werden katholische Priester vor ein normales Gericht gestellt?

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11 Antworten

Hallo,

die kirchliche und die staatliche Rechtsprechung sind mittlerweile getrennt.

In Deutschland wird Missbrauch durch die staatlichen Institutionen untersucht, verfolgt und bestraft. Dazu ist eine Anzeige notwendig. Der Staat verfolgt diese Anzeigen, egal ob es sich um einen Priester handelt oder nicht (Gott sei Dank). Insofern obliegt die Bestrafung der Priester bei Missbrauchsfällen dem Staat.

Das Kirchenrecht kennt keine Strafe für sexuellen Missbrauch, sondern beschäftigt sich lediglich mit theologischen und institutionellen Fragen. Wenn also ein Missbrauch innerhalb der Kirche bekannt wir, ist es nötig, dass dieser Priester bei der Polizei angezeigt wird. Nur kirchenintern kann der Priester nicht entsprechend bestraft werden, da die Schuld ja nicht offiziell von staatlicher Seite bewiesen wurde. Und eine Anzeige erstatten kann im Endeffekt nur das Opfer oder direkte Zeugen, da sonst keine Beweise vorliegen!

In der Vergangenheit ging nicht nur die Kirche davon aus, dass Pädophälie heilbar ist. Wurde also ein Missbrauchsfall intern bekannt, das Opfer wollte oder konnte aber nicht Anzeige erstatten, so wurde intern ggf. eine Therapie oder Gespräche angeboten, die aber nicht an die Öffentlichkeit drangen. Ferner wurde der Priester versetzt, alles in der Hoffnung und auch in dem Glauben der Priester könne "geheilt" werden. Wie gesagt diese Annahme war in der ganzen Gesellschaft und auch in der Psychologie Konsens.

Heute ist dies nicht mehr der Fall! Pädophälie ist wissenschaftlich bewiesen nicht heilbar und insofern müssen die Täter meines Erachtens in Sicherheitsverwahrung zum Schutz zukünftiger, potentieller Opfer! Egal ob Priester oder Herr / Frau XY von nebenan. Dies lernt auch die Kirche zur Zeit massiv und hoffentlich auch die ganze Gesellschaft, das hieße, dass wir unsere staatlichen Gesetze ändern müssen!

Die Kirche ist an einer Aufklärung interessiert! Natürlich gibt es immer wieder Personen, die ihre eigene Beteiligung vertuschen oder herunter spielen möchten. Vielleicht brauchen sie das auch für sich selber, um selber noch in den Spiegel sehen zu können? Ich weiß es nicht. Aber es soll jetzt ein für alle Mal alles auf den Tisch kommen. Und die Umgehensweise der Katholischen Kirche mit solchen Vorfällen muss sich grundlegend ändern. Außerdem ist zur Zeit vor allem Demut und Reue gegenüber den Opfern angesagt!

Leider ist es so, dass die Opfer von sexuellen Missbrauch traumatisiert sind und viel Hilfe und Zeit benötigen, um damit fertig zu werden. Häufig schämen sich die Opfer und geben sich selber die Schuld für das Geschehene und fühlen sich dreckig etc. Aus diesem Grunde sehen viele Opfer zunächst (lange Zeit) von einer Anzeige ab ( das hat nichts damit zu tun, ob der Täter ein Priester war oder nicht). Ich kann nur jedes Opfer ermutigen, dass es die jeweiligen Täter zur Anzeige bringt und gegen ihn aussagt. Auch wenn das viel Kraft und Mut erfordert. Die Aufgabe der Mitmenschen ist es, die Opfer auf diesem Weg ( Gesundung + Anzeige) zu begleiten und zu stützen.

Ich möchte nur alle bitten: Unterscheidet bitte bei all dem Medienrummel genau zwischen den Vorwürfen: sexueller Missbrauch und Misshandlungen oder psychischem Missbrauch. All diese Fälle haben eine andere Geschichte, andere Hintergründe und müssen unterschiedlich behandelt werden.

Auch dass die Öffentlichkeit nicht über alle Entwicklungen (Hilfen für Opfer und Strafen für Täter) informiert werden kann, sollte aufgrund rechtlicher Vorgaben und vor allem wegen des Opferschutzes, bedacht werden.

Es gab bisher in Deutschland keine Anzeigepflicht für Fälle sexuellen Missbrauchs. Auch die katholische Kirche war also rechtlich nicht verpflichtet, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, wenn sie von Missbrauchsfällen erfuhr. In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs wird dem Verdächtigen eine Selbstanzeige nahegelegt und je nach Sachlage die Staatsanwaltschaft informiert.

In Deutschland kann jedes Opfer und jeder Zeuge selbst entscheiden, ob es sein Wissen über eine bereits begangene Straftat an die Polizei weitergibt. Strafbar ist nur die Nichtanzeige "geplanter Straftaten". Und laut Strafgesetzbuch (§138) gilt auch dies nur bei Fällen wie Mord, Entführung oder Brandstiftung. Der sexuelle Missbrauch ist nicht erwähnt.

Die Opfer sollten sich an vertraute Personen - auch Nachbarn und Angehörige - wenden können, ohne damit sofort einen Automatismus polizeilicher Verfolgung auszulösen.

Gibt es so eine Pflicht denn jetzt ?

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du musst unterscheiden: die strafrechtliche verantwortung wird unter mitwirkung von polizei und staatsanwaltschaft vor einem staatlichen gericht geprüft und gegebenenfalls abgeurteilt. dienstrechtlich, also im verhältnis zur kirche, gibt es ein zusätzliches, nicht staatliches verfahren. das ist, als ob jemand an seinem arbeitsplatz einen diebstahl begeht. dafür wird er vom stastlichen gericht bestraft, zusätzlich wird er (wahrscheinlich) gekündigt.

Auch Prieste unterliegen der weltlichen Gerichtsbarkeit. Das Problem bei den Taten, die momentan durch die Presse gehen oder gingen ist, dass sie verjährt sind. Dass die Kirche die Taten aber bewusst vertuscht hat ist ein Skandal!

Seit Jahrzehnten werden die weltlichen Missbrauchsfälle auch vertuscht. Das ist auch ein Skandal! Man hat bisher geglaubt, eine Therapie könnte heilen und weiß erst jetzt, dass dem nicht so ist.

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@Raubkatze45

Selbstverständlich ist es auch dort völlig falsch, zu vertuschen. Wenn aber eine Organisation wie die katholische Kiche, die für sich selbst höchste moralische Ansprüche beansprucht, so etwas macht, ist das in höchstem Maße verwerflich. Hier wurde ja sogar dafür gesorgt, dass Täter an anderen Schülen etc. weitermachen konnten.

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Ja, denn er ist in erster Linie ein Mensch. Dann erst kommt sein Beruf.

Ja, wenn sie sich vor dem Gesetz strafbar gemacht haben. Auch Priester unterliegen weltlichen Gesetzen. Da wird noch zu Lebzeiten geurteilt Das jüngste Gericht reicht da nicht aus.

... und die Tat noch nicht verjährt ist und ein Gerichtsverfahren überhaupt nötig ist, wie bei jedem anderen auch.

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Schon seit einigen hundert Jahren zumindest in der Theorie !

Nein, die kommen vor die heilige Inquisition und werden anschließend auf dem Marktplatz verbrannt.

Nein, die werden solange versetzt, bis nichts mehr hochkommt.

nur, wenn es sich nicht mehr vertuschen lässt

wenn sie gegen gesetze verstoßen, ja

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