das merkt man schon daran, dass einige Christen sich sehr darüber gefreut haben, als diese Theorie immer besser bestätigt werden konnte, weil sie ein ewig existierendes Universum widerlegt- ein ewiges Universum wäre ein größeres Problem für manche Theologen.

Erklärung für den Beginn der Evolution

Meine Güte. Das ist ganz schön daneben, falls du mit Evolution den Fachbegriff aus der Biologie meinst.

1

Hier wurde schon viel geschrieben, Teilweise lang und schwammig, teilweise kurz und vereinfacht.

Es gibt Fakten und Theorien.

Fakt ist z.B. die Entfernung Erde - Mond. Diese kannst Du per Laser und den Reflektoren auf der Mondoberfläche auf cm. genau bestimmen.

Angenommen, die Mondbahn verhält sich nicht genau so, wie Du sie berechnet hast. Du findest einen Grund, warum das so sein könnte.

Das ist Deine Theorie.

Diese wird dann durch andere Wissenschaftler erhärtet oder widerlegt.

Der Urknall kann somit nur eine Theorie sein, weil sich das Ereignis für uns nicht messbar darstellt. Wir beobachten nur seine Auswirkung(en) und folgern daraus, dass es den Urknall gegeben haben muss.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil man sich eben nicht sicher ist ob es so war. Es war ja niemand von uns dabei? Also ist es bloß eine Theorie die besagt das es so hätte sein können.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ganz einfach: Weil es keine Beweise gibt. Ohne Beweise kann es nur eine Theorie oder Vermutung sein. Und verwechsle jetzt nicht Hinweis mit Beweis.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil keiner dabei war und es beweisen kann. Und auch sonst wartet man bei "bewiesenen" Dingen nur auf Bestätigungen oder Widerlegungen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil man es nicht beweisen kann

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil keiner dabei war, als es passiert sein soll, ist es halt eine Theorie.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Na weil keiner dabei war !

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?