Wenn man zu DDR-Zeiten in den Westen fliehen wollte, konnte man nicht einfach immer weiter in den Osten reisen bis man in West Deutschland angekommen ist?

20 Antworten

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Bis nach Polen konnte man relativ leicht reisen. Allerdings fiel man dort bereits auf, weil man als Deutscher anders gekleidet war. In der Sowjetunion war es nicht möglich einfach in den Zug zu steigen und irgendwo hinzu fahren. Dort wurde man überall kontrolliert. Man wurde auch auf den Inlandsflügen kontrolliert. Hatte man kein Visum, wurde man sofort raus geworfen. Zudem gab es fast nur Gruppenreisen. Trotzdem haben es ein paar Unerschrockene versucht und das Land auf eigene Faust bereist. Allerdings musste man dafür schon recht gut Russisch sprechen und immer eine gute Geschichte auf Lager haben. Ich habe von jemand die Fotos gesehen, der es bis zum Baikalsee geschafft hat. Er ist mit dem Zug gefahren und hat sich unterwegs einfach verschiedenen Reisegruppen angeschlossen. Den Reiseleitern hat er erzählt dass er seine eigene Reisegruppe verloren hat und sie in der nächsten Stadt wieder treffen will. So hat er tausende Kilometer zurück gelegt und kam mit den Reisegruppen unbehelligt durch viele Kontrollen. Am Baikalsee wurde er dann von der Polizei aufgegriffen, weil er allein im Wald gezeltet hat. Den Polizisten hat er genau die gleiche Geschichte von der verlorenen Reisegruppe erzählt. Die haben dann ein wenig herum telefoniert und ihn in das nächste Flugzeug gesetzt. Zuhause wurde er von der Stasi in Empfang genommen und einen Tag lang verhört. Aber ein richtiges Nachspiel hatte die Reise nicht.

Wenn man in den Westen fliehen wollte, dann war die Sowjetunion eine ganz dumme Idee. Denn normalerweise schaffte man es nicht bis zum Baikalsee. Normalerweise war die Reise bereits nach wenigen Kilometern zu Ende. Zudem konnte man auch in Wladiwostok nicht einfach ein Schiff in Richtung Japan besteigen. Auch dort wurden genau wie in der DDR die Schiffe von den Grenzern Tag und Nacht bewacht. Dort konnte man nicht einfach die Gangway hinauf steigen und sich irgendwo an Bord verstecken. Man wusste ja auch gar nicht wo das Schiff hin fährt. Selbst wenn man es in Rostock oder Wismar auf ein Schiff schaffte, wusste man nicht wo es wieder einen Hafen anlaufen würde. Es konnte ja auch sein, dass es nach Leningrad fährt und dann hatte man nichts gewonnen. Dann landete man nur im Knast. Fragen konnte man niemanden. Denn so bald man einen Seemann ansprach, machte man sich verdächtig. Mit einem Schiff abzuhauen, war wirklich nicht so einfach. Schon gar nicht aus der Sowjetunion in den Westen.

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Gab viele gute Antworten :-).

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Nach Russland bzw. in die damalige Sowjetunion hätten sie dich gar nicht erst hereingelassen. Man brauchte dafür ein Visum, das man nur bekam, wenn man entweder zuverlässige Leute kannte, die einen einluden oder wenn man mit einer Reisegruppe reiste. Und dieses Visum galt nur für den vorgemerkten Bezirk, den du nicht verlassen durftest. Einfach in den Zug steigen und von Moskau nach Jaroslawl fahren - das konntest du überhaupt nicht. Ausländern wurde überhaupt kein Ticket erst verkauft. Es sei denn, dein Russisch war so gut und akzentfrei, dass sie nicht bemerkten, dass du Ausländer warst.

Einige Leute schafften es, das System auszutricksen. Sie beantragten z. B. ein Durchreisevisum, das zwar nur 2 Tage galt, das ihnen aber half, erst einmal ins Land zu kommen (aber auch ein Durchreisevisum war schwer zu bekommen). Dann reisten sie auf eigene Faust weiter und gaben bei Kontrollen alle möglichen Papiere ab (z. B. SV-Ausweis, Rezepte usw.), dazu evtl. noch eine Flasche Wodka oder eine Schachtel Westzigaretten, so dass die kontrollierenden Polizisten nicht mehr durchblickten und angesichts des kleinen ökonomischen Hebels auch nicht mehr so genau hinsahen. Wie die beiden, deren Vortrag ich hörte, gereist sind, evtl. per Autostop, das weiß ich nicht mehr. Sie hielten sich in erster Linie in Mittelasien auf (das sind ja heute eigenständige Republiken) und genossen eine überwältigende Gastfreundschaft.

Ein Pfarrer aus Jena reiste ebenfalls regelmäßig in die Sowjetunion - mit Besuchervisum - und setzte dann die Reise nach Belieben fort - einmal bis nach Wladiwostok. Da er akzentfrei Russisch sprach und obendrein während der ganzen Zeit die gleichen Sachen trug (nur Unterwäsche zum Wechseln nahm er mit) fiel er überhaupt nicht auf und konnte ungehindert mit der Bahn reisen. Über seine Reisen hielt er dann zu Hause in Kirchen Dia-Vorträge.

Nach Wladiwostok - erzählte er - kamen regelmäßig japanische Tagesbesucher. Ich glaube aber nicht, dass er ohne die notwendigen Papiere mit ihnen hätte mitreisen können. Denn er sah ganz und gar nicht wie ein Japaner aus.

