Wer sollte alles mitentscheiden, auf welche Schule ein Kind kommt?

9 Antworten

  1. Solche Fragen sollten überhaupt nur in der engsten Kernfamilie diskutiert werden. Alles andere ist eigentlich dem Kind gegenüber eine Unverschämtheit. Schulische Leistungen gehen nur die Eltern und das Kind etwas an!

  2. Die Frage Gymnasium oder Realschule sollte ausschließlich durch die Eltern selbst entschieden werden, und die Entscheidung sollte sich ausschließlich am Kindeswohl orientieren ("Was ist das Beste für X?")

  3. Für ihre Entscheidung sollten die Eltern berücksichtigen, was die Lehrer raten -- und warum die Lehrer was raten. In vielen Fällen können Eltern ihre Kinder jedoch tatsächlich besser einschätzen als Lehrer. Hier ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ratschlägen der Lehrer gefordert.

  4. Außerdem sollten die Eltern mit dem Kind darüber ausführlich sprechen und die volle Wahrheit sagen. Berufwünsche, Talent, Reife sollten in die Entscheidung einfließen. Nicht einfließen sollte jedoch, ob das Kind eine bestimmte Schulform nur deshalb bevorzugt, weil bestimmte Freunde dorthin gehen sollen.

Wer soll entscheiden? 1. das Kind selbst 2. die Erziehungsberechtigten, nicht Oma, Opa oder Verwandte, Bekannte. Das "Elternrecht" ist in der BRD lt. Grundgesetz § 6 Abs. 2 das höchste, "natürliche" (!) Recht bei der Erziehung der Kinder. 3. die Grundschullehrer, die das Kind immerhin vier Jahre pädagogisch begleitet haben und beobachten konnten. Am Ende der Grundschulzeit sprechen sie eine Empfehlung für die weiterführende Schule aus ("Grundschulgutachten"). Sonderfall jetzt in NRW, den ich für hinterfragenswert halte (wg. GG 6, 2): Die Empfehlung der Grundschule hat "Verbindlichkeit". Wird Hauptschule oder Realschule empfohlen und die Eltern sind der Meinung, das Kind solle zum Gymnasium, dann findet in der Tat der schon angesprochene "Probeunterricht" statt. - Wie das in den anderen Bundesländern läuft, ist mir nicht bekannt. Alle Schul-oder Kultusministerien haben eine homepage, über die sich jeder auch zu diesem Thema informieren kann.

Mir ist auch nicht bekannt, dass mittlerweile ein "Probeunterricht" absolviert werden muss, aber wenn dem so wäre, würde ich es begrüßen. Früher, also noch vor 15 Jahren, waren die Empfehlungen der Grundschule verpflichtend und wenn die Eltern ihr Kind dennoch auf eine höhere Schule schicken wollten, musste ein Aufnahmetest absolviert werden (zumindest in RLP war das so). Es ist nunmal so, dass die Lehrer ihre Schüler meist sehr genau beurteilen können, es geht ja nicht nur um die Noten, sondern auch um das Lernverhalten, die Belastbarkeit, die Frustationdtoleranz... Ich denke, an den unverbindlichen Empfehlungen krankt unser Schulsystem (unter anderem), denn genau das hat die Hauptschulen zu den Restschulen gemacht, die sie heute sind. Jeder meint, sein Kind sei zu Höherem berufen und da werden Kinder auf Gymnasien oder auch Realschulen geschickt, die mit Müh' und Not auf der Hauptschule schritthalten können. Das senkt einerseits das Niveau in den Gymnasialklassen (denn welcher Lehrer hat schon das Herz, 2/3 der Klasse durchfallen zu lassen? Da werden lieber leichtere Tests geschrieben oder Arbeiten einfach eine Notenstufe höher gesetzt, damit sie nicht wiederholt werden müssen...)und sorgt andererseits dafür, dass auf den Hauptschulen nur noch die Schulverweigerer sind, die ja selbst wissen, dass sie keine Chance mehr auf dem Ausbildungsmarkt haben. Es ist bezeichnend, dass nur 4% aller Viertklässer auf der Hauptschule angemeldet werden, aber letzendlich 22% ihren Abschluss auf einer Hauptschule machen. Für ein Kind ist es meines Erachtens demütigender, wenn es vom Gymnasium auf die Real- oder von der Real- auf die Hauptschule zurück muss; in den 2 Jahren (zwischen 5 und 6 finfet ja keine Versetzung statt) sind Freundschaften entstanden, man muss sich wieder neu eingewöhnen... Außerdem ist es sehr frustrierend für ein Kind, wenn es keine Erfolgserlebnisse hat, wenn es merkt, dass ihm die anderen voraus sind. So kann man seinem Kind wirklich den Spaß an der Schule rauben! Hab selbst ein Beispiel aus dem Bekanntenkreis: Das Mädchen hatte 'ne Hauptschulempfehlung (bzw. Regoinale Schule, so 'ne Art Hauptschule mit 10. Schuljahr) und musste aufs Gymnasium(!). Sie kam nicht mit, obwohl sie nur noch gelernt hat, keinen Nachmittag mehr draußen war und wude richtig krank. Wenn sie morgens zur Schule musste, weinte sie vor Bauchschmerzen und musste fast jeden Tag wegen Kopfschmerzen von der Schule abgeholt werden. Ihre Eltern haben sie dann zum Glück nach der Fünften auf der Regionalen Schule angemeldet, und dort war sie der absolute Überflieger, hat die 9. Klasse mit 'nem Einserschnitt abgeschlossen. Allerdings hat sie sich vehement geweigert, das 10. Schuljahr zu machen, aus Angst zu versagen. In meinen Augen traumatisiert durch ihre Erfahrung auf dem Gymnasium... Auch nach der Hauptschule kann man den Sekundarabschluss machen, kann ein Gymnasium oder Fachoberschule besuchen... jeder hat sein eigenes Tempo, für manche ist das Gymnasium einfach zu schnell und sie machen ihren Weg , vielleicht mit Umwegen, vielleicht länger, aber sie machen IHREN Weg. Es gibt heutzutage glücklicherweise keine Sackgassen mehr, man kann immer weitermachen. Ich jedenfalls würde die Empfehlung des Lehrers zumindest berücksichtigen und mit ihm reden, wenn man mit der Empfehlung nicht einverstanden ist. Man tut seinem Kind sicherlich keinen Gefallen, wenn man es ständig in zu großen Schuhen laufen lässt, mit Sicherheit nicht! Sehr aussagekräftig ist der Test "AZN4+", den sollte der Lehrer allerdings schon durchführen, bevor er die Empfehlung ausspricht. Da werden nicht nur die kognitive Leistung, sondern auch z.B. das Verhalten unter Stress, die Belastbarkeit, das Auffassungsvermögen usw. getestet. Die Eltern sollten das Kind zwar einbeziehen, aber dennoch ihre Entcheidung in Abstimmung mit dem Lehrer tatsächlich ZUM WOHLE DES KINDES fällen, und das bedeutet, das Kind weder zu unter- noch zu überfordern. Ich denke auch, Großeltern, Freunde o.ä. haben da gar nix reinzureden.

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