Werde ich mit SVV noch ernstgenommen heutzutage?

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7 Antworten

Hallo idkmiregal,

"Menschen mit SVV wollen nur Aufmerksamkeit" ?
- Vielleicht ist genau das, ihr eigentliches Problem.


Selbstverletzendes Verhalten IST eine negative Verhaltensweise, weil anders mit dem eigenen Leid nicht umgegangen werden kann. Die Bedürfnisse sind klar (Ruhe, "was auch immer soll aufhören", sich-spüren-können, Ablenkung, ..... oder auch 'Aufmerksamkeit').

Wer sich aufgrund von Aufmerksamkeitswünschen verletzt, dieser Mensch hat auch tiefliegende Probleme. Vielleicht wurde jener Mensch zu wenig beachtet - oder zu viel - es kann eine Bindungsstörung vorliegen - oder (meistens) wird Kontakt, Wertschätzung,... von Außen erwünscht... erfordert, weil sich selbst diese Aufmerksamkeit nicht gegeben werden kann. Wie bei ganz vielen Erkrankungen. Begleitend kommen meistens psychosomatische Schmerzen hinzu, tiefe Verzweiflung und so weiter.

Daher, wer als Vorwurf immer wieder mitteilt, dass SVV "nur" aufgrund der Aufmerksamkeit durchgeführt wird, denkt nicht bis zum Ende durch. Stabile Menschen können sich selbst Aufmerksamkeit geben. Und können auch in Worten äußern, dass diese sich alleine oder nicht gesehen oder wie auch immer sich fühlen.

Menschen mit SVV wird aber allein schon dieser Aspekt versagt, weil dann herauskommen würde, dass diese es wegen der Aufmerksamkeit tun. Was die meisten nicht wollen, weil diese Begrüdung doch immer wieder so "herabwürdigend" ist.

Aber hey.... genau diesen Menschen, die "Aufmerksamkeit" so herabwürdigend mitteilen, dass diese tatsächlich von allen Menschen ignoriert werden. Sie bekommen keine Rückmeldung mehr, werden nicht mehr in Gesprächen/Unternehmungen mit einbezogen, oder werden sogar abgewertet für ALLES, was sie tun. Schließlich kann alles niedergetreten werden. Zum Beispiel indem gesagt wird "hey, ich kann das aber besser." oder "ui, darauf bist Du bereits stolz? Na dann freu Dich weiter..."

2-4 Wochen dürften reichen, um einen "gesunden" Menschen in enorme Selbstzweifel zu bringen. Mobbing geht weitaus länger (als Beispiel). Nein, nicht alle Menschen, die Mobbing erleben, betreiben SVV. Und wenn, dann nicht ausschließlich wegen Aufmerksamkeit. Sondern auch wegen Selbsthass und aufgrund der 'beruhigenden Wirkung'. Denn tröstende Tränen gibt es länger kaum mehr. Und auch nicht jeder, der SVV betreibt wurde gemobbt. Mobbing ist hier lediglich ein Beispiel, weil ich es oftmals lese auf dieser Plattform hier.


Wenn Du also tatsächlich von jemanden, der Dich unterstützen soll, zu hören bekommst, dass Du Dich doch nur deswegen verletzt um Aufmerksamkeit zu bekommen und Dich daher nicht ernst nimmt, also als Vorwurf verwendet, der- oder diejenige hat ihren Beruf komplett verfehlt!

Nicht nur, weil nicht bis zu Ende gedacht worden ist, sondern auch, weil jede Empathie fehlt, die dies zu sagen. Weil wenn es tatsächlich wegen "Aufmerksamkeit" ist.... und oberflächlich betrachtet es reicht, wenn andere (gesunde) Wege gefunden werden können, um an die Aufmerksamkeit zu kommen, dann gäbe es ein schnelles Erfolgserlebnis. Eine rasche Gesundung. Ein Leid auf dieser Welt kann minimiert werden. Ein Mensch darf 'normal' Leben, seine Träume verwirklichen. [......] und doch ist es meist so, dass enorme Bindungsängste dahinterstehen, Selbsthass, Unsicherheiten mit der eigenen Identität......


Beratungsstellen sind kostenlos und anonym. Diese haben auch meistens 'Ahnung' von SVV. Manchmal geben diese *nur* wohl Skills mit. Die man sich auch aus dem Internet holen kann. Hier ist aber dringend eine Anleitung nötig. Schließlich wird es Dir kaum etwas helfen, wenn Du Dich alleine fühlst, dass Du dann 10 Mal um den Häuserblock läufst. Jemanden anrufen ist dann effektiver. Wo die Herausforderung meistens besteht, ob man sich das selbst erlauben darf (darf man, unbedingt!) Dann oft aber die inneren Außen-Zweifel, wenn es mir schlecht geht und ich tatsächlich die Aufmerksamkeit möchte, dann stimme ich den anderen Menschen zu mit ihrer These. Dieser Gedankengang ist nachvollziehbar, aber grundlegend verkehrt. Denn ein Telefonat kann oftmals sehr wohltuend tun. Und es braucht sich nicht um Leid oder so handeln das Gespräch. Sondern als Ablenkung dienen. Es ist ein Beispiel von vielen....


