Wenn wir aussterben, stirbt das Universum mit uns?

11 Antworten

Tote können nichts Wahrnehmen, daher stimmt das schon auf eine gewisse Weise.

Das Universum an sich wird jedoch weiter existieren, egal ob es von irgendwem als solches erkannt werden kann.

Falls du dich dabei auf sowas wie Schrödingers Katze, oder die berühmte Aussage "Ist der Mond wirklich da, wenn niemand hinschaut?" beziehst, verstehst du beides vermutlich nicht voll und ganz.

Hier ein kleiner Crashkurs in Quantenmechanik:

Objekte, welche nicht beobachtet werden, befinden sich in einer Superposition, was bedeutet, dass sie jeden möglichen Zustand gleichzeitig annehmen. Machst du also einen Bottleflip und schaust nach dem Werfen weg (Geräusch ausgenommen), steht und liegt die Flasche gleichzeitig. Siehst du jedoch wieder hin, zerfällt die Superposition und die Flasche wird "gezwungen", einen bestimmten Zustand anzunehmen.

Dieses Prinzip kennen jedoch vermutlich viele, jedoch denken sie nicht weiter. Was ist zum Beispiel, wenn eine andere Person hinschaut, du selber jedoch nicht? Hat die Flasche dann ebenfalls eine Superposition?

Ja, hat sie, in sofern dir die andere Person nicht mitteilt, wie sie die Flasche sieht. In dem Moment in dem sie sieht, wie die Flasche fällt, ist die Person mit der Flasche "verkettet". Das bedeutet, dass sich Flasche und Person in der selben Superposition befinden. Drehst du dich dann auch um, siehst zu das Ergebnis und bist somit ebenfalls mit der Superposition verkettet.

Das ist einfacher zu verstehen als es auf den 1. Blick aussieht.

Ist jetzt jedes Lebewesen ausgelöscht, gibt es keinen Beobachter mehr, der irgendwas beobachten könnte. Währe also das gesamte Universum in einer Superposition und würde jeden möglichen Zustand annehmen?

Nicht mehr als im Moment auch. In der Physik ist es egal, ob der Beobachter ein Lebewesen ist, oder ein Objekt. Es kommt lediglich darauf an, dass das Objekt Informationen (z.B. durch eine Berührung) an ein anderes Objekt abgibt. Sobald das passiert ist, sind beide Objekte in einer gemeinsamen Superposition.

Es würde sich also nichts ändern und alles würde so weiter laufen wie gewohnt.

Ich weiß, dass das Thema recht schwer zu verstehen ist, da es so seltsam und ungewohnt ist, jedoch ist es wahnsinnig spannend, wenn man es einmal verinnerlicht/wirklich verstanden hat.

Hey,

erst einmal ein sehr interessanter Gedanke! Grundlegend liegst du mit dieser Ansicht richtig. Jedes Lebewesen, ob terrestrisch oder nicht, nimmt die Umwelt und damit auch das Universum, sofern es dies denn begreifen kann, unterschiedlich wahr.

Dies liegt darin begründet, dass das Gehirn nur eine Assoziation der eigentlichen, uns umgebenen, Welt erzeugt und unserem Bewusstsein "vorgaukelt". Sollte die Menschheit also eines Tages aussterben, gillt dies auch für den entsprechenden Blickwinkel den die Menschheit, auf das Universum und unsere Welt, hat.

Ich hoffe meine Antwort war hilfreich

LG :)

Woher ich das weiß:Hobby

PS: Ich bin indes auch fest davon überzeugt, dass es sogar zwischen zwei Menschen gewisse, wenn auch minimale, Unterschiede in der Wahrnehmung gibt. Ein Beispiel dafür wären Farben. Bis zu einem bestimmten Zeitalter, waren Menschen nicht fähig die Farbe "Blau" zu erkennen bzw als diese zu klassifizieren. Bis dato wurde "Blau", als eine Art "Grün" wahrgenommen. Es gibt sogar noch indigene Völker, die dies bis heute tun.

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@Exon42

Wenn man irgendwann in der Vergangenheit für die Farbe, die man heute "blau" nennt, noch kein eigenes Wort hatte, bedeutet das noch lange nicht, dass man sie nicht ebenso wahrnehmen konnte (und tatsächlich wahrnahm) wie heute.