Wer es bis nach Japan geschafft hätte, hätte dann auch gleich in der deutschen Botschaft einen Pass beantragen und mit dem nächsten Flugzeug nach Deutschland weiterreisen können. Aber wenn du beim Fluchtversuch an der Grenze erwischt wurdest - und das galt für alle Grenzen im Ostblock - gingst du erst einmal für ein paar Jahre ins Gefängnis.

Man konnte nicht einfach nach Polen reisen! Sobald man über eine Grenze wollte - egal, ob nach Polen oder Ungarn oder sonst wohin, wurde strengst kontrolliert und man brauchte eine Ausreisegenehmigung. Die wurde aber in vielen Fällen nicht erteilt oder nur unter Auflagen wie zum Beispiel, dass die Familie zurückbleiben muss.

Ich habe das früher mit Sportlern und Musikern erlebt. So war mein früherer, leider inzwischen verstorbener Reitlehrer Rumäne und hatte in seinem Heimatland ziemlich Probleme. Sein Vater hatte den "Führenden" nicht gepasst, war jahrelang als politischer Gefangener im Gefängnis gewesen, misshandelt worden und kam als gebrochener Mann raus. Darauf meinte seine Frau, dass der Sohn abhauen solle, sonst würde man ihn früher oder später auch fertig machen. Und tatsächlich: Er wurde eines Tages zu einem internationalen Reitturnier nach Aachen eingeladen. Aber natürlich durfte er niemand von seiner Familie mitnehmen und er bekam seinen Pass nicht selbst in die Hand. Da war so ein Aufpasser dabei, der dafür sorgen sollte, dass er in Aachen keinen Kontakt mit Westdeutschen aufnimmt.
Pech für den Aufpasser: Der Reitersmann sprach zwar nicht Deutsch, aber sehr gut Französisch und einigermaßen Englisch. Außerdem war er Jurist und er hatte sich schlau gemacht. Er wusste, dass die Deutschen ihn auch ohne Papiere aufnehmen. Also nutzte er in Aachen auf dem Turnierplatz seine chance. Er ritt seinen Wettbewerb, stieg vor dem Turnierplatz - vor vielen Mitreitern und Zuschauern - vom Pferd und begab sich schnurstracks zu einem der Polizisten, die da rumstanden. Den bat er um politisches Asyl - worauf der (in Aachen kannte man sowas schon) sofort einen Kollegen herbei rief. Sie schützten den Reiter vor seinen Landsleuten und Aufpassern, ein Regierungsbeamter, der gerufen worden war, erklärte den Rumänen, dass der Reiter politisches Asyl habe und die Deutschen ihn beschützen werden - das war's dann erstmal. Aber daraus ergab sich, dass der Reiter erstmal zwei, drei Jahre staatenlos war, dass er nie wieder international reiten konnte (die Rumänen haben ihn nie aus seiner Staatsangehörigkeit entlassen - aus reiner Bösartigkeit. Darum konnte er nicht für Deutschland bei irgendwelchen Wettbewerben starten) und dass er seine Familie in Rumänien nie wieder gesehen hat.Dazu galt sein Examen als Jurist in Deutschland nicht. Er musste erstmal Deutsch lernen und dann hätte er theoretisch noch einmal studieren müssen. Hat er nicht gemacht - er hat eine Deutsche geheiratet und dann als Reiter gearbeitet. Aber es hat natürlich Mut dazu gehört, so neu anzufangen.

Ein anderer Fall: Russe, Musiker, Konzertmeister eines nicht ganz unbekannten russischen Orchesters, verheiratet, zum Glück keine Kinder. Sein Orchester ging mit 120 Mann in den Westen auf Konzertreise - das übliche Spiel: Pass abgeben, ein politischer Aufpasser war immer dabei. Allerdings hatten die Russkis beim Konzertmeister einen Fehler gemacht: Seine Frau war Ingenieurin und die war zu der Zeit in Ägypten mit einem Projekt.
Er ist in Wiesbaden nach einem Konzert abgehauen, zur Polizei gegangen und hat um politisches Asyl gebeten. Dann hat erseine Frau in Ägypten angerufen, worauf die bei Nacht und Nebel aus ihrem Hotel zur deutschen Botschaft fuhr und dort ebenfalls um politisches Asyl bat. Aber auch in dem Fall: Die hatten absolut nichts außer den Klamotten, die sie am Leib trugen und er noch seine Geige. Und damit mussten sie dann im Westen ganz neu anfangen. Und sie mussten davon ausgehen, dass ihre zurück gebliebene Familie in Russland Ärger bekam.

Einen "Normalbürger" ließ man im Ostblock aber erst gar nicht ausreisen - wie hätte er also abhauen sollen? Er hatte nur die Chance, irgendwie über die Grenze zu kommen und das war in den meisten Fällen mit Lebensgefahr verbunden.

Welche Länder umfasst "Der Westen"?

Man hört ja ständisch geographische Bezeichnungen, wie: Der nahe Osten, Mittlerer Osten, Maghreb, Abendland etc. etc... Nur den Westen kenne ich nicht genau. Ich weiß, dass damit die westlichen Länder Europas bezeichnet werden, doch wo hört der Westen auf? Bezieht sich "der Westen" auch auf die USA in einem anderen Sinn und Zusammenhang?

Fettgedrückte Sätze sollen nicht ein Schrei symbolieren :D

Ich bedanke mich im Voraus

MfG

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