Wer genau hat Rechte an einem Buch, wo kann man das herausfinden?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

In einer Abmahnung muss der Abmahnende nichts beweisen, auch nicht, dass er der Rechte-Inhaber ist an den Werken, die genutzt wurden vom Abgemahnten - das bleibt einem späteren Gerichtsverfahren vorbehalten, falls es soweit kommt.

So kann es sein, dass als Beweis eine Reihe von 27 Aktenordnern herhalten muss, die die Erbfolge nach dem Tode des Urhebers nachvollziehbar macht: Diese Ordner kann man dem Gericht vorführen, muss man aber nicht dem Abgemahnten zusenden :-). Dito bei Firmenübergängen durch Erbschaften, Verkäufe und so weiter.

Denn das Wesen einer Abmahnung ist eben, dass damit eine aufwändigere und teurere Gerichtsprozedur vermieden werden kann, ja sogar soll, wenn auch nicht muss. Jedenfalls schreibt der Gesetzgeber von "Soll" in UrhG § 97a Abmahnung:

"(1) Der Verletzte soll den Verletzer vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens auf Unterlassung abmahnen und ihm Gelegenheit geben, den Streit durch Abgabe einer mit einer angemessenen Vertragsstrafe bewehrten Unterlassungsverpflichtung beizulegen. Soweit die Abmahnung berechtigt ist, kann der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangt werden."

Nun zum Urheberrecht an Gebrauchstexten. Wenn der Pharmakologe Dr. X schreibt, "Beim Mittel Y kann es zu Erbrechen kommen", dann erfüllt dieser lapidare Satz vor keinem Gericht der Welt das Kriterium für einen urheberrechtlich geschützten Text nach § 2 UrhG!

Denn es mangelt diesem Text schlicht an der für einen Schutz nötigen "Schöpfungshöhe"! (Bitte googeln!) Ob sich dies ändert, wenn noch ein paar solcher lapidarer Sätze folgen, bezweifelte zumindest mal der Bundesgerichtshof (BGH) laut diesem Zitat:

"Gebrauchsanweisungen und Merkblätter müssen jedoch besonders viel Phantasie und Gestaltungskraft aufweisen, so der BGH (Haben Sie schon einmal eine phantasievolle Gebrauchsanweisung gesehen?)." http://www.internetrecht-rostock.de/foto-text-urheberrecht.htm

Anders kann es ausschauen, wenn eine ganze Reihe von lapidaren Texten kunstvoll, schöpferisch zusammengefügt wird zu einem dieser "§ 4 Sammelwerke und Datenbankwerke" laut UrhG. Dadurch kann ein Schutz entstehen, selbst wenn die lapidaren Einzelteile der Sammlung selbst gar keinen Schutz genießen.

Auch das kann man in seiner Replik auf eine Abmahnung bestreiten, ebenso wie die Schöpfungshöhe der Einzelteile an sich - also der lapidaren Gebrauchstexte á la "Man muss den Nippel durch die Lasche ziehen" oder "Bei Gewitter ist mit Blitzschlag zu rechnen" oder "Eine Überdosis kann tödlich enden".

Mit, wie immer, schwer vorhersehbarem Ausgang. Aber bekanntlich mindert ein guter Bluff zumindest die Preise ;-). Und zudem wurde hier noch gar nicht das Zitatrecht nach § 51 UrhG erwähnt, das unter gewissen Umständen die Verwendung geschützter Texte ohne Zustimmung der Rechte-Inhaber zulässt.

Gruß aus Berlin, Gerd

hakebeilchen 28.04.2012, 09:22

Vielen herzlichen Dank! Diese Antwort hilft mir in Moment sehr.

