Wer hat vom Griechenland- Rettungspaket profitiert?

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10 Antworten

 Ist das Geld beim Volk angekommen oder bei privaten Banken.

Frau Wagenknecht (LINKE) hat vor ziemlich genau 6 Jahren gesagt: "Die Hauptlast des Sparpakets sollen die abhängig Beschäftigten und Rentnerinnen und Rentner tragen." 

Das Handelsblatt verbreitete vor wenigen Tagen eine Studie, wonach etwas mehr als 95% der "Griechenland-Hilfen" dazu genutzt wurden, die Banken und privaten Spekulanten mit dem (auch deutschen) Steuergeld freizukaufen. Nur knapp 5% dieser Griechenland-Hilfen kamen beim Staat und damit beim Bürger an.

Guckst du hier: http://goo.gl/gR1D8J 

(Quelle: Spiegel, weil das Handelsblatt seinen Beitrag kostenpflichtig gemacht hat)

Insofern ist der Bericht des ZDF sogar noch optimistisch aufbereitet. (Allerdings sind Teile der Finanzhilfen auch in (teil)staatliche griechische Banken geflossen. Die wurden in der Studie nicht rausgerechnet.)

Man hätte also vielleicht schon damals einfach nur jemanden fragen sollen, der davon wirklich Ahnung hat. Wagenknecht beispielsweise. Oder Varoufakis. Denn beide haben schon lange davor gewarnt. Beide haben gesagt, dass es genau so kommen würde, wie es dann auch kam: Die Banken und Spekulanten wurden mit (auch deutschem) Steuergeld freigekauft; die Gewinne wurden privatisiert und die Verluste wurden solidarisiert. 

Dann wäre dem (auch deutschen) Steuerzahler eine Menge Kosten und dem griechischen Bürger ein Haufen Leid erspart geblieben.

Denn mittlerweile denkt man tatsächlich über "radikale Schuldenschnitte" nach. Und dann ist die Steuer-Kohle endgültig in den Taschen der Banken und Spekulanten warm und sicher untergebracht und für den (auch deutschen) Steuerzahler endgültig weg.

Gleichzeitig zwingt die Troika (die jetzt "Institution" heißt) Griechenland dazu, bei Renten, Löhnen, Krankenversorgung, etc. noch mehr zu sparen. Mehr noch: Neuerdings will man sogar "automatische Kürzungen" etablieren. Wenn also der griechische Staatshaushalt nicht (wie durch ein Wunder) plötzlich gesundet und mindestens 3,5 Prozent(!) Wachstum abwirft, soll vollautomatisch noch mehr an Sozialleistungen - also bei den einfachen Bürgern - gespart werden.

 Ich habe mich wegen dieses Beitrags im ZDF gewundert.

Warum? Bereits VOR der ersten "Griechenland-Hilfe" war klar, dass das Geld weg ist. Selbst Schäuble hat's mal in einem Nebensatz angedeutet. 

Die "Hilfen" mussten aber dennoch fließen. Denn erstens sind Banken "system-relevant"; und hier ging es nicht etwa um griechische Banken, sondern um deutsche und französische, die - wieder einmal - dringend gerettet werden mussten.

Und zweitens war es auch ein politischer Krieg gegen die Spekulanten: Wenn Griechenland wirklich pleite geht, können sich die Steuerzahler in der gesamten westlich-zivilisierten Welt warm anziehen. Dann platzen Billionen-Obligationen in der Spekulation und es dürfen wieder haufenweise "systemrelevante Banken" und dieses Mal noch weitaus mehr "Staaten in höchster Not" gerettet werden...

Man schätzt, dass es in so einem Fall 400 - 800 Billionen US-Dollar werden. Zum Vergleich: Die Krise von 2008, die wir bis heute noch nicht überwunden haben, hatte dagegen "nur" einen Gesamtwert von rund 75 Billionen US-Dollar...

... Und da haben wir noch nicht vom Domino-Effekt (Portugal, Spanien, Italien, Irland, Frankreich ... und letztlich auch Deutschland, denn auch Deutschland kann sich keine Schuldenübernahme in derart gigantischem Ausmaß leisten) geredet...

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Kommentar von Sonnenstern811
13.05.2016, 23:41

Deutsche Banken - und vermutlich nicht nur diese - spekulieren noch immer mit riskanten Derivaten im Billionenbereich. Und zwar deutlich zweistellig. Ungeheure Mengen an Geld liegen da am Abhang. Mehr als das jährliche BIP der gesamten EU. Platzt nur ein einstelliger Prozentanteil davon ist Ende im Gelände.

