Was ist meine Muttersprache?

10 Antworten

Salue

Man sagt zwar "Mutter"-Sprache, man meint aber die Sprache, die einem persönlich näher liegt.

Überlege mal, mit welcher "Software" Du denkst und Du Dir Deine Überlegungen machst. Es ist die Sprache, die uns prägt.

Bei uns Deutschsprachigen Schweizern ist dies eindeutig das Schweizerdeutsch, also der Dialekt. Wir haben zwar alle von klein auf Hochdeutsch gelernt (Fernsehen, Schule etc.) aber unser Gehirn arbeitet in "Schwyzerdütsch".

Es grüsst Dich

Tellensohn

Info für dich von einem Sprachwissenschaftler: Nicht alle Menschen "denken" sprachlich. Manche "denken" also tatsächlich "in einer Sprache", in der sie also innerlich eine Art Monolog führen, andere denken überhaupt nicht sprachlich. Wenn diese Leute sich an irgendetwas erinnern oder z.B. abwägen, ob sie lieber A oder B tun sollten, dann sehen sie z.B. innerlich Bilder, äußern innerlich aber kein einziges Wort. 

Menschen sind verschieden. Auch hierbei.

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Was "manche" sagen, spielt keine Rolle. Frag Wissenschaftler, die diejenige Wissenschaft studiert haben, die deine Frage beantworten kann, d.h. Sprachwissenschaftler. Ich z.B. bin so einer.

Die Muttersprache hat nur etwas mit "deiner Mutter" zu tun, wenn die Familienverhältnisse "ganz normal, traditionell und üblich" sind. Genau dann nämlich lernst du ja deine erste Sprache auf jeden Fall auch über deine Mutter, da sie ja mit dir ihre eigene Sprache spricht.

Als "Muttersprache" ist in Wirklichkeit aber diejenige Sprache zu bezeichnen, die du sehr früh in der Kindheit gelernt hast, die du in der Art sprichst, wie es auch andere Sprecher dieser Sprache tun, und die du als "nicht fremd" empfindest - im Gegensatz zu später hinzugelernten Fremdsprachen, die du mehr oder weniger als "nicht deine eigene Sprache" empfindest.

Nicht immer ist die Muttersprache aber nur eine einzige Sprache, denn man kann ja auch wie in deinem Fall mehrsprachig aufwachsen. Dann hat man z.B. so wie du zwei Muttersprachen. Erst wenn man mindestens zwei Muttersprachen hat, kann man auch bemerken, dass man auch eine Muttersprache besser oder schlechter beherrschen kann. Denn wenn man nur eine Muttersprache hat, diese fließend spricht und seine eigene Fähigkeit darin mit seinen Fähigkeiten in bestimmten Fremdsprachen vergleicht, stellt man fest, dass man die Muttersprache besser spricht und denkt automatisch, dass man die Muttersprache immer "perfekt" spricht, da es ja nun mal die Muttersprache ist.

Verschiedene Sprecher einer Sprache beherrschen die eigene Sprache aber in unterschiedlichem Maße. Wenn du selbst jetzt zwei Muttersprachen hast, dann kannst du bemerken, dass du in einer Sprache z.B. auf dem Gebiet XYZ irgendwie geschickter sprechen kannst, in der anderen Sprache womöglich besser schreiben kannst usw. usw. Es kann immer kleine Unterschiede geben.

Die Grenzen wiederum, was eine Muttersprache ist, können trotzdem fließend sein. Denn wenn die Lebensverhältnisse komplex sind, dann kann auch diese Sprachfrage komplex sein. Wenn z.B. ein Kind mit 4 Jahren in ein anderes Land zieht, dann lernt es sehr früh und intensiv eine andere Sprache. Zugleich spricht es zu diesem Zeitpunkt aber schon eine andere, die es schon vorher gelernt hat. Ist die neue Sprache jetzt auch eine Muttersprache oder nicht? Wenn nicht, könnte es aber sein, dass das Kind in der neuen Sprache im Laufe der Zeit ein absolut muttersprachliches Niveau erreicht, während es seine vorige Muttersprache sogar teilweise verlernt. Es kann da tatsächlich alle möglichen Fälle geben.

In deinem Fall würde ich auf jeden Fall sagen, dass du zwei Muttersprachen hast, wenn du sie seit deiner frühen Kindheit gleichzeitig gelernt hast.


Im Grunde einverstanden, aber ich habe doch einen Einwand. Wie er selbst sagt, spricht er Kroatisch nicht auf muttersprachlichem Niveau. Damit wird ja die Kompetenzstufe C2 bezeichnet.

Insofern kann man einmal von "historischen" Muttersprachen einer Person sprechen (die, die man als kleines Kind gelernt hat, L1-Erwerb), zum anderen von Sprachen, die man aktuell "auf muttersprachlichem Niveau" beherrscht (in der Regel durch L2-Erwerb).

