Wer war Atlanta?

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2 Antworten

Die Person der griechischen Mythologie, die offenbar gemeint ist, heißt in der gängigen griechischen Namensform Atalante (Ἀταλάντη; lateinisch: Atalanta).

Ihre Mutter ist Klymene (Tochter des Minyas).

Eine Aussage, Atalanta/Atalante sei Tochter der Helena gewesen, stimmt nicht. Der Fehler ruft erstaunte Neugier hervor, in welchem Buch dies gestanden hat. Ein Sachbuch kann dies kaum gewesen sein, eher ist dies einer romanhaften Erzählung zuzutrauen, die ziemlich willkürlich mythologische Angaben verändert.

Helena, griechisch Helene (Ἑλένη), ist Ehefrau des Menelaos und Königin von Sparta, bevor sie mit Paris nach Troia fährt.

Gewöhnlich wird in antiken Texten ihre Tochter Hermione aus der Ehe mit Menelaos als einziges Kind Helenas angegeben. Davon abweichend kommen in einigen Texten antiker Autoren auch Namen mehrerer Söhne (von Menelaos und Paris) vor, die ihr zugeschrieben werden, außerdem eine Tochter Iphigeneia von Theseus und eine Tochter Helene von Paris. Eine Atalante bzw. Atalanta kommt dagegen nicht als Name einer Tochter Helenas vor.

Atalante/Atalanta ist eine amazonenhafte Heroine (Heldin), schön, mutig, kräftig, schnell, gewandt.

In den Erzählungen gibt es eine arkadische Fassung (verbindet sie mit der Landschaft Arkadien) und eine boiotische Fassung (verbindet sie mit der Landschaft Boiotien).

Die bekannsten Erzählungen über Atalante sind a) die kalydonische Eberjagd und b) der Wettlauf mit einem Heiratsbewerber.

Der erfolgreiche Heiratbewerber (Freier) ist nach einer Fassung Melanion (Μελανίων) bzw. Meilanion (Μειλανίων) – lateinisch: Milanion - , nach einer anderen Fassung Hippomenes (Ἱππομένης). Nach der Erzählung vom Wettlauf sind viele Bewerber eingeholt und getötet worden. Atalante/Atalanta ist wohl schnellfüßigster Mensch der damaligen Zeit, möglicherweise mit Ausnahme der mit wundersamer Geschwindigkeit laufenden Iphiklos (aus Phylake) und Euphemos. Atalante/Atalanta wird nur durch einen Trick (fallengelassene Äpfel) schließlich einmal nicht Siegerin.

Atalante/Atalanta lebt nach der Mythologie eine Generation vor Helene/Helena. Beispielsweise gehören zu den Männern, mit denen sie bei Unternehmungen zusammenkommt, Peleus und Telamon, deren Söhne Achilleus bzw. Aias im Troianischen Krieg kämpfen. Allein der zu dieser Zeit sehr alte Nestor, der als junger Mann unter anderem an der kalydonischen Eberjagd und am Argonautenzug teilgenommen hat, ist aus der gleichen Generation wie Atalante/Atalanta und hat sie als junge Frau erlebt.

Während als Mutter einheitlich Klymene (Tochter des Minyas) angegeben wird, sind die Angaben zum Vater unterschiedlich.

Tochter des Iasios (Ἰάσιος; lateinisch: Iasius): Theognis 1288; [Aristoteles], Peplos 44 B; Kallimachos, Hymnos 3 (Artemis-Hymnos), 216; Properz 1, 1, 10; Hyginus, Fabulae 70 und 99

Tochter des Iasos (Ἴασος; lateinisch: Iasus): Apollodor 3, 9, 2, 2/3, 105; Scholion zu Euripides, Phoinissai (Φοίνισσαι; Die Phönikerinnen; lateinischer Titel: Phoenissae) 150

Tochter des Iasion (Ἰάσιον): Claudius Aelianus, Poikile historia (Ποικίλη ἱστοϱία; Bunte Geschichte; lateinischer Titel: Varia historia) 13, 1

Euripides bei Apollodor 3, 9, 2, 7/3, 109 und Euripides, Phoinissai (Φοίνισσαι; Die Phönikerinnen; lateinischer Titel: Phoenissae) 1156 nennt sie nach ihrem Lieblingsaufenthaltsort, dem Mainalos-Gebirge, poetisch Tochter des Mainalos.

Tochter des Schoineus (Σχοινεύς; lateinisch: Schoenus): Hesiod, Katalogos gynaikon (Κατάλογος γυναικῶν; Frauenkatalog; lateinischer Titel: Catalogus feminarum) 14; Theokrit 3, 40; Pausanias 8, 35, 10; Diodor 4, 34, 4; 4, 65, 4; Ovid, Metamorphosen 10, 565; Ovid, Heroides 16, 265; 21, 123; Ovid, Tristia 2, 399; Apollodor 1, 8, 2, 4/1, 68; 1, 9, 16, 8/1, 112; 3, 9, 2, 7/3, 109; Scholion zu Euripides, Phoinissai (Φοίνισσαι; Die Phönikerinnen; lateinischer Titel: Phoenissae) 150; Scholion zu Aristophanes, Batrachoi (Βάτραχοι; Die Frösche; lateinischer Titel: Ranae) 1238; Hyginus, Fabulae 173, 185 und 244; Oppian, Kynegetika (Κυνηγετικά; Über die Jagd, lateinischer Titel: Cynegetica) 2, 22