Die haben jetzt augerechnet, dass ich nach dem Journalisten Tarif an die 17-18 Tausend Euro zahlen sollte. Es ist natürlich lächerlich solche Texte als Texte eines Journalisten zu bezeichnen. Wenn überhaupt handelt es sich um Werbetexte. Es ist völlig egal, was da steht, denn es handelt sich um "Esoterische" Texte, de Wirkung ist in keinem der Fälle nachweisbar, aber auch nicht bestreitbar, alles frei nach dem Motto: Wirkung ist dann gegeben, wenn es heilt. Wir alle Wissen, dass der Glaube manchmal Berge versetzen kann... Und die Wirkungen betrafen vorwiegend das Befinden. (Hilft gegen Schuldgefühle, oder macht fröhlich..., die Körperlichen Beschreibungen habe ich weggelassen, denn da könnte es ernst werden.) Es handelt sich um Beschreibungen in ca. 40-50 Fällen, jeweils 1-2 Sätze, auf meiner Seite ist dann ein Link, der zu den Büchern führt und diese werden über Amazon verkauft. Auf der Seite "Bücher" stehen dann einige Bücher zu dem Thema. Leider habe ich versäumt dieses EINE Buch speziell hervorzuheben, oder den Zitaten einen Vermerk zu verpassen: aus dem Buch XY.

p.s. Wenn Dich der Fall interessiert, kann ich Dir in einer persönlichen mail mehr erzählen.

0
GerdausBerlin 28.04.2012, 23:17
@hakebeilchen

Leider habe ich versäumt dieses EINE Buch speziell hervorzuheben, oder den Zitaten einen Vermerk zu verpassen: aus dem Buch XY.

Das ist natürlich ein Verstoß gegen das Urheberrecht, wenn A) der zitierte Text geschützt ist und wenn B) eine Quellenangabe fehlt:

UrhG § 63 Quellenangabe - "(1) Wenn ein Werk oder ein Teil eines Werkes in den Fällen des § ... 51... vervielfältigt wird, ist stets die Quelle deutlich anzugeben."

Gruß aus Berlin, Gerd

0
hakebeilchen 29.04.2012, 10:37
@GerdausBerlin

Es ist leider noch komplizierter: Diese Texte habe ich nicht aus diesem Buch übernommen, sondern von einer anderen Webseite, die heute nicht mehr existiert, die man aber noch u. U. finden kann, zumindest ein paar Teile davon. Bei dem Anbieter hab ich schon mal einiges gekauft, die Texte standen auf seiner Homepage… Das machte ich nur in diesem einem Fall. (Asche auf mein Haupt). Selbst, wenn ich das also gekennzeichnet hätte…

Diese Texte sind eigentlich ziemlich unwichtig. Entweder besorgt man sich ein Buch um mehr zu erfahren, oder man interessiert sich sehr wenig für das Thema. Aus den 3 Sätzen kann man nicht auf das Produkt schließen.

Das ist wie z. B. die Beschreibung der Bachblüten. Die Beschreibung der möglichen Wirkungen, haben diejenigen, die sie auf ihren Seiten einbinden, nicht erfunden. Selbst wenn man mit viel Fantasie dran geht, die Eckpunkte bleiben stehen.

Ich habe im Internet meine Texte auch schon einige male (Wort für Wort) gefunden. Dann schrieb ich denjenigen an, hob den Zeigerfinger, machte "Du, Du, Du…" und das war´s. Aber diese UG möchte sich sanieren ;). Für ca. 130 Sätze mehrere Tausend… Dabei hat genau die Seite, die sie abmahnen, kaum Besucher.

0
GerdausBerlin 30.04.2012, 01:13
@hakebeilchen

Ob ein Text die nötige Schöpfungshöhe erreicht, um geschützt zu sein als Werk, das können wir hier diskutieren - dennoch entscheidet darüber ein angerufenes Gericht, und das kostet Geld, wenn man verliert.

Das Selbe gilt für die Höhe des Schadensersatzes. Fordert ein Geschädigter für die unerlaubte Nutzung seines geschützten Werkes 10.000,- und das Gericht billigt ihm nur 2.000,- zu, dann zahlt der Geschädigte rund 80 % der Verfahrenskosten - der beklagte Textdieb nur 20 % + die 2.000,- Schadensersatz, zu dem er verurteilt wurde. Grob gesagt.

§ 97 UrhG Absatz 2 Satz 3 sagt dazu: "Der Schadensersatzanspruch kann auch auf der Grundlage des Betrages berechnet werden, den der Verletzer als angemessene Vergütung hätte entrichten müssen, wenn er die Erlaubnis zur Nutzung des verletzten Rechts eingeholt hätte."