Eine Beratungsstelle kann aber auch dazu dienen, dass Du wertvolle Tipps bekommst, wenn Du in Therapie gehen möchtest. (Therapierichtung, Krankenkassenfinanzierung und so weiter).

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Meine Mutter hat eine psychologische Ausbildung und SVV kenne ich bei mir selbst und bei meiner besten Freundin. Mit dieser Erfahrung weiß ich, dass es wirklich Unterschiede gibt.

Nicht so wie ich, schnitt sich meine beste Freundin an den auffälligen Stellen, am Unterarm und das mit Absicht, wie sie mir gestand. Sie hatte sich in mich verliebt und verletzte sich selbst um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Darüber zu reden tut weh, ich bleibe einfach Mal sachlich. Es gibt einen Haufen von Leuten, die das SVV wirklich für Aufmerksamkeit nutzen, schließlich hat das SVV auch verschiedenste Wurzeln und Trigger. 

Es kommt darauf an, von wem du Hilfe erwartest. Es ist schwer, sich den Eltern anzuvertrauen, weil man weiß, wie viel Sorgen sie sich machen werden und es ist kompliziert sich den Freunden anzuvertrauen, weil jeder ein anderes Bild von SVV hat. Viele können mit sowas nicht umgehen. Aber sich einem Vertrauenslehrer oder einer anderen Hilfsperson anzuvertrauen hat keine Risiken, wirklich keiner wird dich dann nicht ernst nehmen.

Die Gesellschaft macht einen Haufen dummer Dinge. Es werden Scherze übers Ritzen gemacht und über Schwarze, Juden, Frauen, Transsexuelle, Homosexuelle, Gehbehinderte, und, und, und. Und es gibt immer Leute, die vertreten diese Scherze wie glänzende Idioten. Vielleicht ist es besser, macht man sich nichts draus, was "die Gesellschaft" von einem denkt, in ihrer verschleierten Sicht der Oberflächlichkeit und der Vorurteile.

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Kommentar von idkmiregal
25.08.2015, 00:21

Das stimmt. Ich glaube ich könnte mit meinen Eltern da nie drüber reden. Ich habe schon so immer Angst, dass sich jemand wegen mir Sorgen macht und so. Von meinen Freunden weiß es auch nur eine, bei den anderen hab ich es mal angedeutet, es schien sie aber nicht zu interessieren. Also bin ich nicht weiter darauf eingegangen. Nachdem unsere ""Vertrauenslehrer"" nicht gerade die Art von Mensch sind mit denen ich reden möchte, wende ich mit vielleicht mal an einen Jugendpsychologen oder so. Auf jeden Fall Danke für deine Antwort. Es hilft mir immer ein bisschen zu hören, dass ich damit nicht alleine bin. 

Danke 

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deine eltern werden bestimmt nicht so reagieren sondern sich sorgen machen. ich denke ich würde es zuerst denen erzählen und mit ihnen eine lösung finden

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Kommentar von rosepetals
25.08.2015, 00:17

ehrlich gesagt sind Eltern da meistens die schlechtesten Ratgeber. sie sind zu emotional mit dem Thema verbunden und können es nicht mehr objektiv sehen. verschiedenste Dramen könnten daraus entstehen

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Von einem Arzt oder einem Menschen mit genügend Empathie wirst du garantiert ernst genommen. SvV überschreitet eine Grenze, die gesunde Menschen nicht überschreiten.

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Sehe da einfach keinen Sinn darin, eine Klinge in seine Haut zu ritzen, nur weil es einem schlecht geht und man keinen anderen Ausweg findet. Ich leide an einer Depression und an Panikattacken, die mich dauernd an Suizid nachdenken lassen. Antstatt sich die Haut zu aufzuritzen und sich sozusagen die Haut versaut, sollte man einfach in ein Kissen schreien oder einen Boxsack kaufen, um die ganze Frust und Wut raus zu lassen.

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Das ist leider so und die Psychologen freuen sich auf über jeden neuen Patienten. Wirklich interessiert sind die nicht, sondern spulen ihr Programm ab.

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Kommentar von schokocrossie91
25.08.2015, 00:02

Das ist nicht richtig und auch der Professur gegenüber nicht fair. Ein Psychologe therapiert im Übrigen auch nicht, sondern beschreibt nur Symptome. Wahrscheinlich hast du einfach eine schlechte Erfahrung gemacht und das tut mir leid für dich, aber mit diesen pauschalen Aussagen tust du niemandem einen Gefallen. 

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Würdest Du jemanden ernst nehmen, der Dir sagt "Ja, ich habe ein Alkoholproblem, aber ich höre nicht auf zu trinken"?

Bei SSV ist es letztendlich sehr ähnlich. Es ist Deine Entscheidung ob Du aufhörst und ob Du Dir Hilfe holst. Aber zu sagen "Ja, ich habe ein Problem und leide lieber satt etwas zu ändern", finde ich schwach!

Liebe Grüße von einer ehemals Suchtkranken.

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Kommentar von rosepetals
25.08.2015, 00:03

Du solltest das nicht mit Alkohol vergleichen, Heroine finde ich treffender.

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Kommentar von idkmiregal
25.08.2015, 00:06

Ich will doch aufhören. Aber alleine kann ich das nicht mehr. Ist es denn nicht gerechtfertigt, dass ich Angst habe nicht ernst genommen zu werden?

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