Insofern hat Frau merkel tatsächlich Recht gehabt, als sie sagte, deutsche Steuerzahler werden nie mehr Pleitebanken retten müssen.

Ach ja, die Einlagensicherung besteht ja auch noch. Was für ein schöner Traum wenn es knallt.

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Kommentar von Interesierter
13.05.2016, 23:57

Wenn ich Leute mit "Ahnung" fragen will, dann ganz bestimmt nicht Varoufakis und noch viel weniger Frau Wagenknecht. 

Deine Aussage, "Gewinne privatisiert und Verluste verstaatlicht" ist so nicht wahr. Fakt ist, dass Griechenland einen Schuldenerlass von über 100 Mrd. erhalten hat. Diese Beträge wurden alleine von den privaten Banken getragen. Die tatsächlichen Verluste sind bisher ausschliesslich bei den privaten Banken angefallen. 

Griechenland hat auch nicht, wie vielfach behauptet, ein Schuldenproblem. Die Zinsen wurden drasisch runtergefahren und die Tilgungen weit in die Zukunft verlegt. Griechenland hat vielmehr ein Problem im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit. 

Die griechischen Löhne sind bezogen auf die tatsächliche Produktivität viel zu hoch oder anders ausgedrückt, die Produktivität ist gemessen an den Löhnen viel zu gering. Deswegen machen griechische Unternehmen auf den internationalen Märkten keinen Stich. Die Folge davon ist Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Stagnation. Diese wiederum wirkt sich fatal auf die Renten- und die Staatskasse aus. 

Die Lösung des griechischen Problems liegt folglich nicht in einem Schuldenerlass. Dieser kann allenfalls begleitend durchgeführt werden. Griechenland muss zur Wettbewerbsfähigkeit zurückfinden. Dies kann nur durch Lohnsenkungen oder Steigerung der Produktivität geschehen.

Erst wenn die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig ist und griechische Unternehmen Gewinne abwerfen können, werden Investitionen getätigt, die ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen. Je länger dieser Prozess verschleppt wird, umso länger hat das griechische Volk zu leiden. 

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Die "Rettungspakete" waren im Grundsatz von 3 Punkten dominiert. 

Zunächst wurden die Zinsbelastungen gesenkt und die Tilgungen gestreckt. Dies kam dem griechischen Staat zugute, da dieser hierdurch handlungsfähig blieb

Weiter wurden über 100 Mrd. € an Schulden erlassen. Auch dies kam dem griechischen Staat zugute, da er hierdurch ebenfalls handlungsfähig blieb. 

Zuguterletzt wurden als Gegenleistung Reformen gefordert, um die wirtschafliche Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Dies ist bis heute nicht gelungen, da die Reformen nur zögerlich angegangen werden und mehr als Belastung denn als Chance gesehen werden. 

Profitiert haben praktisch alle. Der griechische Staat blieb handlungsfähig. Die griechische Bevölkerung wurde und wird weiterhin mit Geld versorgt, was letztlich das Überleben des Einzelnen sichert. Die Banken mussten Verluste verkraften, bekamen aber doch einen Teil ihrer Aussenstände wieder, was letztlich den Kollaps verhinderte und so vielen Sparern und Anlegern ihr Erspartes rettete und die Wirtschaft vor grösserem Schaden bewahrte. Auch die Geldgeber haben profitiert, da ein Kollaps Griechenlands noch viel teurer würde, als eine Überbrückung mit Hilfsgeldern.

Im Prinzip war und ist die Griechenland-Rettung, wie sie betrieben wurde und wird, richtig, da sie das kleinste aller Übel darstellt. 

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Kommentar von Sonnenstern811
13.05.2016, 23:32

Das sehe ich ganz anders. Man hat mit immer neuen Rettungspaketen dem schlechten Geld mehr und mehr gutes hinterher geworfen. Ende ungewiss. Erfahrenen Börsianer wissen, so ein Handeln ist generell tödlich für die Finanzen. Hieß es nicht beim ersten Paket, weitere wären ausgeschlossen? Verstößt dies nicht gegen die vereinbarte EU Regel, dass kein Land dem anderen mit Geld helfen darf?

Wie also kann eine Verstoß gegen bestehende Gesetze richtig sein?


Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, wie Länder sich nach
dem Staatsbankrott wieder erholten. Deutschland übrigens auch, und das nicht zu knapp. Argentinien war eins davon. Leider durch Frau Kirchner erneut plattgemacht.


