Wer hatte die Macht über Deutschland 1832?

12 Antworten

1. Deutschland war seit 1815 in Form des "Deutschen Bundes" organisiert; dies war - im Unterschied etwa zum SRI oder zur BRD - kein Bundesstaat, sondern ein Staatenbund, also ein Verbund souveräner Völkerrechtssubjekte. Die Zahl der Bundesstaaten schwankte im Verlauf der Existenz des Deutschen Bundes etwas; sie lag meistens um 38.

Die Bundesstaaten waren z.T. aufgeklärt-spätabsolutistische Monarchien, z.T. konstitutionelle Monarchien, z.T. Republiken. "Die Macht" hatte in den einzelnen Bundesstaaten dementsprechend der jeweilige Monarch (+/- Parlament) oder Bürgermeister o.ä..

Zentrales Organ des Deutschen Bundes war der Bundestag mit Sitz in FFM. Die Zahl der Stimmen der einzelnen Bundesmitglieder im Bundestag korrelierte mit der Größe/Einwohnerzahl der einzelnen Mitgliedsstaaten (ähnlich wie im heutigen Bundesrat der BRD). Die großen Bundesstaaten (allen voran das Kaisertum Österreich, das auch das Bundespräsidium führte, und das Königreich Preußen) hatten demgemäß den größten Einfluß auf die Bundespolitik. Eine "Bundesregierung" mit Zentralgewalt gab es jedoch nicht.

2. Die Zeit des Deutschen Bundes war in der Tat durch die Behinderung bzw. Unterdrückung freiheitlich-demokratischer Bestrebungen gekennzeichnet (z.B. Stichwort Karlsbader Beschlüsse).

3. Das 19. Jh. war in der Tat durch die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung im Zusammenhang mit der frühen industriellen Revolution gekennzeichnet. Der große allgemeine Wohlstand, wie er etwa im Deutschland des 18. Jh. überwiegend geherrscht hatte, ging verloren.

4. Wegen einiger falscher Behauptungen in einigen Antworten auf Ihre Frage nun noch einige Anmerkungen zum Begriff "Deutschland":

a) Zunächst einmal muß zwischen den Begriffen "Staat" und "Land" unterschieden werden. Die Frage, wann das soundsovielte Deutsche Reich gegründet wurde, hat also wenig mit der Frage zu tun, seit wann es Deutschland gibt.

b) Deutschland hat sich aus dem ostfränkischen Reich entwickelt.
Wesentliche Meilensteine dieser Entwicklung sind die Teilungen des
Fränkischen Reiches im 9. Jh., die sprachliche Differenzierung zwischen
dem west- und ostfränkischen Reich (vgl. Straßburger Eide von 842), der
Übergang von der karolingischen Erbmonarchie zur Wahlmonarchie 911 und
das Zusammenrücken der ostfränkischen Stammesherzogtümer in der
gemeinsamen Abwehr der Ungarn im 10. Jh.

c) Demgemäß wird der Beginn von "Deutschland" gemeinhin im Laufe des 10. Jhs. angesetzt. Die Festlegung auf ein bestimmtes Jahr (z.B. 911, 919 oder 962) macht angesichts des oben dargestellten Entwicklungsprozesses und des Fehlens eines formalen "Staatsgründungsaktes" wie beim II. Deutschen Reich oder der BRD wenig Sinn.

d) Im 11. Jh. kamen für das neue Reich die Begriffe "Regnum
teutonicum" und "Regnum teutonicorum" auf; hier wird also erstmals von
"Deutschland" gesprochen. Das Staatsgebiet umfaßte - ziemlich grob
vereinfacht - die Gebiete der heutigen BRD, Republik Österreich und
Tschechiens.

e) Die gelegentlich anzutreffende Gleichsetzung Deutschlands mit dem
Heiligen Römischen Reich (SRI) ist - zumindest für das Hoch- und
Spätmittelalter - nicht korrekt. Denn das SRI als supranationales
Konstrukt bestand aus drei Reichsteilen: Deutschland, Reichsitalien und
Burgund/Arelat.

f) Der Begriff "Deutschland" (oder "Teutschland") wurde spätestens im 15. Jh. sprachliches Allgemeingut.

g) Vom späten 15. bis späten 16. Jh. war z.T. auch die Staatsbezeichnung
"Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" gebräuchlich, insbesondere
wenn es um die Belange des deutschen Reichsteils ging.

