Wer war schon am Rubicon?

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3 Antworten

Ich bin einmal in der Gegend gewesen (schon etwas länger her). Sehr großartig wirkte der Fluß nicht. In Hinblick auf Zeugnisse der Antike ist Ravenna eindrucksvoller gewesen.

Die fehlende Einigung darüber, welcher heutiger Fluß der geschichtliche Grenzfluß ist, den Gaius Iulius Caesar in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 49 v. Chr. (bzw. in einer anderen Datierung in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 49 v. Chr.) überschritten hat, liegt vor allem daran, daß ein ganz sicherer Nachweis mit den vorhandenen Quellen kaum möglich ist.

Das römische Bürgerrecht ist bald auf Gallia cisalpina ausgedehnt und das bisherige Provinzgebiet zu Italien gezählt worden.

In der Zeit der Gacchen oder Sullas löste der Rubikon den Aenis in der Funktion als Grenzfluß zwischen Italien und der Provinz Gallia cisalpina ab (Marcus Tullius Cicero, Orationes Philippicae 6, 6; Strabon 5, 1, 11; Plinius, Naturalis historia 3, 115; Appian, Emphylia [Ἐμφύλια; Bürgerkriege, lateinischer Titel: Bella civilia] 2, 35; 3, 61; 3, 88).

Der Rubikon verlor seine Funktion für die Verwaltungseinteilung, als im Zuge der Veränderungen in der Gebietseinteilung Italiens durch Augustus die Grenze zwischen den Regionen (regiones) Umbria und Aemilia weiter nach Süden verlegt wurde.

Der Flußname (Rubikon; lateinisch: Rubico; italienisch: Rubicone) ist nicht fest beibehalten worden. Der Name ist wohl von einer roten Färbung abgeleitet (lateinisch: rubeus = rot).

Erst in der Renaissance kam nach längerer Zeit wieder stärkeres Interesse auf, den historischen Rubikon zu bestimmen.

Der Rubikon liegt zwischen Ravenna und Arminium (heutige Stadt: Rimini) und mündet in die Adria. Aus den antiken Quellen geht die ungefähre Gegend hervor, aber kein genauer Ort der Überquerung. Darstellungen bei Appian, Emphylia (Ἐμφύλια; Bürgerkriege, lateinischer Titel: Bella civilia) 2, 35; Plutarch, Caesar 32; Plutarch, Pompeius 60, 2; Sueton, Divus Iulius 30 – 31 und 81, 2; Lucanus, Pharsalia 1, 183 – 323 (dichterisch); Orosius 6, 15, 2 – 3 ermöglichen keine ganz genaue geographische Festsetzung.

Kandidaten sind:

1) heutiger Rubicone, hieß früher Fiumicino, am 4. August 1933 durch königlichen Beschluß, offenbar durch Benito Mussolini zustandegekommen, zum wahren Rubikon erklärt (Savignano di Romagna, das der Fluß duchfließt, vollzog eine Umbennung in Savignano sul Rubicone).

2) Piasciatello, dessen Oberlauf in der einheimischen Mundart auch Urgòn genannt wird

3) Uso (ein alter Name des Flusses war wohl Luso bzw. in lateinischer Form Lusus)

Die Flüsse liegen ziemlich nahe beieinander. Unsicher ist, wieweit eine Veränderung von Flußläufen durch natürliche Vorgänge und menschliche Eingriffe (zum Schutz gegen Hochwasser und Regulierung) stattgefunden hat.

Gemeinden erheben mit Lokalpatrotismus Anspruch, die Überquerung des historsichen Rubikon habe in ihrem Gebiet stattgefunden.

Einige Argumente berufen sich darauf, der Fluß bei ihnen sei verhältnismäßig früh von Leuten für den Rubikon gehalten worden und in Karten sei etwas eingezeichnet, sowie auf Funde aus Römerzeit.

