Wert des Abiturs?

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7 Antworten

Der Wert des Abiturs wird künstlich aufgebläht, in dem man es für immer mehr nachfolgende Berufswege voraussetzt. Früher war ein Abitur vor allem für Studierende erforderlich. Für kaufmännische Berufe reichte in aller Regel der Realschulabschluss.

Dem gegenüber steht folgendes Phänomen: Nach einer Ausbildungsumfrage des Industrie- und Handelskammertages spielt das Zeugnis bei der Auswahl von Bewerbern in den Unternehmen eine immer geringere Rolle. Im Durchschnitt ist es so, je kleiner das Unternehmen, desto unwichtiger das Zeugnis. Ausnahmen, wie beispielsweise die Bahn,bestätigen die Regel.

http://www.huffingtonpost.de/2014/08/21/schule-zeugnis-arbeitsmarkt_n_5696903.html

Bei der Bahn, einem sehr großen Unternehmen mit sehr vielen verschiedenen Ausbildungsberufen, kann man sich schon seit geraumer Zeit mit einem schlechten Zeugnis bewerben. Das Unternehmen filtert mit eigenen Auswahlverfahren. Grund: Würde sie den Durchschnitt der Zeugnisnoten als Grundlage für die Auswahl nehmen, müssten sie zu viele Bewerber ablehnen; einfach weil sie zu schlecht sind. Aber nicht die Bewerber sind schlecht, sondern deren Bewertung durch die Schulmitarbeiter.

Ein Schulabschluss gibt schließlich nicht die Fähigkeiten eines Menschen wieder, sondern es stellt dar, wie gut dieser Mensch, die Erwartungen der Lehrer erfüllt hat.

Gruß Matti

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Warum sollte es bei einer Tendenz zum Regelabschluss noch irgendeine besondere Bedeutung haben? Aktuell haben wir eine Abiturientenquote von 51%. Wenn dann noch die Notenentwicklung hinzukommt - 37,9% eines Abiturientenjahrgangs in Thüringen hatten 2015 einen Schnitt von 1,9 und besser - reicht offenbar das Vorhandensein eines Stoffwechsels als Leistungskriterium aus.

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/abitur-einser-inflation-und-noten-ungerechtigkeit-13640220.html

Vor diesem Hintergrund findet Elitenbildung auf einer anderen Ebene statt.

Der Vergleich mit Verhältnissen in den USA ist zwar relativ schlicht (eben Abileistung 2016), aber zumindest die Richtung wird geahnt.

Das Establishment hat sich dort schon vor Jahrzehnten auf ein gut funktionierendes  System der Elitenbildung geeinigt, dass sich nicht wie in Deutschland überwiegend am Familieneinkommen orientiert, sondern berücksichtigt, dass dass Ansehen einer Uni und auch die Anforderungen der Wissenschaften und der Wirtschaft teilweise reale Leistungseliten benötigt.

Nur mit den Söhnen und Töchtern aus reichem Hause gibt es keine Spitzenforschung, Alumnis, Stiftungen und sonstige Zuwendungen ermöglichen ca. 30% Stipendiaten, die einen erstaunlich hohen Anteil am Ruf der Spitzenunis haben.

In Deutschland hingegen spielt aktuell eine Grundschule mit ihrer Existenz, die nicht mindestens 60% Gymnasiumsempfehlungen ausspricht. Damit ist es natürlich für Eltern mit einer Sarah oder einem Alexander, die mit Mühe den aufrechten Gang beibehalten können, nicht getan. Die verlangen selbstverständlich auch weiterhin ein Niveau, der ihre Dumpfbacken nicht allzu sehr fordert.

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Kommentar von PolluxHH
09.07.2016, 11:41

Es ist ja nicht nur so, daß Schulnoten im Bereich der 1er und 2er inflationär zunehmen (im akademischen Bereichen ist es vergleichbar, es endet ja nicht bei der schulischen Ausbildung), sondern es wird immer noch davon ausgegangen, daß der Bildungsstand eines heutigen Abiturienten mindestens qualitativ dem eines Abiturienten aus - sagen wir einmal - den 80ern entspräche.

Selbst Leistungskurse in Mathe (wieder Lehrplan von Hamburg) unterbieten an Pflicht-, Wahlpflicht- und Wahlinhalten die Ansprüche im Mathe-Grundkurs zu meiner Zeit (allerdings weiß ich nicht, inwieweit heute noch Beweisführung abgefordert wird, aber auch das war bei uns in den Grundkursen Standard). Was den Gebrauch der deutschen Sprache angeht (ich verwende bewußt die alte Rechtschreibung, weil ich die neue deutsche Rechtschreibung als nicht abwärtskompatibel einschätze) hoffe ich, daß eine Site wie diese nicht wirklich repräsentativ ist. Tippfehler, okay, aber wenn ich dann von einem Oberstufenschüler zunächst lese, wie toll man doch schreiben könne und es liebe, sich gewählt auszudrücken, um dann zu schreiben, daß sein Vater ihm etwas früh impliziert habe, falle ich vom Glauben ab.