Informationen:

Ruth Harder, Atalante A. Mythos. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Weimar : Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 2: Ark – Ci. Stuttgart ; Metzler, 1997, Spalte 145

Anne Ley, Atalante B. Ikonographie. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Weimar : Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 2: Ark – Ci. Stuttgart ; Metzler, 1997, Spalte 145 - 146

Ewa Dewes, Atalanta: In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.), Mythenrezeption : die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart. DNP : Der Neue Pauly. Supplement-Band 5. Stuttgart ; Weimar : Metzer, 2008, S. 164 - 171

Herbert Jennings Rose, Griechische Mythologie : ein Handbuch. Aus dem Englischen übertragen von Anna Elisabeth Berve-Glauning. 3. Auflage. München : Beck, 2011 (Beck'sche Reihe ; 1530), S. 251- 252:  

„Was Atalante betrifft, so ist meist von zwei Heroinen dieses Namens die Rede; die eine war eine Arkaderin, Tochter des Iasos (Iasios, Iasion), des Sohnes des Lykurgos von Tegea, und der Klymene, der Tochter des Minyas, die andere eine Boioterin, Tochter Schoineus. Tatsächlich handelt es sich bei beiden wohl um dieselbe Gestalt, eine der Nebenformen der Artemis, […]. Atalante war eine amazonische Heroine, eine große Jägerin und voll Mut, die nach einigen Erzählungen nicht nur an der kalydonischen Eberjagd, sondern auch am Argonautenzug teilnahm. Das zentrale Motiv der meisten Versionen ihrer Sage ist jedoch der Wettlauf. Sie war in ihrer Kindheit von ihrem Vater ausgesetzt worden, weil er einen Sohn, nicht eine Tochter haben wollte, aber eine Bärin hatte sie aufgezogen. Als sie heranwuchs und schließlich ihre Eltern wiederfand, wünschte ihr Vater sie zu vermählen, sie aber wollte nur einen Mann nehmen, der mit ihr um die Wette liefe: wenn er gewinne, möge er sie heiraten, wenn er verliere, müsse er sterben. Viele verloren ihr Leben, bis endlich ein Liebhaber, Hippomenes oder Meilanion mit Namen, erschien, der von Aphrodite begünstigt wurde. Auf den Rat der Göttin nahm er drei Äpfel der Hesperiden mit und ließ sie in gewissen Abständen auf den Weg fallen. Da Atalante jeweils anhielt, um sie aufzuheben, gewann er das Rennen und damit Atalante zur Frau. Eine andere Version weiß, daß der Freier sich nur Atalantes Jagdzügen anschloß, bis durch Aphrodites Eingreifen ihr Herz erweicht wurde und sie sich ihm ergab. Nach den meisten Berichten hatten sie einen Sohn Parthenopaios, während andere erzählten, daß sie durch ihre Leidenschaft einen geheiligten Ort des Zeus oder der Kybele entweihten und zur Strafe in Löwen verwandelt wurden.“

Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen : Götter, Menschen und Heroen. Sonderausgabe. Stuttgart : Klett-Cotta, 2013, S. 95 - 100

Edward Tripp, Reclams Lexikon der antiken Mythologie. Übersetzung von Rainer Rauthe. 8., bibliographisch aktualisierte Auflage. Stuttgart : Reclam, 2012, S. 107 - 109

https://de.wikipedia.org/wiki/Atalante

http://www.theoi.com/Heroine/Atalanta.html

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Atalanta (oder besser Atalante) war die Tochter des Iasos, des Königs von Arkadien. Dieser war enttäuscht darüber, dass seine Frau Klymene ihm keinen männlichen Erben erben geboren hatte, weshalb er das neugeborene Kind im Wald aussetzte. Dort wurde Atalante von einer Bärin, welche ihr die barmherzige Göttin Artemis geschickt hatte, gesäugt, bis sie von Jägern gefunden und zu einer amazonenhaften Kriegerin ausgebildet wurde.

Mit Helena von Troja hat Atalante allerdings nichts zu tun.

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Yjittenga 30.03.2016, 23:37

ich weiß nicht, wie es jetzt in speziell diesem Fall aussieht, aber es kommt bei der griechischen Mythologie recht häufig vor, dass sich unterschiedliche Quellen (Homer, Hesiod, etc.) gegenseitig wiedersprechen. das vor allem, wenn es darum geht, wer war wessen kind mit wem^^

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MarkusKapunkt 31.03.2016, 06:06
@Yjittenga

Da hast du prinzipiell Recht, aber da Atalante mit den Männern den kalydonischen Eber jagte, welche u.a. die Väter der Helden vor Troja waren, kann sie kaum die Tochter von Helena sein. Passt zeitlich nicht. Aber - um auch da mal etwas zurück zu rudern - derartige Anachronismen  tauchen ebenfalls häufig in der Mythologie auf. Belegt ist eine Verbindung zwischen den beiden jedenfalls nicht, soweit ich weiß.

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