Für den heutigen Rubicone, früher Fiumicino, werden die Zahlenangaben eines römischen Meilensteins (CIL 2 637) an der Straße des Popilius, die Tabula Peutingeriana 5, 2 mit einer Entfernungsangabe von 12 römischen Meilen (= 17, 7 km) zwischen Rubikon und Ariminium auf der Via Aemila sowie die Lage geltend gemacht. Es gibt dort eine Brcüke aus augusteischer Zeit.

den Fiumicino, heutigen Rubicone, nennen Artikel in bedeutenden Nachschlagewerken:

Gerhard Radke, Rŭbĭcō, Rŭbĭcōn. In: Der Kleine Pauly : Lexikon der Antike, auf der Grundlage von Pauly's Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter bearbeitet und herausgegeben von Konrat Ziegler und Walther Sontheimer. Band 4: Nasidius bis Scaurus. Stuttgart : Druckenmüller, 1972, Spalte 1462

Giovanni Uggeri, Rubico. Übersetzung: J. W. Mayer. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 10: Pol - Sal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 1145

Für Piasciatello wird unter anderem eine inhaltliche Übereinstimmung der Namen Rubikon und Urgòn und ein Beleg für eine Kirche San Martino in Rubicone im 9. Jahrhundert geltend gemacht.

Für Uso wird unter anderem auf eine römische Brücke von San Vito und einen auf 2 v. Chr. datierten römischen Meilenstein, der 7 Meilien Entfernung zu Ariminium abgibt, verwiesen. Auch mit einer Inschrift „Heic Italiane Finis Quondam Rubicon“ wird argumentiert, die aber offenbar erst 1748 mit einer Textanlehnung an Plinius aufgestellt worden ist.

Caesar hat mit der Überschreitung des Grenzflusses Rubikon den Bürgerkrieg militärisch eröffnet. Vorausgegangen war ein Ultimatum des Senats am 7. Januar, bis zu einer Frist sein Imperium niederzulegen, verbunden mit einer Benennung von Nachfolgern für die Provinzen, über die Caesar bis dahin Statthalter war. Mit Gewaltandrohung und Ausrufung eines Notstandes wurde eine Interzession (intercessio) von caesarfreundlichen Volkstribunen gegen einen solchen Beschluß verhindert. Damit begingen die Optimaten und Pompeius einen Rechtsbruch.

Caesars Reaktion war auch rechtswidrig. Lucius Cornelius Sulla hatte in einer Neuordnung als Diktator bestimmt, eine militärische Befehlsgewalt der Staathalter an den Grenzen Italiens enden zu lassen. Sie durften nicht als Befehshaber mit bewaffneten Truppen in Italien einmarschieren. Italien war den Rechtsbestimmungen für Ämter nach weitgehend entmilitarisiert worden (Ausnahmen waren Notstände und Aushebungen von Truppen, um sie außerhalb Italiens einzusetzen). Bermerkenswerterweise hatte Sulla selbst 88 v. Chr. Truppen von Nola (in der antiken Landschaft Kampanien gelegen) aus zum Marsch auf Rom geführt, als ihm durch Volksbeschluß der Oberbefehl in einem Krieg gegen Mithridates/Mithradates VI., König von Pontos, entzogen worden war. Sulla hat dabei als Befehslhaber mit bewaffneten Truppen das Pomerium, die sakrale Stadtgrenze Roms, überschritten, was eine schwere Rechtsverletzung war.

Caesar ist 49 v. Chr. ein Wagnis eingegangen. Der Ausspruch bezieht sich auf einen noch ungewissen Ausgang. Das Ergebnis steht noch nicht fest. Der Würfel ist insofern noch nicht gefallen. alea iacta est ist eine ungenaue Wiedergabe. Bei Sueton, Divus iulius 32 steht iacta alea est. Erasmus von Rotterdam hat als Verbesserung des Ausspruches esto statt est angegeben. Gaius Iulius Caesar hat nach Qullen, die offenbar auf gute Information durch den Zeitzeugen Gaius Asinius Pollio zurückgeht, eine griechische Redensart verwendet, wie sie beim Komödiendichter Menandros vorkommt: ἀνερρίφθω κύβος („Hochgeworfen sei der Würfel“).