h) Mit dem allmählichen Verlust immer weiterer italienischer und
burgundischer/arelatischer Gebiete wurde im allgemeinen Empfinden und
Sprachgebrauch das SRI praktisch mit "Deutschland" gleichgesetzt, und
zwar sowohl in Deutschland selbst als auch im Ausland. Einige Beispiele,
die mir spontan einfallen: G.Ph. Telemanns Kantate "Teutschland grünt
und blüht in Friede" (TWV 12:1c) von 1716, J.H.Zedlers
"Universal-Lexicon" aus den 1730er und 40er Jahren (hier wird übrigens
auch von einem deutschen Patriotismus gesprochen), die Landkarte des
"Empire d´Allemagne" von N. de Fer von 1705; Ch. de Montesquieu spricht
1748 vom SRI als "Bundesrepublik Deutschland" (!).

i) Um den supranationalen Charakter des SRI und dessen hierdurch
implizierten Vorrang vor den anderen Staaten zu eliminieren, forderte
Napoleon den Verzicht auf alles mit "heilig-römischem" Bezug und sprach
einfach von "Deutschland". Höhepunkte dieser Entwicklung finden sich im
Reichsdeputationshauptschluß von 1803 und in der Abdankungsurkunde
Kaiser Franz´II. von 1806.

j) Was im frühen 19. Jh. unter "Deutschland" verstanden wurde, spiegeln
z.B. Liedtexte von E.M. Arndt und H. Hoffmann von Fallersleben sowie
Äußerungen von Ludwig I. von Bayern wider.

k) Fazit: Die deutsche Geschichte ist sicherlich komplexer als die der
meisten anderen Staaten/Länder, aber sie erstreckt sich nunmehr über
mehr als 1000 Jahre; und Deutschland ist nicht erst 1871 vom Himmel
gefallen.

In Deutschland herrschte zu dieser Zeit (1832) Unterdrückung, Eldend und Hungersnot

Das ist zu pauschal ausgedrückt! Das "Deutschland" der damaligen Zeit war ein riesiges Gebiet, das in zahlreiche größere, mittlere und kleinere (bis kleinste) Staaten zerfiel. Gewiss waren die meisten dieser Staaten monarchische Staaten, und die Monarchen wollten ihre Macht mit dem Bürgertum ungern teilen. aber das Maß der "Unterdrückung" war unterschiedlich, besonders stark in Österreich und Preußen, Bayern dagegen und Baden waren bereits konstitutionelle Monarchien mit einem Zweikammersystem, die Maßnahmen der "Unterdrückung" nicht mehr wirksam durchsetzen konnten bzw. wollten.

Auch "Hungersnot" und wirkliches "Elend" gab es in Deutschland nicht flächendeckend, sondern regional beschränkt. Durch die neuen Transportmöglichkeiten und sich ausweitenden globalen Handelskontakte konnten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte in Deutschland endgültig ausgeschlossen werden.

aber wer hätte zu dieser Zeit die Macht über Deutschland?

Die deutschen Länder waren im "Deutschen Bund" zusammengeschlossen, der durchaus überstaatliche Funktionen ausübte. Er war zwar noch kein Bundesstaat wie das Kaiserreich von 1871, aber immerhin ein von den Fürsten geschlossener Staatenbund mit einem Gesandtenkongress, dem Bundestag, und einem Ausschuss (Engerer Rat), der eine Art Exekutive bildete.

"Die Macht über Deutschland" hatte im Prinzip der Deutsche Bund, der für alle Mitglieder verbindliche Beschlüsse fasste. Im Bundestag und besonders im Engeren Rat konnte Österreich bis 1848 über die demonierende Persönlichkeit seines Kanzlers Metternich den meisten politischen Einfluss - auch eine Art von Macht - ausüben. Nach 1848 verlagerte sich diese Macht von Österreich mehr und mehr auf Preußen.

MfG

Arnold

1832 gab es kein Deutschland. Es gab den Deutschen Bund. Dieser hatte allerdings keine echte Staatsgewalt, sondern war eher so eine Art Verein.
Zu der Zeit damals gab es unzählige kleinst, kleinere und auch Stadtstaaten.

Wenn man es salopp ausdrücken will, dann hatte jeder der ein bissl was zu sagen hatte sein eigenes Land gegründet.
Deutschland wie wir es heute kennen, als vereinter Staat ist ein recht junges Produkt.

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