Wer kann mir sagen wie lange das Finanzamt Steuernachzahlungen einfordern kann. In Jahren?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Grundsätzlich beträgt die Verjährungsfrist 5 Jahre nach § 229 AO. Allerdings gilt dies dann nicht, wenn u.a. Steuerhinterziehung im Raum steht. Dann verlängert sich die Frist auf 10 Jahre.

Davon abgesehen muss man aber auch im Auge behalten, ab wann diese Frist überhaupt zu laufen beginnt. § 229 AO besagt nämlich

(Zitat)

"Die Verjährung beginnt mit Ablauf des Kalenderjahrs, in dem der Anspruch
erstmals fällig geworden ist. Sie beginnt jedoch nicht vor Ablauf des
Kalenderjahrs, in dem die Festsetzung eines Anspruchs aus dem
Steuerschuldverhältnis, ihre Aufhebung, Änderung oder Berichtigung nach §
129 wirksam geworden ist, aus der sich der Anspruch ergibt; eine
Steueranmeldung steht einer Steuerfestsetzung gleich. (...)"

(Zitat Ende), Quelle: https://dejure.org/gesetze/AO/229.html

Ds bedeutet aber in der Praxis, dass die Verjährung sowieso erst im Folgejahr des Steuerjahrs beginnen kann, weil erst dann frühestens der Anspruch fällig geworden sein kann (das geht ja erst nach Abschluss des entsprechenden Kalenderjahres).

Beispiel:

Das Steuerjahr 2005 kann erst 2006 per Erklärung bearbeitet und festgesetzt werden, somit beginnt die Frist auch erst ab 2006 (Tag der Festsetzung) zu laufen.

Das ist aber noch nicht alles. Steht der Bescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung und / oder werden Einwendungen gegen den Bescheid erhoben, kann sich der Fristbeginn auch locker ins Folgejahr verschieben. Damit beliefe sich die Verjährung de facto auf 7 respektive 12 Jahre.

Eine Steuer kann, je nachdem welche Voraussetzungen vorliegen, noch 13 Jahre ihrer Entstehung festgesetzt werden.

Wenn die Steuer einmal festgesetzt ist, dann verjährt sie erst dann, wenn das Finanzamt das will und da gibt es keine Maximalfrist.

Die älteste Steuer die ich einmal beigetrieben hab, wurde zwei Jahr vor meiner Geburt fällig und ich bin nun 36.

Esbatine 11.07.2017, 22:03

es gibt doch in Deutschland demokratische Gesetze und Fristen.

0
Meandor 11.08.2017, 12:32
@Esbatine

Ja? Und?

Ein zivilrechtlicher Vollstreckungstitel gilt 30 Jahre.

Ein öffentlich-rechtlicher "Titel" kann fünf Jahre lang vollstreckt werden. Durch jede Volltreckungsmaßnahme beginnen die fünf Jahre erneut zu laufen.

Solange also noch jemand Vermögen hat, so lange kann der Staat auch nach diesem Vermögen jagen. Wenn jemand nichts mehr hat, dann hat er meist nach fünf Jahren Ruhe. Und zwar für immer. 

Die öffentlich-rechtliche Verjährung ist eine tatsächliche Verjährung und damit erlischt dann die Schuld. Die zivilrechtliche Verjährung ist nur eine Einrede. Die Schuld besteht nach wie vor, kann aber nicht mehr vollstreckt werden.

0

so weit ich weiß bis zu 12 Jahre.

Was möchtest Du wissen?