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@grtgrt

Das stimmt so nicht, es gibt empirische Untersuchungen die belegen, dass diese Stämme aka Völker, sowie die bisherige Menschheit, tatsächlich nicht in der Lage sind/waren diese Farbe zu erkennen und als eigenständige Farbe zu identifizieren und das liegt nicht am Mangel einer Bezeichnung für Selbige.

Er wird/wurde von ihnen als Grünton wahrgenommen.

LG

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Wenn Blickwinkel aufs Universum sterben (gedankliche Bilder und Deutungen des Universums) berührt das die Existenz des Universums aber rein gar nicht.

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@grtgrt

Das habe ich auch nicht zum Ausdruck gebracht. Ich sprach von der spezifischen Wahrnehmung des Menschen und der Menschheit.

Es gibt aber durchaus auch dahingehend Überlegungen. Albert Einstein hat sich dahingehend, im Rahmen der Quantenphysik, befasst. Ein ganz berühmtes Experiment, was genau diese kuriose Tatsache, des "Verschwindens" bei fehlender Betrachtung, beinhaltet ist das "Doppelspaltexperiment", womit sich die Wissenschaft noch heute befasst.

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@Exon42

Wenn man im Doppelspaltexperiment den "Weg" der Quanten zu beobachten sucht, tut man das, indem man hinter die beiden Spalten Polarisationsfilter setzt, welche durch die Spalten kommendes Licht (spaltenspezifisch) unterschiedlich polarisieren. Um möglichst gute Unterscheidbarkeit zu bekommen, wählt man die Polarisationsebenen dieser beiden Filter so, dass sie senkrecht aufeinander stehen. Dies hat dann zur Folge, dass man keine Interferenz mehr beobachtet (einfach deswegen, weil senkrecht zu einander polarisierte Wellen ja ganz grundsätzlich nicht interferieren können).

Würde man alles auf den Schirm kommende Licht direkt vor dem Schirm durch einen einzigen dritten Polarisationsfilter schicken, würde sich die Interferenz wieder zeigen.

Damit ist klar: Ob Interferenz beobachtet wird oder nicht, hat rein gar nichts damit zu tun, ob menschliches Bewusstsein mit im Spiel ist oder nicht.

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@grtgrt

Damit hast du auch absolut Recht und ist wissenschaftlich korrekt. Ich bezog mich aber auf das Beispiel mit dem Kontext, dass Albert Einstein die weltanschaulichen Konsequenzen der Quantenmechanik nie akzeptieren konnte. "Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?" fragt er polemisch. Schließlich sollen nach Heisenbergs neuer Physik auch Elektronenbahnen erst durch Beobachtung entstehen.

Neben dem Doppelspaltexperiment befasste er sich nämlich auch mit der Nebelkammer, welchen auf ähnlichen bzw. quantenmechanisch gleichen Abläufen/Funktionsweisen beruht. "Wie ist das Phänomen der so genannten Nebelkammer zu erklären?" fragt Einstein weiter. In der Nebelkammer werden die Bahnen von Elementarteilchen sichtbar, ähnlich wie Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel.

Auf diese Frage konzentriert Heisenberg seine Anstrengungen. Was man in der Nebelkammer wirklich beobachtet sind nicht die Elektronen, sondern einzelne Wassertröpfchen, milliardenfach größer als ein Elektron. Die richtige Frage musste also lauten: Kann man in der Quantenmechanik eine Situation darstellen, in der sich ein Elektron ungefähr – das heißt mit einer gewissen Ungenauigkeit an einem gegebenen Ort befindet und dabei wieder ungefähr eine bestimmte Geschwindigkeit besitzt?

Aus diesem Ansatz heraus formuliert Werner Heisenberg seine berühmt gewordene Unschärferelation: Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens kann man nie gleichzeitig genau wissen. Und das bedeutet: Die Berechenbarkeit der Welt hat prinzipiell unüberwindbare Grenzen.

Und darauf beruht auch mehr oder weniger die subversive Fragestellung des Fragestellers. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass das Universum auch ohne uns Existiert. Ich wollte nur einen Denkanstoß liefern und auf diese (falsche) Aussage bzw. Fragestellung von Einstein hinweisen, auf welche die Frage dieses Beitrags abzielt.