Letzteres hat also durchaus mit der Kompetenzstufe zu tun. So kann man Muttersprachen verlieren, wechseln und auch nach dem Kindesalter noch erwerben.

Selten beherrscht jemand zwei Sprachen exakt auf gleichem Niveau, da man dazu entweder jeden Tag etwa gleich viele Anwendungsmöglichkeiten für beide Sprachen haben oder regelmäßig die Sprachumgebung wechseln muss.

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@RudolfFischer

Ebenfalls im Grunde einverstanden, aber ich habe doch ein paar Einwände...:

"Wie er selbst sagt, spricht er Kroatisch nicht auf muttersprachlichem Niveau. Damit wird ja die Kompetenzstufe C2 bezeichnet."

Er sagt ganz und gar nicht, er spreche Kroatisch nicht auf muttersprachlichem Niveau. Er sagt:

"Andere sagen es wäre die Sprache, die du besser sprechen kannst, was in meinem Fall deutsch wäre."

Das ist etwas anderes. Er sagt nur, dass er Deutsch "besser" spricht, und diese Kompetenzstufen des Referenzrahmens sind nun mal recht grobe Stufen, mit recht deutlichem Abstand untereinander, gerade um einen Überblick, etwas Ordnung und Vergleichbarkeit zu schaffen. Wie du ja selbst sagst, beherrscht man selten zwei oder mehr Sprachen auf exakt gleichem Niveau. Das bedeutet aber nicht, dass die weniger gut beherrschte Sprache dadurch automatisch zur Nicht-Muttersprache wird, da man Muttersprachen automatisch immer wie Goethe bzw. Dante Alighieri usw. spricht. Es ist ganz realistisch denkbar, dass jemand sagt, seine zweite Muttersprache XY spreche er nicht ganz so gut wie seine erste AB, er aber zugleich wesentlich eloquenter in der Sprache XY ist als Millionen andere Muttersprachler der Sprache XY.

Und wie gesagt gibt es nicht nur diese groben Stufen des Referenzrahmens, sondern noch zig andere, feinere Abstufungen sowohl gradueller als auch qualitativer Art.

Wenn wir gründlich über das Thema weiterdebattieren, werden wir womöglich herausfinden, dass es eher eine begriffliche Frage ist als eine sprachliche: Der Begriff "Muttersprache" tauchte ja auf, um etwas bestimmtes zu bezeichnen. Die Realität ist nun wiederum komplexer als der häufigste "Idealzustand", so dass man quasi mit der Zeit feststellen muss, dass der Begriff und das ursprüngliche Verständnis von "Muttersprache" nicht ganz der Realität gerecht wird.

Reale Verhältnisse dann in das Bedeutungskonzept von "Muttersprache" quetschen zu wollen, ist sozusagen eine methodisch falsche Korrektur des nicht ganz perfekten Begriffes. Statt dessen müsste man den Begriff dahingehend korrigieren, indem man zunächst festhält, dass er ursprünglich von einer einfachen Idealsituation ausging ("Eltern sprechen die Sprache X, die Kinder dann auch"), in Wirklichkeit aber oft viel komplexere Verhältnisse vorliegen, die jener simplen Idealsituation nicht entsprechen.

Und dann kann man sich fragen, wie man begrifflich besser vorgehen sollte. Also z.B. mit Konzepten wie "am besten gesprochene Sprache", "als erstes gelernte Sprache", "auf dem Niveau jener Muttersprachler gesprochene Srpache, die die Sprache im traditionellen Idealzustand gelernt haben" usw. usw.

Auch der Fragesteller hat ja eigentlich nur das Problem, dass er nicht weiß, welche Sprache(n) er als "Muttersprache" zu bezeichnen hat. Er weiß sehr wohl, wie gut er Deutsch bzw. Kroatisch spricht und weiß auch, wie und wann er dir Sprachen gelernt hat. Insofern ist das Problem eigentlich nur ein begriffliches, d.h. eins, dass einen von Menschen geschaffenen Begriff betrifft und eigentlich nicht die Realität selbst.

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In welcher Sprache rechnest du? :-)

Andere sagen es wäre die Sprache, die du besser sprechen kannst, was in meinem Fall deutsch wäre. 

Es ist völlig unerheblich, was andere sagen!

Aber wenn du es selbst schon so genau weißt, kannst du die Frage entweder mit Deutsch beantworten, oder eben so:
Ich bin komplett zweisprachig / habe 2 Muttersprachen. :-)

Muttersprache ist eine Sprache, die du in deiner Kindheit ohne formalen Unterricht erlernt hast. Kein Merkmal ist, wie gut du die Sprache sprichst.

Demnach hast du 2 Muttersprachen.

Im Endeffekt beides.

Mein Freund ist auch in HR geboren, aufgewachsen in BRD mit beiden Sprachen.

Er sagt zu beidem Muttersprache.

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