Wer hat sich eigentlich den "Bockmist" mit der neuen Rechtschreibung einfallen lassen. Die meisten alt, einige mixen (ich), die ganz jungen neu. Was soll das?

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9 Antworten

Bis zum Jahr 1902 hat sich die Alte Rechtschreibung durch natürliche Selektion und vor allem unter den Fittichen der Schriftsetzer herausgebildet. Der Usus bestimmte, wie später die Regel im Regelwerk aussah.

Ab 1902 übernahm der Duden die Pflege der Rechtschreibung. 1901 war die alte Rechtschreibung eigentlich schon in ihrer heutigen Form gefestigt, der Duden sollte nun aufräumen.

Das tat er so schlecht, dass schon sehr früh der Wunsch nach einer Reform geäußert wurde. Es kam immer mal wieder zu Versuchen, die waren jedoch so grotesk, dass sie gleich wieder zurückgewiesen wurden.

1997 kam sie dann, die Reform. Und worauf gründete sie? Auf der Erkenntnis von geisteswissenschaftlichen Dreierabiturienten. Sogar das Gros der germanistischen Linguisten war geschockt über das Mitwirken einzelner ihrer Brüder im Geiste. 

Die Rechtschreibreform und die Reform der Reform beweisen beide ein tiefes Unverständnis für Grammatik und Rechtschreibung. Sie ist geprägt von einem Dogma, das Inkonsistenzen und Unsinn hervorbringt.

Die Frechheit der Reform liegt – abgesehen von dem Wahnsinn, dass das Regelwerk von Erkenntnis und Ideal abgeleitet ist – in ihrem Eintritt in die Wirklichkeit. 

In Deutschland ist es anschendend Ländersache, wie ein Volk recht zu schreiben hat. Die Leute selber sind bei dieser Entscheidung nicht gefragt. – Weil sie natürlich noch immer schreiben dürfen, wie ihnen der Kopf gewachsen ist! 

Das stimmt aber nur halb. Für Schüler und Beamte ist sie verbindlich, und in ihrem Drang zur Untertänigkeit schlossen sich Universitäten, Verlage, Presse und alle anderen Bestandteile des öffentlich einsehbaren Schriftbilds der neuen Rechtschreibung an. Für sie war es nicht von Belang, dass sie mit diesem fremden Schriftbild eine irrwitzige Mehrheit der Deutschsprecher vor den Kopf stoßen. Für seine Kinder muss man sich jetzt umprogrammieren, die Lehrer müssen sich umprogrammieren. Wer ein Buch schreiben will, muss sich jetzt umprogrammieren.

Österreich hat sich der Reform sogleich angeschlossen und ein verbindliches Wörterbuch herausgegeben, das das amtliche Regelwerk auf den Kopf stellt, verteufelt oder fehlinterpretiert. 

Die Zerschlagung des Dudens, wie nach manchen Zeitgenossen die eigentliche Intention der Reform lautete, hat nicht funktioniert. Noch immer glaubt jeder an seine Oberhoheit. 

Auch die Rechtschreibung an den Schulen hat sich drastisch verschlechtert. Vor allem in den reformierten Bereichen. Von dem Schriftbild, das man in Zeitung, Buch und überall sonst findet, ganz zu schweigen. Wenn nicht einmal Lektoren mehr das Schriftbild im Kopf haben, wer soll es dann?

Die Reform hat auf allen Ebenen versagt. Aber manche haben sicher Geld daraus gemacht.

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Das war mMn ein Komitee aus den Kultusministerien der Länder, aber ich weiß es nicht mehr genau.. das ist immerhin rund 20 Jahre her. Begonnen hat das Ganze aber durch einen Vorstoß von Germanisten, die mMn schon Mitte der 70er erste Ideen zu dem Thema hatten!

Als ich 1997 in die Grundschule kam, lernten wir noch beide Formen -------> die Alte und die Neue Rechtschreibung. Da war grad so die Umstellung. 

Mir (m, 26) ist die Rechtschreibreform allerdings weitestgehend egal, wenn ich das so sagen darf. Ich beobachte auch, dass die Meisten sich tatsächlich bemühen, die neue Schreibweise umzusetzen. Leute, die knallhart an der alten Rechtschreibung festhalten, gibt es immer seltener. Meist sind es Senioren, die sich nicht mehr umgewöhnen wollen.

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Kommerz, es braucht dann immer neue Schulbücher

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Kommentar von Pfadfinder17
17.08.2016, 15:35

Auf den Punkt gebracht!

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Passt ins Bild.

Wieder eine Reform - diesmal die Rechtschreibreform - gescheitert.

Experten wieder mal als "Un-Experten" geoutet und gebrandmarkt.

Die Unsicherheit ist heute grösser als vor der Reform.