Die Frage des wahren Rubikon bietet immer mal Stoff für Zeitungsartikel.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36991/Der-Rubikon-ist-ueberschritten

http://www.sueddeutsche.de/politik/folge-rubikon-der-wuerfel-ist-gefallen-nur-wo-1.932007

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.italien-wo-liegt-eigentlich-der-rubikon.f4171daa-6b64-482f-ace9-cdd415579588.html

Einen Gedenkstein haben die Bürger des Ortes Calinese, der zur Gemeinde Cesena gehört, am 7. September 1991 errichtet.

http://www.lapiazzarimini.it/2013/a-villa-torlonia-il-fiume-rubicone-sotto-processo/

„O Rubicone

Le tue umili acque scendendo al mare segnaron il confine fra Roma e la Gallia Cisalpina; nelle tue rubiconde acque Giulio Cesare si specchiò e rese te famoso e in tutto il mondo, pronunciando “Alea iacta est“.

I cittadini di Calisese e la Amministrazione Comunale di Sogliano al Rubicone elevano orgogliosi questo cippo, a ricordo del passaggio di Cesare avvenuto 2.040 anni fa.

Sogliano al Rubicone, 7. 9. 1991“

„Oh Rubikon

Deine sanftmütigen/ehrerbietigen Wasser zeigten durch ihr Hinunterfließen zum Meer die Grenze zwischen Rom und dem Gallien diesseits der Alpen/dem diesseitigen Gallien; in deinen roten Wassern spiegelte sich Iulius Caesar und er machte dich durch seinen Ausspruch „alea iacta est“ [der Würfel ist geworfen] in der ganzen Welt berühmt.

Die Bürger von Calisese und die Gemeindeverwaltung von Sogliano al Rubicone errichten stolz diesen Gedenkstein zu deinen Ehren, zur Erinnerung an Caesars Hinübergehen/Übergang/Überquerung, das/der/die vor 2040 Jahren geschah.

Sogliano al Rubicone, 7.9.1991“

Auf die weltpolitischen Zusammenhänge ist damit noch nicht direkt hingewiesen, da das Ereignis nicht ausdrücklich eingeordnet bzw. erläutert wird. Dazu wäre ein Hinweis auf den Bürgerkrieg und die Entstehung einer Alleinherrschaft, die an die Setlel einer Republik tritt, erforderlich gewesen.

In Savignano sul Rubicone ist eine Kopie einer CaesarSatue vom Kapitol in Rom mit Inschrift-Sockel aufgestellt worden.

https://followinghadrian.com/2016/01/10/crossing-the-rubicon/

https://followinghadrian.files.wordpress.com/2016/01/23971888820\_18589b4d3c\_h.jpg

„S. P. Q. R. C.

Iulio Caesari

dict. perpetuo“

„Senatus Populusque Romanus

Gaio Iulio Caesari

dictatori perpetuo“

„Senat und Volk von Rom

dem Gaius Iulius Caesar,

Diktator auf Lebenszeit“

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Kommentar von Volens
09.02.2017, 10:11

Ich bin beeindruckt.

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Kommentar von Wurzelstock
09.02.2017, 10:35

optime!

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Ich war als Kind mal von Ravenna aus da, aber einnern kann ich mich nicht.


Hat man da wenigstens eine Tafel angebracht

Einen Gedenkstein haben die Bürger von Calisese am 07.09.1991 errichtet.
Folgendes wurde eingemeißelt:

Oh Rubikon
Deine sanftmütigen Wasser fließen ins Meer hinunter.
Sie markierten die Grenze zwischen Rom und dem diesseitigen Gallien.
In deinem Wasser betrachtete sich Caesar, und mit seinen Ausspruch "alea iacta est" machte er dich in aller Welt berühmt.

Die Bürger von Calisese und die Gemeindeverwaltung Sogliano errichten stolz diesen Gedenkstein zu deinen Ehren,
in Erinnerung an Caesars Überquerung vor 2040 Jahren.

Rubicone - (Geschichte, Italien, Rom)
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Kommentar von Volens
09.02.2017, 00:39

Das ist doch schon mal was.

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So bedeutend ist das auch wieder nicht. Es gab vorher und nachher Kommissköppe, die nach Rom marschiert sind.

Uns scheint das nur so, weil es heute üblich ist, jedem Hanswurst ein vermeintlich denkwürdiges Wort in den Mund zu legen, wenn man ihn zur Persönlichkeit aufpoppen will: "Du auch, mein Sohn Brutus?"

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Kommentar von Volens
08.02.2017, 18:32

Dennoch war Cäsars Marsch etwas Besonderes. Vor ihm hatte keiner am Wunsch des Senats vorbei mit Militär Rom betreten.

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