Was angemessen ist, steht in UrhG §§ 32 ff. Dazu hilft eher ein Tarifvertrag als eine Website mit teilweisen Dumping-Honoraren wie diese da: http://www.journalismus.com/job/honorare/online.php?s=_

Aber nehmen wir daraus die 20 Euro pro Zeichen der Telekom, dann wären 130 Sätze á 50 Zeichen = 6.500 Zeichen mal 20 Euro = 130.000 Euro. Beim ZDF kriegt man laut dieser Quelle nur 250,-, also "250 EUR/ Text, etwa 9000 Zeichen (mit Leerzeichen), drei Seiten".

Dass die beklaute Quell-Seite wenig besucht ist, spielt dabei überhaupt keine Rolex, sowenig wie der Umstand, dass man selbst noch viele, viele Seiten dazugeschrieben hat.

Gruß aus Berlin, Gerd

0
hakebeilchen 30.04.2012, 08:46
@GerdausBerlin

Danke und noch mal danke.

Dann bleibt nur abzuwarten. In meinen Augen handelt es sich in diesem Fall, bei diesen Texten nicht um Journalismus. Aber vor dem Gericht und im Krankenhaus sind wir bekanntlich in Gottes Händen.

Nur noch eine Korrektur: die Seite die so wenig Besucher hat, ist die beklagte Seite, also meine Seite, es ist nicht die Quell-Seite. Das wollte er noch dazu hochrechnen.

0

ich dachte aber, dass ich diese kurzen Texte ausreichend geändert habe.

was erst Recht ein Urheberrechtsverstoß darstellt...!

Es spielt keine Rolle ob das nun eine UG oder eine GmbH ist - was zählt ist wer die Rechte vertritt an den Werken. Hat bspw die UG ein ausschließliches Nutzungsrecht von der GmbH erhalten - was du nicht prüfen kannst - so ist die UG berechtigt die Interessen zu vertreten, auch wenn die GmbH der eigentliche Urheber ist.

Du kannst also aufhören dir darüber den Kopf zu zerbrechen, akzeptiere die Abmahnung und tue Buße...

hakebeilchen 27.04.2012, 19:18

Nun ja, Buse tue ich schon.

Die Sache ist so: es stehen kurze Texte - 1-2 Sätze (wie bei den Medikamenten die Beschreibung) um die Bücher, aus den diese Texte stammen, zu verkaufen. Es ist eigentlich ein Werbetext für die Bücher... Dafür holte ich mir normalerweise jedesmal eine Genehmigung. Nur hier wurde es einfach vergessen. In dem Fall wäre besser die Texte abzuändern, denn ich kann die Wirkunngen nicht aus der Fantasie schreiben.

0

Am besten suchst du einen Rechtsanwalt auf!

hakebeilchen 27.04.2012, 12:40

Das habe ich schon getan. Erst will er die Unterlassungserklärung abgeben.... Aber wenn die UG die Rechte nicht besitzt, können wir uns das Ganze vielleicht sparen. Daher wäre enorm wichtig für mich - wo ich das herausfinden könnte, wer genau die Rechte besitzt, schon allein um ein wenig schlafen zu können. ;) (Bis jetzt habe ich nur mit der Sekretärin gesprochen..., die Unterlagen habe ich bei dem Anwalt eingereicht, er muss sie noch durchsehen.)

0

Hat bspw die UG ein ausschließliches Nutzungsrecht von der GmbH erhalten - was du nicht prüfen kannst....< genau das versuche ich aber herauszufinden. Hat sie diese Rechte bekommen? Das kann man nicht feststellen?

Buße tue ich schon.

Und die Texte: es handelt sich um 1-2 Sätze...es ist eine Beschreibung, wie z.B. bei einem Medikament, wo die Wirkung beschrieben ist. Da kann man auch nicht absolut frei texten, also kommt nur eine Abwandlung infrage. Und eigentlich werden diese Bücher (auch das erwähnte Buch) durch diese Texte verkauft.

Was möchtest Du wissen?