Wer hat Erfahrungen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung? Welche Infos wisst ihr darüber und wie häufig kommt diese Störung vor?

4 Antworten

"Welche Symptome sind typisch für eine schizotypische Persönlichkeitsstörung?

Nach den Kriterien des DSM besteht ein tiefgreifendes Muster sozialer und zwischenmenschlicher Defizite, das durch eine mangelnde Fähigkeit zu engen Beziehungen und akutes Unbehagen in Beziehungen gekennzeichnet ist. Außerdem kommen Verzerrungen bei der Wahrnehmung und beim Denken und eigentümliches Verhalten vor. Die Störung beginnt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in unterschiedlichen Situationen.

Die Merkmale treten dabei nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie, einer affektiven Störung mit wahnhaften Merkmalen oder einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung (einer ausgeprägten Störung der Kommunikation und der sozialen Beziehungen, die seit der frühen Kindheit besteht) auf.

Es müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:

1. Die Betroffenen haben Beziehungsideen – das heißt, sie beziehen Dinge und Ereignisse auf sich, die in Wirklichkeit nichts mit ihnen zu tun haben. Dies ist jedoch nicht so ausgeprägt, dass man von einem Beziehungswahn sprechen würde.

2. Sie haben seltsame Überzeugungen oder magische Denkinhalte, die ihr Verhalten beeinflussen. Diese stimmen nicht mit den Normen und Vorstellungen überein, die in ihrer eigenen Kultur üblich. Zum Beispiel sind sie abergläubisch oder glauben an Hellseherei, Telepathie oder einen sechsten Sinn. Bei Kindern und Heranwachsenden können bizarre Phantasien und Beschäftigungen vorkommen.

3. Sie haben ungewöhnliche Wahrnehmungserfahrungen. Dies können auch Illusionen sein, die sich auf den eigenen Körper beziehen.

4. Ihre Denk- und Sprechweise ist seltsam – zum Beispiel vage, umständlich, metaphorisch, übergenau oder stereotyp.

5. Die Betroffenen sind argwöhnisch oder haben paranoide Vorstellungen.

6. Ihre gefühlsmäßigen Reaktionen sind unpassend oder eingeschränkt.

7. Ihr Verhalten oder ihre äußere Erscheinung sind seltsam, exzentrisch oder merkwürdig.

8. Sie haben keine oder fast keine engen Freunden oder Vertrauten, außer Verwandten ersten Grades.

9. Sie haben eine ausgeprägte soziale Angst, die auch mit zunehmender Vertrautheit nicht abnimmt. Diese hängt eher mit den paranoiden Befürchtungen zusammen als mit der Angst, von anderen abgelehnt zu werden.

In der ICD-10 wird das Störungsbild hingegen nicht den Persönlichkeitsstörungen, sondern den „schizophrenen und wahnhaften Störungen“ zugeordnet. Das wird damit begründet, dass die Störung häufiger bei Menschen vorkommt, in deren Familie bereits schizophrene Erkrankungen aufgetreten sind – deshalb wird angenommen, dass sie ein Teil des genetischen Spektrums der Schizophrenie ist. Der Beginn und Verlauf entsprechen aber denen einer Persönlichkeitsstörung.

Wie häufig kommt eine schizotypische Persönlichkeitsstörung vor?

Es wird geschätzt, dass ein bis vier Prozent der Bevölkerung von der Störung betroffen sind – Männer häufiger als Frauen. Bei der Diagnosestellung ist wichtig, die Symptomatik von ähnlichen Erkrankungsbildern abzugrenzen – insbesondere von einer Schizophrenie.

Was sind mögliche Ursachen der schizotypischen Persönlichkeitsstörung?

Auch hier wird angenommen, dass ein Zusammenspiel von biologischen, psychischen und umweltbezogenen Faktoren zur Entstehung der Störung beiträgt. Dabei ist es wahrscheinlich, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, weil die Störung häufig in Familien vorkommt, in denen ein Mitglied an Schizophrenie erkrankt ist. Außerdem lassen sich bei beiden Erkrankungen Ähnlichkeiten beobachten – zum Beispiel eine erhöhte Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn, charakteristische Abweichungen in der Anatomie des Gehirns und typische Veränderungen bei Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis.

Darüber hinaus wird vermutet, dass Traumatisierungen oder eine Vernachlässigung in der frühen Kindheit zur Entstehung beitragen. So berichten viele Betroffene über sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung oder Vernachlässigung in ihrer Kindheit. Es könnte sein, dass auch ein gefühlsarmes oder unpassendes Verhalten der Mutter dazu beiträgt, dass die Betroffenen sich schwer tun, engere zwischenmenschlichere Beziehungen einzugehen.