PS: Ich freue mich im Übrigen, über die angeregte Unterhaltung 😜

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@Exon42

Es gibt in diesem Zusammenhang keinen Irrtum seitens Einsteins: Er hat nie daran geglaubt, dass die Existenz des Mondes davon abhängig sein könnte, ob ihn jemand beobachtet.

Das Seltsame ist nur, dass viele Physiker (auch Quantenphysiker) den Begriff "Beobachter" jahrzehntelang allzu wörtlich nahmen (einige bis in die 90-er Jahre hinein). Richtig ist: Wo immer das Zusammentreffen zweier Quantensysteme ihren Zustand neu definiert (also abändert), nennt man das eine den "Beobachter" des jeweils anderen.

Kann aber gut sein, dass Einstein das in dieser Klarheit noch nicht erkannt hat. Intuitiv aber war ihm klar, dass die Existzenz des Mondes nicht davon abhängig sein kann, ob ein denkendes Wesen ihn beobachtet.

Lies auch: https://ggreiter.wordpress.com/2014/09/24/der-kollaps-der-wellenfunktion-allzu-oft-missverstanden/ und alle Kommentare dazu.

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@grtgrt

Ich danke dir für die Erläuterung des Begriffes "Beobachter", Im Zusammenhangder Quantenphysik. Dies war mir so und in der Form gänzlich unbekannt. Wenngleich mir das Wirken zweier zusammentreffender Quantensysteme geläufig war. Ich würde sagen, wieder etwas dazu gelernt.

Dennoch möchte ich anmerken, dass du mich augenscheinlich missverstanden hast. Natürlich ist mir bewusst, dass Einstein nie an der Existenz des Mondes gezweifelt hat, weswegen er dies - wie ich auch schrieb - polemisch fragte. Unter Umständen war auch die Bezeichnung "falsche Aussage" ungünstig gewählt, ich bitte dies zu entschuldigen.

Dessen ungeachtet, sollte dieses Beispiel - wie bereit gesagt - lediglich als Denkanstoß dienen und keinesfalls implizieren, dass es sich um den gegenwärtigen Faktizität handelt.

LG

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Du rührst hier an ein Thema, das in der Philosophie tatsächlich eine gewisse Rolle gespielt hat:

https://de.wikipedia.org/wiki/Solipsismus

Mit einem Menschen stirbt jeweils auch die "Welt", die er sich selber als "seine Welt" geschaffen hat. Wir alle haben aber auch schon erlebt, dass dann (wenn ein uns bekannter Mensch stirbt) nicht einfach "die ganze Welt" untergeht.

Nein, wir sind ein viel zu kleiner Bestandteil dieses Universums.

Wenn an einem irre langen, extrem breiten Sandstrand eine Schaufel voll Sand verschwindet, hört dieser Strand doch auch nicht auf zu existieren und die Menschen sind in diesem Universum keine Schaufel voll, eher ein Sandkorn ein einziges.

Vergiss es

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nein, das universum stirbt nicht aus - das säufzt kurz und richtet seinen fokus auf die nächsten faktoren die es verwalten wird.

Das universum ist ein einzigartiges konstrukt in sich - wenn da ein sandkorn in der wüste, oder ein sack reis, oder ein ball in der ecke umkippt, dann macht das nichts aus.

nur in einem abhängigkeitssystem stirbt das eine, durch das ende einer anderen kaskarde aus. In einem sich-selbst-organisierendem-kausalem-system trifft dies nicht zu.

wenn du stirbst - dann ist das ein erheblicher verlust für alles was dein unmittelbares umfeld ausmacht, in jederlei hinsicht auf die komplexität der faktoren die du im universum beeinflussen könntest.

aber wenn du stirbst - dann ändert das absolut nichts am universum und seinem zustand oder seiner aktivität. Es ist nur tragisch, aber nicht faktisch wenn du fehlst in der einen dimension - denn du wirst nicht verloren gehen und in einer anderen dimension wieder erscheinen und mit dem gesamtbild aus raum und zeit, mit dem universum, innerhalb seiner fluktuationen kohärieren.

Auch nicht verstanden :/

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