Wer hat eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach und kann mir Infos darüber geben?

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2 Antworten

Hey Zeitfresser,

grundsätzlich ist das ja ein Rechenbeispiel. Rein wirtschaftlich betrachtet ist es bei aktuellen Investitionskosten für Speicher eher unwahrscheinlich, dass sich das lohnt - zumindest aktuell. Ökologisch gesehen ist das natürlich auch ein Argument, Unabhängigkeit hingegen nur bedingt, aber darauf will ich später zurückkommen.

Erste Frage: Lohnt sich eine PV-Anlage? Hängt natürlich von den Kosten und der Leistung der Anlage ab sowie der Möglichkeit die erzeugte Energie selbst zu verbrauchen. In Norddeutschland erzeugt eine Anlage je kWp im Jahr etwa 850 - 950 kWh. Ein kW kostet vielleicht 1.500 €. EEG-Förderung gibt es etwa 20 Jahre und wir gehen davon aus, dass heutige Anlage das zumindest halten zeitlich gesehen. Jetzt baust du also 3 kW auf das Dach und bezahlst 4.500 €. Wenn ich das mit Annuität auf 20 Jahre rechne, komme ich auf 249,37 € im Jahr bei 1 % Zins. Das sind fixe Kosten und somit unveränderlich.


Im Schnitt liegt der Eigenverbrauchsanteil etwa bei 30 %, hängt aber natürlich stark von der spezifischen Leistung der Anlage ab sowie von deiner Verbrauchsmenge und den Zeitraum des Verbrauchs. Wenn du also mit 3 KW im Jahr 2.700 kWh erzeugst, liegt der Eigenverbrauch bei etwa 810 kWh. Ich gehe davon aus, dass bei so einer kleinen Anlage in der Regel der Anteil etwas höher liegt als der Schnitt und rechne mal mit 1.000 kWh. Für 1.000 kWh sparst du ja die Bezugskosten aus dem Netz für etwa 25 ct. Das ergibt dann etwa 250 € im Jahr. Die restlichen 1.700 kWh speist du ein und erhälst dafür die EEG-Vergütung (aktuell bei etwa 12 ct - der Satz bleibt auch 20 Jahre lang gleich und gilt ab Inbetriebnahme der Anlage). Das ergibt etwa 204 €. Somit macht das einen Erlös von 454 im Jahr und dagegen sprechen knapp 250 € im Jahr an Kosten, was einen Überschuss von 204 €, die dann für Wartung und Reparaturen verwendet werden könnten. Jetzt musst du selber abwiegen. Sinkt der Eigenverbrauchsanteil, wird das weniger, steigt er, bleibt sozusagen mehr übrig.

Zweite Frage: Lohnt denn auch ein Speicher?

Ein Speicher sorgt ja im Prinzip dafür, dass die Erzeugung der Photovoltaikanlage zeitlich verschoben genutzt werden kann. Man muss aber auch bedenken: Auch so hast du schon einen Teil an Selbstverbrauch aus der Anlage und aktuell ist es noch so, dass man für die Einspeisung in das Energienetz (also der Teil, der nicht verbraucht werden kann) auch noch Geld bekommt (aktuell ja etwa 12 ct/kWh).

Das wäre also die Erlösseite, wenn du keinen Speicher hättest:

Strompreis x prognostizierte Eigenverbrauchsmenge (ohne Speicher) + Einspeisemenge x EEG-Förderung (die 12 ct)

Eigenverbrauchsmenge und Einspeisemenge ergeben logischerweise die Erzeugungsmenge der Anlage. EEG-Umlagekosten lasse ich jetzt mal weg. Diese entfällt bei Anlage unter 10 kW und ich schätze mal, dass es sich nicht über diese Grenze bei dir bewegen wird.

Nehmen wir an mit einen Stromspeicher würde man jetzt so 90 % selber verbrauchen können (hängt natürlich von der Dimensionierung des Speichers und der Anlage ab), so würde man natürlich die Eigenverbrauchsmenge erhöhen und die Einspeisemenge in das Netz verringern (die Erzeugung der Anlage bleibt zwar gleich, allerdings gibt es Verluste im Speicher. Bei der Lithium-Ionen-Technik habe ich zuletzt Nutzungsgrade von 95 % gelesen).

