Wenn man stolz ist ein Deutscher zu sein, ist man gleich ein Nazi?

17 Antworten

Ich würde so jemanden eher als Idioten bezeichnen. Schließlich ist "deutsch" zu sein nichts, worauf man sich etwas einbilden könnte. Man hat schließlich als gebürtiger Deutscher nichts dafür getan, um "deutsch" zu werden, außer dass man als Spermium zuerst an eine Eizelle andocken durfte. Doch diesen "Triumph" kann immerhin jeder Mensch sich auf den Zettel schreiben, dass haben wir früher alle mal geschafft - obwohl ich mich bei so einigen Ewiggestrigen wirklich frage, ob die nicht dabei geschummelt haben. ;-)

"Stolz" sollte man in einer moralisch ehrbaren Weise nur für Dinge empfinden, die man aus eigener Kraft geschafft hat. Das kann alles Mögliche sein: Ein Schulabschluss. Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein absolviertes Studium. Das Erklimmen einer steilen Karriereleiter. Leistungen beim Sport. Ehrenamtliche Arbeit. Kunst... Und man kann natürlich auch stolz auf die Leistungen naher Angehöriger sein, sie dafür loben und ihnen zu verstehen geben, dass man sich für sie freut und ihnen ihre Erfolge gönnt.

In allen anderen Fällen ist Stolz eher eine negative Eigenschaft, wenn es nämlich nichts an Verdiensten gibt, die man selbst dafür aufgebracht hat. Du hast kein Recht, stolz auf deine Hautfarbe, deine ethnische Herkunft, deine Staatsangehörigkeit oder auch deine Religion zu sein, da du in alle diese Dinge ohne etwas dafür zu tun hineingeboren wurdest.

Natürlich kannst du dich für Erfolge deines Landes freuen - egal ob beim Sport, in der Wirtschaft oder sonst wo. Aber diese Erfolge hat dein Staat zum großen Teil auch alle ohne dich gemeistert und ohne dein Mitwirken auf die Reihe bekommen. "Nationalstolz" ist außerdem nicht zu verwechseln mit "Vaterlandsliebe" und "Patriotismus". Natürlich kannst du Zuneigung für deine Heimat empfinden, dich mit ihr verbunden fühlen, sie sogar lieben - aber das ist dann eine ganz andere Ausgangsbasis als der reine Stolz.

Sei also besser stolz auf das, was du selbst leistest. Oder am Besten: Sei überhaupt nicht stolz. Bescheidenheit ist sehr viel edler.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium der Geschichts- und Religionswissenschaften

"Und man kann natürlich auch stolz auf die Leistungen naher Angehöriger sein" Genauso funktioniert Nationalstolz. Man ist Stolz auf die Nation. Klar, an vergangenen Erfolgen hat man nix geleistet, aber aktuell schon. Wir alle sind kleine Glieder und Zahnrädchen in einer riesigen Maschinerie, die wir unsere Nation nennen. Jeder leistet seinen Beitrag so gut er kann um das Leben, das wir führen zu ermöglichen.
Wenn ein Deutscher Sportler bei Olympia Gold holt, ist er auf eine Deutsche Schule gegangen, auf Deutschen Straßen gelaufen und wurde in Deutschen Krankenhäusern versorgt. Lehrer, Straßenbauer, Ärzte, sie alle haben einen Staat geschaffen, in dem sich dieser Sportler entwickeln konnte.
Ich selbst bin tatsächlich stolz auf mein Land, ich bin froh hier leben zu dürfen und meinen Mitmenschen eine Stütze zu sein.

2
@Deepspace69

In diesem Kontext ist das alles ja auch vollkommen okay. Und das ist ein gesunder Nationalstolz, wie ich auch geschrieben habe.

Was aber gar nicht geht: Sich auf die Nationalität etwas einzubilden. Zu denken, weil man Deutscher ist, hätte man Anspruch auf bestimmte Dinge, die der Angehörige einer anderen Nation nicht hat - mal abgesehen von den Dingen, die mit dem deutschen Bürgerrecht automatisch einhergehen. Wenn man meint, etwas besseres zu sein, weil man deutsch ist, oder wenn man sogar noch weiter geht und meint, auf andere Menschen mit anderen Nationalitäten herabzuschauen und sie für weniger wert zu halten - das ist dann nicht mehr gesund, dass ist Nationalchauvinismus und eine der übelsten Formen von Arroganz.

Insbesondere, wenn man eben kein "Rädchen" im System "Deutschland" ist, sondern eher eine Belastung - weil man aus welchen Gründen auch immer keiner der Gesellschaft in irgendeiner Weise zuträglicher Beschäftigung nachgeht, sollte man da besser die Backen halten. Doch interessanterweise kommen die "stolzesten" Deutschen nahezu ausnahmslos aus den Reihen derer, die sich auf sonst etwas in ihrem Leben nicht allzu viel einbilden können.

2

Nein, aber wenn du es so offen präsentierst, ist die Chance hoch als solche wahrgenommen zu werden

natürlich nicht. Man ist ein Nazi, wenn man ein Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie ist. Nur dann. Allerdings finde ich, man kann immer nur stolz sein auf etwas, was man selbst geleistet hat.

Welchem Volk man angehört, das ist keine Eigenleistung, auf die man stolz sein könnte. Andererseits ist das Gehabe, etwa im bunten Milieu, wo man sich schämt ein Deutscher zu sein, ebenso unangebracht und unerträglich.

Sich seinem Volk, dem man angehört, seiner Sprache, seiner Kultur, seiner Geschichte, all seinen Höhen und Tiefen eng verbunden zu fühlen, das ist, wie ich denke, die gesunde Einstellung.

Nein. Solange man andere Kulturen, Religionen und Ausländer toleriert ist alles in Ordnung bzw. solange du nicht auf die Straße gehst und für Hitler betest ist alles gut.

Aber: Ich verstehe nicht warum man auf Deutschland stolz sein sollte. Der 2. Weltkrieg ist noch nicht einmal 80 Jahre her — Natürlich können die Deutschen, also die Nachkommen, nach dem Weltkrieg nichts dafür... Trotzdem ist es traurig, was damals passiert ist. Und das macht den Deutsch-Status extrem hässlich!

Ich bin zwar Deutscher, aber warum soll ich darauf stolz sein. Ich bin auf mich selber stolz auf das was ich geleistet habe, aber das hat nichts mit Deutschland zu tun. Es ist eben Zufall das ich gerade Deutscher bin. Ob einer Deutscher, Russe, Japaner, Inder oder sonst was ist, man sollte immer auf sich selber stolz sein egal wo man her kommt.

Was möchtest Du wissen?