Eine weitere Annahme ist, dass Menschen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung besonders sensibel auf Reize reagieren und schnell von Reizen überflutet werden können. Deshalb könnten sie in angespannten Situationen Schwierigkeiten haben, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden – und dann zu bizarren Wahrnehmungen und Gedanken neigen. Als Schutz vor Reizüberflutung bauen sie möglicherweise einen inneren Schutzwall auf, der sie aber wiederum daran hindert, Gefühle zu empfinden oder zu zeigen."

https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/schizotypie/

ob man die schizotypische Störung als Persönlichkeitsstörung zählt oder zu den schizophrenen und wahnhaften Störungen rechnet, hängt also davon ab, welches Diagnosehandbuch man verwendet (DSM oder ICD)

Danke für deine ausführliche Antwort. Das sind eigentlich auch größtenteils Infos die auf Wikipedia stehen bzw. im ICD oder DSM. Auf mich treffen nur einige Sachen nicht zu bzw. aber dafür andere Sachen.

Ansonsten kann ich keine weiteren Infos dazu finden als im Gegensatz zu anderen Persönlichkeitsstörungen, etc.

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@Lightening20s

ja, es gibt da Überschneidungen zu anderen Diagnosen

was Psychiater am Ende entscheiden, kann sich möglicherweise individuell unterscheiden, je nach persönlicher Vorliebe für bestimmte Diagnosen

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Früher hieß das mal Charakter­neurose...^^ Kannst Du auf der - auch für diese Frage - sehr informartiven Internetseite von Volker Faust nachlesen: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/schizotyp.html

Mit Mehrfachdiagnosen / Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) wirst Du immer konfrontiert sein, die sind dem Schubladensystem Psychiatrie immanent...^^

Inwiefern bringt es Dich weiter, wenn Dich die Weißkittel mit einem Stempel versehen?

Die gleiche wie du. Entweder man hat was an der Waffel oder nicht. Wie der Arzt das Kind tauft ist irgendwo Wurscht. Probier einfach möglichst viele Medikamente. Wenn was hilft dann hast halt das.

10 psychiatrische Diagnosen - Entmündigung - Zwangsunterbringung / Kennt ihr euch aus, mit den Diagnosen - Was sollte ich mit so vielen Diagnosen tun?

Ich fang jetzt mal bei meiner Zwangseinweisung an. Ich wurde schon vor etwas längerer Zeit wegen Suchtproblematik unter Zwang eingewiesen. Dort erhielt ich dann die Diagnosen: Schizophrenie, Sozialphobie, schwere psychotische Depressionen. Ich wurde dort gezwungen Medikamente zu nehmen und mir wurden Spritzen angedroht.

Aber auch schon vor der Zwangseinweisung hatte ich massive Probleme und entsprechende Diagnosen (Soziale Phobie, mittelgradige Depressionen, PTBS)

Etwas später erhielt ich dann durch eine erneute Diagnostizierung folgende Diagnosen: rezidivierende schwere psychotische Depressionen, Soziale Phobie. Außerdem hatte ich zwischenzeitlich mehrere Termine bei Psychiatern die mir mehrmals depressive Störungen, Sozialphobie und Kaufsucht mit extremer Verschuldung diagnostizierten (deshalb kam es dann auch zur Entmündigung).

Das Arbeitsamt hat mich auch schon mal zu einem Psychologen geschickt, der mir depressive Störungen mit sozialen Ängsten und autistisches Verhalten diagnostizierte.

Zwischenzeitlich war ich bei vielen Psychiatern, Beratungsstellen, Gutachtern, etc. wo unter anderem folgende Diagnosen vermutet wurden: Bipolare Störung, Autismus, Borderline, narzisstische Persönlichkeitsstörung, antisoziale Persönlichkeitsstörung, Zwangsstörung, Essstörung, etc.

Mit den ganzen Diagnosen kenne ich mich nicht aus. Wisst ihr was das alles für Diagnosen am gelben Schein sind (die Diagnosen nach ICD 10) und was es mit den ganzen anderen Diagnosen auf sich hat?

Termin beim Facharzt hab ich schon, dauert allerdings noch bis Ende nächstes Jahr wegen Wartezeit. Ich musste auch schon Behandlungen abbrechen und hab meine Medikamente abrupt abgesetzt aber das zählt jetzt nicht zur Sache...

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