Wenn wir nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen sind, wie sieht Gott dann aus?

24 Antworten

Hallo Montschitschi,

das Wort "Ebenbild" bezieht sich natürlich nicht auf die äußere Erscheinung; sonst müsste Gott ja wie wir aus Fleisch und Blut bestehen. Es geht lediglich um gewisse Eigenschaften wie Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit, Güte usw. in denen wir Gott gleichen.

Die Bibel sagt: "Gott ist ein Geist" (Johannes 4:24). Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott einen Körper besitzt, der sich in seiner Art von dem materieller Geschöpfe unterscheidet und für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Seine Macht und Kraft ist zwar unendlich größer als die von uns Menschen, dennoch ist Gott nicht nur eine unpersönliche Kraft. Er ist ein Wesen mit menschlichen Gefühlen wie wir. Das geht z. B. aus folgender Aussage der Bibel hervor: "Wie oft rebellierten sie gegen ihn in der Wildnis, Immer wieder kränkten sie ihn in der Wüste! Und immer wieder stellten sie Gott auf die Probe, und dem Heiligen Israels bereiteten sie Schmerz." (Psalm 78:40,41). An anderer Stelle heißt es: "Während all ihrer Bedrängnis war es für ihn bedrängend. Und sein persönlicher Bote, er rettete sie. In seiner Liebe und in seinem Mitleid kaufte er selbst sie zurück, und er hob sie dann empor und trug sie all die Tage von alters her. (Jesaja 63:9).

LG Philipp

Elohim ist ein Pluralwort und erlaubt schon deshalb keine geschlechtliche Zuordnung. Folgt man Paul Hengge, wollten die Autoren damit die Unbegreiflichkeit der Naturkräfte zum Ausdruck bringen. Die Übersetzung mit Ebenbild vermittelt den irrigen Eindruck von Gleichwertigkeit. Das hebräische tselem bezeichnet aber etwas Schattenhaftes. Von elohim ist im Menschen also nicht mehr zu erkennen, als ein Schatten, eine Ahnung. Aber dazu gleich mehr. Das Wort Rippe suchst du hingegen vergeblich, sowohl im Schöpfungsbericht als auch in der Paradiesgeschichte. YHWH taucht im Schöpfungsbericht erst ganz zum Schluss auf, bei der Zusammenfassung des Berichts (Gen. 2.4). Als die Aussprache von YHWH aufgrund eines Gelehrtenstreits verboten wurde, wurde es durch adonaj (=Herr) ersetzt.

Man muss außerdem berücksichtigen, dass Gen. 1.26 und 1.27 zwei verschiedene Aussagen sind, erkennbar an den verschiedenen Verben. Die vielzitierte Erschaffung des Menschen ist nur der zweite Teil der Menschwerdung, sie meint also nicht die Entstehung des Menschen als Ganzes. "Bara" bedeutet die (relativ) plötzliche Neuentstehung nie dagewesener und einzigartiger Dinge. Für einen "Schöpfungs"bericht sind derartige Vorgänge darin sehr rar. Bara taucht ansonsten nur noch in Gen. 1.1 auf, mit der Entstehung von Raum, Zeit und Materie, und in Gen. 1.21 bei der Entstehung von höherem Leben (Seelen).

In Gen. 1.26 steht als Verb "asah", ein Allerweltswort, welches ganz allgemein die fortlaufende, allmähliche Zubereitung bestehenden Materials ausdrückt. Im Schöpfungsbericht wird es desweiteren bei der Weiterentwicklung der Landtiere verwendet (Gen. 1.25), nachdem diese bereits auf das Festland gekommen waren (1.24). Auch hier wieder zwei verschiedene Aussagen und Vorgänge. Asah kann sich auch auf die Zubereitung eines Gerichts (aus vorhandenen Zutaten) beziehen und wird sogar für Pflanzen verwendet. Bei der Verheißung für Abraham heißt es: "Ich werde eine große Nation aus dir machen." Auch hier wieder kein Schöpfungsakt, sondern allmähliche Werdung.

Wichtig ist auch, dass der Mensch im Schöpfungsbericht wie die anderen Tier- und Pflanzenarten im Kollektiv genannt wird, respektive in unbestimmter Anzahl. Das schließt die beiden Individuen Adam und Eva aus, die ja sowieso erst in der Paradiesgeschichte (Paradies = Einfriedung, Umzäunung, Eingrenzung) auftauchen, als sich das Geschehen geografisch eingrenzt. Erst hier wird ādām zum Personennamen. Der Schöpfungsbericht aber gilt weltweit. Im Lichte des Kontrasts zwischen asah und bara und der fehlenden Optik elohims liegt auf der Hand, dass mit "Abbild Gottes" nur die für den Menschen typische Komponente gemeint sein kann, die nicht nur eine, sondern einen ganzen Strauß an Eigenschaften umfasst: Intelligenz, Personhaftigkeit, logisches Denken, Fähigkeit zur Planung, Reflexionsvermögen, Verantwortung und nicht zuletzt die Fähigkeit zur Religiosität. Nachdem die Begriffe elohim, ādām, asah und bara geklärt sind, kann man sich den Vorgang der Menschwerdung wie folgt vorstellen:

Eine Gruppe gewisser Landtiere wird zu einer menschlichen Gestalt modifiziert und mit kognitiven Fähigkeiten in einzigartiger Konzentration ausgestattet. Daraufhin breitet sie sich kraft ihres Fortpflanzungstriebes über die ganze Erde aus. Diese besonderen Eigenschaften befähigen den Menschen zu seiner herausragenden, dominanten Stellung in der Natur.

Der Bibelkommentar von Dr. John F. Walvoord erklärt dies recht gut:

"Das Leben des Menschen wurde nach dem Bilde Gottes (wörtlich »zum«, d.h. »im Wesen/Geist«) geschaffen (V. 27). Diese Ebenbildlichkeit Gottes wurde nur dem Menschen verliehen (1Mo 2,7). »Bild« (Qelem) wird hier im übertragenen Sinn gebraucht, weil Gott keine menschliche Gestalt hat. Nach dem Bilde Gottes geschaffen zu sein, bedeutet, dass die Menschen, wenn auch unvollkommen und begrenzt, an Gottes Wesen, d.h. an bestimmten Eigenschaften Gottes wie Leben, Persönlichkeit, Wahrheit, Weisheit, Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit teilhaben und dadurch die Fähigkeit zur geistlichen Gemeinschaft mit ihm besitzen.

Gottes Absicht bei der Erschaffung des menschlichen Lebens nach seinem Bild war zielgerichtet. Der Mensch sollte regieren, also die Herrschaft über die Erde ausüben (1Mo 1,26.28). Gottes Herrschaft wurde durch einen »Repräsentanten« ausgeübt. (Die ägyptischen Könige taten später im Götzendienst etwas ähnliches: sie stellten ihre Regierung oder Herrschaft durch Symbolstatuen ihrer selbst dar.) Heute stehen infolge der Sünde nicht mehr alle Dinge unter der Herrschaft des Menschen (Hebr 2,8). Aber Jesus Christus wird bei seinem zweiten Kommen seine Herrschaft über die ganze Erde (Hebr 2,5-8) aufrichten."

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