Wer hat Erfahrung in der privaten Pflege bei einem Schlaganfall?

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7 Antworten

Da ich selbst einen Schlaganfall hatte, allerdings kein Pflegefall bin, will ich Dir vom Innenleben eines Schlaganfallpatienten erzählen, vielleicht kannst Du dann auch die Gesamtsituation für Dich besser einschätzen und psychisch ein wenig besser "verdauen".

Ich hatte den Schlaganfall damals in der Akutphase als "Kleiner Tod" bezeichnet. Man lebt und trotzdem ist man tot, zumindest in bestimmten Teilen des Lebens. Das hängt natürlich immer vom jeweiligen Schweregrad der Beeinträchtigungen ab. Und, weil man vieles selbst nicht wegstecken kann, passiert es häufiger, dass Schlaganfallpatienten ungerecht werden gegenüber ihren Angehörigen. Ich habe als Überbleibsel z.B. einen linksseitigen Gesichtsfeldausfall, Wenn ich was suche, das vielleicht links liegt, so dass ich es nicht sofort sehen kann und es kommt dann jemand, der zu mir sagt "mach halt mal die Augen auf, da liegt es doch", dann fühle ich mich persönlich angegriffen und sehr verletzt weil man mir nicht zugestehen will, dass ich tatsächlich eingeschränkt bin. Entsprechend reagiere ich möglicherweise mit einer ebenso zurückraunzenden Bemerkung.

Als pflegender Angehöriger sollte man sich in die Situation des Kranken hinein versetzen können. Man soll es sich vom Kranken erklären lassen, wie er die eine oder andere Situation erlebt. In meinem Fall z.B. "wie wirkt sich dieser Gesichtsfeldausfall aus - bis wohin kannst du sehen - ist es besser für Dich, wenn ich mich auf die andere Seite setze, wenn ich mit dir rede usw.". Wenn Schlaganfallpatienten glauben, dass man sie nicht verstehen will, dann werden sie ungerecht bis hin zu herrschsüchtig und launisch.

Das ist natürlich schwer zu ertragen für Angehörige und schon gleich gar nicht psychisch leicht wegzustecken. Der Mensch, den man so sehr liebt, der ist nun plötzlich in der Urform "verschwunden" und da sitzt oder liegt nun ein völlig anderer Mensch, den man so sicher nie geliebt hätte, wäre er immer so gewesen.

Der Schlaganfallpatient empfindet nur, dass er nicht mehr so gesehen und angenommen wird wie er früher war. Er empfindet sich selbst aber immer noch als die alte ursprüngliche Person, erkennt außer den körperlichen Veränderungen nicht die Veränderung seiner Persönlichkeit.

Um sich gegenseitig noch annehmen zu können, ist es notwendig, dass jeder der beiden Betroffenen sich erklärt wie er sich fühlt, was ihn traurig macht und womit er nicht klar kommt.

Hat man erst mal verstanden wo die Defizite liegen, kann auch ein Schlaganfallpatient durchaus Verhaltensweisen noch verändern. Sie müssen ihm nur aufgezeigt werden.

Und umgekehrt sollte auch der/die Pflegende erfahren, wo der psychische Leidenspunkt des Patienten liegt. Dann haben die pflegenden Personen die Möglichkeit sich auf diesen Leidenspunkt einzustellen und nicht unbedingt zu verschärfen durch möglicherweise ungeschicktes Verhalten, das sicherlich so nicht gewollt ist.

Eigentlich wäre der gemeinsame Umgang gar nicht so schwer, wenn man mehr von einander erfahren kann und sich auch mitteilt. Vor allem sollte man als Pflegende auch keine Angst haben davor Fragen zu stellen, nämlich danach, wie der Patient Dies oder Das erlebt und empfindet.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die Pflege Deines Angehörigen und auch dafür, dass Ihr Euch neu entdeckt!

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Kommentar von hewil
02.09.2012, 18:14

Nach deiner Beschreibung mache ich glaube alles richtig, Danke allein diese Aussage hilft mir sehr. Ich erzähle mit meinem Mann wie früher, bin auch manchmal genervt (wie früher) und wenn er mir es nicht erklären kann weil die Worte falsch kommen dann nehme ich ihn in den Arm und sage ihm es ist doch nicht schlimm wir verstehen uns doch auch ohne Worte (wie früher) dann grinst er mit einem "schiefen" Gesicht und alles ist gut.

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so pauschal lässt sich die frage nicht beantworten, weil es sehr darauf ankommt, welche folgen der schlaganfall überhaupt hatte: auf jeden fall ist eine halbseitenlähmung NICHT das ende des lebens. ich hatte das große glück, dass mir als rechtshänder jetzt "nur" die linke seite fehlt, habe aber gelernt, damit wirklich gut zu leben: ich kann selbstständig (aus dem bett) aufstehen und mich waschen und anziehen .umgekehrt funktioniert das auch UND was mir besonders wichtig ist: ich brauche keine hilfe für toilettengänge. meine mahlzeiten bereite ich mir selbst zu. nebenbei stelle ich fest, dass es kürzer wäre aufzuzählen, was ich NICHT kann. am besten schreibst du mich mal über mein postfach an, dann gebe ich dir gern genauere infos.