Hinzu kommt, daß an unserer Schule ein Lehrer zum Rektor gerufen wurde, wenn mehr als in nur einer von ihm gestellten Klausur der Schnitt deutlich von einer 3 abwich. Maxime war: eine Klausur hat so gestaltet zu sein, daß sie eine möglichst gute Differenzierung des Leistungsstandes einer Klasse erlaubt (und dies ist am Ehesten bei einem Schnitt von 3 gegeben).

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Erst einmal solltest Du unterscheiden. Der Highschool-Abschluß in den USA entspricht eher dem Realschulabschluß in Deutschland, am ehesten ist ein College-Abschluß als vergleichbar anzusetzen, aber dann bei größerer Spezialisierung als in Deutschland.

In den USA aber hat man eine horizontale Streuung der Bildung ganz gemäß "sag mir welche Schule/welches College und ich sag Dir, was der Abschluß wert ist", Deutschland kannte ein vertikales Bildungssystem, das derzeit "aufgelöst" wird, ohne horizontale Strukturen zu schaffen (die sich deshalb anders bilden, denn die deutsche Bildungselite wird zumeist im Ausland ausgebildet). Stelle einen Abiturienten von einem angesehenen Gymnasium neben einen Abiturienten einer Stadtteilschule und Du wirst gravierende Unterschiede feststellen, schon alleine weil ein Abiturient von einer Stadtteilschule im Durchschnitt nahezu unfähig ist, eine inhaltlich und logisch saubere Argumentation aufzubauen. Ein Schüler der 10. Klasse kannte noch nicht einmal das Wort "Antisemitismus" ... und war in E-Kursen (soll heißen "erweitert"), dabei mit einem sehr guten Notendurchschnitt.

Wenn es Dich interessiert frage doch Inhaber von Lehrstühlen in Deutschland, was sie von der durchschnittlichen Qualität der Hochschulreife in Deutschland halten. Ältere Professoren setzen im Bereich Sprachvermögen, logisches Denken und Befähigung zur Hinterfragung, aktiv gehaltenes Wissen und multikausale Denkstrukturen den Durchschnittsabiturienten von heute sogar einem Realschulabsolventen aus den 80ern als unterlegen an (damals reichte auch Realschulabschluß für kaufmännische Berufe).

Und der letzte Punkt ist der Jugendschutz. Mit Realschulabschluß fiele ein Lehrling noch unter den Jugendschutz, was Arbeitgeber massiv einschränkt. Dann doch lieber gleich Abiturienten.

Ach ja - DU merkst es, nachdem Du Abitur gemacht hast? Alleine das sollte als Argument reichen :D.


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Du hast es dir ja selbst beantwortet. Da viele in Deutschland das Abitur machen ist es für Arbeitgeber nicht schwierig einen Schulabgänger mit  gutem Schulabschluss zu finden. Viele machen Abitur auch "nur" zur Sicherheit ohne studieren zu wollen. Deshlab ist das Abi auch nicht mehr so viel Wert, weil es eben doch so viele machen und die Anforderungen der AG deshalb steigen.

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YThaja bringt es kurz und knapp auf den Punkt, warum das Abitur einen hohen Wert hat.

Viele wissen noch nicht, was beruflich interessant ist und sind Schüler oder Studenten.

Vorteil: Zeit für Orientierung und Erfahrung, höherer Abschluss, keine verschwendete Zeit

voranbringende Persönlichkeit: Kompromisse, Entscheidung treffen, positives Gefühl bei der Sache

Nachteil: Jede Entscheidung ist gleichzeitig eine Trennung. Bewusst machen

Finde heraus was dir Spaß macht und worin du dich persönlich entfalten kannst. Nicht vor der scheinbar grenzenlosen Freiheit an beruflichen Möglichkeiten stehen bleiben. Interessen folgen und ein passendes Studium finden. Vielleicht vorher eine kaufmännische Ausbildung. Nach der Ausbildung bist du reifer und Wege bilden sich. Abitur ist ein Mittel zum Zweck. Such dir aus, was du damit machen möchtest ;)

Persönlicher Gedankengang: Ein Fußballspieler in der Bundesliga hat in der Kreisliga nichts zu suchen.

Viel Spaß und Erfolg!

beste Grüße

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Wenn du dein Abi machst dann hast du später auch noch die Chance, zu Studieren. Damit stehen dir (mehr oder weniger) alle Türen auf. Also würde ich sagen, man kann es als eine Art Absicherung sehen. 

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Warum sollte man das Abi nicht machen, wenn man kann? Man kann zwei bzw. drei Jahre weiter zur Schule gehen und sein Leben chillen, anstatt zu arbeiten und bekommt dafür im Normalfall auch noch einen besseren Job als ohne Abi. Und das Abi ist heutzutage ja auch nicht mehr schwer. In einigen Bundesländern schaffen es ca. 50% aller Schüler soweit ich weiß.

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Kommentar von PolluxHH
09.07.2016, 08:18

Bundesweit liegt der Schnitt bei ca. 60%, was gleichzeitig heißt, daß ein Abitur in Deutschland auch mit einem unterdurchschnittlichen IQ zu schaffen ist. Aber die Jobaussichten sind nicht unabhängig von der Einstellung. Mit Deiner Einstellung dürfte nach Abi eher eine Hartz IV-Karriere warten.

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