Wenn Mephisto und Faust sich ineinander verlieben würden...?

4 Antworten

Sehr bizarre Frage. Aber ich denke Mephisto.

Ich meine: Er hat, im Gegensatz zu Faust, unbegrenzt viel Zeit zur Verfügung und kann ihn, würde er die Wette gewinnen, in die Hölle bringen, um ihn dort für immer "zur Verfügung zu haben"

LG

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Habe mir über die Jahre privat viel Wissen angelesen.

Danke für die Antwort :D

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"Der Geist, der stets verneint," ist doch ein Alter Ego des wissenssüchtigen, alten Mannes Faust: "Faustus" heißt auf deutsch "der Begünstigte"; er ist derjenige Mensch, der stets alles besser weiß, besser als alle anderen Menschen wissen will und darf, der von Gott begünstigte Forschergeist, der Geist, der stets "ja, aber" sagt. - Der Geist, der stets bejaht, ist Gretchen; die kindlich einfache Anerkennung des Lebens - ohne bohrende Fragen nach dem Warum, ohne Leugnen einer wahren Antwort. Die weibliche Umarmung alles Lebens... deshalb ist sie die Gerettete, nicht Faustus, nicht Mephisto...

Franz Liszt hat diese Verbindungen in seiner "Eine Faust-Symphonie" (Drei Charakterbilder) musikalisch kongenial (formal in gewisser "Anlehnung" an Beethovens Chorsinfonie mit Schillers Ode "An die Freude") dargestellt - mit dem Schlusschor "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan... usw." (Der letzte Text, das Ende von Goethes Faust II.).

Die Darstellung einer Art Liebe zwischen den Figuren Faust und Mephisto ist aus meiner Sicht folglich "schwierig", beide sind ja die Teile einer einzigen Personifikation, nämlich des Alter Egos Johann Wolfgang Goethes...

Faust ist eher abhängig von Mephisto als umgekehrt, weil er hat ihn ja herbeigerufen. Von daher denke ich, dass es wohl Faust wäre. 

Danke für die Antwort ^^

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@TokyoGhoull

Gern geschehen. :-) Ich meine, dass es so ist, weil in einer Beziehung meist der "ängstlichere" Part, also derjenige, der eher Angst hat, den anderen zu verlieren, mit einem "Geständnis" vorprescht.  ;-) 

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Mephisto ist kein selbständiges (ganzes) Individuum, sondern nur etwas „Halbes“ oder – wie er selbst sagt – „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

Infolgedessen kann man sagen, Mephisto ist eine antreibende Kraft in Faust, die ihn zu einem bestimmten Handeln, und zwar zum Bösen, animiert. Letztlich aber schafft er damit nur etwas Gutes (siehe Gretchens Schicksal; sie wird von Fausts antreibender Kraft zugrunde gerichtet, ist aber dennoch „gerettet“, wie es am Ende von Faust I heißt).

Das „Böse“, zu dem Mephisto den Faust unaufhörlich anstiftet, ist das, was aus der Sicht des „Herrn“ wertlos, hinfällig, hohl, unnütz, niedrig, verderbt ist; aber natürlich auch das Verbrecherische gehört zum „Bösen“ (s. Mephistos Mord an Gretchens Mutter oder in Faust II der Mord an Philemon und Baucis).

Faust soll zu einer niedrigen Gesinnung, zur rein viehischen Lust und zum gemeinen Handeln gegenüber Gretchen verführt werden, und zwar durch diese mephistophelische Kraft in ihm selbst.

Deshalb kann sich Faust nicht in Mephisto verlieben, Mephisto ist bereits ein Teil von Faust.

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