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Kommentar von Pfadfinder17
17.08.2016, 15:33

Bei Schifffahrt mit 3 f oder Schlossstasse bekomme ich "Gefrierbrand!"

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Die meisten Sachen sind doch sinnvoll, vor allem die neue Regelung mit ss und ß.

Den Sinn einiger Änderungen verstehe ich aber auch nicht. Wenn eine Regelung für mich als logisch denkender Mensch unlogisch erscheint, beachte ich sie einfach nicht. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, das Wort "Problem" jetzt auch "Prob-lem" trennen zu dürfen. Ich benutze nur die alte Trennung "Pro-blem".

Wenn ich die Reform gemacht hätte, wäre ich noch ein paar Schritte weiter gegangen und hätte das ck generell durch kk ersetzt, das ei durch ai und das eu und äu durch oi. Natürlich wäre ich dafür auch von vielen Leuten scharf kritisiert worden. Das ist mir schon klar.

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Kommentar von Deponentiavogel
18.08.2016, 22:09

Die meisten Sachen sind überhaupt nicht sinnvoll. Dazu gehört auch die neue Regelung mit ß/ss.

Weißt du, wie rasant alleine die dass/das-Fehler angestiegen sind? 

Die Reformer haben den Sinn eines differenzierten Schriftbilds nicht verstanden, sondern haben einfach Laut-Buchstaben-Zuordnung betrieben.

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Eines darf man dabei nicht vergessen: Die Reform ist über einen langen Zeitrsum vorbereitet worden , immer wieder waren alle möglichen Vereinigungen und Verbände zur Mitarbeit aufgefordert worden. 

Die Resonanz war sehr bescheiden, obwohl alle damals die Notwendigkeit der Reform bejahten. Als dann, nach Jahren, die neue Rechtschreibung vorgestellt wurde, war die Empörung groß - auch bei denen, die hätten mitwirken können und sollen. Sie taten so, als wäre das aus heiterem Himmel angeordnet worden. 

Nach den Protesten wurde die Reform noch einmal reformiert und ist nach meiner Ansicht in vielen Punkten gelungen, es herrscht mehr Logik in der Rechtschreibung. 

Der Eindruck, das sei alles von oben, von den Politikern, einfach so beschlossen worden, wird immer wieder gern verbreitet. Fakt ist aber, dass sich die Öffentlichkeit jahrelang für solche    Projekte nicht interessiert und erst aufschreit, wenn es soweit ist. 

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Kommentar von Deponentiavogel
18.08.2016, 22:11

Die gute alte Logik vergiftet die Rechtschreibung. Es geht gerade nicht darum, sich als Schreibender logisch irgendetwas zusammenzureimen, von dem die Reformer selbst keine Ahnung gehabt haben. 

Rechtschreibung ist allein auf Effizienz sowohl natürlich beim Lesen als auch beim Schreiben ausgerichtet.

Was soll denn logischer geworden sein?

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Das wird immer wieder mal gemacht und ist durchaus sinnvoll. So hat auch die letzte RSR einige Vereinfachungen mirgebracht.

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Kommentar von Deponentiavogel
18.08.2016, 22:13

Welche Vereinfachungen? 

Die Rechtschreibreform ist gescheitert und hat eigentlich alles verschlimmert.

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Tja, unsere tollen Politiker wollten das System vereinfachen.

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Kommentar von Pfadfinder17
17.08.2016, 15:31

Vielleicht mal das Buch "1984" von George Orwell gelesen? "Neusprech" nannte man das dort. Es wurden immer mehr Kürzel eingeführt und Worte einfach gestrichen. So war man am Ende unfähig sein Widerstand gegen das totalitäre System zu artikulieren.

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In der Tat sind viele Wörter gestrichen worden, dann nämlich, wenn Zusammenschreibungen wieder als zwei Wörter geschrieben werden. Ich denke schon dass man früheren Dudenredaktionen den Vorwurf machen darf, mit der hohen Anzahl von Wörtern (über 60 000) Käufer geworben zu haben.

Allerdings ist es in dieser Hinsicht damit auch schwieriger geworden. Oft weiß ich selbst nicht, ob ich zwei Wörter zusammenschreiben darf  oder nicht. Seit ich nicht mehr Lehrer bin kein Problem: Ich mache es, wie ich will.

Oft aber sind alte Schreibweisen (als "Nebenschreibweisen") aber ja auch noch "erlaubt", insbesondere nach der Reform der Reform, von der die meisten gar nichts wissen. Oft werden sie auch erzwungen, z.B. weil die Leute sich weigern, einen Funktionsgraphen einen Grafen zu nennen.

Die unsinnigen Silbentrennnungen, die man all überall in den Zeitungen sieht, sind der Tatsache geschuldet, dass sie von Computern gemacht werden - und das sind nun einmal ganz besonders dumme Tiere.

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