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Kommentar von hewil
02.09.2012, 18:25

Danke, für deine Antwort. Es gibt ein kleines bischen Hoffnung. Ich kann nur weniges aufzählen was mein Mann wieder kann, sich teilweise bewegen allein im Bett, beim Transfer in Rollstuhl etwas stehen, Essen geht um einiges besser, also gegen vor 8 Monaten für mich relativ viel. Außerdem versteht er mich ganz gut und ich ihn auch relativ gut. Dir viel Kraft wünsche ich LG :-) hewil

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Hey ich habe meine oma gepflegt zuhause,und würde dir raten dich mit der Krankenkasse in verbindung zu setzen,da kann man ein Pflegebett und Toilettenstuhl usw.beantragen,es kommt drauf an wie schlimm es steht nach dem Schlaganfall,und einen Privaten Pflegedienst würde ich dir auch raten,

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Kommentar von hewil
27.08.2012, 23:56

Ich habe mich etwas schlecht ausgedrückt, sorry. Eigentlich wollte ich mehr wissen wie du es über einen längerem Zeitraum verkraftet hast mit allen hoch und tiefs. Rundherum ist mein Mann bestens versorgt, ich habe auch 20 Jahre in der Pflege gearbeitet und nehme auch alle Hilfe an die sich ergibt.

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Hallo, 

wir pflegen meine Mutter nach einem Schlaganfall zu Hause. Alleine war das für mich nicht möglich, da ich sonst meinen Job hätte aufgeben müssen. Ich habe dann eine Pflegekraft aus Polen engagiert und so schaffen wir es ganz gut, wobei meine Mutter aber auch noch viel selbst machen kann und eher auf Unterstützung und nicht Pflege angewiesen ist.

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Hallo hewil,

was ich Dir als Vitalitätstrainer raten kann, ist auf jeden Fall nach einem Schlaganfall wichtig.

Als erste Maßnahme die normale Pflege und Versorgung, was Du ja schon machst. Das Zweite ist die Regenerierungsphase bzw. die Prävention. Und gerade hier liegt oft ein ganz großes Übel!!!

Was hier als guter Aufbau und optimaler Verbesserungsvorschlag von mir empfohlen werden kann, ist L-Arginin in natürlicher Form, mit vielen versch. B-Vitaminen u.u.u.u.. Mehr kann ich hier nicht antworten. Möchtest Du mehr dazu erfahren, dann geh auf mein Profil, oder schick mir ein Mail.

Herzliche Grüße aus dem Allgäu

Max Herz

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hallo, ich bin selber ein pflegi (weiblich 50, ms, ps III) und werde zu hause gepflegt. ich antworte zusagen von der anderen bettseite. das beeindruckendste für mich bei meinem freund ist für mich, dass er ganz klar grenzen zieht. männer können das anscheinend, und das empfehle ich dir auch. er ist mein freund, nicht mein pfleger, das ist unser motto. also es kommt ein pflegedienst und versorgt mich mehrmals am tag. mein freund pflegt mich ergänzend, da ist er sehr tapfer, und macht essen, füttern und den ganzen haushalt.Er ist voll berufstätig, wenn er heimkommt, sind das noch vier stunden arbeit am tag. wir haben einmal die woche eine haushaltshile für putzen und bügeln. er macht alles für mich, aber ER hat seine grenzen abgesteckt, was er macht und was nicht, und dass er gehorsam und dankbarkeit und mitmachen erwartet. er macht weiter seinen job, er hat zwei komplett freie tage in der woche, da muss ich tapfer alleine bleiben, er macht zweimal alleine urlaub im jahr (seit ich nicht mehr mit kann). und das finde ich alles sehr gut!

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Kommentar von hewil
02.09.2012, 18:34

Meine Arbeit mußte ich aufgeben. Ich bin gerne für meinen Mann da. Zeitweise kommt man an seine Grenzen, aber ich habe alles an Hilfe was ich bekommen kann in Anspruch genommen. Außerdem habe ich von meiner Familie große Hilfe und das nicht nur wenn mal jemand gerade dran denkt sondern regelmäßig über diese inzwischen schon 8 Monate. Dir wünsch ich viel Kraft und haltet weiter so gut zusammen.LG :-) hewil

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Liebe hewil, die herzlich seelische Liebe ist für dich und ihn an erster Stelle zu praktizieren.Es ist nicht so einfach, aber ohne sie machst du es dir nur unnötig schwer. Sei froh das er keine Aphasie zu beheben hat. Ich hatte als 2. Schritt mich mit der Ernährung befasst, weil dies unser größtes Übel ist. Die macht der Gewohnheit zu überwinden und ihn in Liebe auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen, dass erst mal der Körper innerlich gereingt werden muß usw.(Fasten haben wir auch gemacht).Nimm dir die Zeit aus meinen Antworten das heraus zu finden was für dich neu ist." Deine Gedanken gestalten Dir Dein Leben, so wie du es lebst", sagte unser Freund, so wie Paracelsus sagte:"Jede Krankhei ist heilbar, nur nicht jeder Mensch!" Als Nahrungsergänzungsmittel nehmen wir Apha-Klamath Algen gefrier getrocknet. Viele gute Gedanken wünschend und vielleicht auch noch Fragen.

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