Wer war unzufrieden mit der Deutschen Reichsgründung 1871? (Innenpolitisch nicht außenpolitisch)

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Bei der Abstimmung im Reichstag über die Reichsverfassung am 13. April 1781 stimmte eine große Mehrheit dafür, dagegen nur die 2 sozialdemokratischen Abgeordneten (einer davon war August Bebel), 4 Abgeordneten der Deutsch-Hannoverschem Partei (DHP) (auch Welfenpartei genannt; gegen die preußische Annexion des Königreiches Hannover und die Beschlagnahmung des Welfen-Vermögens) und 1 dänischer Abgeordneter.

Einige Vorbehalte gegen die Reichgründung gab es anfänglich bei den (monarchistisch eingestellten) preußischen Altkonservativen (1871 Konservative Partei), die gerne Preußen bleiben und nicht in Deutschland aufgehen wollten.

Entschiedene Liberale, vor allem in der Deutschen Fortschrittspartei (DFP) vertreten, der damaligen linken Variante des Liberalismus (die rechte war die Nationaliberale Partei), begrüßten die Reichsgründung, wünschten allerdings eine innenpolitische Gestaltung, bei der noch mehr liberale Ziele verwirklicht wurden.

Die Sozialdemokraten (1871 Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) und der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV)) waren Gegner der innenpolitischen Verhältnisse, allerdings keine grundsätzlichen Gegner der Reichsgründung und der durch ihn entstandenen staatlichen Einheit in einem Nationalstaat.

Katholiken waren zumindest zum Teil nicht zufrieden, weil der neue Staat einen vorherrschend protestantischen Charakter hatte und sie eine Zurückdrängung der politischen Macht der katholischen Kirche befürchteten. Außerdem waren nationale Minderheiten (Polen, französisch Elsass-Lothringer), die nicht immer gut behandelt wurden, Katholiken. Die Zentrumspartei (politischer Katholizismus) hatte einen Grundrechtskatalog in der Reichsverfassung gewünscht.

Unzufrieden mit der Tatsache der Reichsgründung waren Partikularisten (in ihren Patriotismus auf ihren jeweiligen, bisher selbständigen Einzelstaat ausgerichtet), die es vor allem in Süddeutschland gab (ein starker Flügel der Bayerischen Patriotenpartei gehörte z. B. dazu).

Die Auflistung von Waterloo nennt dezidiert die Unzufriedenen. Hinzufügen möchte ich noch die Vertreter der Arbeiterparteien und einige Begründungen.

Die Vertreter der Arbeiter parteien stimmten, wie bei Albrecht steht, gegen die Reichsgründung. Ihr Ziel war eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Arbeiterklasse und eine Ablösung der zementierten Herrschaftsstrukturen, die als unsozial und undemokratisch tituliert wurden. Ihre Ablehnung des dt. frz. Krieges 1870/1871 und Unterstützung der Pariser Kommune war au erbitterte Ablehnung durch Bismarck und Co. gestoßen. Daraus resultierten auch die kurz nach Reichsgründung erlassenen Sozialistengesetze und die Verurteilung 1872 von Bebel.

Bei den anderen kann als gemeinsames Ablehnungsmotiv genannt werden, daß sie Privilegien, Eigenständigkeit und Macht verloren. Besonders bitter ür die Hannoveraner, daß auch das eigene Vermögen in das neue Reich einloß.

Je konservativer eine Gruppe ist, desto weniger ist sie fähig oder bereit, sich Neuem zu öffnen. Man wollte an althergebrachtem festhalten.

Das Preußen ein evangelisch geprägtes Land war, hat die Katholiken, besonders aus Bayern, schon sehr gewurmt. Doch dar nicht unerwähnt bleiben, daß Religionszugehörigkeit in Preußen keine große Rolle gespielt hat. Es gab keine Staatsreligion und die offene Einstellung anderen Glaubensrichtungen gegenüber hatte auch dazu geührt, daß sich in Berlin viele verolgte Franzosen (Hugenotten) aber auch Juden niederließen und in der Hauptstadt auch ihre Einluß hinterliesen (Pariser Dom z. B.)

Das 1871 gegründete Dt. Reich war weiterhin monarchistisch-konservativ geprägt. Die Ausdehnungsläche vergrößerte sich beträchtlich durch den Zusammenschluß der vorher autarken Herzog und Königtümer. Einzelne wurden in ihren vorherigen Machtbeugnissen sehr beschnitten, dies gefiel nicht allen. Auch nicht das preußisch geprägte Auftreten. Doch ein Schwerpunkt mußte halt gesetzt werden.

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