Für die Bevölkerung wäre es sehr hart gewesen. Aber was ist es denn
so? Eine neue Drachme hätte einen geringen Außenwert gehabt. Gut für den Tourismus und für Exporte. Würde mich keineswegs wundern, wenn dies nach ein paar weiteren Paketen auch jetzt noch passiert. Leidenszeit ohne Ende für die Bevölkerung, so wie es jetzt abläuft.

Ich glaube nicht, dass unter der Drachme auch so viele Menschen dort sich keine Krankenversicherung leisten könnten.






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Natürlich landete das Geld zum Großteil im Finanzsektor, denn es war dazu da, die griechischen Staatsschulden abzubauen und nicht, um Wohltaten für das Volk zu finanzieren.

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Zu allererst mal natürlich die Pleitebanken und der noch weiterhin ziemlich untätige Teil der Staatsbediensteten. Wer auch sonst?

Wenn es tatsächlich stimmt, dass die Regierung Tsipras von der Vorgängerregierung entlassene Putzfrauen im Staatsdienst gleich wieder eingestellt hat, nun aber bei deutlich gehobener Verwaltungstätigkeit, dann gute Nacht, Europa.

Beim übrigen Volk ohne Staatsbeziehung ist so gut wie gar nichts angekommen. Wer es nicht glaubt, möge mal darauf schauen, was interviewte Griechen aussagen.

Wir wurden belogen, indem man uns suggerierte, die Rettung wäre "alternativlos" und Deutschland würde gar noch daran verdienen.Genauso verlogen wird nun auf die Unmöglichkeit eines Schuldenerlasses hingewiesen. Klar, das käme bei der belogenen Bevölkerung gar nicht gut an. Noch dazu ein gutes Jahr vor den nächsten Bundestagswahlen. Könnte ja doch mal der Eine oder Andere etwas merken.

Was bitte ist eine abe rweitere Streckung der Rückzahlung über die bestehenden 50 Jahre hinaus denn sonst? Ach ja, es klingt so viel besser. Zumindest in den Ohren der Dummen.

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Kommentar von Sonnenstern811
13.05.2016, 23:28

Kommentar ist am falschen Platz gelandet.

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In erster Linie der Staat Griechenland. Denn ohne Liquidität hätte das Land aus dem Euro aussteigen, die Drachme wiedereinführen und stark abwerten müssen. Das hätte Importe unmöglich gemacht und das Land auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in extreme Armut geworfen. Denn internationale Kredite hätte es so nicht generieren können, und damit wäre auch der Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft kaum gelungen.

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Es geht in erster Linie darum, den Staatshaushalt vor der Pleite zu schützen, nicht um Banken, nicht ums Volk.

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Kommentar von Interesierter
13.05.2016, 23:04

Der Staatshaushalt hängt aber schon mit den Banken und den privaten Haushalten zusammen. 

Geht der Staat pleite, sind die Banken, die massenhaft griechische Staatsanleihen halten, auch pleite. Damit gehen große Teile der Ersparnisse des Volkes, Lebensversicherungen, Altersvorsorgen, Investitionen etc. verloren. 

Wenn also der Staat verliert, verlieren alle. 

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Nur die Banken wurden so bedient, in dem sie so ihre Kredite zurückerstattet bekommen. Für die wurden und werden schließlich all die "Rettungspakete" geschnürt.

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Kommentar von LeonardNeun
13.05.2016, 22:04

Was wäre denn die Alternative gewesen, wenn man die Bankschulden nicht bedient hätte? Wenn man natürlich nur von der Wand bis zur Tapete denkt, sind die bösen Banken schuld, die so gemein waren, das Land mit Liquidität zu versorgen.

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Kommentar von Interesierter
13.05.2016, 22:20

Es wäre schön, wenn du die Gesamtsituation etwas differenzierter betrachten würdest. 

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Das Ziel war es die Banken mit Liquidität (also bares Geld) zu versorgen. Diese sollten das Geld dann an das Volk verteilen (z.B. in Form von Krediten). Jedoch waren die Banken bereits liquide und wollten das vorhandene Geld nicht vergeben (da viele Banken unsicher sind, ob die KundInnen den Kredit zurückzahlen können).

Also haben vor allem Banken und Politiker am Geld profitiert. Das Volk jedoch (fast) nicht. 

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Das Volk hat nichts davon im Gegenteil den nimmt man noch was weg. Gläubiger werden bedient mit viel Geld.

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Vor allem die Banken.

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