Man rechnet also für die Erlösseite:

Strompreis x prognostizierte Eigenverbrauchsmenge (mit Speicher) + Einspeisemenge x EEG-Förderung (die 12 ct)

Diese Mengen ergeben zusammen dann nicht die Erzeugungsmenge, sondern nur 95 % davon oder eben den Nutzungsgrad der Anlage. Da die Eigenverbrauchsmenge aber steigt und die Stromkosten für den bezug höher wären als die EEG-Förderung, wäre die Erlösseite tatsächlich größer.

Wenn man aber von Erlösen spricht, müssen wir jetzt aber die Kosten für den Speicher gegenrechnen. Nehmen wir an ein Speicher kostet mit Einbau und allem 8.000 € und dieser Speicher hält 10 Jahre, dann muss ich erst mal die Annuität dafür ausrechen (wie man das als Kaufmann halt so macht :D), dann komme ich auf Kosten im Jahr von 844,66 € im Jahr, wenn ich mit einem Zinssatz von 1 % rechne. Wenn die Erlösseiten mit und ohne Speicher untereinander keine Differenz in dieser Größenordnung haben, kann man das ohnehin schon vergessen. Dazu muss man bedenken, dass der Speicher eventuell gewartet oder repariert werden muss - also weitere laufende Kosten hat.

Ich vermute daher, dass bei den meisten wirtschaftlichen Überlegungen da eher rote Zahlen am Ende rauskommen, wenn es um die Frage Speicher geht. Zumindest noch. Werden die Speicher günstiger und fällt die EEG-Vergütung weg und steigt der Strompreis im Bezug, kann sich das natürlich ändern.

Zum Thema Abhängigkeit


Oft wird mit Autarkie geworben, als Katastrophenschutzmaßnahme gegen bundesweite Blackouts usw., aber das ist in den meisten Konstellationen völliger Quatsch (wenn man nicht gerade einen Dieselgenerator vor Ort hat und Elektriker-Kenntnisse). Wenn keine Spannung im Netz ist, wird auch der Speicher und die PV-Anlage keine Energie erzeugen. Ich bin zu wenig Techniker um das zu erklären, aber im Falle eines Blackouts würde man auch mit PV-Anlage und Speicher im Dunkeln sitzen. Anders wäre das bei Konstellationen mit einem Notstromaggregat und wenn man in der Lage ist das Hausnetz vom öffentlichen Netz zu trennen.

Zur Ökologie kann ich nicht allzu viel sicheres sagen. Ich kenne den ökologischen Footprint von Solaranlagen und Lithium-Ionen-Akkumulatoren nicht.

Ich hoffe das hilft dir halbwegs weiter und du kannst das verstehen, was ich da zusammengeschrieben habe. Sonst frag ruhig - ich versuche zeitnah zu antworten.

Gruß Lynx

Hi zeitfresser,

grundsätzlich macht so eine Anlage Sinn. In Kombination mit einem Speicher, kannst du natürlich ziemlich gut auch über Nacht Strom für Gefrierschränke, Router, Geräte im Stand-by usw. nutzen. Den gewonnenen Strom ins Netz einzuspeisen, ist leider nicht mehr so lukrativ wie vor einigen Jahren. 

Vielleicht schaust du dir auch mal Solarthermieanlagen fürs Haus an. Damit drückst du deine Kosten für Warmwasser und evtl. Heizung (je nachdem, womit du heizt). Zwar hast du damit keine Möglichkeiten direkt Geld zurückzugewinnen, aber dafür sparst du an anderer Stelle unter Umständen mehr. 

Die Verbraucherzentrale für Energieberatung kann dir da am allerbesten weiterhelfen. Die Beratung da ist für den Fall telefonisch möglich, kostenlos und du kriegst die besten Antworten, die du erhalten kannst. Auch von unabhängigen Experten, die dir nichts verkaufen wollen (falls der Link nicht angezeigt wird, google einfach nach verbraucherzentrale energieberatung):

www[.]verbraucherzentrale-energieberatung[.]de/beratungsstellensuche_plz.php

Viel Erfolg und Grüße 
Team Fertighausde 

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